Am Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart entsteht online unter www.cranach.net derzeit die weltweit umfangreichste Datenbank zum künstlerischen Werk Lucas Cranachs des Älteren (~ 1452 - 1553) und seiner Werkstatt. Das Netzwerk ist die Arbeitsplattform des »Cranach Research Institute« (cri), einem Forschungsprojekt zur Aufbereitung des Gesamtwerks des Künstlers mit dem Ziel, wissenschaftlich fundierte Inhalte mit schnellen Zugriffsmöglichkeiten zu schaffen. Initiiert wurde das Portal von Dr. Michael Hofbauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Kunstakademie, der für die Leitung des Projekts auch weiterhin zuständig ist.
Der gegenwärtige Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Zusammenstellung und Auswertung systematisch erhobener Daten im Bereich der Tafelmalerei. Mit derzeit rund 1.800 digital dokumentierten Gemälden sowie 350 Zeichnungen ermöglicht die breit angelegte Stoffsammlung der Kunstgeschichtsforschung erstmals einen vergleichenden Blick auf das schwer überschaubare Oeuvre des Wittenberger Hofmalers. In der Datenbank werden Einzelwerke innerhalb einer Artikelstruktur bearbeitet und laufend durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Quellen, technologische Untersuchungen sowie hochauflösende Digitalisate ergänzt. Kategorisierte Systeme mit Schlagwortsuche erlauben die Darstellung von Sortierlisten nach verschiedenen Suchkriterien, und Werke wie mit Datum signierte Gemälde oder auch Buchenholztafeln lassen sich so problemlos auflisten.
Als methodische Neuerung innerhalb der Kunstwissenschaften bietet die eingesetzte »MediaWiki-Software« Möglichkeiten der dezentralen Programmierung und Netzwerkbildung. Hierdurch sind sowohl die langfristige Nutzbarkeit und Editierbarkeit als auch ein transparenter wissenschaftlicher Diskurs und Austausch gewährleistet.
Ergebnisse der Untersuchungen werden unter dem Arbeitstitel »Corpus Cranach« publiziert. Die als mehrbändige Werkmonografie herausgegebenen Kataloge stehen hierbei nicht für sich oder ersetzen die digitalen Archive. Hinsichtlich ihrer Vorteile in der Handhabung dienen sie vielmehr als Handbücher, die begleitend zu den digitalen Datenbanken erscheinen. Zu den Publikationen stehen kostenlose Downloads bereit.
Das Portal findet sich online unter www.cranach.net. Nicht registrierte Nutzer können eine Auswahl verlinkter Seiten einsehen.
Foto: M. Hofbauer




