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Innovative Technologie lässt Entwürfe virtuelle Realität werden

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Das junge Karlsruher Virtual Reality-Unternehmen inreal Technologies hat eine Besonderheit entwickelt, die die Arbeit von Architekten maßgeblich beeinflussen kann. Dank ihrer 3D-Technologie wird es möglich, Bauentwürfe nicht nur in virtuelle Raummodelle zu übertragen, sondern sich in diesen dreidimensionalen Modellen auch interaktiv zu bewegen. Auf der CeBIT 2012 wurde das inreal Terminal erstmals vorgestellt, in dem Anwender mittels einer besonderen Brille in Raumsimulationen eintauchen können – nicht nur auf der CeBIT, sondern auch auf der »Bauen und Wohnen« ein großer Publikumserfolg.

Ende März wurde inreal für diese neuartige Architekturlösung mit dem Preis »Best of 2012« als eines der besten IT-Hardware-Produkte prämiert. Weiterhin wurden die Gründer von inreal Technologies mit einem Innovationspreis des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ausgezeichnet. Einer der führenden Fertighaushersteller, WeberHaus, verwendet das inreal Terminal seit April 2012 mit Erfolg an seinem Hauptsitz in Rheinau-Linx.

Im Gespräch mit Simone Kraft erläutert Thomas Schander, einer der drei Gründer und Geschäftsführer von inreal, die Besonderheiten der neuartigen Technologie, stellt das inreal Terminal vor und erläutert, was in den virtuelle Räumen alles möglich ist.

Interview mit Thomas Schander, Geschäftsführer inreal Technologies GmbH

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Simone Kraft: Auf der CeBIT war der Andrang groß an Ihrem Stand: Mit dem inreal Terminal bieten Sie bisher Ungesehenes – ein virtuelles Raummodell für Architekten. Was kann man sich darunter vorstellen?

Thomas Schander: Auf unserem CeBIT-Stand haben wir unser neu entwickeltes inreal Terminal vorgestellt – eine Weltpremiere! Das Terminal bietet eine Komplettlösung, um in virtuelle Räume einzutauchen und sich darin interaktiv zu bewegen. Der Benutzer trägt eine spezielle Brille, mit der er die virtuellen Entwürfe sehen kann. Da sich vor jedem Auge ein 3D-Display befindet, wird räumliche Wahrnehmung ermöglicht. Hinzu kommt eine eingebaute Sensorik, durch die sich der Anwender in der virtuellen Umgebung frei »bewegen« kann. Er navigiert, indem er auf einen drahtlosen Controller drückt: Per Knopfdruck läuft er in seine virtuelle Blickrichtung.

Speziell für Architekten und Raumplaner bieten wir zum inreal Terminal zusätzlich eine Softwarelösung, durch die sich Oberflächen, Materialien, Möbel und sogar verschiedene Architekturkonfigurationen, etwa Anbauten oder verschiedenen Dachformen, im Raummodell in Echtzeit ändern lassen. Möglich wird dies durch die Bedienung über ein drahtloses Tablet. So lassen sich zum Beispiel Beleuchtungsparameter ändern, während sich der Anwender durch die virtuelle Umgebung bewegt, Schatten und Reflexionen werden in Echtzeit berechnet. Der dreidimensionale Raumeindruck nähert sich dem realen sehr stark an.

Simone Kraft: Wie läuft die Benutzung des inreal Terminals konkret ab?

Thomas Schander: Das Terminal bietet sowohl für den Benutzer als auch für Zuschauer ein 3D-Erlebnis. Der interagierende Benutzer trägt die bereits beschriebene Videobrille, die ihn in virtuelle Umgebungen versetzt. In diesen kann er sich dank des Head-Trackers, einem in der Brille integrierten Bewegungssensor »bewegen«. Dieser Sensor gibt die Kopfbewegungen an die Recheneinheit weiter. Dadurch passt sich das virtuelle Sichtfeld der Blickrichtung an, wie es auch beim realen Sehen geschieht.

Durch das drahtlose Tablet lässt sich die virtuelle Welt außerdem in ihren Parametern verändern – etwa indem die Raumgestaltung oder die Möblierung variiert wird. Das Tablet wird von einer weiteren Person bedient. Sei es Architekt oder Bauberater.

Zuschauer können die virtuellen Aktivitäten des Anwenders auf einem eigenen 42-Zoll großen 3D-Display beobachten, der den auffälligsten Teil des Terminals ausmacht. Sie sehen auf dem Display, was der Benutzer auf der Brille sieht.

