Start Praxis Technik BIM, FIM und DNA: Die drei Buchstaben des neuen Planens

BIM, FIM und DNA: Die drei Buchstaben des neuen Planens

»Detail research« hatte bis dato schon manches über die Zukunft des digitalen Planes im Programm. Mit der Ausgabe »BIM. Building Information Modeling. Management, Methoden und Strategien für den Planungsprozess. Beispiele aus der Praxis« folgt der nächste Streich.

Das Heft ist 128 Seiten stark, besteht aus 29 anschaulich bebilderten Aufsätzen (meist in Interviewform) und einem Anhang, in dem auch ein BIM-Glossar zu finden ist. Es werden die Perspektiven von Architekten, Bauherren, Projektsteuerern, Bauunternehmern, Bauprodukteherstellern, Hochschulen und Softwareanbietern dargestellt.

Mit Zahlen, Grafiken und Statistiken sieht sich der Leser in der Einführung konfrontiert. Grundlage sind zwei Studien mit jeweiligem Fokus auf die deutsche Baubranche bzw. BIM für Planer und Ausführende. Es gelingt ein Ein- und Auszoomen in die Thematik, ohne dass es zu anstrengend wird. So klärt sich z.B. die häufig gestellte Frage, ab welcher Projektgröße BIM lohnt oder es wird aufgeworfen, dass zwar unternehmensinterne Prozesse effizienter gelingen, aber die Kommunikation zwischen Projektpartnern nicht. Eine der Automobilindustrie ähnliche Prozesskette bleibt also für die Baubranche zunächst Zukunftsmusik und in diesem Zusammenhang ist aufschlussreich, dass sich viele kleinere Büros gegen die neue Methodik wehren – u.a., weil sie hohe Softwarekosten befürchten.

Solches ändert aber nichts daran, dass die politische Ebene die Einführung von BIM will und entsprechend stark fördert. Das macht auch Annette von Hagel in einem Interview deutlich. Die Facility Management-Direktorin der »Bundesanstalt für Immobilienaufgaben« fürchtet, dass sie über die Gebäude in ihrem Verantwortungsbereich in puncto Energieeffizienz so gut wie nichts weiß. BIM könne künftig für Abhilfe sorgen und einen guten Überblick über den gesamten Lebenszyklus der Liegenschaften geben. Damit wäre »der Bruch im Informationsfluss zwischen Realisierung und Betrieb [...]« (S. 16) überwunden.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2015/1511/bim-building-information-modeling-detail-reserch.jpg

In ein ähnliches Horn stößt Mag. Manfred Waschl, der das Building Information Modeling zum Facility Information Modeling (FIM) entwickeln will. Die Belange des Gebäudebetriebes sollten für eine durchschnittlich 25-jährige Nutzungsdauer bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden, so der Österreicher. Auch Harald Rohr und Stefanie Külzer von der Frankfurter »Fraport AG« betonen ihr Interesse an der Darstellung des gesamten Lebenszyklusses von Bauwerken, denn der Betrieb stelle den wesentlichen Kostenfaktor dar und sei einer der zentralen Hebel für die Wertschöpfung. Nicht immer stimmten Planung und Gebautes überein, weshalb das 3D-Laserscanning während der Bauphase der Dokumentation des tatsächlichen Bestands diene. Das wiederum sei unumgänglich, um eventuelle Umbau- oder Erweiterungsmaßnahmen reibungslos zu gestalten.

Eine eingängige Analogie, gelingt Andreas Schindler: »Ein BIM-Modell enthält das gesamte Wissen zu einem Gebäude – es ist die DNA eines Gebäudes.« (S. 52) Der BIMManager bei »HWP« stellt in seinem Interview den kommunikativen Mehrwert der Gebäudedatenmodellierung vor. Bauherrn könnten demnach besser den Entwurf durchdringen und es gelänge, Missverständnissen vorzubeugen. Auch habe die Methodik Einfluss auf die interne Struktur von Planungsbüros, denn bei richtiger Anwendung würden durch den Wegfall redundanter Tätigkeiten Kapazitäten für andere Projektaufgaben frei. Einzelne Mitarbeiter seien mehr gefordert, denn Eigenverantwortung und Mitdenken gehöre zu den Grundvoraussetzungen der Methodik. Schindler warnt davor, BIM auf Planen mit 3D zu reduzieren. Er hält vor allem in Projekten, in denen der Betrieb des Bauwerks entscheidend ist, BIM für eine Möglichkeit, dem Bauherrn großen Nutzen zu stiften.

Es gibt auch kritische Stimmen, so die des Matthias Braun. Er leitet die Gesamtplanungsintegration bei »Obermeyer Planen + Beraten« und warnt vor der »Märchenwelt BIM« (S. 64). Anstelle eines einzigen Modells gäbe es Themen- und Gewerkemodelle, die zusammengeführt würden. Auch sollten die Planer sich vor einem hohen Detaillierungsgrad am Anfang hüten und der Entwurfsprozess folge auch mit der neuen Methodik dem bisherigen Ablauf und werde nicht grundsätzlich umgestellt. Dennoch sieht Braun klare Vorteile durch BIM, denn es verbessere die Kommunikationsbasis, mache Simulationen wie einfache Plangenerierung möglich, erleichtere die Mengenermittlung und Budgetplanung.

