AZ/Architekturzeitung - Architekturzeitschrift für Architektur & Architekten - Deutschland, Österreich, Schweiz

AZ/Architekturzeitung - Deutschland Österreich Schweiz |Freitag, 18.05.2012 |
| Text
  • Schrift vergrößern
  • Default font size
  • Schrift verkleinern
Start Architektur Deutschland Frischer Wind in der Jugendherberge Untersberg von LAVA Architekten
Anzeige az6-1-468x60

Frischer Wind in der Jugendherberge Untersberg von LAVA Architekten

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-11-ansicht-west.jpg

Wohl jeder kennt die muffigen und miefigen Jugendherbergen in die Heerscharen von Schülern gekarrt wurden. Mehrfachbetten in Kompaniestärke und Kantinenessen, vor dem es einem grauste, hinterliesen bleibende Eindrücke. Der Landesverband Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) will dieses Image abstreifen und hat in Berchtesgaden ein bestehendes Haus zu einer modernen, vorzeigbaren Jugendherberge umgebaut. Heute erinnert am Struberberg nichts mehr an die Herbergskultur vergangener Jahrzehnte. Auch die Zeit als das Haus nahe Bischofswiesen und Berchtesgaden deutschlandweit als einzige den Namen »Adolf-Hitler-Jugendherberge erhielt ist vergessen. Es war Hitlers 46. Geburtstag am 20. April 1935, den Reichsjugendführer Baldur von Schirach zum Anlaß nahm, feierlich vor 2300 Hitlerjungen den Grundstein für die »Erziehungsstätte zum Nationalsozialismus« zu legen.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-02-balkon-ost-tobias-wallisser.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-03-balkonzimmer.jpg

Das im Oktober 2011, nach einer umfassenden Modernisierung, fertiggestellte »Haus Untersberg« auf dem Areal der Jugendherberge Berchtesgaden wurde vom Architekturbüro LAVA – Laboratory for Visionary Architecture realisiert. Im August 2010 wurde mit den Baumaßnahmen für »Haus Untersberg« begonnen, während der Gastbetrieb der Jugendherberge weiterlief. Das Konzept von LAVA berücksichtigt sowohl die geänderten Nutzungsbedürfnisse der jungen Gäste und Familien als auch die Möglichkeiten, die in der vorhandenen Bausubstanz liegen. In den kommenden Jahren sollen weitere Baumaßnahmen das gesamte Ensemble der Jugendherberge Berchtesgaden neu gestalten.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-09-flaggenwand-robert-pupeter.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-08-bettnische-robert-pupeter.jpg


Im Oktober 2009 lud der Landesverband Bayern e.V. drei Architekturbüros zu einem Wettbewerb ein, aus dem LAVA – Laboratory for Visionary Architecture mit Sitz in Stuttgart und Sydney als Gewinner hervorgegangen ist. Das Team um Tobias Wallisser, Alexander Rieck und Chris Bosse ordnet den einzelnen bestehenden Gebäuden und Flächen bestimmte Aktivitätsfelder zu, wie beispielsweise die Nutzung speziell durch Familien oder Gruppen. Aus einer systematischen Bestandsanalyse der Gebäudestruktur erarbeiteten die Architekten unter den Nutzungsvorgaben des Bauherren und ein Konzept, dass auch zukünftigen Anforderungen gerecht werden soll. Dabei steht die Erfahrung von Authentizität in Einfachheit und Umgebung, sowie der damit verbundenen Erlebnisse, im Mittelpunkt. Die augenscheinlichen Qualitäten der Jugendherberge in Berchtesgaden sind die in eine traumhafte Landschaft eingebetteten Häuser mit Bergsicht, die naturnahe Parklandschaft des Grundstücks und die gewachsene Struktur unterschiedlicher Gebäude.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/waschplatz-jugendherberge-berchtesgaden.jpg


