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Baukunst als unmögliche Möglichkeit

Baukunst als unmögliche MöglichkeitDer Begriff Architektur bezeugt die Balance zwischen »Arché« und »Techné«, die in der europäischen Entwicklung ins Ungleichgewicht zulasten der »Arché« geriet.

Christian J. Grothaus zeigt mit den Mitteln der Ästhetik und u.a. entlang an Martin Heideggers Denken über »Physis, Ge-Stell, Kunstwerk und Gegnet« Auswege aus der Dominanz einer »Techné« auf, die als Rationalität, Formalismus und Technikselbstzweck missverstanden wurde.

Eine Baukunst als unmögliche Möglichkeit kann die Architektur vor einer latenten Transzendenz-Sehnsucht und der aktuellen Virtualitätsfalle bewahren oder aus dem Tunnelblick der Bauwirtschafts-Effizienz befreien – und ihr über die Themen Präsenz, Ereignis sowie Zeit(-lichkeit) helfen, die »Arché« wiederzufinden.

Redaktion: »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Christian J. Grothaus: In meinem Buch ist oft die Rede vom Aufstellen der Welt in der Welt. Brauchen tut die Welt kein einziges Druckwerk, nur ihre Bewohner – einige Bewohner. In der Frage werden ein antrainierter Reduktionismus und die Orientierung auf Ziele und Zwecke deutlich – kulturelle Erblasten, die ich kritisch hinterfrage. Zumal als Architekt, denn wenn ein Tunnelblick-Modus sich in gebauten Strukturen verfestigt, tut (anderer) Anfang dringend not. Deshalb der Versuch, die Arché wieder zu stärken.

Redaktion: Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Christian J. Grothaus: Für Architekten: sich ihre Horizonte zu vergegenwärtigen. Diese sind nämlich nicht (nur) gebildet aus dem digitalen Milieu, Bauvorschriften, konstruktiv-technischen Zwängen oder Finanzierungs- bzw. Baustellenproblemen. Für Künstler: die Architektur zu vereinnahmen und den Architekten zu zeigen, dass ihre Arbeit etwas mit dem Begegnen zu tun hat und weniger mit dem Imaginieren. Die Wirklichkeit zum Ausgangspunkt der Bau- und Planungsarbeit zu machen und nicht die Flucht ins Ideelle anzutreten.

Redaktion: Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Christian J. Grothaus: Das Buch ist phänomenologisch und ästhetisch angelegt und führt Wahrnehmung, Fundamentalontologie, Erhabenheit, Ereignis, Materialität, Atmosphäre, Präsenz sowie Zeitlichkeit nebeneinander. Es bewegt sich dabei zwischen den Diskursen der Kunst, Architektur und Philosophie. Der Begriff der Performativität (im Sinne des ›spartial turn‹) ist ebenfalls Thema und ich frage mich, was von Architektur übrig bleibt, wenn antiauktoriale Entwurfsprozesse oder Aneignungsstrategien dominieren.

Redaktion: Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Christian J. Grothaus: Am liebsten gemeinsam handeln, arbeiten oder künstlerisch forschen – und nicht nur diskutieren – würde ich mit Nutzern, Philosophen, Architekten oder Künstlern, die auch Interesse haben, Wege für unmögliche Möglichkeiten in der Architektur zu bahnen.

Redaktion: Ihr Buch in einem Satz.

Christian J. Grothaus: Da lasse ich Friedrich Nietzsche gern den Vortritt: ›Mein Glück. Seit ich des Suchens müde ward, Erlernte ich das Finden [...].‹

Baukunst als unmögliche Möglichkeit: Plädoyer für eine unbestimmte Architektur

 

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