Anzeige AZ-A2-970x250 R7
Start Architektur Deutschland Architektur des Dialogs - Bürohaus von blocher partners

Architektur des Dialogs - Bürohaus von blocher partners

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-03.jpg
 

»Architektur des Dialogs« mit diesem Motto beschreiben die Architekten blocher partners das Entwurfsziel beim Bau des neuen Firmensitzes im Herdweg am Fuße des Stuttgarter Killesbergs. Das Architekturbüro ist seit 1989 aktiv und verfügt neben dem Hauptsitz Stuttgart über eine Niederlassung in Mannheim sowie eine im indischen Ahmedabad. Doch das an dieser Stelle Entstandene ist, der erste Bürobau, neben vielen anderen, den blocher partners für sich selbst entworfen haben. Umso wichtiger war es den Architekten, ihre Haltung darin so ungefiltert wie möglich auszudrücken; es galt einen gewissen Anspruch umzusetzen und nicht zuletzt planten hier Kollegen für Kollegen, was bekanntermaßen nicht immer eine einfache Aufgabe ist.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-01.jpg

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-02.jpg

Das -blocher partners- Domizil im Herdweg 19 symbolisiert die Unternehmenswerte durch Innovation und Zukunftsfähigkeit. Der ganzheitliche Ansatz verbindet Gestaltung mit Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Dabei wird »der Komfort für die Mitarbeiter großgeschrieben«. Planungsziel war es, ein zeitgemäßes Bürogebäude zu schaffen. Es sollten unter einem Dach die bisher auf drei verschiedene Häuser verteilten Abteilungen: Architektur - Innenarchitektur - Produktdesign und Kommunikation untergebracht werden. Ein Grund hierfür sind die kurzen Wege. Entstanden ist ein Monolith aus Sichtbeton mit 120 Arbeitsplätzen, der einen Großteil der Mitarbeiter unter einem Dach vereint.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-04.jpg

Das innenstadtnahe Anwesen in Hanglage wird zum Teil von Gebäuden aus der Zeit des Historismus von 1850 bis ca. 1900 umgeben. blocher partners erwarben 2008 das Grundstück vom Vorbesitzer, der auf dem Terrain 1955 ein Logengebäude und eine Gaststätte errichtet hatte, welches aber schon seit längerer Zeit nicht mehr genutzt wurde und stark baufällig war.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-03.jpg

Die geforderten strengen behördlichen Auflagen galt es zu erfüllen. Die ursprünglichen Grundflächen (Footprint) mussten unbedingt eingehalten werden. Nachhaltiges Bauen erfordert einen ganzheitlichen Blick auf eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte: Dazu gehört der bebaute Raum genauso wie die Gebäudetechnik, der Standort, wirtschaftliche und ökologische Gesichtspunkte und natürlich die Menschen, die darin arbeiten und leben.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-06.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-07.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-08.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-51.jpg

Diese Punkte, aber auch Varianten für eine größtmögliche Nutzungsflexibilität des Gebäudes, wurden von Anfang an mit in die Planung einbezogen.

Die Verquickung von Ökonomie und Ökologie zeigt sich in der Vereinigung von Gebäudekonstruktion und -technik, die ein thermisch komfortables Raumklima genauso einschließt wie eine maximale Energieeinsparung. So ergänzen sich die Gebäudehülle in ihrer Wärmeschutzfunktion mit dem Gebäudeinneren als Speichermasse zur Reduzierung des Heiz- und Kühlbedarfs. Die Nutzung von Geothermie, für die 35 Erdbohrungen in bis zu 40 m Tiefe vorgenommen wurden, war wichtig für den Erwerb der DGNB-Platin-Zertifizierung wie auch das Beleuchtungskonzept, das durchweg auf Tages- und LED-Licht setzt, ebenso wie die Vorkehrung zur Lufthygiene oder die Nutzung von über Zisternen gesammeltes Grauwasser.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-52.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-53.jpg

Die städtebaulich heterogene Situation nutzten die Architekten, um einen Solitär zu schaffen. Schlicht, jedoch sehr markant. Dem robusten Charme des Sichtbetons - als zweischalige Betonfassade mit Kerndämmung ausgeführt -schmeichelt die ätherische Transparenz großzügiger Fensterbänder. Holzelemente aus Sipo Mahagoni geben der Fassade Tiefe. Die klaren Linien bringen sowohl Ordnung als auch Dynamik in die Fassade. Der Glasanteil entspricht der von der DNGB vorgeschriebenen Größe, gleichzeitig verringern die Holzkuben optisch den geschlossenen Anteil der Hülle und schlucken im Innern den Schall.

