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Generalplanung – das bessere Modell?

Die Hamburger Elbphilharmonie ist eines der aktuellen Bauprojekte, die als Symbole für Terminverzug, Planungschaos und Kostenexplosion in der Öffentlichkeit überaus kontrovers diskutiert werden, ein anderes der Hauptstadtflughafen BER. Die am Bau Beteiligten und die öffentliche Verwaltung als Bauherr schieben sich gegenseitig die Verantwortung für Fehler und Versäumnisse zu. Und in Fachkreisen wird über die Ursachen diskutiert. Hat die Politik als Bauherr versagt? Haben Architekten und Ingenieure die Verzögerungen zu verantworten? Oder liegt der Grund für die auftretenden Schwierigkeiten beim gewählten Planungsmodell?

Lothar Niederberghaus: Mehrwert Generalplanung – Architekten und Ingenieure planen interdisziplinär

Diesen Fragen, vor allem der nach den Vor- und Nachteilen verschiedener Planungsmodelle geht das vor kurzem im Berliner Jovis-Verlag erschienene Buch »Mehrwert Generalplanung« nach, herausgegeben von Lothar Niederberghaus, Geschäftsführer des Planungsbüro agn Niederberghaus & Partner. Der Herausgeber zitiert die Elbphilharmanonie als prominentes Beispiel für die Nachteile von Generalunternehmern und stellt es dem von ihm im Buch propagierten Modell des Architekten als Generalplaner gegenüber. Die Vorteile dieses Planungsansatzes suchen er und weitere Ingenieure seines Büros und externe Autoren anhand von einleitenden Essays zum Thema, Interviews mit Bauherren und Planern sowie Berichten über einzelne Projekte des Büros zu veranschaulichen.

Für Lothar Niederberghaus liegt der wesentliche Vorteil von Generalplanung in der interdisziplinären Zusammenarbeit von Architekten, Ingenieuren und Fachplanern eines Büros über den gesamten Planungs- und Bauprozess hinweg und der sich daraus ergebenden Möglichkeit, flexibel und auf allen Planungsebenen auf Änderungen reagieren zu können, wie er im einleitenden theoretischen Teil des Buches überzeugend erläutert. Dabei grenzt er diesen Planungsansatz von dem des Generalunternehmers ab, der lediglich ein von den Planern zuvor erstelltes Pflichtenheft abarbeitet, sowie dem des Entwurfsarchitekten, der Fachplaner zum Beispiel erst nach einem gewonnenen Wettbewerb, also in einem späteren Planungsstadium ins Boot holt.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2012/1212/lothar-niederberghaus.jpg

Der klaren und nachvollziehbaren Darstellung des Themas im einleitenden Kapitel folgen im Praxisteil, der den Hauptteil des Buches ausmacht, Projektberichte, die leider nur wenig Bezug zum Thema herstellen und stattdessen weitere interessante, hier jedoch ablenkende Nebenthemen wie die Ermittlung von Lebenszykluskosten, die Erstellung von Ökobilanzen oder die Verwendung von Zeichnungen und Skizzen als Kommunikationswerkzeug umfassend erläutern. Beim Lesen vermisst man darüber hinaus eine grafische Aufbereitung des Themas, zum Beispiel ein Organigramm des projektspezifischen Planungsablaufs oder im theoretischen Teil die Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Ansätze.

Aus diesen Gründen kann das Buch den selbst gestellten Anspruch den Mehrwert von Generalplanung zu verdeutlichen, nur teilweise einlösen. Auch als Arbeitsbuch für den Büroalltag ist es wegen seiner mangelnden Übersichtlichkeit nur bedingt zu gebrauchen. Der Verdienst der Veröffentlichung ist es jedoch, das Querschnittsthema Planungsmethodik und Planungsmodelle überhaupt erstmals behandelt zu haben. Ob die Wahl des Modells Generalplanung allein Missmanagement verhindern kann, lässt sich jedoch auch nach der Lektüre bezweifeln, sieht man sich andere prominente Beispiele für Fehlentwicklungen an. So erfolgte bisher auch der Bau des Hautpstadtflughafens BER nach diesem Modell. Ein Buch, welches die individuellen Fallstricke der verschiedenen Planungsansätze analysiert und anhand von Beispielen benennt, lässt weiter auf sich warten.

Lothar Niederberghaus (Hrsg.): „Mehrwert Generalplanung: Architekten und Ingenieure planen interdisziplinär“, Berlin 2012. Fester Einband, 415 Abb., 208 S.

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