Anzeige AZ-A2-728x90 R7
Start Architektur Schweiz L3P Architekten: Das vertikale Museum von Regensberg

L3P Architekten: Das vertikale Museum von Regensberg

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-02.jpg


Regensberg, eines der fünf Zürcher Landstädtchen, liegt im Unterland am östlichen Ausläufer der Jurakette. An höchster Stelle liess der Gründer um 1245 den Rundturm erstellen, welcher bis heute sowohl den Grossbrand von 1540 wie auch die diversen Belagerungen und Verwüstungen im 15. Jh. überstand. Nach den heftigen Blitzeinschlägen von 1766 wurde auf die Erneuerung des Turmhelms verzichtet. Rekonstruktionsgesuche musste die Denkmalpflege in der Neuzeit mehrmals ablehnen. Die ältesten Balken weisen übrigens ein Fälldatum von 1376 auf, die ältesten Treppenelemente sind bereits über 250 Jahre alt. Die letzten baulichen Eingriffe erfolgten vor ungefähr 120 Jahren, als das Schloss zu einem Kinderheim umgenutzt und der Turm der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-03.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-04.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-05.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-09.jpg

Diverser Unterhaltsbedarf war überfällig, löste in der Folge aber ein Projekt aus, welches, nebst der sanften Renovation, auch die bis heute fehlenden Informationen über das Landstädtchen, den Turm als ältestes Bauwerk der Gemeinde, aber auch zur Geschichte der Stiftung Schloss Regensberg vermittelt.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-06.jpg


http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-31.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/schnitt-1_100.jpg
Konzept Sanierung und Umnutzung
Infolge enger Platzverhältnisse im Turminnern wurden die Informationen auf das Wesentliche reduziert. Die Präsentation erfolgt durch einheitlich dimensionierte Panelen wie auch mit Monitoren. Aus den Recherchen entstanden sehr umfangreiche Grundlagen der Historiker, welche in einem Buch umfassend verarbeitet wurden. Der in Regensberg ankommende Besucher wird auf dem Weg zur Oberburg mittels Aussentafeln über die Geschichte und die Ausstellung im Turm vororientiert.

Von allem Anfang an war klar, dass auf Grund des Klimas im Turminnern Informationen und Bildmaterial auf Glas gedruckt und von hinten beleuchtet werden soll. Die Lichtplaner nutzten diese Ausgangslage und beschränkten die allgemeine Beleuchtung auf diese indirekten Lichtquellen. Alle erforderlichen einzulegenden Installationen sind in einer Steigzone integriert und in den mit rohem Drahtnetz verkleideten Balkenlagen montiert.

Der Zustand der Turminnenwände wurde nach der Reinigung unverändert belassen. Die Wandoberflächen aber auch die räumliche Qualität der einzelnen Geschosse sind unterschiedlich und kamen dem Konzept, pro Geschoss ein bestimmtes Thema zu dokumentieren, sehr entgegen. Sämtliche Einbauten, Absturzsicherungen, Vitrinen und Panels sind mit rohem Stahl schnörkellos und zeitgemäss konstruiert.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-10.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-11.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-13.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-14.jpg


EG Thema: Das Leben im Mittelalter
Markantester Eingriff ist der neu geschaffene Ausgang durch die 3m dicke Aussenmauer. Durch die Verlegung der Drehkreuze in die Wanddurchbrüche konnte viel Platz gewonnen und das nachfolgende Geschoss völlig frei gestaltet werden. Mit einem Bodenschlitz wurde die Felsschicht freigelegt auf welcher der Turm fundiert ist. In den aus monolithisch gehauenen Naturstein-Nischen konnten die wenigen vorhandenen Fundstücken aus dem Mittelalter in filigran entwickelten Vitrinen ausgestellt werden.

1. OG Thema: Die Freiherren von Regensberg, die Grafen von Habsburg und die Zürcher Landvögte
Auf diesem Geschoss kommt das archaisch anmutende, teilweise verputzte Mauerwerk stark zur Geltung. Ursprünglich war der Raum bis zum Turmboden offen und könnte als Kerker gedient haben. Der Turmzugang befand sich im Mittelalter im 2. OG.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-18.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-19.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-22.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-23.jpg


2.+3. OG Thema: Regensberg 1798 bis heute
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-17.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-24.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/l3p-architekten-27.jpg
In diesen beiden Geschossen sind die ältesten Holzkonstruktionen nachgewiesen. Um den Eindruck der Treppenanlage und Balkenlagen ungeschmälert einwirken zu lassen, wurden die beiden Geschosse optisch verbunden, das Ausstellungsgut zu Gunsten der Raumwirkung reduziert. Ausserhalb der Zirkulationszone kann von einer „Kanzel“ viel Informatives zum Thema an einem Monitoren betrachtet werden. Dieser bauliche Eingriff führte auf der anderen Seite zum Verzicht von historisierenden Treppengeländern als Absturzsicherung.

