Der Begriff der Landschaft wird gern und oft verwendet. Dementsprechend zahlreich sind die Landschaften in unseren Köpfen. Welche inneren Bilder und welche äusseren Einflüsse jedoch prägen unsere Vorstellung und Wahrnehmung von Landschaften? Mit dem Blick in ganz unterschiedliche Anwendungs- und Forschungsbereiche, in denen Landschaften zentrale Funktionen einnehmen, spürt die Veranstaltungsreihe der Stiftung Gartenbaubibliothek Basel diesen Faktoren nach.
Die Referentinnen und Referenten der Serie kommen nicht nur aus unterschiedlichen Fachgebieten, sie sind als Expertinnen und Experten ihres Fachs auch in unterschiedlichen Regionen der Welt zu Hause. Art Director Christian Scheurer beispielsweise ist in Los Angeles tätig und kreiert dort virtuelle Landschaften für Filme und Computerspiele. Am 21. März geht er zum Abschluss der Veranstaltungsreihe im Vortragssaal der Schule für Gestaltung Basel der Frage nach, wie eine glaubhafte und gleichzeitig fantastische Filmlandschaft entsteht.
Den Anfang der diesjährigen Reihe macht Barbara Piatti von der ETH Zürich am 28. Februar. Sie stellt in ihrem Vortrag die Verbindung zwischen Literatur und Kartografie her. Durch ihre Forschung in der Literaturgeografie macht sie die komplexen Überlagerungen von realen und fiktionalen Geografien sichtbar. Am 7.März folgt ihr der bildende Künstler Michael Reisch. Mit seinem Ansatz, der Verbindung von Landschaftsbildern und deren künstliche Bearbeitung, sprengt er die Grenzen des Inhaltlichen, des Technischen ebenso wie die des Medialen. Gerade dadurch vermag er auf die unzähligen Vorstellungen und Wahrnehmungen von Landschaften anzuspielen. Auf einer weiteren Ebene, der akustischen, begegnet am 14. März Theresa Beyer der Landschaft. Rund um den Begriff Soundscape erörtert sie, wie die sich ständig ändernde, alltägliche Akustik den Menschen beeinflusst.
Die Stiftung Gartenbaubibliothek dient Fachleuten, Lehrenden, Studierenden und Interessierten als Inspirationsquelle und Informationsplattform. Als Spezialbibliothek stellt sie in der Bibliothek für Gestaltung Basel Literatur zu Theorie und Praxis der Freiraumgestaltung und Landschaftsarchitektur zur Verfügung. Sie verfolgt dabei das Ziel Historisches, Aktuelles und Visionäres im Bereich der Stadt- und Grünplanung mit lokalen und internationalen Bezügen zu dokumentieren.
Die Vorträge finden jeweils um 18:30 Uhr im Vortragssaal der Schule für Gestaltung Basel auf der Lyss statt.
Spalenvorstadt 2, 4051 Basel, Telefon +41 61 267 45 01
Stiftung Gartenbaubibliothek Basel in der Bibliothek für Gestaltung Basel, www.stiftunggartenbaubibliothek.ch
Donnerstag 28. Februar 2013
Dr. phil. Barbara Piatti - Literaturwissenschaftlerin und Forschungsgruppenleiterin am Institut für Karotgrafie und Geoinformation, ETH Zürich - Basel
Literaturgeografie oder die Kartografierung literarischer Landschaften
Alles beginnt mit den vermeintlich einfachen Fragen: Wo spielt Literatur und weshalb spielt sie dort? Europa verfügt über einen immensen Reichtum an literarisierten Landschaften und Städten, an real existierenden Räumen, die aus verschiedenen Gründen literarisch zum Thema werden. Gegenwärtig wird am Institut für Kartografie und Geoinformation der ETH Zürich ein Prototyp eines interaktiven literarischen Atlas Europas entwickelt. Dabei hat das sich neu formierende Forschungsfeld der Literaturgeografie und -kartografie das Ziel gesetzt, die komplexen Überlagerungen von realen und fiktionalen Geografien sichtbar zu machen. Angesichts dreier Modellregionen wird in dieses ebenso neue wie spannende Forschungsprojekt eingeführt.
Einführung: Ruedi Stutz, Gestalter, Basel
Donnerstag 7. März 2013
Michael Reisch - Bildender Künstler - Düsseldorf
Das Fotografische als Metapher des Realen
Bei den grossformatigen Fotografien von Michael Reisch ist nicht allein der fotografische Prozess massgebend, genauso entscheidend ist die digitale Bildbearbeitung. Dabei widmet er sich insbesondere auch der fotografischen Landschaftsdarstellung, bei der Aspekte des Künstlichen, der Überformung und des medialen Eingriffes eine zentrale Rolle spielen. Seit 2010 kombiniert er Landschaftsbilder mit abstrakten, vollständig computergenerierten Arbeiten. Womit seine Bildschöpfungen in vielfältiger Weise die Grenzen überschreiten und auflösen: im inhaltlichen Bereich, auf technischer Ebene und in der medialen Gattung.
Einführung: Massimo Fontana, Landschaftsarchitekt, Basel
Donnerstag 14. März 2013
Theresa Beyer - Musikethnologin, Kulturjournalistin und Editorin des Onlinemagazins Norient – Network for local and global sounds and media culture - Bern
Zwischen Vogelgezwitscher, Kirchenglocken und Strassenlärm. Wie man Landschaften hören kann.
Der Begriff Soundscape wurde erstmals Ende der 1960er Jahre von Raymond Murray Schafer (Kanada) für die den Menschen umgebenden, alltäglichen Klanglandschaften verwendet. Demgemäss geht es bei der Soundscape-Forschung um das Bewusstsein für Klangräume, vor allem jedoch geht es um die Frage, welchen Einfluss die sich ständig ändernde Akustik des Alltags auf den Menschen auszuüben vermag. Thematisiert werden – stellenweise mit Hörbeispielen – die Geschichte und grosse Bandbreite der Soundscape-Forschung, ländliche oder urbane Geräusche und Klangräume sowie das sogenannte Soundscape-Planning. Letzteres befasst sich mit der Frage, wie und womit LandschaftsarchitektInnen systematisch in die Klang- und Geräuschwelten einer Stadt eingreifen.
Einführung: Tom Osolin, Architekt, Basel
Donnerstag 21. März 2013
Christian Scheurer - Art Director für Spielfilme und Computerspiele - Los Angeles
Anthropologie des Imaginären: das Erschaffen filmischer Landschaften
Wie entsteht eine gleichermassen fantastische wie glaubwürdige Filmlandschaft? Welchen Bezug hat sie zu real existierenden Landschaften, welchen Bezug zu unseren bewussten und unbewussten Vorstellungen einer spezifischen Landschaft? Wie verhält sie sich zum Filminhalt, zur Erzählstruktur? Wie beeinflusst sie die Dramaturgie eines Films? Christian Scheurer verdanken wir die Landschaften in Filmen wie Dark City, Titanic, The Fifth Element oder Animatrix. Er legt dar, welche Aspekte, welche inneren und äusseren Bilder bei seiner Arbeit eine Rolle spielen, wie er kombiniert, kompiliert und assoziiert. Dabei reicht nicht aus zu wissen, wie etwas aussieht. Entscheidend ist, wann, wie und weshalb etwas auf eine ganz bestimmte Art und Weise wirkt.
Einführung: Christian Lenzin, Landschaftsarchitekt, Liestal






