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AZ/Architekturzeitung - Deutschland Österreich Schweiz |Freitag, 18.05.2012 |
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Ein Hotel im Einklang mit der Natur

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Zerklüftete Felsen, tiefe Schluchten, knorrige Kiefern und ein unendlich weiter Himmel! Ein Ort der Ruhe, der Kontemplation – man möchte stundenlang einfach nur schauen und diese spektakuläre Landschaft in sich aufnehmen. Am Tag, in der Nacht. Nur schauen.

Das waren vielleicht auch die ersten Gedanken der beiden Architektinnen des spanischen Büros Camprubí i Santacana Arquitectes, als sie mit der Planung eines Hotels inmitten dieser herrlichen Gegend im Bezirk Matarraña im Nordosten Spaniens beauftragt wurden. Hier in der kleinen Gemeinde Monroyo, die an einem beliebten Wanderweg durch dieses Gebirgsland liegt, haben die Architektinnen ein Hotel geschaffen, das die Seele streichelt und die Augen verwöhnt. Das Hotel Consolación, erst in diesem Jahr eröffnet, trägt den gleichen Namen wie die kleine Einsiedelei in der Nähe des Hotels. In dieser Kapelle suchten schon viele nach Trost (Consolación) und Stille. Den Einklang mit Gott und der Natur.

Trost von den Belastungen des Alltags kann man nun aber auch in einem weltlicheren Rahmen finden. Denn Camprubí i Santacana Arquitectes haben die Kraft und Schönheit der Umgebung eindrucksvoll in ihrer Architektur fortgeführt.
Nur zwölf Zimmer zählt das kleine Hotel. Zehn davon befinden sich nicht im alten Haupthaus, sondern sind in holzverkleideten Kuben untergebracht. In hundert Metern Entfernung stehen die minimalistisch gestalteten Gästehäuser wie überdimensionale Fotokameras am Rande eines steilen Abhangs und blicken auf die weite, steinerne Landschaft. In ihrem Inneren schauen die Hotelgäste durch ein großes westorientiertes Fenster auf dieses grandiose Panorama.

Aber nicht nur der Blick aus dem Fenster macht diese Hotelzimmer besonders. Auch die Auswahl der Materialien und Möbel zeigt, dass die Architektinnen die Klarheit der umgebenden Natur im Inneren fortführen und auf alles Überflüssige verzichten wollten. Ein schwarzer Schieferboden, eine in den Boden eingelassene Badewanne aus demselben Stein geformt, ein an der Decke befestigter Kamin, ein Sessel, eine Leselampe und ein Bett. Nur das Nötigste, aber hochwertig und edel. Genau richtig, um sich in seinem knapp 40 Quadratmeter großen Refugium zurückzuziehen und abzuschalten.

 

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Wenn aber irgendwann der Hunger plagt oder die Einsamkeit doch etwas zu einsam ist, kann man den kleinen Weg durch den nach Rosmarin und Thymian duftenden Garten zurück zum Haupthaus schlendern. Hier sitzt das Herz des Consolación.

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Fließende Raumübergänge und variabel nutzbare Flächen lassen das Haupthaus sehr lebendig wirken. Freie Flächen können sowohl als Lounge oder als Besprechungsraum genutzt werden. Die Rezeption verwandelt sich am Abend in die Bar. Selbst die Küche wird in dieses Konzept einbezogen. Wo normalerweise kaum einem Gast Zutritt gewährt wird, gehen die Bewohner des Consolación ein und aus. Rund um die Uhr können die Gäste am Küchentresen Kleinigkeiten essen oder trinken. Wen das allerdings zu sehr an die Küchenarbeit zuhause erinnert, bevorzugt wohl doch die Mahlzeiten im angegliederten Restaurant zu sich zu nehmen. Das Restaurant befindet sich im Erdgeschoss eines alten barocken Gebäudes, das zu der Einsiedelei gehörte. Im Obergeschoss dieses Nebengebäudes sind auch zwei der zwölf Hotelzimmer untergebracht.

Das Hotel Consolación ist etwas besonderes. Die Gäste, die hierher kommen, suchen die Einsamkeit, die Isolation. Entweder im Hotel oder auf langen Wanderungen und Radtouren durch die Schluchten und dichten Kiefernwälder. Wer aber ein eher rastloser Mensch ist, der Trubel und Rummel im Leben braucht, dem fällt hier sicher nach kurzer Zeit die Decke auf den Kopf. Trotzdem lohnt sich auch schon ein kleiner Aufenthalt in diesem Hotel; auch wenn es nur ein Tag und eine Nacht ist, um den Blick in die Ferne zu richten und die Gedanken auf die Reise zu schicken.
 

Architektur: Camprubí i Santacana / Estela Camprubí Amat & Eugènia Santacana, www.camprubisantacana.com

Ort: Monroyo/Mont-roig, Teruel, Spanien

Fertigstellung: 2009

Fotos: Jaime Font Fures

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