AZ/Architekturzeitung - Architekturzeitschrift für Architektur & Architekten - Deutschland, Österreich, Schweiz

AZ/Architekturzeitung - Deutschland Österreich Schweiz |Freitag, 18.05.2012 |
| Text
  • Schrift vergrößern
  • Default font size
  • Schrift verkleinern
Start Architektur Schweiz Schulerweiterung im schweizerischen Niederglatt
Anzeige az6-1-468x60

Schulerweiterung im schweizerischen Niederglatt

L3P Architekten


2005 gewannen L3P Architekten aus dem schweizerischen Regensberg den zweistufigen Wettbewerb zur Erweiterung des Oberstufenschulhauses in Niederglatt im Kanton Zürich. Das Raumprogramm wurde mit der Forderung nach einem Neubau von 6 Klassenzimmern, 12 Gruppenräumen und diversen Nebenräumen klar vorgegeben.

Wie bei behördlichen Aufträgen üblich, mussten strenge Vorgaben bezüglich der verlangten Raumgrößen und -flächen eingehalten werden. Da der Neubau als Ergänzung zu einem bestehenden Gebäude errichtet wurde, konnten nur noch begrenzte Erweiterungen der Aufenthaltsflächen realisiert werden. Zusätzlich waren im Bestand bauliche Eingriffe im Bereich der Lehrerzimmer, der Schulküche und der Zeichnungsräume auszuführen.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-31.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-33.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-schnitt-westfassde.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-34.jpg


Der Architekt des Bestandsgebäudes Walter Schindler hatte vor 25 Jahren die Lage eines Erweiterungsbaus beim damaligen Neubau des Schulgebäudes bereits vorgedacht. Für L3P war von Beginn an klar, dass sich ihre Schulerweiterungen bezüglich des zu verwendenden Fassadenmaterials und der Fensterteilung vom Altbau unterscheiden sollte. Zwar wurden mit der Lochfassade und dem Hebeschiebefenster zwei wesentliche Elemente aus dem bestehendem Kontext übernommen, formal aber neu und zeitgemäß interpretiert.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-01.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-03.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-04.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-07.jpg


Die Schüler der Oberstufenschule werden im Rahmen eines strengen »Aufstiegsprogramm« untergebracht. Sie beginnen die 7. Klasse im Erdgeschoss und beenden die Schule in der 9. Klasse im 2. OG. Dieser „Aufstieg“ in Form der schulischen Weiterbildung wird durch die mäanderartig gestaltete Klassenzimmerfassade symbolisiert.

  Die 12 Gruppenräume verteilen sich gleichmäßig auf die 3 Geschoße. Sie sind zum Flurbereich hin vollständig verglast und zugunsten maximaler Flexibilität bewusst nicht direkt den Schulzimmern zugeordnet. Jeweils 2 Gruppenräume können über eine Schiebetüre verbunden werden und sind damit auch für größere Gruppenübungen geeignet. Aufgrund der schulischen Grundausstattung mit Notebooks ist ein unabhängiges Arbeiten im gesamten Schulhausareal möglich.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-05.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-06.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-08.jpg

Die Wahl des geeigneten Fassadenmaterials fiel bereits während der Wettbewerbsphase. Gesucht wurde ein Kontrast zum groben Verputz der bestehenden Schulanlage. Diese Grobstruktur lebt im Zusammenspiel mit Lichteinfall und -intensität sehr stark und prägt die einfachen Kuben. Auch die für den Neubau gewählte Glasfaserplatte weist eine Struktur auf. Im Gegensatz zum Verputz ist diese im Material selbst, während die Platte glatt und transluzent bleibt. Je nach Einfall des Lichts verändert sich somit der Baukörper. Das bestehende Farbkonzept mit den warmen Tönen wird letztlich mit der orange-rötlichen Farbauswahl weitergeführt und ergänzt.

