Anzeige AZ-A2-728x90 R7
Start Praxis Technik Ein Gütesiegel »Made in Germany«

Ein Gütesiegel »Made in Germany«

Deutsches Zertifizierungssystem bewertet die Nachhaltigkeit von Gebäude
Was haben der Neubau des Umweltbundesamtes in Dessau, das ATMOS in München und das SuperCGebäude der RWTH Aachen gemeinsam? Sie sind nicht nur eindrucksvolle Beispiele zeitgenössischer Architektur, sondern wurden auch mit dem Deutschen Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen ausgezeichnet.

Nachhaltigkeit wird für die Bau- und Immobilienwirtschaft immer wichtiger
Die drei Neubauten sind damit unter den ersten dreißig Gebäuden, die mit dem deutschen Qualitätszeichen der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) unter anderem für ihre Umweltfreundlichkeit, ressourcenschonende Bauweise, wirtschaftliche Effizienz sowie für ihre Nutzerfreundlichkeit zertifiziert wurden. Kurz gefasst: Sie gehören zu Gebäuden, die sich durch ihre Nachhaltigkeit auszeichnen und ein Umdenken in der Bau- und Immobilienwirtschaft signalisieren.

Explodierende Energiepreise, Ressourcenverknappung, hohe Kosten im Gebäudebetrieb, um nur einige Gründe zu nennen, führen zu einer zunehmenden Nachfrage nach flexiblen, energiesparenden und langfristig wirtschaftlichen Gebäuden.

Doch welche Kriterien und Anforderungen müssen diese Gebäude erfüllen, um als nachhaltig zu gelten? Wie muss ihre Planung ablaufen, um ein optimales gebautes Ergebnis zu erhalten, das über seinen gesamten Lebenszyklus die gesteckten Nachhaltigkeitsziele erreicht? Wie kann die Qualität der Bauwerke nachvollziehbar und für alle verständlich nachgewiesen werden? Drängende Fragen, die an alle, die an der Planung, Bau und dem Betrieb von Gebäuden beteiligt sind, also Architekten, Ingenieure, Bauunternehmer, Hersteller von Bauprodukten, Investoren und Eigentümer. Die Antwort: Ein Bewertungsverfahren für nachhaltige Gebäude war nötig. Ein zukunftsorientiertes und anpassungsfähiges System, welches Unterstützung in der Planungsphase liefert, die Qualität für ökologisch, ökonomisch und soziokulturell verträgliche Gebäude sichert sowie die Prozesse und Ergebnisse für Vergleiche umfassend dokumentiert.

Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen wird Zentrum für Nachhaltigkeit
Der Startschuss zu einem deutschen Zertifikat für Nachhaltigkeit fiel im Juni 2007, als in Stuttgart die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) gegründet wurde. Dieser gemeinnützige Verein hat sich die Förderung des nachhaltigen Bauens zur Aufgabe gemacht. So konzentriert sich die DGNB unter anderem auf den Ausbau des Umwelt- und Gesundheitsschutzes sowie auf die Förderung soziokultureller Qualitäten im Baubereich. Die Zahl der Mitgliederzahl wächst stetig – Ende Juni 2009 600 Mitglieder – was nach Meinung des DGNB Präsidenten Prof. Dr.-Ing. Werner Sobek klar für den großen Erfolg des Vereins und seiner Arbeit spricht.

Im Mittelpunkt Tätigkeit der DGNB steht die Entwicklung und Vergabe des Gütezeichens für nachhaltiges Bauen, das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen. In Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) wurden in der ersten Entwicklungsphase neue Büro- und Verwaltungsgebäude »nachhaltig« unter die Lupe genommen. Arbeitsgruppen definierten und formulierten alle Kriterien und Anforderungen, die Gebäude für eine positive Bewertung erfüllen müssen.

Das deutsche Gütesiegel für nachhaltige Gebäude – Inhalte, Leistungen
Die Leistungsfähigkeit der Bauwerke wird anhand von sechs Bewertungskriterien untersucht. Berücksichtigt werden hierfür nicht nur ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte, sondern auch die technische Qualität, die Qualität der verschiedenen Prozesse rund um Planung, Bau, Betrieb und Gebäuderückbau sowie die Güte des Standortes (Standortqualität). Die Gebäude erhalten sowohl für Einzelleistungen als für die Gesamtleistung Noten. Um das Endergebnis dieser abstrakten Zahlen anschaulicher zu machen werden bei einer erfolgreichen Zertifizierung Gold-, Silber- oder Bronzemedaillen verliehen. Eine einfache und eindeutige Symbolik, um die Qualität des nachhaltigen Gebäudes zu vermitteln.

