Anzeige AZ-A2-728x90 R7
Start Magazin Architektur + Kunst Ein »Architekt der Leere« zwischen Kunst und Philosophie:Eduardo Chillida Retrospektive

Ein »Architekt der Leere« zwischen Kunst und Philosophie:Eduardo Chillida Retrospektive

Ein »Architekt der Leere« zwischen Kunst und Philosophie.
-Eduardo Chillida Retrospektive in Münster-

»Moderne Unart, die Künste theoretisch auseinandergehalten als einzelne genießen zu müssen«, schrieb Friedrich Nietzsche im Herbst 1869 nieder. Ihm leuchtete dabei freilich das antike Musikdrama als Vorbild. Wie ist es aber heutzutage bestellt mit der Überschreitung der Grenzlinien der Künste? Die Verbindung von Musik, Tanz und Raum bzw. Architektur ist Dank der kürzlich verstorbenen Pina Bausch oder auch Sasha Waltz schon auf gutem Wege. Wie aber kann die bildende Kunst in die Bewegung geraten?

»Gravitation - Tief ist die Luft«, Bildrechte: Chillida Family, Zabalaga-Leku, San SebastiánEin lebhafter Zeuge für eine schöpferische Auseinandersetzung mit Architektur bzw. Raum, Bildhauerei, Malerei, Musik und Philosophie zugleich war Eduardo Chillida (1924-2002). Anlässlich seines zehnten Todestages entfaltet das baskische »Museo Chillida-Leku« in diesem Jahr eine Reihe von Aktivitäten. Dazu bildet eine Schau im Münsteraner »Picasso-Museum« den Auftakt, die noch bis 22. April läuft und für deren Kuratierung Chillidas ältester Sohn Ignacio gewonnen werden konnte.

Der Baske ist hierzulande kein Unbekannter, so kommt unterschwellig seine Statue »Einheit«, die vor dem Berliner Kanzleramt aufgestellt ist, mit fast jeder politischen Bildberichterstattung in die heimischen Wohnungen. Aber auch ganz fundamental war Eduardo Chillida mit Deutschland verbunden. Seine Skulpturen, Hommagen oder Malerbücher an Goethe, Bach und Heidegger zeugen von der Wertschätzung und auch die Lektüre von Jakob Böhme oder Meister Eckhard lassen eine ans Mythische grenzende Natur- und Materialliebe aus den gemeinsamen Quellen strömen.

Die Münsteraner Schau zeigt insgesamt 115 Arbeiten des Bildhauers, die sich sowohl zeichnerisch, als auch skulptural ihren Weg bahnten und setzt den Fokus dabei auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Besonderes Augenmerk legte der Kurator auf die Werkgenese der „Windkämme“ (Peines del Viento), die durch eine Reihe von Zeichnungen und Mini-Skupturen verdeutlicht wird.

»Windkamm XI«, Bildrechte: Chillida Family, Zabalaga-Leku, San Sebastián

 



Unter anderem auch einen bibliophilen Leckerbissen für Heidegger-Freunde kann die Schau präsentieren, nämlich ein Malerbuch, das 1969 in einer Gesamtauflage von 150 erschienen war. Der Großdenker schrieb darin handschriftlich auf lithografischem Stein den Text zum Aufsatz »Die Kunst und der Raum«. In einem direkten Dialog von Philosophie und Kunst fertigte Chillida sieben Litho-Collagen hierzu, die sich mit Raum im Sinne von Räumen und mit Raum, der durch den Ort bzw. das Werk entsteht, auseinandersetzen.

Mit Untersuchungen von Strukturen, die das »Zwischen« zwischen ihnen thematisieren, hat der Bildhauer sich oft beschäftigt. Es nimmt also nicht wunder, dass Chillida sich auch als »Architekt der Leere« bezeichnete, denn diese verstand er nicht als Nichts, sondern vielmehr im Sinne eines »offenen Waltens« oder wie es im o.g. Aufsatz ausgedrückt ist: »Vermutlich ist jedoch die Leere gerade mit dem Eigentümlichen des Ortes verschwistert und darum kein Fehlen, sondern einen Hervorbringen«.