Charakteristisch für die allseitig sichtbare Stahlbetonskelettbauweise ist die Dachkonstruktion. Die Planer haben sich die Plastizität des Betons zunutze gemacht und ein räumliches Faltdach geschaffen, das die vorgeschriebene klassische Form des Satteldaches völlig neu interpretiert: Über einer inneren Tragschale sind großformatige Betonfertigteile mit bis zu einer Länge von acht Metern und mehr als drei Metern Breite angebracht.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-61.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-62.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-63.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-64.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-65.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-66.jpg

Das Gebäude fügt sich sehr gut in die umgebende Bestandsbebauung ein und erzielt mit seinen klaren Linien, viel Sichtbeton und großzügigen Fensterbändern ein eigenständiges modernes Erscheinungsbild. Auf vier Vollgeschosse verteilt sich die 3.300 Quadratmeter große Bruttogeschossfläche, mit zusätzlichem Unter- und Dachgeschoss. Im rückwärtig gelegenen Bereich des Grundstücks wurde ein Sockelgeschoss mit sich anschließender Garage errichtet. Eine Rampe führt von hier aus in den erhöht liegenden Garten, zudem geht es über eine Schleuse direkt in das Gebäude hinein. Vom Herdweg aus erfolgt die Zufahrt über einen Vorplatz. Nebenan befindet sich der Mitarbeitereingang ins Gartengeschoss. Zum Haupteingang gelangt man über eine breite Freitreppe mit einem patioähnlichen Vorhof in das Erdgeschoss. Von beiden Geschossen aus bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, um ins Freie zu gelangen.

Im Erdgeschoss, stehen neben dem Empfangsbereich auch drei Konferenzräume zur Verfügung. Auf jeder Etage befinden sich Besprechungskojen. An den breiten Fluren entlang der Straßenfassade liegen eine Bibliothek, Werkräume und kleine Kommunikationszonen. An das großzügige Mitarbeitercasino im Gartengeschoss schließt sich ein möblierter Innenhof an. Einerseits wird er von einem eingeschossigen Gebäudeflügel flankiert, andererseits grenzt er an das zweigeschossige Atrium im Hauptbaukörper. Dieses ist nur durch eine verschiebbare Glaswand vom Casino getrennt, so dass bei Veranstaltungen im Handumdrehen ein großzügiger Versammlungsort entsteht.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-08-lageplan.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-06-schnitt.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-07-schnitt.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-01-gartengeschoss.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-02-erdgeschoss.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-03-1obergeschoss.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-04-2obergeschoss.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/blocher-partners-architekten-stuttgart-05-3dachgeschoss.jpg

Ein sandgestrahlter Betonkern befindet sich mittig im Gebäude, dieser nimmt alle notwendigen Schächte, Waschräume, eine Garderobe und die Teeküche auf. Ein zusätzlich holzverkleideter Kern nimmt neben Kopierräumen auch kleine Besprechungsräume für Mitarbeiter auf. Im Luftraum des Atriums hängt eine Lichtinstallation, die an ein Mikadospiel erinnert. Eine filigrane Stahltreppe führt seitlich bis unters Dach. Das Dachgeschoss ist mit mehreren Loggien ausgestattet, von denen aus man den Blick über den Talkessel Stuttgarts bis hin zum berühmten Fernsehturm genießen kann. Alle Arbeitsplätze haben Aussicht ins Grüne oder sind über die Dächer der Stadt angeordnet.

Von den Landschaftsarchitekten wurden für die Außenflächen heimische Gehölze und Stauden angepflanzt. Die städtebauliche Konstellation entspricht dem Charakter des Hauses als gebautes Manifest -oder, eine Nummer kleiner ausgedrückt: als Experimentalbau mit programmatischem Anspruch.

blocher partners, blocherpartners.com

Fotos: Klaus Mellenthin

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Für das außergewöhnliche Projekt King Abdulaziz Center for World Culture im Herzen der saudi-arabischen Ölfelder setzte der Glasfassadenspezialist seele den Entwurf des Architekturbüros Snøhetta in eine Fassade komplett aus Edelstahlrohren um. Nur durch die Verzahnung von modernsten Informationstech...

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Die neue Schweizer Botschaft in der Hauptstadt Kenias bettet sich sanft in die Terrainlandschaft ein. Umfassungsmauer und Baukörper verschmelzen zu einem einheitlichen architektonischen Gebilde, das über hohe räumliche, funktionale und nachhaltige Qualitäten, über repräsentativ und zurückhaltend ges...

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Das Tübinger Hotel Domizil wird von DIA – Dittel Architekten neu gestaltet und saniert. Im Fokus steht eine authentische, moderne Designsprache sowie die Neustrukturierung des Eingangs- und Restaurantbereichs.

Weitere Artikel:

Trinkwasserhygiene bei überdimensionierter Installation

Trinkwasserhygiene bei überdimensionierter Installation

Das Bezirksamt Berlin-Neukölln hat die Gefahr in der rund 22 Jahre alten Dreifeldsporthalle im Werner-Seelenbinder-Sportpark rechtzeitig erkannt: Durch lange und groß dimensionierte  Rohrleitungen und veränderte Nutzungsgewohnheiten in den Sanitärbereichen besteht erhöhte Verkeimungsgefahr für ...