Zurzeit laufen die Arbeiten an sechs weiteren Systemvarianten. So werden nun unter anderem auch Kriterienkataloge für den Neubau von Gewerbe-, Industrie- und Bildungsbauten entwickelt, für neue Stadtquartiere oder auch große Wohngebäude. Sobald die Kriterien formuliert sind, können auch Supermärkte, Lagerhallen oder Schulen zertifiziert werden. Ein Gütesiegel für Bestandsbauten ist ebenfalls in der Vorbereitung.
Ob ein Bauherr sein Gebäude zertifizieren und mit dem Gütesiegel auszeichnen lassen möchte, ist ihm überlassen. Eine Verpflichtung besteht nicht. Die Vorzüge des Siegels sind aber klar:
  • Es dokumentiert die hohen Qualitäten des Bauwerks, zeigt seinen positiven Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft sowie seinen hohen Wert und Sicherheit für Nutzer, Betreiber und Eigentümer.
  • Die Zertifizierung unterstützt effizient bei der Planung nachhaltiger Gebäude.
  • Das Gütesiegel trägt entscheidend zur Wertstabilität des Gebäudes bei, indem es alle Phasen des Lebenszyklus eines Gebäudes von der Planung über Herstellung und Betrieb bis zu dessen Rückbau betrachtet. Damit können die Kosten nicht nur für den Bau, sondern auch für den Gebäudebetrieb genau kalkuliert und eingedämmt werden. Der Werterhalt ist vor allem für Verkauf und Vermietung des Gebäudes von großer Bedeutung.
  • Nicht die isolierte Bewertung der Bauteile, Produkte und Elemente ist relevant, sondern das Gebäude wird als Einheit betrachtet und bewertet.
  • Das Prädikat ist »Made in Germany«, was es auch für den internationalen Immobilienmarkt sehr interessant macht. Denn deutsche Wertarbeit am Bau wird weltweit geschätzt. Das Qualitätslabel fördert somit die Attraktivität des deutschen Immobilienmarktes für ausländische Investoren, wird aber auch selbst zunehmend ins Ausland exportiert.
Systeme für Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden weltweit
Das von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen geschaffene Qualitätszeichen ist zwar das erste in Deutschland, aber nicht das einzige Zertifizierungssystem weltweit, auf das die Bau- und Immobilienwirtschaft zurückgreifen kann. Zahlreiche Länder wie Japan, die USA, Frankreich oder Großbritannien haben ein eigenes Gütelabel geschaffen, um die Nachhaltigkeit von Gebäuden zu bewerten. Zum Beispiel ist das US-Zertifikat LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) ein auf dem amerikanischen Markt verbreitetes Instrument, um die nachhaltigen Qualitäten von Bauwerken zu beschreiben und auszuzeichnen.

Diese LEED-zertifizierten, so genannten »Green Buildings«, unterscheiden sich jedoch von Gebäuden, die das deutsche Gütesiegel tragen. LEED und die anderen regional verwendeten Systeme berücksichtigen und bewerten vor allem, wie umweltfreundlich, ressourcen- und energieschonend das »grüne« Gebäude ist. Das von der DGNB entwickelte Gütesiegel geht, ganz im ursprünglichen Sinne der Nachhaltigkeit, über ökologische Aspekte hinaus und bezieht auch ökonomische und soziokulturelle Qualitäten mit ein, wertet also auch technische, Prozess- und Standortqualitäten. Je nach Systemvariante werden weitere Faktoren wie Qualität der Infrastruktur oder der Stadträume berücksichtigt.

Das deutsche Qualitätszeichen ist also konsequenter als die bislang verwendeten Zertifizierungssysteme. Zudem können die anderen Systeme durch die unterschiedlichen Normen und Bauordnungen nicht einfach übertragen werden. Das deutsche System lässt sich nicht nur an veränderte gesellschaftliche, technische oder wissenschaftliche Entwicklungen anpassen oder bei verschiedenen Gebäudetypen und Nutzungsarten einsetzen, sondern kann auch an die unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben anderer Länder modifiziert werden.

Übrigens: Für die Auszeichnung der drei genannten Beispielprojekte lautete die Platzierung wie folgt: Gold für das Umweltbundesamtes in Dessau, Silber für das ATMOS in München und Bronze für das SuperCGebäude der RWTH Aachen. Weitere zertifizierte Gebäude sind auf der Internetseite der DGNB zu finden.

Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), www.dgnb.de



Autorin: Alexandra Goebel, kontakt|raum - Büro für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing in Architektur und Bauwesen, www.kontaktraum.com

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Für das außergewöhnliche Projekt King Abdulaziz Center for World Culture im Herzen der saudi-arabischen Ölfelder setzte der Glasfassadenspezialist seele den Entwurf des Architekturbüros Snøhetta in eine Fassade komplett aus Edelstahlrohren um. Nur durch die Verzahnung von modernsten Informationstech...

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Die neue Schweizer Botschaft in der Hauptstadt Kenias bettet sich sanft in die Terrainlandschaft ein. Umfassungsmauer und Baukörper verschmelzen zu einem einheitlichen architektonischen Gebilde, das über hohe räumliche, funktionale und nachhaltige Qualitäten, über repräsentativ und zurückhaltend ges...

