Start Architektur Deutschland Sensible Lichtatmosphäre

Sensible Lichtatmosphäre

 

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1111/liebfrauenkirche-dortmund-13.jpg

Ein restaurierter Kirchenraum aus dem 19. Jahrhundert präsentiert sich als eindrucksvoller Ort für Urnenbestattungen im innerstädtischen Bereich. Die einfühlsame Lichtplanung von Licht Kunst Licht – ausschließlich mit LED realisiert – unterstreicht wirkungsvoll das von Staab Architekten geplante Innenraumkonzept.

Die Idee ist nicht neu – das zeigt sich schon im Namen. »Kolumbarien« waren in frühchristlicher Zeit taubenschlagähnliche, halb- oder ganz unterirdische Urnengräber. Der wachsende Mangel an neuen innerstädtischen Friedhofsplätzen und vor allem der Kostendruck haben Stadtverwaltungen in ganz Deutschland veranlasst, alternative, neue Orte für Urnenbestattungen einzurichten. So bietet es sich an, dabei auf kaum mehr genutzte innerstädtische Kirchen zurückzugreifen. In mehreren deutschen Städten, wie jetzt auch in Dortmund, wurden ehemalige Kirchenräume für Urnenbestattungen umgestaltet. Der 1883 errichtete, neugotische Kirchenbau der Liebfrauenkirche war in die Jahre gekommen und verzeichnete kaum noch Besucher. So entstand in Zusammenarbeit des Erzbistums Paderborn mit der Stadtverwaltung die Idee der Umnutzung in eine Urnengrabstätte. Nach zweijähriger Umbauzeit wurde die Grabeskirche Liebfrauen im Januar 2011 fertiggestellt.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1111/liebfrauenkirche-dortmund-14.jpg


Bei der Ausschreibung und Auftragserteilung zeigten Bauherr und Jury eine glückliche Hand. So erhielt das reduzierte Konzept von Staab Architekten aus Berlin im Rahmen des Architekturwettbewerbs den 1. Preis und damit den Zuschlag. Anders als die anderen Wettbewerbsteilnehmer verzichteten Staab Architekten darauf, die Kirche in eine Art labyrinthisches Hochregallager für Urnen zu verwandeln. Vielmehr galt es aus Sicht der Gestalter, dem mit reichlicher Möblierung verstellten Kirchenraum seine ehemals durchgängige Offenheit und Transparenz zurückzugeben.

Zur Unterbringung der Urnen beschränkte man sich auf die Errichtung eines bodennahen Grabfeldes. Durch die bodenbezogene Position der Urnengräber wird eine Analogie zur traditionellen Erdbestattung deutlich. Sie verteilen sich längs des Mittelschiffs und reichen bis in die Seitenschiffe. Als axiale Sichtlinie dient dabei ein freibleibender Mittelgang längs der Kirchenachse. Hier sind die Podeste für das Totenbuch und die Osterkerze angeordnet. Die Deckfläche dient mit ihrer quadratischen Aufteilung der Aufnahme der Urnen und später der Inschriftentafeln. Diese Lösung, die in ihrer Wirkung eher einem kompakten Kirchengestühl ähnelt, ermöglichte es, dass der Kirchenraum an Transparenz und Offenheit gewann.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1111/liebfrauenkirche-dortmund-11.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1111/liebfrauenkirche-dortmund-15.jpg

In der Apsis befinden sich der Altar aus Holz, der Ambo, die Urnenstele und ein Holzkreuz. Dies ist der Ort für Trauergottesdienste. Das Weihwasserbecken mit Engel im Eingangsbereich und die Osterkerze am Ende des Mittelschiffs symbolisieren eindrücklich die Lebenspanne zwischen Taufe und Begräbnis. 

Grundidee für die Entwicklung des Beleuchtungskonzeptes für das Kolumbarium Liebfrauenkirche in Dortmund war es, eine Lichtführung zu realisieren, welche im Kontext eines sakralen Gebäudes räumlich und atmosphärisch angemessen erscheint. Die Beleuchtung erfüllt den Anspruch, sowohl einen adäquaten Rahmen für Trauerzeremonien oder Gottesdienste zu bieten als auch dem Trauernden einen Ort der Ruhe und Kontemplation zur Verfügung zu stellen.

Mit der Kombination von schalt- und dimmbarer Grund- und Akzentbeleuchtung konnten die Planer von Licht Kunst Licht die Anforderungen an unterschiedliche Beleuchtungsszenarien erfüllen. Um nicht von der Architektur des Kirchenraumes abzulenken, tritt die Leuchte als sichtbares Objekt in den Hintergrund. Einzig im Eingangsbereich akzentuiert eine deutlich in Erscheinung tretende direkt/indirekt strahlende Ringpendelleuchte das Bronzebecken mit Statue.

