Start Architektur Schweiz Schulerweiterung im schweizerischen Niederglatt

Schulerweiterung im schweizerischen Niederglatt

L3P Architekten


2005 gewannen L3P Architekten aus dem schweizerischen Regensberg den zweistufigen Wettbewerb zur Erweiterung des Oberstufenschulhauses in Niederglatt im Kanton Zürich. Das Raumprogramm wurde mit der Forderung nach einem Neubau von 6 Klassenzimmern, 12 Gruppenräumen und diversen Nebenräumen klar vorgegeben.

Wie bei behördlichen Aufträgen üblich, mussten strenge Vorgaben bezüglich der verlangten Raumgrößen und -flächen eingehalten werden. Da der Neubau als Ergänzung zu einem bestehenden Gebäude errichtet wurde, konnten nur noch begrenzte Erweiterungen der Aufenthaltsflächen realisiert werden. Zusätzlich waren im Bestand bauliche Eingriffe im Bereich der Lehrerzimmer, der Schulküche und der Zeichnungsräume auszuführen.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-31.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-33.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-schnitt-westfassde.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-34.jpg


Der Architekt des Bestandsgebäudes Walter Schindler hatte vor 25 Jahren die Lage eines Erweiterungsbaus beim damaligen Neubau des Schulgebäudes bereits vorgedacht. Für L3P war von Beginn an klar, dass sich ihre Schulerweiterungen bezüglich des zu verwendenden Fassadenmaterials und der Fensterteilung vom Altbau unterscheiden sollte. Zwar wurden mit der Lochfassade und dem Hebeschiebefenster zwei wesentliche Elemente aus dem bestehendem Kontext übernommen, formal aber neu und zeitgemäß interpretiert.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-01.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-03.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-04.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-07.jpg


Die Schüler der Oberstufenschule werden im Rahmen eines strengen »Aufstiegsprogramm« untergebracht. Sie beginnen die 7. Klasse im Erdgeschoss und beenden die Schule in der 9. Klasse im 2. OG. Dieser „Aufstieg“ in Form der schulischen Weiterbildung wird durch die mäanderartig gestaltete Klassenzimmerfassade symbolisiert.

  Die 12 Gruppenräume verteilen sich gleichmäßig auf die 3 Geschoße. Sie sind zum Flurbereich hin vollständig verglast und zugunsten maximaler Flexibilität bewusst nicht direkt den Schulzimmern zugeordnet. Jeweils 2 Gruppenräume können über eine Schiebetüre verbunden werden und sind damit auch für größere Gruppenübungen geeignet. Aufgrund der schulischen Grundausstattung mit Notebooks ist ein unabhängiges Arbeiten im gesamten Schulhausareal möglich.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-05.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-06.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-08.jpg

Die Wahl des geeigneten Fassadenmaterials fiel bereits während der Wettbewerbsphase. Gesucht wurde ein Kontrast zum groben Verputz der bestehenden Schulanlage. Diese Grobstruktur lebt im Zusammenspiel mit Lichteinfall und -intensität sehr stark und prägt die einfachen Kuben. Auch die für den Neubau gewählte Glasfaserplatte weist eine Struktur auf. Im Gegensatz zum Verputz ist diese im Material selbst, während die Platte glatt und transluzent bleibt. Je nach Einfall des Lichts verändert sich somit der Baukörper. Das bestehende Farbkonzept mit den warmen Tönen wird letztlich mit der orange-rötlichen Farbauswahl weitergeführt und ergänzt.

Ähnlich wie bei der Materialwahl der Fassade ist auch die Auseinandersetzung mit Form und technischer Umsetzung schon bei der Wettbewerbseingabe erfolgt. Die bestehenden kleinformatigen Hebeschiebefenster haben sich bei den alten Klassenzimmern bewährt. Eine qualitativ gute Durchspülung der Räume mit Frischluft während den kurzen Unterrichtspausen ist ohne mechanische Lüftung nur mit einem solchen System sichergestellt. Gleichzeitig werden die Arbeitssimse durch die Öffnung der Fenster in keinster Weise beeinträchtigt. Für L3P stand von Beginn an fest, dass dieses Fensterelement auch für die neuen Klassenzimmer verwendet wird. Das Neue an der Konstruktion ist, dass sich die festverglasten Teile rahmenlos präsentieren und die Flügel im Gegensatz dazu im wahrsten Sinne »umrahmt« sind. Der zusätzlich aufgesetzte äußere Rahmen ist fest und übernimmt im offenen Zustand des Schiebeteils einerseits die Absturzsicherung, andererseits bewirkt er, dass man den Eindruck gewinnt, das Fenster sei geschlossen.