Überalterte Nutzungseinheiten wurden laut den Architekten aufgebrochen, damit sie zukünftigen Ansprüchen gerecht werden können. Vorhandene Strukturen, flexible Raumeinheiten und Lounge-Bereiche fügen sich zu einem neuen, offenen Erscheinungsbild, das sich mit modernen Beherberungsbetrieben messen kann. Das Haus für Familien - »Haus Untersberg« - ist das erste Gebäude auf dem Areal der Jugendherberge, das umgebaut wurde. Dem Gesamtkonzept entsprechend weist LAVA unterschiedlichen Flächen jeweils eigene Funktionen zu, die sich in den Bauteilen und Einbaumöbeln widerspiegeln.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-06-galeriezimmer-robert-pupeter.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-07-foyer-robert-pupeter.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-04-box-west-tobias-wallisser.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-10-architekten-robert-pupeter.jpg


Die Idee der Schichtung und Durchdringung von Nutzungsbereichen wurde im »Haus Untersberg« aufgenommen und im Rahmen einer Revitalisierung in die vorhandene Bausubstanz adaptiert. Altes und Neues ergänzen sich und verleihen einander durch Kontraste Bedeutung. Säntliche Fensteröffnungen wurden bis zum Boden aufgebrochen.

Eine zeitgemäße Interpretation der Stockwerksbetten als Stapelbetten oder Schlaf-Cocoons, natürliche Materialien sowie die raffinierte Kombination einfacher Elemente, erzeugen mit wenigen Eingriffen eine neue Atmosphäre. Jedes Zimmer verfügt über Dusche und WC, deren Anordnung je nach Zimmertyp variiert. So ist die Nutzung als Einzelzimmer, Doppelzimmer, Mehrbettzimmer bis zur Suite möglich. Die Familienzimmer sollen Hotelcharakter vermitteln. 2 Doppelbetten mit Sitzecke werden mit 2 Matrazen für die Kinder im oberen Maisonettebereich ergänzt. Im Erdgeschoß sind behindertengerechte Zimmer untergebracht.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-gestaltungskonzept.jpg

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-gestaltungskonzept-schnitt.jpg


Die Waschtische sind in den größeren Zimmern offen positioniert. Das Gefühl von Matratzenlagern wird durch die klare Gestaltung von Schrankeinbauten in Kombination mit anderen Möbeln, wie etwa den Stühlen von Vitra, vermieden. Auch hebt sich die Interpretation der Einbaumöbel in der Fassade, in Form von auskragenden Kuben als »Think and Relax Box«, deutlich von der bewahrten Holzverschalung ab.

Dieses Aufbrechen der alten Struktur, ebenso wie die großflächigen Öffnungen im neuen Fluchttreppenhaus, lassen schon von außen die Veränderungen im Innern des Gebäudes erahnen. Eine Metapher für den Wandel der Jugendherbergen in Bayern zu einem neuen Image. Die Verwendung von natürlichen und regionalen Materialien und die raffinierte Kombination einfacher Elemente erzeugt eine Atmosphäre, deren Wertigkeit in der Auswahl und Verarbeitung liegt. Für die Region authentisch sind die eingebauten Holzfußböden, deren Gebrauchsspuren die Geschichte mehrerer Gästegenerationen erzählen. Durch die Ausstattung mit individuellen Accessoires wird der regionale Bezug zu Berchtesgaden hergestellt.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1112/lava-lageplan-gesamtanlage.jpg


Architekten: LAVA Laboratory for Visionary Architecture, www.l-a-v-a.net

Ausschreibung/Kosten: Wenzel + Wenzel Architekten, Stuttgart/München

Partnerbüro & Bauleitung: Schulze Dinter Architekten, Berchtesgaden

Statik: Zahn Ingenieurgesellschaft mbH, Traunreut

HLS / ELT: PGT Planungsgruppe Technik, Prien am Chiemsee

HLS: Ludwig Ingenieurgesellschaft für Technische Gebäudeausrüstung mbH, Traunstein

Brandschutz: Ingenieurbüro Kade, Eichenau

SiGeKo: Baumann; Ingenieurbüro für Bauwesen, Bad Reichenhall

 

 

Fotos: Robert Pupeter, Tobias Wallisser, Susan Mauer

Anzeige az6-2-468x60

Tautes Heim – Wohnen wie zu Bruno Tauts Zeiten

Tautes Heim – Wohnen wie zu Bruno Tauts Zeiten

Das für 1-4 Personen ausgelegte Ferienhaus »Tautes Heim« in Berlin ist Architektur- und Designgeschichte zum Anfassen – ein Ort wie geschaffen für alle, die keine Lust auf unpersönliche Hotels haben und für ihren nächsten Berlin-Besuch lieber etwas Besonderes abseits der ausgetretenen Touristenpfade...

