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Rathaus Bissendorf von blocher partners

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Identitäten wachsen aus dem Ort und seiner Geschichte, doch mitunter braucht es eine Wendung in die Gegenwart, einen belebenden Impuls. Wie in Bissendorf, wo die Stuttgarter Architekten blocher partners mit dem neuen Rathaus eine lebendige, identitätsstiftende Ortsmitte geschaffen haben. Das ganzheitliche Konzept des Rathausneubaus wurde im Rahmen des Niedersächsischen Staatspreis für Architektur geehrt.

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2013 initiierte die 15.000-Einwohner-Gemeinde Bissendorf, malerisch zwischen den Ausläufern des Wiehengebirges und des Teutoburger Waldes gelegen, einen Realisierungswettbewerb »Rathausneubau und Umfeld«. Ziel war es, dem Zentrum wieder Identität zu verleihen. Die Planer von blocher partners nahmen den Ort und seine Energie auf. Sie dachten gar nicht daran, in Konkurrenz zur katholischen Pfarrkirche St. Dionysius zu treten, die Alexander Behnes 1894-95 im neugotischen Stil errichtet hatte. Und doch setzten sie den Bürgersaal als raumbildendes Element selbstbewusst auf den Kirchplatz. Das Verwaltungsgebäude, ein gestreckter Baukörper mit flachem Satteldach, tritt dagegen zurück.

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Das Ensemble ist städtebaulich gedacht. Es bildet zwei Stadträume aus, die sich wechselseitig bedingen. Der Bürgersaal mit seinem markanten Satteldach dient dabei als Gelenk und richtet den Blick auf die Kirche. Er fasst den Kirchplatz, der so erstmals wieder als Einheit wahrgenommen werden kann. Rückwärtig, zur Wissinger Straße, liegt ein terrassierter Bürgergarten, dessen feine Bänder aus Beton den natürlichen Vorplatz bilden - eine Willkommensgeste gegenüber Besuchern.

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blocher partners schufen für die Bürger von Bissendorf ein lebendiges Zentrum und zugleich einen soliden Rahmen für die Politik. Sie formulierten den Bürgersaal als Archetyp: Satteldach, offenes Tragwerk und gerade vier Materialien - Eiche, Sichtbeton, Klinker und Zinkdach. Der Bürgersaal greift die Typologie des niederdeutschen Hallenhaus auf, einer Scheune mit großen Fassadenfenstern an den Giebelseiten, die als robuster Arbeitsraum dient und offen ist für ihre Umgebung.

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Zwölf Meter hoch geht der Blick, direkt unter den Dachstuhl. Die klare Gliederung des Innenraums unterstreicht den öffentlichen Charakter des Hauses; seine sorgfältig verarbeiteten Materialien, Sichtbeton und helle Eiche, ergänzen sich perfekt. Dann setzt die Wärme des Holzes ein, das den Raum umfließt: Eiche findet sich in Türblättern, Parkett, Fenstergewänden und Schrankverkleidungen. Schließlich blickt man hinaus, durch bodentiefe Fenster, die sich zum Platz öffnen. Hier wird nicht fern der Bürger entschieden, sondern mitten in der Gemeinschaft. Und so zeigt sich das Haus in seiner Doppelrolle: Transparenz und Offenheit sind selbstverständlich in einen Bau für die Demokratie eingeflossen, aber auch ein gutes Stück Solidität.

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Abends wandelt sich das Haus zum Bürgersaal für 120 Gäste, in dem Lesungen ebenso stattfinden können wie Karnevalssitzungen und Tanzabende. Die akustisch aktive Holzverkleidung sorgt für gute Nachhallzeiten, so dass sogar Konzerte stattfinden können. Das Haus dient als flexibler Rahmen. Klar, ohne spröde zu sein. Einfach, ohne karg zu wirken.

Lebt der Bürgersaal ganz von seiner Präsenz, nimmt sich das Bürogebäude für 45 Mitarbeiter bewusst zurück. Im Zweispänner findet die gesamte Verwaltung unter einem Dach zusammen. Das klassische Gebäude ist als linearer Riegel mit breiten Fluren und zentralen Wartebereichen sofort zu verstehen. Über das Foyer und eine Brücke geht es hinüber ins historische Haus Bissendorf, in dem das Trauzimmer liegt.

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So wenig Technik wie möglich, lautete die Devise. Gelüftet wird manuell, der ökologische Fußabdruck bleibt gering. Trotz architektonisch ansprechender Detailausbildung und langlebiger Materialien konnte das Ensemble innerhalb des relativ knappen Kostenrahmens von 3,7 Millionen Euro realisiert werden. Möglich wurde das durch ein transparentes und klares Kostenmanagement während des gesamten Projektverlaufs. Alle Planungs- und Materialentscheidungen wurden laut Projektleiter Wolfgang Mayer bezüglich der Kostenauswirkungen sorgfältig abgewogen.

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Wohlfühlen braucht Miteinander. Das neue Ensemble schafft genau das - die Basis für vielfältige Aktivitäten. Es strahlt Wertigkeit aus, die über den Tag hinausgeht. Und plötzlich ist er wieder da, der funktionierende Ortskern, mitten in Bissendorf.

blocher partners, blocherpartners.com

Fotos: Christian Richters, Berlin

Materialien

Innenraum: Türblätter, Parkett Saal, Dachuntersicht, Fenstergewände, Schrankverkleidungen aus Eiche
Klinker: Hebrok, wassergestrichener Klinker
Sichtbeton: glatt, scharfkantig, naturgrau
Dach: Titanzink, vorbewittert
Fenster: Aluminium, pulverbeschichtet

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