Die GFK Fassadenplatten sind sehr witterungsbeständig, uv-resistent und praktisch unterhaltsfrei. Mit ihrer optischen Ausdruckskraft bieten sie sowohl ästhetisch wie funktional eine nachhaltige Gebäudehülle. Im Zusammenspiel mit den Hebeschiebefenstern aus Holz und Metall bleiben nach Meinung der Architekten eine hohe Wertbeständigkeit und ein komfortabler Nutzen über Jahrzehnte garantiert.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-09.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-11.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-13.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-19.jpg


Stockwerkübergreifend wurden OSB-Holzspanplatten in die Betonschalung der tragenden Zwischenwände einlegt und anschließend die gleichen Platten auch für die flexiblen nichttragenden Holztrennwände eingesetzt.
Zum Schluss wurde in Zusammenarbeit mit dem Farbgestalter Beat Soller eine farbliche Spezialbehandlung entwickelt. In einem aufwändigen handwerklichen Prozess wurden in neun Arbeitsgängen die Holz- und Betonwände farblich aneinander angeglichen: Die Oberfläche beider Materialien wirkt so überzeugend monolithisch, dass der Schreiner auch die Betonwände als eigene Leistung abrechnen wollte, ohne den materiellen Unterschied zu entdecken, der bei Berührung sehr wohl zu spüren ist.

Das innere Farbkonzept der Klassenzimmer wird durch die Elemente der Brandschutztüren und der Schreinerarbeiten in Eiche geprägt. Als Kontrast zur Nüchternheit des Sichtbetons bringt die gelb gestrichene Steckwand zum Korridor Farbe in die Klassenzimmer. Der Teppich wird in einem dunklen Grau ausgeführt, die raumhohen Hebeschiebefenster gleichen durch ihren Lichteinfall diese dunklen Flächen problemlos aus.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-10.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-12.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-16.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-18.jpg


Der Baukommission war wichtig, dass keine qualitativen akustischen Unterschiede zwischen Neubau und Altbau entstehen. Das ging soweit, dass mit einem Akustiker ein bestehendes Schulzimmer ausgemessen wurde und dieser an sich gute Wert von den neuen Klassenzimmern übernommen werden musste. Die ausgezeichneten Erfahrungen mit qualitativ hochwertigen Teppichböden in den bestehenden Schulzimmern bewogen die Bauherrschaft zudem, diese auch für die neuen Klassenzimmer zu fordern. Für L3P Architekten ergab sich die komfortable Situation, in der Regel auf weitere Schallabsorberelemente verzichten zu können. Einzig die rückwärtigen Schränke wurden mit akustisch wirksamen Fronten ausgerüstet.

Prägnant wirkt die Fluchttreppe, die im Norden als freistehende und leicht abgedrehte Sichtbetonkonstruktion mit Passarellen aus Gitterrosten mit dem Neubau verbunden ist. Das umhüllende Netz dient einerseits als Absturzsicherung, andererseits auch als Hilfe für die Kletterpflanzen, welche den Treppenturm in den nächsten Jahren »einpacken« werden.

Ein weiteres Augenmerk richteten die Architekten auf die Erweiterung der Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Man konnte die Bauherrschaft überzeugen, nicht mit dem vorhandenen Parkiersystem fortzufahren sondern anstelle dessen eine Lösung zu finden, welche architektonisch eine modernere Sprache spricht und eine Verbesserung der Hofsituation mit sich bringt. Entstanden sind 5 freistehende Überdachungen aus anthrazit eingefärbtem Sichtbeton.

Architekt:
L3P Architekten AG FH SIA, www.l3p.ch

Projektverantwortlich:
Martin Reusser, Architekt FH
Boris Egli, Architekt FH
Markus Müller, Architekt FH

Farbgestalter:
Beat Soller, Schweizer AG, Zürich

Fotograph:
Vito Stallone, Fotostudio Letizia, Baar

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Für das außergewöhnliche Projekt King Abdulaziz Center for World Culture im Herzen der saudi-arabischen Ölfelder setzte der Glasfassadenspezialist seele den Entwurf des Architekturbüros Snøhetta in eine Fassade komplett aus Edelstahlrohren um. Nur durch die Verzahnung von modernsten Informationstech...

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Die neue Schweizer Botschaft in der Hauptstadt Kenias bettet sich sanft in die Terrainlandschaft ein. Umfassungsmauer und Baukörper verschmelzen zu einem einheitlichen architektonischen Gebilde, das über hohe räumliche, funktionale und nachhaltige Qualitäten, über repräsentativ und zurückhaltend ges...

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Das Tübinger Hotel Domizil wird von DIA – Dittel Architekten neu gestaltet und saniert. Im Fokus steht eine authentische, moderne Designsprache sowie die Neustrukturierung des Eingangs- und Restaurantbereichs.