Lichtdach im Bahnhof Hamburg-Barmbek

Lichtdach im Bahnhof Hamburg-Barmbek

Am Bahnhof im Hamburger Stadtteil Barmbek war eine stadträumliche Neuordnung und Aufwertung des Bahnhofsgeländes nötig.

Der Bahnhof in Hamburg-Barmbek ist mit 60.000 Fahrgästen an Werktagen einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Hansestadt. Derzeit erhält er einen neuen Busbahnhof.

2004 lobten...

Die Ennigerbrücke in Malters von Pirmin Jung Ingenieure

Die Ennigerbrücke in Malters von Pirmin Jung Ingenieure

Holzbrücken sind die ältesten Brücken der Welt und erleben wegen ihrer Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit eine Renaissance. Hundert Jahre führte die alte Enniger Holzbrücke über den Fluß und wurde 2005 bei einem Unwetter vom Hochwasser der Kleinen Emme mitgerissen und vollkommen zerstört. Die 2010 ...

Weitere Artikel:

Teppichsortiment in der Farbkombination des »Harmony House«

Teppichsortiment in der Farbkombination des »Harmony House«

Die Teppichmanufaktur Ruckstuhl hat gemeinsam mit der Farbspezialistin Katrin Trautwein ein neues Farbkonzept für sein Teppichsortiment entwickelt. Inspiriert durch die Idee des »Harmony House« wurden die Kollektion um neue Farben ergänzt.

Vitra Grand Repos - Sessel von Antonio Citterio

Vitra Grand Repos - Sessel von Antonio Citterio

Der »Grand Repos« von Antonio Citterio verbindet die Erfahrung von Vitra bei ergonomischen Bürostühlen mit dem Komfort eines bequemen Lounge-Sessels. Der Ruhesessel des italienischen Designers erfüllt den Wunsch nach Bequemlichkeit.

Für den »Grand Repos« – sowie das Modell ohne Ohren »Repos« – transf...

Strapazierfähige Böden in vielen Farben

Strapazierfähige Böden in vielen Farben

Die zementgebundene Bodenspachtelmasse »ServoArt CeFlo« eignet sich für den Einbau in Restaurants, Bistros und Cafés. Die Bodenspachtelmasse lässt sich rationell, großflächig und fugenlos verarbeiten. Je nach gewünschter Optik lassen sich dabei verschiedene Strukturen, Farbverläufe und Oberflächenmu...

Weitere Artikel:
Anzeige az2-1-300x250
Anzeige az2-2-300x250

Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Unternehmensvorstellung


Anzeige az2-u-300x250

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • L3P Architekten
    L3P Architekten L3P Architekten aus dem schweizerischen Regensberg erarbeiten zusammen mit ihren Auftraggebern oder als Totalunternehmer nachhaltige Konzepte und Gebäude. Seit 2006 ist…
Ihr Büro an dieser Stelle

 

Teppichsortiment in der Farbkombination des »Harmony House«

Die Teppichmanufaktur Ruckstuhl hat gemeinsam mit der Farbspezialistin Katrin Trautwein ei...

 

Vitra Grand Repos - Sessel von Antonio Citterio

Der »Grand Repos« von Antonio Citterio verbindet die Erfahrung von Vitra bei ergonomisch...

 

Holz oder kein Holz?

Sieht aus wie Holz und ist auch welches: Die Terrassendielen »Silberpatina Douglasie«, d...

 

Anziehende Leuchte

Eine magnetische Kugel im Inneren ist das Geheimnis der von Giulio Iacchetti gestalteten L...

 

Vertikaler Garten für »green buildings«

Der vertikale Garten des Floristen und Künstlers Patrick Blanc ist zum Markenzeichen des ...
Facebook Architektur Google + Twitter Architektur

Anzeige az5-1-160x600