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Das Tübinger Hotel Domizil wird von DIA – Dittel Architekten neu gestaltet und saniert. Im Fokus steht eine authentische, moderne Designsprache sowie die Neustrukturierung des Eingangs- und Restaurantbereichs.

Weitere Artikel:

Leuchte »Lander« von Renzo Piano

Leuchte »Lander« von Renzo Piano

Lander ist eine neue extrem elegante Pollerleuchte, die iGuzzini nach einer Idee von Renzo Piano speziell für die Beleuchtung der Parklandschaft des von dem Genueser Architekturbüro gebauten Stavros Niarchos Kulturzentrums entwickelt hat.

Platzgestaltung des Emanuel-Merck-Platzes in Darmstadt

Platzgestaltung des Emanuel-Merck-Platzes in Darmstadt

Der Platz vor dem Merck Innovationszentrum soll ein öffentliches Forum als zentrale Adresse des globalen Unternehmens sein. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, gestaltete Merck ihn entsprechend aufwändig – mit aus dem Boden herausragenden geschwungenen Pflanzinseln und einem strahlend hellen Belag...

Neue Aluminiumfassade

Neue Aluminiumfassade

In der ehemaligen DDR wurde Uran abgebaut, was mit einer erheblichen Belastung für die Natur einherging. Die Wismut GmbH hat die Aufgabe, diese Umweltverschmutzung zu sanieren. Um dem nachkommen zu können, war der Bau eines neuen Gebäudes erforderlich. Es wurde mit den Aluminiumverbundplatten des gr...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter


Ihre E-Mail
 
   

Senden Sie mir die kostenlosen Nachrichten der AZ/Architekturzeitung per E-Mail zu. Meine Anmeldung erfolgt, nachdem ich die Datenschutzhinweise gelesen haben. Die Nachrichten können Werbung von Dritten enthalten. Mein Einverständnis zum Empfang der Nachrichten kann ich jederzeit widerrufen.

Fachwissen | Architekten + Planer

Leuchte »Lander« von Renzo Piano

Leuchte »Lander« von Renzo Piano

Lander ist eine neue extrem elegante Pollerleuchte, die iGuzzini nach einer Idee von Renzo Piano speziell für die Beleuchtung der Parklandschaft des von dem Genueser Arch...

Platzgestaltung des Emanuel-Merck-Platzes in Darmstadt

Platzgestaltung des Emanuel-Merck-Platzes in Darmstadt

Der Platz vor dem Merck Innovationszentrum soll ein öffentliches Forum als zentrale Adresse des globalen Unternehmens sein. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, gestalte...

Neue Aluminiumfassade

Neue Aluminiumfassade

In der ehemaligen DDR wurde Uran abgebaut, was mit einer erheblichen Belastung für die Natur einherging. Die Wismut GmbH hat die Aufgabe, diese Umweltverschmutzung zu san...

Heimathafen

Heimathafen

Der Hafen in Offenbach entwickelt sich zu einem begehrten Stadtquartier. Auf der Hafeninsel bieten nun neun Punkthäuser optimale Sichtbezüge zum Wasser. Geräusche von auß...

Brandschutzwächter mit Sicherheitsring

Brandschutzwächter mit Sicherheitsring

Eine smarte Brandschutzmanschette, die im Brandfall groß heraus kommt und dem Feuer den Weg versperrt. Fest verbunden mit dem Verstärkungsblech für Stahltrapezprofildäche...

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Mit dem Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom wird das Ensemble der vorhandenen Technik- und Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Tübingen komplettiert. Der Entwurf des Büros ...

glasstec: Individualität in Architektur und Interieur

glasstec: Individualität in Architektur und Interieur

Zur glasstec 2018 in Düsseldorf stellt AGC Interpane viele neue und optimierte Produkte vor, die ganz im Zeichen der Individualität stehen: Sonnenschutzglas mit optimiert...

Maersk Tower von C.F. Møller Architects

Maersk Tower von C.F. Møller Architects

Der Maersk Tower von C.F. Møller Architects ist ein hochmodernes Forschungsgebäude, dessen innovative Architektur den optimierten Rahmen für erstklassige Gesundheitsforsc...

Restaurierung des alten Gerichtsgebäudes im Andreas Quartier, Düsseldorf

Restaurierung des alten Gerichtsgebäudes im Andreas Quartier, Düsseldorf

Von der ursprünglichen blauen Farbigkeit im Entree des alten Gerichtsgebäudes in Düsseldorf war nicht mehr viel zu sehen. Und auch sonst befanden sich das Gebäudeinnere u...

Innentür mit puristischem Design

Innentür mit puristischem Design

Die Nachfrage nach weißen Innentüren ist ungebrochen. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis des Bauherrn nach einem individualisierten Produkt in seinem Zuhause. Die Innentür...

Weitere Artikel:

Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.