Dem Herausgeberteam von »Detail research« gelang ein guter Blick auf den Status quo der Methodik. Das vorliegende Heft ist informativ und deckt das Spektrum von Strategie bis Handwerk ab. Es ist eher für BIM-Einsteiger geeignet.

Herausgeber: Tim Westphal, Eva Herrmann
BIM - Building Information Modeling I Management
Deutsch 128 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und erklärenden Grafiken Format 21 x 29,7 cm Broschur ISBN 978-3-95553-279-6

 

Autor: Dr. Christian J. Grothaus, www.architekturjournalisten.comwww.logeion.net

Fürst & Friedrich – Neubau von slapa oberholz pszczulny architekten

Fürst & Friedrich – Neubau von slapa oberholz pszczulny architekten

Mit dem geplanten Büro- und Geschäftshaus Fürst & Friedrich von slapa oberholz pszczulny | sop architekten entsteht ein markanter Neubau in der Düsseldorfer Innenstadt, der das Viertel rund um den beliebten Kirchplatz aufwerten wird.

3M Headquarter in Langenthal von Marazzi + Paul Architekten

3M Headquarter in Langenthal von Marazzi + Paul Architekten

Als Headquarter für den internationalen Technologiekonzern 3M EMEA hat das Architekturbüro Marazzi + Paul ein visionäres Bürogebäude in Langenthal realisiert. Der Neubau direkt beim Bahnhof steht für die Innovationskraft und Offenheit des globalen Leaders 3M ebenso wie für die Dynamik und Wandelbark...

Grand Tower von Kaminiarz & Cie. ist bestes Wohnhochhaus in Europa

Grand Tower von Kaminiarz & Cie. ist bestes Wohnhochhaus in Europa

Nachdem das Frankfurter Büro Magnus Kaminiarz & Cie. Architektur für den Grand Tower bereits den European Property Award 2017 als bestes Wohnhochhaus Deutschlands erhielt, bekam das Gebäude vor wenigen Tagen in London nun auch den International Property Award 2017 als bestes Wohnhochhaus in ganz...

Weitere Artikel:

Schlichtes und reduziertes Design

Schlichtes und reduziertes Design

»SP – Square Perfection« heißt das WC, das der japanische Sanitärkeramik-Hersteller TOTO ab Januar 2018 auf den Markt bringt. Neu ist die Form: Elegant, kompakt und geometrisch gestaltet greift greift das WC auf die bekannten TOTO Hygiene-Technologien zurück.

»Schule der Zukunft« im alten Hafen von Haderslev

»Schule der Zukunft« im alten Hafen von Haderslev

In der dänischen Küstenstadt Haderslev ist mitten im alten Hafenareal ein zukunftsweisendes Bildungszentrum entstanden. Dieses hebt sich nicht nur durch seine außergewöhnliche Architektur ohne das traditionelle Klassenzimmer von gängigen Bildungseinrichtungen ab, sondern auch durch seine innovativen...

Duschen mit Spa-Effekt

Duschen mit Spa-Effekt

Moderne Badkultur ist von Design, Luxus und Technik geprägt. Das Duschritual als besonderen Verwöhnmoment des Tages zu schätzen und neben der Reinheit auch Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern, ist Teil dieser Kultur. Das japanische Unternehmen TOTO hat Duschsysteme entwickelt, die ein Wohlgefühl ...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Betoninstandsetzung: Wer haftet wann und wie?
    Betoninstandsetzung: Wer haftet wann und wie? Die Ausführung von Betonerhaltungs-, Betonschutz- und –instandsetzungsmaßnahmen erfordert umfassende fachliche Qualifikationen. Der nachfolgende Beitrag nimmt Stellung zu Anforderungen, die sich…

Schlichtes und reduziertes Design

Schlichtes und reduziertes Design

»SP – Square Perfection« heißt das WC, das der japanische Sanitärkeramik-Hersteller TOTO ab Januar 2018 auf den Markt bringt. Neu ist die Form: Elegant, kompakt und geome...

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Das von den Rotterdamer Städtebauexperten OMA (Office for Metropolitan Architecture) erdachte Timmerhuis in Rotterdam gilt als das »grünste Gebäude der Niederlande«. Es v...

»Schule der Zukunft« im alten Hafen von Haderslev

»Schule der Zukunft« im alten Hafen von Haderslev

In der dänischen Küstenstadt Haderslev ist mitten im alten Hafenareal ein zukunftsweisendes Bildungszentrum entstanden. Dieses hebt sich nicht nur durch seine außergewöhn...

Duschen mit Spa-Effekt

Duschen mit Spa-Effekt

Moderne Badkultur ist von Design, Luxus und Technik geprägt. Das Duschritual als besonderen Verwöhnmoment des Tages zu schätzen und neben der Reinheit auch Gesundheit und...

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

In nur sieben Wochen wich grauer Beton einer abstrakt-naturalistischen Malerei mit blauem Himmel, weißen Wolken, täuschend echten Bäumen und einem illusionistischen Strei...

Wintergarten gut beheizt

Wintergarten gut beheizt

Im Wintergarten hat Wärme nicht nur einfach die Funktion »Heizen« zu erfüllen. Wärme weckt Emotionen und bringt Atmosphäre in den gläsernen Raum. Eine elektrische Strahlu...

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylgla...

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und ...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die ...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.