BILD »Oxyd 35«. Bildrechte: Chillida Family, Zabalaga-Leku, San Sebastián

Die Exponate in der Ausstellung sind beredte Zeugen hierfür. Ob nun Zeichnung, Mini-Skulptur oder begehbare Plastik, immer ist das »Zwischen« mitbestimmend, in dem sich Menschen, Dinge und Materialien begegnen. Vor diesem Hintergrund erscheinen auch die gezeichneten Formen und Strukturen nicht als geheimnisvolle Hieroglyphen, sondern als immer neue zweidimensionale Variationen der konstituierenden Beziehung von Form und Fläche. In diesem Sinne ist der geneigte Besucher des Picasso-Museums permanenten im Modus des Entdeckens und wenn die Chillida-Lust noch mehr fordert, ist der Weg zum Münsteraner Rathaushof nicht weit, in dem die begehbare Arbeit »Toleranz durch Dialog« steht, die dem Westfälischen Frieden von 1648 gewidmet ist.

Christian J. Grothaus, Architekt und freier Autor, Berlin

Konferenzzentrum von schneider+schumacher in Mannheim

Konferenzzentrum von schneider+schumacher in Mannheim

Im zweitgrößten Barockschloss Europas kreiert schneider+schumacher ein modernes Studien- und Konferenzzentrum für die Mannheim Business School. Die in den Garten eingeschnittene Anlage bildet zusammen mit dem historischen Schloss eine markante neue Einheit, die symbolisch für die Bewahrung der Tradi...

DEGELO Architekten gewinnen Wettbewerb zum Konferenzzentrum in Heidelberg

DEGELO Architekten gewinnen Wettbewerb zum Konferenzzentrum in Heidelberg

Das Büro DEGELO Architekten aus Basel hat den ersten Preis beim Wettbewerb zur künftigen Gestaltung des neuen Konferenzzentrums in der Heidelberger Bahnstadt gewonnen. Das Preisgericht wählte den Entwurf unter 22 eingereichten Arbeiten aus.

Chicago Architecture Biennial

Chicago Architecture Biennial

Als Kunst- und Kulturstadt ist die zweitgrösste Stadt in den USA bislang nicht bekannt. Das größere New York hat hier doch deutlich mehr Strahlkraft. Aber Chicago legt nach und zeigt deutliche Anzeichen, sich als Kulturstätte neu zu erfinden. Ein besonderes Event ist die Chicago Architecture Biennia...

Weitere Artikel:

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylglas-Kunststoff. Sie fassen sich im Vergleich zu Glasschiebetüren warm an und sind unempfindlich gegenüber Verschmutzungen.

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und weiterhin sinnvoll zu nutzen, wählten die Betreiber einen recht ungewöhnlichen Weg: die Umwandlung der Brennerei Weißenfeld in ein...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die neue Parklandschaft, welche die Grün Berlin GmbH im Auftrag des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf realisierte, breitet sich in einem...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylgla...

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und ...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die ...

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

H7, das Bürohaus von Andreas Heupel Architekten im alten Stadthafen von Münster, ist ein siebengeschossiger Holz-Hybridbau, der neue Maßstäbe im Hinblick auf Ökologie und...

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Die Profile des Fensters »cero« messen trotz der möglichen 15 Quadratmeter großen Scheibenelemente gerade einmal 34 Millimeter. Für die jeweiligen Anforderungen an Wärmed...

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Die neue Wirtschaftsuniversität in Wien ist die größte der Europäischen Union. Bisher befand sich die alte Wirtschaftsuniversität in einem Gebäude aus den 1970er-Jahren. ...

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Es ist ein eigenwilliges Gebäude, das 1967 nach dem Entwurf des Architekten Wolfgang Döring in nur sechs Tagen auf einem Erbpachtgrundstück der Elly-Hölterhoff-Böcking-St...

Oberflächentrends bei Innentüren

Oberflächentrends bei Innentüren

Die heutigen Sortimentsdimensionen des Bauens und Planens verlangen nach strukturierten Lösungen für Oberflächen wie beispielsweise bei Innentüren. Aufgrund des Überangeb...

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Der Keukenhof in Lisse bei Amsterdam ist das internationale Schaufenster der niederländischen Blumenzucht. In den acht Wochen von Anfang März bis Mitte Mai wird dort geze...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.