Insgesamt ist das Terminal transportabel und kann beispielsweise für Messen und Ausstellungen mit wenigen Handgriffen aufgebaut werden, um den Besuchern besondere virtuelle Seherlebenisse zu bieten.

Simone Kraft: Können auch zwei oder mehr Anwender gleichzeitig mit einer Videobrille interaktiv in der virtuellen Welt unterwegs sein?

Thomas Schander: Ja, das inreal Terminal erlaubt sogar die Verbindung durch mehrere Anwender via Internet. Man sieht den anderen Teilnehmer authentisch in seinem virtuellen Körper.

CEBIT

Simone Kraft: Und wie wird aus meinen Raumentwürfen eine virtuelle Realität im Terminal?

Thomas Schander: Indem Sie uns Ihre CAD-Daten übermitteln, den Rest übernimmt inreal. Wir arbeiten hier mit der Grafiktechnologie der CryEngine3 für eine fotorealistische Darstellung. Auf Grundlage von Planungsdaten fertigen unsere Spezialisten ein virtuelles Modell an, das innerhalb von wenigen Tagen über die Internetverbindung direkt auf Ihr Terminal geladen wird. Dieses ist ein automatisiertes Komplettsystem mit einer sogenannten „Ein-Stecker-Lösung“

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind unbegrenzt: Ganz nach Ihren Wünschen und Vorgaben wird die Ausstattung der virtuellen Räume zusammengestellt – etwa indem unterschiedliche Oberflächenvarianten oder verschiedene Möblierungsmöglichkeiten integriert werden. Der Benutzer kann später durch das Tablet zwischen den diversen Konfigurationen bequem auswählen. Dadurch werden ganz unterschiedliche Raumerlebnisse möglich: Wie sieht das geplante Bauvorhaben mit Parkett aus? Wie ändert sich die Raumwirkung durch eine andere Wandfarbe? Ist die Fensterposition für den Lichteinfall im Sommer am günstigsten? Die Grenze besteht letztendlich in Ihrer eigenen Kreativität.

Simone Kraft: Die Technologie ist vor allem für Architekten und Bauunternehmen zugeschnitten, ihrer Hauptzielgruppe. Welche Vorteile bietet diesen die Arbeit mit inreal?

Thomas Schander: Ja, inreal reagiert besonders auf die Bedürfnisse der Architekturbranche, indem man Räume von Innen und Außen visualisieren kann. Der Vorteil liegt auf der Hand: Bauentwürfe können vor ihrer tatsächlichen Realisierung »begangen« werden. Statt mit Bildern oder Videos zu erklären, können Bauherren ihre künftigen Häuser jetzt ganz individuell erleben. Die Angst vor Missverständnissen und falschen Erwartungen wird minimiert, das Vertrauen in den Architekten steigt. So werden »böse Überraschungen« nach Baufertigstellungen ausgeschlossen und Entscheidungen können in der Planungsphase überarbeitet werden. Die durchweg positiven Reaktionen auf das Terminal haben bisher gezeigt, dass diese Innovation begeistert aufgenommen wird und die Vorteile klar ersichtlich sind.

Daneben ist die Technologie aber auch allgemein für virtuelle Showrooms geeignet, um Produkte und Erlebnisse vorzustellen – die virtuelle Realität bietet nicht nur unbegrenzte Präsentations-, sondern auch Interaktionsmöglichkeiten.

Simone Kraft: Wer steckt hinter inreal?

Thomas Schander: Gegründet wurde inreal Technologies GmbH 2011 von Michael Beyhs, Moritz Luck und mir.

Mittlerweile ist inreal auf derzeit 16 Mitarbeiter gewachsen. Wir beschäftigen hauptsächlich Ingenieure, Softwareentwickler und 3D-Artists. Aufgrund der schnellen Expansion sind wir zum Jahreswechsel in unsere neuen Räumlichkeiten im Herzen von Karlsruhe umgezogen. Hier haben wir mehr Platz für Kreativität, Innovation und Technologie.

Simone Kraft: Zum Abschluss eine letzte Frage: Was ist das Besondere an der inreal Technologie?

Thomas Schander: Unsere Technologie ermöglicht eine Wahrnehmung des Raumgefühls, wie es sonst erst nach Fertigstellung des Rohbaus möglich war. Sie unterstützt die Vorstellungskraft und vermeidet somit Fehlinterpretationen und Missverständnisse.

Kurzum: Das inreal Terminal füllt die Lücke zwischen »Kann ich mir nicht vorstellen« und der Unterschrift unter dem Kaufvertrag!

Simone Kraft: Herr Schander, herzlichen Dank!

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