Weitere Artikel:

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Mit dem Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom wird das Ensemble der vorhandenen Technik- und Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Tübingen komplettiert. Der Entwurf des Büros Steimle Architekten schafft gleichermaßen die Verbindung zum umliegenden Areal aber auch die kontrastierende Wirkung durch die dur...

glasstec: Individualität in Architektur und Interieur

glasstec: Individualität in Architektur und Interieur

Zur glasstec 2018 in Düsseldorf stellt AGC Interpane viele neue und optimierte Produkte vor, die ganz im Zeichen der Individualität stehen: Sonnenschutzglas mit optimierter Technik und Ästhetik, Aktivglas, das Teile der Fassade farbig leuchten lässt, koloriertes Verbundsicherheitsglas, neue Designgl...

Maersk Tower von C.F. Møller Architects

Maersk Tower von C.F. Møller Architects

Der Maersk Tower von C.F. Møller Architects ist ein hochmodernes Forschungsgebäude, dessen innovative Architektur den optimierten Rahmen für erstklassige Gesundheitsforschung schafft und es zu einem gestalterischen Kontrapunkt in Kopenhagen macht. Das Gebäude verbindet die Universität Kopenhagen mit...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter


Ihre E-Mail
 
   

Senden Sie mir die kostenlosen Nachrichten der AZ/Architekturzeitung per E-Mail zu. Meine Anmeldung erfolgt, nachdem ich die Datenschutzhinweise gelesen haben. Die Nachrichten können Werbung von Dritten enthalten. Mein Einverständnis zum Empfang der Nachrichten kann ich jederzeit widerrufen.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Problemzone Wärmebrücke
    Problemzone Wärmebrücke Mit den steigenden Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden gewinnen Details und damit auch kleine Problemzonen immer mehr an…

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • L3P Architekten
    L3P Architekten - 5.0 out of 5 based on 1 vote
    L3P Architekten L3P Architekten aus dem schweizerischen Regensberg erarbeiten zusammen mit ihren Auftraggebern oder als Totalunternehmer nachhaltige Konzepte und Gebäude. Seit 2006 ist…

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Mit dem Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom wird das Ensemble der vorhandenen Technik- und Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Tübingen komplettiert. Der Entwurf des Büros ...

glasstec: Individualität in Architektur und Interieur

glasstec: Individualität in Architektur und Interieur

Zur glasstec 2018 in Düsseldorf stellt AGC Interpane viele neue und optimierte Produkte vor, die ganz im Zeichen der Individualität stehen: Sonnenschutzglas mit optimiert...

Maersk Tower von C.F. Møller Architects

Maersk Tower von C.F. Møller Architects

Der Maersk Tower von C.F. Møller Architects ist ein hochmodernes Forschungsgebäude, dessen innovative Architektur den optimierten Rahmen für erstklassige Gesundheitsforsc...

Restaurierung des alten Gerichtsgebäudes im Andreas Quartier, Düsseldorf

Restaurierung des alten Gerichtsgebäudes im Andreas Quartier, Düsseldorf

Von der ursprünglichen blauen Farbigkeit im Entree des alten Gerichtsgebäudes in Düsseldorf war nicht mehr viel zu sehen. Und auch sonst befanden sich das Gebäudeinnere u...

Innentür mit puristischem Design

Innentür mit puristischem Design

Die Nachfrage nach weißen Innentüren ist ungebrochen. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis des Bauherrn nach einem individualisierten Produkt in seinem Zuhause. Die Innentür...

Stadtvilla in Stuttgart von Fuchs Wacker Architekten

Stadtvilla in Stuttgart von Fuchs Wacker Architekten

Die Stadtvilla mit Satteldach liegt in einer reizvollen Höhenlage. Unweit des Zentrums Stuttgarts ist dieses Gebäude eine stille Oase und privater Rückzugsort. In alle Hi...

Handaufmaß war gestern - Laserscanauswertung einer Basilika

Handaufmaß war gestern - Laserscanauswertung einer Basilika

Die in Düsseldorf stehende Pfeilerbasilika St. Margareta - ein architektonisches Meisterwerk Ihrer Zeit - wurde zwischen 1220 bis 1230 als Stiftskirche errichtet. Kunstvo...

Betonage von Betondecken

Betonage von Betondecken

Die Waldkraiburger Primo GmbH hat ein weiteres cleveres Zubehörtool für die Betonage von Betondecken entwickelt, auf den Markt gebracht und zum Patent angemeldet: Mit dem...

Mit Farbe gegen Vergrünung, Algen und Schimmel

Mit Farbe gegen Vergrünung, Algen und Schimmel

Jeder kennt die Sünden der Vergangenheit, als man auf Putzfassaden dicke Farbschichten auftrug, Schimmel und Algen mit giftigen Bioziden fernhalten wollte und sich trotzd...

Laserscannen von Bestandsgebäuden

Laserscannen von Bestandsgebäuden

Architekten, Planer und Ingenieure sind auf maßstabsgerechte Zeichnungen und Modelle angewiesen - sei es für den Umbau, die Neuplanung oder zur Dokumentation bestehender ...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.