Die Lichtführung im Kirchenschiff lenkt zunächst den Blick des Besuchers über die Mittelachse auf den Chorraum. Mit einem höheren Beleuchtungsniveau als im übrigen Kirchenraum bildet er den ersten visuellen Bezugspunkt. Hinter den Säulen versteckt montierte Strahler akzentuieren den Altar und den Ambo, sowie die Urnenstele und das Kreuz. Die Sitzbänke im Chorraum sind sanft und gleichmäßig ausgeleuchtet.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1111/liebfrauenkirche-dortmund-12.jpg


Die Grundbeleuchtung des Mittelschiffs erfolgt über direkt/indirekt strahlende LED-Leuchten in Sonderanfertigung, die oberhalb der Kapitelle auf einer Höhe von 12,70 Meter platziert sind. Die Leuchten sind als kompaktes quaderförmiges Gehäuse ausgebildet, das jeweils sechs Strahlerköpfe aufnimmt. Die Lichttechnik verschwindet weitestgehend in diesem Gehäuse. Vier der an Gelenken geführten Strahlerköpfe illuminieren die horizontale Bodenebene sanft mit warmtonigem Licht und erzeugen eine ruhige Lichtstimmung, welche die Materialtiefe und Farbigkeit der bronzierten Oberflächen der Urnengrabfelder hervorhebt und die Gravur lesbar macht. Die anderen beiden Strahlerköpfe mit weiterem Ausstrahlwinkel blenden die Deckengewölbe mit diffusem Licht gleichmäßig sanft ein und schaffen so ein ausgewogenes Verhältnis der Leuchtdichten im Raum. Gleichzeitig wird die Wahrnehmung der Raumhöhe ermöglicht. Abblendschuten sorgen dafür, dass die kapitellnahen Gurtbögen nicht vom Licht erfasst werden. Blendung wird durch die Positionierung der Leuchten und den Einsatz von Wabenrastern in allen Direktstrahlern vermieden.

Das Beleuchtungsprinzip aus dem Mittelschiff wird in den Seitenschiffen und im Chor auf einer etwas niedrigeren Kapitellhöhe und unter Anpassung der Intensitäten fortgesetzt. Dank der stufenlosen Dimmbarkeit der LED können die Beleuchtungsstärken bzw. Helligkeiten den Bedürfnissen unterschiedlicher Nutzungsszenarien problemlos angepasst werden. Mithilfe eines Helligkeitssensors ist eine auf die Tageslichtsituation reagierende Beleuchtung realisiert. Im Falle hoher natürlicher Beleuchtungsstärken schaltet sich das künstliche Licht im Mittelschiff und in den Seitenschiffen aus.

Im gesamten Kirchenraum kommen ausschließlich DALI gesteuerte LED-Leuchten zum Einsatz, welche die Forderungen nach optimiertem Wirkungsgrad, hochwertiger Lichtqualität und extrem langen Wartungsintervallen erfüllen. Zu architekturbezogenen Dimm- und Schaltgruppen zusammengefasst, können fünf vorprogrammierte Beleuchtungsszenarien über ein intuitiv gestaltetes Schalttableau abgerufen werden.

Die künstliche Beleuchtung, die durch Licht Kunst Licht einfühlsam geplant wurde, unterstützt die architektonische Neuinterpretation des Kirchenraumes. Eine reduzierte Formensprache der eigens dafür entwickelten Leuchten stellt die Beleuchtungskörper in den Hintergrund. Mit der behutsam eingesetzten, dimmbaren LED-Technik gelingt es, nicht nur eine natürliche Ergänzung des Tageslichts herzustellen, sondern durch eine vorsichtige Betonung der Gewölbe und ihrer Weite auch in der Nachtwirkung eine Atmosphäre der Ruhe und Kontemplation zu erreichen.


Projekt: Liebfrauenkirche / Grabeskirche Liebfrauen, www.propsteikirche-dortmund.de
Bauherr: Gemeindeverband Kath. Kirchengemeinden ÖR, Dortmund
Architekt: Staab Architekten GmbH, www.staab-architekten.com

Lichtplanung:
Licht Kunst Licht AG, www.lichtkunstlicht.com
Teamleitung: Laura Sudbrock
Projektteam: Thomas Möritz, Andreas Schulz

Fotos: Lukas Roth, www.lukas-roth.de

Eingesetzte Leuchten und Hersteller:
- Sonderanfertigung unter Verwendung von »gin.o« LED-Strahlern von Hoffmeister Leuchten GmbH, Schalksmühle
- Ringkronleuchter in Sonderanfertigung von RSL Lichttechnik GmbH & Co. KG, St. Augustin

HPP beginnt mit dem Bau am Xujiahui Sportpark in Shanghai

HPP beginnt mit dem Bau am Xujiahui Sportpark in Shanghai

Bei der feierlichen Grundsteinlegung wurde der Baubeginn des Xujiahui Sportparks in Shanghai unter Einladung der Öffentlichkeit, Presse und Fernsehen gefeiert. HPP gewann Anfang des Jahres den ersten Preis des international ausgeschriebenen Wettbewerbs und wurde anschließend mit der Umsetzung beauft...