4. OG Thema: Geschichte und Entwicklung der Stiftung Schloss Regensberg
Von der Erziehungsanstalt zum Sonderschulheim mit Berufsvorbereitung zeigt die Entwicklung der letzten 125 Jahre. Die Informationen werden durch eine weitere Bildschirm-Präsentation ergänzt. Nahezu unbemerkt haben die zugezogenen Steinmetze die alten hässlichen Regenwasserabläufe der Zinne in den Mauerabsatz eingebettet.

5. OG Thema: Turmhelm, das Unglück von 1766 und das 9-monatige Provisorium des Spitzhelmes
Dieses letzte Geschoss liegt bereits im Bereich des Ende 18. Jh. eingezogenen Gewölbes für die Zinne. Die Bildschirmpräsentation geht auf den Brand von 1540, aber auch auf das Ende des Turmhelmes ein. Warum das Provisorium der Höhepunkt der 750-Jahre-Feier wurde und wieso ein erneuter Versuch zur Rekonstruktion des Spitzhelmes eine erneute Abfuhr durch die Denkmalpflege erfuhr erfährt man auf diesem Geschoss wo auch in einer speziellen Vitrine das Modell des Turmhelmes 1994 gezeigt wird.

Flachdach/Zinne, Aussicht in die Neuzeit
Mit dem Betreten der Zinne wird man endgültig mit der Neuzeit konfrontiert. Mit dem neuem Turmaufgang wurde ein Bezug zum inneren Freiraum der Oberburg hergestellt. Die Materialisierung mit Fiberglas sowie die Volumetrie erinnert aber auch an ein Schneckengehäuse, dessen versteinerte Formen auch in den Zinnenabdeckungen zu entdecken sind. Diese zeitgemässe Interpretation des wettersicheren Ausstiegs auf die Zinne wird ergänzt durch die Absturzsicherungen in Glas und den Orientierungstafeln der verschiedenen Ausblicke.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/grundriss-eg-1_100.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/grundriss-1og-1_100.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/grundriss-2og-1_100.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/grundriss-3og-1_100.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/grundriss-4og-1_100.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1007/grundriss-5og-1_100.jpg


L3P Architekten SIA FH AG Regensberg, www.l3p.ch
Projektverantwortlich: Rolf Lüthi Arch.SIA; Boris Egli Arch.FH

Fotograf: Vito Stallone
Lichtplaner: Vogt + Partner, Winterthur
Austellungsmacher: René Kindlimann, Aathal
Historiker: Dr. Bruno Meier, Baden + Dr.Dominik Sauerländer, Aarau
Kantonale Denkmalpflege: Beat Stahel

Bauherr: Stiftung Schloss Regensberg
Standort: Regensberg, Kanton Zürich, Schweiz
Fertigstellung: 24.10.2009


Leuchten/Licht:
Leuchten Giger AG, www.leuchtengiger.ch
Lichtwerk GmbH, www.lichtwerk.de
Zumtobel Licht AG, www.zumtobel.com
Osram AG, www.osram.com
Opticalight GmbH, www.opticalight.ch
Lighting Innovation Group AG, www.lig.ht
Solderbond GmbH, www.solderbond.ch
Huco AG, www.hucoag.ch

 

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Für das außergewöhnliche Projekt King Abdulaziz Center for World Culture im Herzen der saudi-arabischen Ölfelder setzte der Glasfassadenspezialist seele den Entwurf des Architekturbüros Snøhetta in eine Fassade komplett aus Edelstahlrohren um. Nur durch die Verzahnung von modernsten Informationstech...

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Die neue Schweizer Botschaft in der Hauptstadt Kenias bettet sich sanft in die Terrainlandschaft ein. Umfassungsmauer und Baukörper verschmelzen zu einem einheitlichen architektonischen Gebilde, das über hohe räumliche, funktionale und nachhaltige Qualitäten, über repräsentativ und zurückhaltend ges...

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Das Tübinger Hotel Domizil wird von DIA – Dittel Architekten neu gestaltet und saniert. Im Fokus steht eine authentische, moderne Designsprache sowie die Neustrukturierung des Eingangs- und Restaurantbereichs.

Weitere Artikel:

Leuchte »Lander« von Renzo Piano

Leuchte »Lander« von Renzo Piano

Lander ist eine neue extrem elegante Pollerleuchte, die iGuzzini nach einer Idee von Renzo Piano speziell für die Beleuchtung der Parklandschaft des von dem Genueser Architekturbüro gebauten Stavros Niarchos Kulturzentrums entwickelt hat.

