Anzeige AZ-A2-728x90 R7
Start Praxis Fachliteratur Wien, das Hamburg des Ostens

Wien, das Hamburg des Ostens

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2015/1508/buch-planen-adolf-hitler-heldenplatz-wien.jpg

Noch bis Mitte August läuft in Wien die Ausstellung »Wien. Die Perlen des Reiches.« Planen für Hitler. »Park Books« gibt zusammen mit dem Architekturzentrum Wien (Az W) einen zugehörigen Katalog heraus, der ein »[...] neues Licht auf eine längst verloren geglaubte Stadtgeschichte wirft und eines der umfassendsten von Wiener Architekten mitentworfenen Bauprogramme des 20. Jahrhunderts dokumentiert.« (S. 28)

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2015/1508/buch-planen-adolf-hitler-neugestaltung-wien.jpg

Dem Leser deutscher Zunge schwingt so manches jahrzehntelang antrainierte Vorurteil mit, sobald das Buchstabenkürzel »NS« auftaucht. Seit einigen Jahren jedoch wird die bußwillige Erwartungshaltung in Sachen Stadt und Architektur zunehmend konterkariert. Hier sei u.a. auf das Buch »Städtebau für Mussolini. Auf der Suche nach der neuen Stadt im faschistischen Italien« hingewiesen, das 2011 erschien; Harald Bodenschatz dokumentierte seinerzeit die Modernität stadtplanerischer Maßnahmen im Zeichen des Rutenbündels (Freilegung von Denkmalzonen, Wohnungsbau, Stadterweiterungen, Sumpftrockenlegungen etc.).

Wien galt den Nationalsozialisten als das »Hamburg des Ostens« und sollte zu einer Zentralstadt Südost- und Mitteleuropas werden. Die Entwicklung der Häfen, Wasserstraßen, Flughäfen, Industriezonen, Siedlungen, Verkehrswege – sprich Infrastruktur – waren daher wichtige Aufgaben. Ein »System der zentralen Orte“ gab den Rahmen, verstreute Kräfte räumlich zu bündeln und der „Gauwirtschaftsplan« wiederum band alle institutionellen und räumlichen Organisationsmaßnahmen zusammen.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2015/1508/buch-planen-adolf-hitler.jpg

Auch funktionalistisch-moderne Stadtplanungsparameter (Durchgrünung, Bandstadt, Auflockerung etc.) fanden in den Raumplanungen eine NS-komforme Umsetzung – freilich stets eingebettet in Visionen, die der Ankündigung Adolf Hitlers folgten, die er am 9. April 1938 während des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich aussprach: »Seien Sie überzeugt: Diese Stadt ist in meinen Augen eine Perle! Ich werde sie in jene Fassung bringen, die dieser Perle würdig ist und sie der Obhut des ganzen Deutschen Reiches, der ganzen Deutschen Nation anvertrauen. Auch diese Stadt wird eine neue Blüte erleben.«

Gesagt, getan. Die Um- bzw. Neugestaltung der Stadt trug den Titel »Groß-Wien«. Sie begann bereits im Oktober 1938 und war zuvörderst charakterisiert durch eine breite Monumentalachse, die über den Donaukanal gezogen wird und in einem Forum mit Kuppelhalle endet – nicht zuletzt folgte dieser Ansatz der Idee, Wien tatsächlich mit der Donau zu verbinden. Ein Bauprogramm wie: Bahnhof, Versammlungshallen, breite Achsen etc. ähneln auch anderen Neuplanungen im 3. Reich und die Schleifung eines vorwiegend von Juden bewohnten Stadtteils erstaunt ebenfalls nicht. Vorgesehen waren auch neue Wohnquartiere, die enge Vernetzung der Verkehrsinfrastruktur mit dem Umland, die Ergänzung der Ringstraße und die Neugestaltung des Helden- und Rathausvorplatzes.

Der Katalog dokumentiert die o.g. Planungen wie auch die für den Siedlungs- und Wohnungsbau anschaulich, stellt Oswald Haerdtl – den deutschen Designer – vor und zeigt auch die gestalterischen Ziele für den „Neuen Osten“ (Bratislava, Prag und Krakau) auf. Ein Block mit gut 50 Seiten Bildern ist das Bindeglied zu einem Interview mit Klaus Steiner. Er hatte seinerzeit dem »Architekturzentrum Wien« eine detaillierte Sammlung nationalsozialistischer Planungen übergeben, die eine neue Perspektive auf die Stadtbaugeschichte Wiens möglich machten. Der Katalog schließt mit zahlreichen biographischen Skizzen damalig beteiligter Stadtplaner und Architekten.