Ähnlich wie bei der Materialwahl der Fassade ist auch die Auseinandersetzung mit Form und technischer Umsetzung schon bei der Wettbewerbseingabe erfolgt. Die bestehenden kleinformatigen Hebeschiebefenster haben sich bei den alten Klassenzimmern bewährt. Eine qualitativ gute Durchspülung der Räume mit Frischluft während den kurzen Unterrichtspausen ist ohne mechanische Lüftung nur mit einem solchen System sichergestellt. Gleichzeitig werden die Arbeitssimse durch die Öffnung der Fenster in keinster Weise beeinträchtigt. Für L3P stand von Beginn an fest, dass dieses Fensterelement auch für die neuen Klassenzimmer verwendet wird. Das Neue an der Konstruktion ist, dass sich die festverglasten Teile rahmenlos präsentieren und die Flügel im Gegensatz dazu im wahrsten Sinne »umrahmt« sind. Der zusätzlich aufgesetzte äußere Rahmen ist fest und übernimmt im offenen Zustand des Schiebeteils einerseits die Absturzsicherung, andererseits bewirkt er, dass man den Eindruck gewinnt, das Fenster sei geschlossen.

Die GFK Fassadenplatten sind sehr witterungsbeständig, uv-resistent und praktisch unterhaltsfrei. Mit ihrer optischen Ausdruckskraft bieten sie sowohl ästhetisch wie funktional eine nachhaltige Gebäudehülle. Im Zusammenspiel mit den Hebeschiebefenstern aus Holz und Metall bleiben nach Meinung der Architekten eine hohe Wertbeständigkeit und ein komfortabler Nutzen über Jahrzehnte garantiert.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-09.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-11.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-13.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-19.jpg


Stockwerkübergreifend wurden OSB-Holzspanplatten in die Betonschalung der tragenden Zwischenwände einlegt und anschließend die gleichen Platten auch für die flexiblen nichttragenden Holztrennwände eingesetzt.
Zum Schluss wurde in Zusammenarbeit mit dem Farbgestalter Beat Soller eine farbliche Spezialbehandlung entwickelt. In einem aufwändigen handwerklichen Prozess wurden in neun Arbeitsgängen die Holz- und Betonwände farblich aneinander angeglichen: Die Oberfläche beider Materialien wirkt so überzeugend monolithisch, dass der Schreiner auch die Betonwände als eigene Leistung abrechnen wollte, ohne den materiellen Unterschied zu entdecken, der bei Berührung sehr wohl zu spüren ist.

Das innere Farbkonzept der Klassenzimmer wird durch die Elemente der Brandschutztüren und der Schreinerarbeiten in Eiche geprägt. Als Kontrast zur Nüchternheit des Sichtbetons bringt die gelb gestrichene Steckwand zum Korridor Farbe in die Klassenzimmer. Der Teppich wird in einem dunklen Grau ausgeführt, die raumhohen Hebeschiebefenster gleichen durch ihren Lichteinfall diese dunklen Flächen problemlos aus.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-10.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-12.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-16.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-18.jpg


Der Baukommission war wichtig, dass keine qualitativen akustischen Unterschiede zwischen Neubau und Altbau entstehen. Das ging soweit, dass mit einem Akustiker ein bestehendes Schulzimmer ausgemessen wurde und dieser an sich gute Wert von den neuen Klassenzimmern übernommen werden musste. Die ausgezeichneten Erfahrungen mit qualitativ hochwertigen Teppichböden in den bestehenden Schulzimmern bewogen die Bauherrschaft zudem, diese auch für die neuen Klassenzimmer zu fordern. Für L3P Architekten ergab sich die komfortable Situation, in der Regel auf weitere Schallabsorberelemente verzichten zu können. Einzig die rückwärtigen Schränke wurden mit akustisch wirksamen Fronten ausgerüstet.

Prägnant wirkt die Fluchttreppe, die im Norden als freistehende und leicht abgedrehte Sichtbetonkonstruktion mit Passarellen aus Gitterrosten mit dem Neubau verbunden ist. Das umhüllende Netz dient einerseits als Absturzsicherung, andererseits auch als Hilfe für die Kletterpflanzen, welche den Treppenturm in den nächsten Jahren »einpacken« werden.

Ein weiteres Augenmerk richteten die Architekten auf die Erweiterung der Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Man konnte die Bauherrschaft überzeugen, nicht mit dem vorhandenen Parkiersystem fortzufahren sondern anstelle dessen eine Lösung zu finden, welche architektonisch eine modernere Sprache spricht und eine Verbesserung der Hofsituation mit sich bringt. Entstanden sind 5 freistehende Überdachungen aus anthrazit eingefärbtem Sichtbeton.