Platzgestaltung des Emanuel-Merck-Platzes in Darmstadt

Platzgestaltung des Emanuel-Merck-Platzes in Darmstadt

Der Platz vor dem Merck Innovationszentrum soll ein öffentliches Forum als zentrale Adresse des globalen Unternehmens sein. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, gestaltete Merck ihn entsprechend aufwändig – mit aus dem Boden herausragenden geschwungenen Pflanzinseln und einem strahlend hellen Belag...

Neue Aluminiumfassade

Neue Aluminiumfassade

In der ehemaligen DDR wurde Uran abgebaut, was mit einer erheblichen Belastung für die Natur einherging. Die Wismut GmbH hat die Aufgabe, diese Umweltverschmutzung zu sanieren. Um dem nachkommen zu können, war der Bau eines neuen Gebäudes erforderlich. Es wurde mit den Aluminiumverbundplatten des gr...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter


Ihre E-Mail
 
   

Senden Sie mir die kostenlosen Nachrichten der AZ/Architekturzeitung per E-Mail zu. Meine Anmeldung erfolgt, nachdem ich die Datenschutzhinweise gelesen haben. Die Nachrichten können Werbung von Dritten enthalten. Mein Einverständnis zum Empfang der Nachrichten kann ich jederzeit widerrufen.

Fachwissen | Architekten + Planer

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • L3P Architekten
    L3P Architekten - 5.0 out of 5 based on 1 vote
    L3P Architekten L3P Architekten aus dem schweizerischen Regensberg erarbeiten zusammen mit ihren Auftraggebern oder als Totalunternehmer nachhaltige Konzepte und Gebäude. Seit 2006 ist…

Leuchte »Lander« von Renzo Piano

Leuchte »Lander« von Renzo Piano

Lander ist eine neue extrem elegante Pollerleuchte, die iGuzzini nach einer Idee von Renzo Piano speziell für die Beleuchtung der Parklandschaft des von dem Genueser Arch...

Platzgestaltung des Emanuel-Merck-Platzes in Darmstadt

Platzgestaltung des Emanuel-Merck-Platzes in Darmstadt

Der Platz vor dem Merck Innovationszentrum soll ein öffentliches Forum als zentrale Adresse des globalen Unternehmens sein. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, gestalte...

Neue Aluminiumfassade

Neue Aluminiumfassade

In der ehemaligen DDR wurde Uran abgebaut, was mit einer erheblichen Belastung für die Natur einherging. Die Wismut GmbH hat die Aufgabe, diese Umweltverschmutzung zu san...

Heimathafen

Heimathafen

Der Hafen in Offenbach entwickelt sich zu einem begehrten Stadtquartier. Auf der Hafeninsel bieten nun neun Punkthäuser optimale Sichtbezüge zum Wasser. Geräusche von auß...

Brandschutzwächter mit Sicherheitsring

Brandschutzwächter mit Sicherheitsring

Eine smarte Brandschutzmanschette, die im Brandfall groß heraus kommt und dem Feuer den Weg versperrt. Fest verbunden mit dem Verstärkungsblech für Stahltrapezprofildäche...

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Mit dem Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom wird das Ensemble der vorhandenen Technik- und Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Tübingen komplettiert. Der Entwurf des Büros ...

glasstec: Individualität in Architektur und Interieur

glasstec: Individualität in Architektur und Interieur

Zur glasstec 2018 in Düsseldorf stellt AGC Interpane viele neue und optimierte Produkte vor, die ganz im Zeichen der Individualität stehen: Sonnenschutzglas mit optimiert...

Maersk Tower von C.F. Møller Architects

Maersk Tower von C.F. Møller Architects

Der Maersk Tower von C.F. Møller Architects ist ein hochmodernes Forschungsgebäude, dessen innovative Architektur den optimierten Rahmen für erstklassige Gesundheitsforsc...

Restaurierung des alten Gerichtsgebäudes im Andreas Quartier, Düsseldorf

Restaurierung des alten Gerichtsgebäudes im Andreas Quartier, Düsseldorf

Von der ursprünglichen blauen Farbigkeit im Entree des alten Gerichtsgebäudes in Düsseldorf war nicht mehr viel zu sehen. Und auch sonst befanden sich das Gebäudeinnere u...

Innentür mit puristischem Design

Innentür mit puristischem Design

Die Nachfrage nach weißen Innentüren ist ungebrochen. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis des Bauherrn nach einem individualisierten Produkt in seinem Zuhause. Die Innentür...

Weitere Artikel:

Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.