Konferenzzentrum von schneider+schumacher in Mannheim

Konferenzzentrum von schneider+schumacher in Mannheim

Im zweitgrößten Barockschloss Europas kreiert schneider+schumacher ein modernes Studien- und Konferenzzentrum für die Mannheim Business School. Die in den Garten eingeschnittene Anlage bildet zusammen mit dem historischen Schloss eine markante neue Einheit, die symbolisch für die Bewahrung der Tradi...

DEGELO Architekten gewinnen Wettbewerb zum Konferenzzentrum in Heidelberg

DEGELO Architekten gewinnen Wettbewerb zum Konferenzzentrum in Heidelberg

Das Büro DEGELO Architekten aus Basel hat den ersten Preis beim Wettbewerb zur künftigen Gestaltung des neuen Konferenzzentrums in der Heidelberger Bahnstadt gewonnen. Das Preisgericht wählte den Entwurf unter 22 eingereichten Arbeiten aus.

Weitere Artikel:

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

In nur sieben Wochen wich grauer Beton einer abstrakt-naturalistischen Malerei mit blauem Himmel, weißen Wolken, täuschend echten Bäumen und einem illusionistischen Streichelzoo. Verantwortlich dafür zeichnet der auf exklusive Wandmalerei spezialisierte Künstler Ulrich Allgaier.

Wintergarten gut beheizt

Wintergarten gut beheizt

Im Wintergarten hat Wärme nicht nur einfach die Funktion »Heizen« zu erfüllen. Wärme weckt Emotionen und bringt Atmosphäre in den gläsernen Raum. Eine elektrische Strahlungsheizung ermöglicht ein bedarfsgerechtes Heizen, wenn der Wintergarten genutzt wird und die Kraft der Sonne nicht ausreicht.

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Das von den Rotterdamer Städtebauexperten OMA (Office for Metropolitan Architecture) erdachte Timmerhuis in Rotterdam gilt als das »grünste Gebäude der Niederlande«. Es vereint Stadtverwaltung, Wohnungen, Büros sowie das Rotterdamer Stadtmuseum und schlägt eine architektonische Brücke zum denkmalges...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Der Gebäude-Energieberater
    Der Gebäude-Energieberater Ein junger Berufsstand und seine bewegte Geschichte: Gebäude-Energieberater lotsen Hauseigentümer durch den Regelungs- und Förderungsdschungel und sind wichtige Empfehler bei…

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • Fotograf Christopher Klettermayer
    Fotograf Christopher Klettermayer Mit dem Verkauf seiner Serie “Neighbours” durch die Saatchi Kunstvermittlung, hat sich der Fotograf Christopher Klettermayer in Europa zurück gemeldet.…

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Das von den Rotterdamer Städtebauexperten OMA (Office for Metropolitan Architecture) erdachte Timmerhuis in Rotterdam gilt als das »grünste Gebäude der Niederlande«. Es v...

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

In nur sieben Wochen wich grauer Beton einer abstrakt-naturalistischen Malerei mit blauem Himmel, weißen Wolken, täuschend echten Bäumen und einem illusionistischen Strei...

Wintergarten gut beheizt

Wintergarten gut beheizt

Im Wintergarten hat Wärme nicht nur einfach die Funktion »Heizen« zu erfüllen. Wärme weckt Emotionen und bringt Atmosphäre in den gläsernen Raum. Eine elektrische Strahlu...

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylgla...

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und ...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die ...

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

H7, das Bürohaus von Andreas Heupel Architekten im alten Stadthafen von Münster, ist ein siebengeschossiger Holz-Hybridbau, der neue Maßstäbe im Hinblick auf Ökologie und...

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Die Profile des Fensters »cero« messen trotz der möglichen 15 Quadratmeter großen Scheibenelemente gerade einmal 34 Millimeter. Für die jeweiligen Anforderungen an Wärmed...

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Die neue Wirtschaftsuniversität in Wien ist die größte der Europäischen Union. Bisher befand sich die alte Wirtschaftsuniversität in einem Gebäude aus den 1970er-Jahren. ...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.