Architekt:
L3P Architekten AG FH SIA, www.l3p.ch

Projektverantwortlich:
Martin Reusser, Architekt FH
Boris Egli, Architekt FH
Markus Müller, Architekt FH

Farbgestalter:
Beat Soller, Schweizer AG, Zürich

Fotograph:
Vito Stallone, Fotostudio Letizia, Baar
Anzeige az6-2-468x60

Tautes Heim – Wohnen wie zu Bruno Tauts Zeiten

Tautes Heim – Wohnen wie zu Bruno Tauts Zeiten

Das für 1-4 Personen ausgelegte Ferienhaus »Tautes Heim« in Berlin ist Architektur- und Designgeschichte zum Anfassen – ein Ort wie geschaffen für alle, die keine Lust auf unpersönliche Hotels haben und für ihren nächsten Berlin-Besuch lieber etwas Besonderes abseits der ausgetretenen Touristenpfade...

Lichtdach im Bahnhof Hamburg-Barmbek

Lichtdach im Bahnhof Hamburg-Barmbek

Am Bahnhof im Hamburger Stadtteil Barmbek war eine stadträumliche Neuordnung und Aufwertung des Bahnhofsgeländes nötig.

Der Bahnhof in Hamburg-Barmbek ist mit 60.000 Fahrgästen an Werktagen einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Hansestadt. Derzeit erhält er einen neuen Busbahnhof.

2004 lobten...

Die Ennigerbrücke in Malters von Pirmin Jung Ingenieure

Die Ennigerbrücke in Malters von Pirmin Jung Ingenieure

Holzbrücken sind die ältesten Brücken der Welt und erleben wegen ihrer Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit eine Renaissance. Hundert Jahre führte die alte Enniger Holzbrücke über den Fluß und wurde 2005 bei einem Unwetter vom Hochwasser der Kleinen Emme mitgerissen und vollkommen zerstört. Die 2010 ...

Weitere Artikel:

Teppichsortiment in der Farbkombination des »Harmony House«

Teppichsortiment in der Farbkombination des »Harmony House«

Die Teppichmanufaktur Ruckstuhl hat gemeinsam mit der Farbspezialistin Katrin Trautwein ein neues Farbkonzept für sein Teppichsortiment entwickelt. Inspiriert durch die Idee des »Harmony House« wurden die Kollektion um neue Farben ergänzt.

Vitra Grand Repos - Sessel von Antonio Citterio

Vitra Grand Repos - Sessel von Antonio Citterio

Der »Grand Repos« von Antonio Citterio verbindet die Erfahrung von Vitra bei ergonomischen Bürostühlen mit dem Komfort eines bequemen Lounge-Sessels. Der Ruhesessel des italienischen Designers erfüllt den Wunsch nach Bequemlichkeit.

Für den »Grand Repos« – sowie das Modell ohne Ohren »Repos« – transf...

Strapazierfähige Böden in vielen Farben

Strapazierfähige Böden in vielen Farben

Die zementgebundene Bodenspachtelmasse »ServoArt CeFlo« eignet sich für den Einbau in Restaurants, Bistros und Cafés. Die Bodenspachtelmasse lässt sich rationell, großflächig und fugenlos verarbeiten. Je nach gewünschter Optik lassen sich dabei verschiedene Strukturen, Farbverläufe und Oberflächenmu...

Weitere Artikel:
Anzeige az2-1-300x250
Anzeige az2-2-300x250

Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Unternehmensvorstellung


Anzeige az2-u-300x250

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • a-tour Architekturführungen in Hamburg
    a-tour Architekturführungen in Hamburg a-tour Architekturführungen in Hamburg wurde 2002 von den Architekten Friederike Stegmüller und Torsten Stern gegründet. Das Unternehmen bietet Architekten und…
Ihr Büro an dieser Stelle

 

Teppichsortiment in der Farbkombination des »Harmony House«

Die Teppichmanufaktur Ruckstuhl hat gemeinsam mit der Farbspezialistin Katrin Trautwein ei...

 

Vitra Grand Repos - Sessel von Antonio Citterio

Der »Grand Repos« von Antonio Citterio verbindet die Erfahrung von Vitra bei ergonomisch...

 

Holz oder kein Holz?

Sieht aus wie Holz und ist auch welches: Die Terrassendielen »Silberpatina Douglasie«, d...

 

Anziehende Leuchte

Eine magnetische Kugel im Inneren ist das Geheimnis der von Giulio Iacchetti gestalteten L...

 

Vertikaler Garten für »green buildings«

Der vertikale Garten des Floristen und Künstlers Patrick Blanc ist zum Markenzeichen des ...
Facebook Architektur Google + Twitter Architektur

Anzeige az5-1-160x600