Alles andere als oberflächlich!

Alles andere als oberflächlich!

Lange Zeit galt Putz als altmodisch und wurde häufig nur als B-Variante der möglichen Gestaltungsoptionen gesehen. Innovative Gebäudeinterpretationen plante man vorwiegend in anderen Werkstoffen. Warum? Vermutlich werden Putzfassaden allgemein als etwas Tradiertes und Solides wahrgenommen und stehen...

Asymmetrische Ziegel-Architektur

Asymmetrische Ziegel-Architektur

Baukörper, bei denen fast jede Ecke anders ist, sind eine Seltenheit. Eine davon findet sich mit dem Neubau des Forschungszentrums für Systembiologie der Otto-von-Guericke-Universität seit Oktober 2016 in Magdeburg. In dem viergeschossigen Gebäude arbeiten rund 180 Mitarbeiter und Wissenschaftler au...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter


Ihre E-Mail
 
   

Senden Sie mir die kostenlosen Nachrichten der AZ/Architekturzeitung per E-Mail zu. Meine Anmeldung erfolgt, nachdem ich die Datenschutzhinweise gelesen haben. Die Nachrichten können Werbung von Dritten enthalten. Mein Einverständnis zum Empfang der Nachrichten kann ich jederzeit widerrufen.

Fachwissen | Architekten + Planer

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • Architekturreisen
    Architekturreisen architekturreisen.com ist die journalistisch betreute Reiseseite der Architekturjournalisten und Fachjournalisten, die sie aus den Publikationen AZ/Architekturzeitung, Baufachzeitung und ingenieurmagazin bereits…

Trinkwasserhygiene bei überdimensionierter Installation

Trinkwasserhygiene bei überdimensionierter Installation

Das Bezirksamt Berlin-Neukölln hat die Gefahr in der rund 22 Jahre alten Dreifeldsporthalle im Werner-Seelenbinder-Sportpark rechtzeitig erkannt: Durch lange und groß dim...

Alles andere als oberflächlich!

Alles andere als oberflächlich!

Lange Zeit galt Putz als altmodisch und wurde häufig nur als B-Variante der möglichen Gestaltungsoptionen gesehen. Innovative Gebäudeinterpretationen plante man vorwiegen...

Asymmetrische Ziegel-Architektur

Asymmetrische Ziegel-Architektur

Baukörper, bei denen fast jede Ecke anders ist, sind eine Seltenheit. Eine davon findet sich mit dem Neubau des Forschungszentrums für Systembiologie der Otto-von-Guerick...

Gebäudeschutz durch fachgerechte Gebäudedränung

Gebäudeschutz durch fachgerechte Gebäudedränung

Die Gebäudehülle ist permanent und über die gesamte Nutzungsdauer zahlreichen Belastungen ausgesetzt; im Bereich von erdberührten Bauteilen ist hier vor allem das Wasser ...

Entkalkung eines Dusch-WC

Entkalkung eines Dusch-WC

In Deutschland liegt die Wasserhärte aufgrund des erhöhten Kalkgehalts durchschnittlich im harten Bereich. Daher müssen Dusch-WCs genauso wie andere Haushaltsgeräte einer...

Siemens Konzernzentrale: Showroom für moderne Glastechnologie

Siemens Konzernzentrale: Showroom für moderne Glastechnologie

Für die Glasfassade des nachhaltigen Leuchtturmprojektes in München wurden 7.000 Quadratmeter UNIGLAS SUN Isolierglaseinheiten mit Super Spacer Abstandhalter sowie 1.000 ...

Dezentrale Lüftungsanlage im Einfamilienhaus

Dezentrale Lüftungsanlage im Einfamilienhaus

Das eigene Haus zu planen und zu bauen bringt viele Entscheidungen mit sich. Familie Lorenz hat ihr Projekt vollendet und genießt nun den Komfort ihres Eigenheims. Als Ar...

Universitätsneubau an geschichtsträchtigem Ort von Erick van Egeraat

Universitätsneubau an geschichtsträchtigem Ort von Erick van Egeraat

Am Augustusplatz in Leipzig wurde im Dezember 2017 ein architektonisch herausragender Gebäudekomplex fertiggestellt. Er setzt sich aus dem Neuen Paulinum (Aula und Univer...

Künstlerische Neugestaltung der Pfarrkirche St. Dionysius in Elsen

Künstlerische Neugestaltung der Pfarrkirche St. Dionysius in Elsen

Zeitgemäße Neuausmalung oder Konservierung des Bestands? Vor dieser Entscheidung stand die Gemeinde der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Dionysius in Elsen, einem Sta...

Neuer Service für Architekten: Coating on Demand

Neuer Service für Architekten: Coating on Demand

Mit dem neuen Service »Coating on Demand« (CoD) ermöglicht AGC Interpane Architekten jetzt die Entwicklung einzigartiger Verglasungen, die exakt auf die Anforderungen von...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.