Im Vergleich mit der ästhetischen Rezeption des faschistischen Italien (s.o.) fällt es offenbar immer noch schwerer, den »Nationalurbanismus« ausgewogen und abseits von Stereotypen (Megalomanie etc.) zu betrachten. Hier hebt sich der Band wohltuend ab. Er wirkt im besten Sinne entspannt und zeigt einen (endlich) angemessenen Umgang: »In der Nazizeit und auch danach sind unglaubliche Dinge passiert. Die Leute sollen wissen, wo die Dinge herkommen, auch wenn sie aus der rechten Ecke kommen. Es ist einfach wichtig für die Stadt, ihre Runzeln zu bemerken und sie nicht zu kaschieren.« (S. 195)

Holzschuh, Ingrid/Platzer, Monika (Hrsg.):
Wien. Die Perle des Reiches: Planen für Hitler,
Ausstellungskatalog hrsg. vom Architekturzentrum Wien (Az W), ZürichPark Books, 2015
ISBN 978-3-906027-78-4, 48,00 €

Eduard’s – Lifestyle-Bar von DIA – Dittel Architekten

Eduard’s – Lifestyle-Bar von DIA – Dittel Architekten

DIA – Dittel Architekten entwickelt das Gastronomie-Design sowie Name und Corporate Design der Bar Eduard’s und verantwortet die Ausführung im Dorotheen Quartier in Stuttgart. Benannt nach dem Breuninger-Gründer setzt die neue Lifestyle-Bar ein klares Statement im neuen Viertel.

Enso Sushi & Grill von DIA – Dittel Architekten

Enso Sushi & Grill von DIA – Dittel Architekten

DIA – Dittel Architekten gestaltet und realisiert die Gastronomie Enso Sushi & Grill in exponierter Lage im Dorotheen Quartier in Stuttgart. Das moderne Design ist anspruchsvoll und kreativ wie die asiatisch-europäische Fusion-Küche. Die Neuinterpretation traditioneller Architekturelemente Asien...

Wohnflächen statt Büroflächen

Wohnflächen statt Büroflächen

Um an Standorten, die scheinbar nur für Büroflächen geeignet sind, attraktiven Wohnraum zu schaffen, bedarf es besonderer Konzepte. Ein solches hat das Stuttgarter Architekturbüro Frank Ludwig für die Stuttgarter Olgastraße 87 entworfen: An der belebten innerstädtischen Straße im Zentrum der Schwabe...

Weitere Artikel:

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und jedes Zimmer zeigt sich in einem anderen, meist sehr kräftigen, Ton. Architekt Dirk Michel vertraute dabei auf die ausgewogene Farb...

Wohlfühlen mit Wärmepumpe

Wohlfühlen mit Wärmepumpe

Das zweigeschossige Haus von Melanie und Maik Westphal fügt sich ausgesprochen harmonisch in das 823 Quadratmeter große Hanggrundstück ein. Vorab hatten sie das mit zahlreichen Bäumen bestandene Areal roden müssen, was weitgehend in Eigenleistung geschah. Schon zu Beginn ihres Projektes legte d...

Kalksandstein mit neuen technischen Möglichkeiten

Kalksandstein mit neuen technischen Möglichkeiten

Der Baustoffhersteller Heidelberger Kalksandstein hat technische Grenzen zugunsten des Designs erweitert. Das Produktionsverfahren der Kalksandsteine unterstützt nun den direkten Eingriff durch Architekten und Planer. Dies eröffnet Gestaltern völlig neue Möglichkeiten.

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Wohlfühlen mit Wärmepumpe

Wohlfühlen mit Wärmepumpe

Das zweigeschossige Haus von Melanie und Maik Westphal fügt sich ausgesprochen harmonisch in das 823 Quadratmeter große Hanggrundstück ein. Vorab hatten sie das mit zahlr...

Kalksandstein mit neuen technischen Möglichkeiten

Kalksandstein mit neuen technischen Möglichkeiten

Der Baustoffhersteller Heidelberger Kalksandstein hat technische Grenzen zugunsten des Designs erweitert. Das Produktionsverfahren der Kalksandsteine unterstützt nun den ...

PolygonGarden von HKA Hastrich Keuthage Architekten

PolygonGarden von HKA Hastrich Keuthage Architekten

HKA Hastrich Keuthage Architekten entwickelten für das Projekt »PolygonGarden« eine lange Glasfassade, deren Faltung eine interessant belebte Straßensilhouette erzeugt. D...

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Der Keukenhof in Lisse bei Amsterdam ist das internationale Schaufenster der niederländischen Blumenzucht. In den acht Wochen von Anfang März bis Mitte Mai wird dort geze...

Port House in Antwerpen von Zaha Hadid

Port House in Antwerpen von Zaha Hadid

Mit seinem skulpturellen Design und seiner Höhe von 46 m schon von weitem sichtbar, wurde das Port House im Hafenviertel zu einer neuen Landmark in Antwerpen. Der spektak...

Design- und Funktionsvielfalt an der Tür

Design- und Funktionsvielfalt an der Tür

Der erste Eindruck ist bekanntlich der wichtigste und das neue Türkommunikations-System von Gira hat uns in der Redaktion außerordentlich gut gefallen. Das Gira »System 1...

Designklassiker in Edelstahl

Designklassiker in Edelstahl

Mit dem Schalterprogramm »E2« hat Gira einen modernen Klassiker geschaffen: ein formstrenges, reduziertes Design, das eine kompromisslos klare Aussage macht und zugleich ...

Beleuchtung in der Stadt

Beleuchtung in der Stadt

Die öffentliche Beleuchtung in der Stadt muss unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. Sie soll Straßen und Plätze bei Dunkelheit sicherer machen sowie gleichzeiti...

Hotel aquaTurm mit Photovoltaik-Fassade

Hotel aquaTurm mit Photovoltaik-Fassade

Das weltweit erste Hochhaus, das weniger Energie verbraucht, als es selbst produziert, steht in Radolfzell. Dort hat die Familie Räffle, die zugleich Bauherr und Investor...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.