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Start Magazin Menschen + Architektur Was ein Produkt-Designer mit Urinproben zu tun hat

Was ein Produkt-Designer mit Urinproben zu tun hat

 

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Produkt-Designer Jan Hartmann vom Studio Hartensteiner in Leipzig. Foto: Tom Werner

In Leipzig-Plagwitz hat Jan Hartmann mit seinem Team vom Studio Hartensteiner ein Produkt designt, das beim Urologen, beim Hausarzt, beim Kinderarzt oder beim Gynäkologen zwischen Patienten-WC und Praxislabor für Diskretion sorgt. Jüngst wurde die neuentwickelte Urindurchreiche bei den Designers Open 2017 vorgestellt.

So eine Urindurchreiche soll praktisch und weitgehend unauffällig sein – was heißt das für die Entwicklung des Designs?

Jan Hartmann: Stimmt, so ein Funktionsinstrument wie die Durchreiche soll sich in der Architektur zurücknehmen. Generell ging es um die Reduzierung von Ecken und Kanten sowie um eine leichte Pflege. Hier haben wir uns quasi die Kunden-Brille aufgesetzt und überlegt, was beim Einsatz in einer Arztpraxis am wichtigsten ist – nämlich unkomplizierte Bedienung und leichte Reinigung. Es ist ein schlichtes und zugleich sehr edles Produkt entstanden, welches auf leichte Handhabung und Langlebigkeit aus ist. Im Einzelnen zu betrachten unter www.urindurchreiche.de. Das verwendete Material lässt form- und kraftschlüssige Verklebungen zu. Ein entscheidender Aspekt, welcher für Hygiene spricht, selbst wenn im Alltag mal etwas danebengehen sollte.

Was bedeuten hohe hygienische Anforderungen für die Wahl des Materials?

Jan Hartmann: In dem Fall haben wir uns für den Mineralwerkstoff HI-MACS entschieden. Im Gesundheitswesen wird es schon häufig und gern eingesetzt. Den Kunden muss also nicht mehr viel erklärt werden. Besagter Werkstoff lässt sich für unser Produkt sehr gut verarbeiten und vereinfacht die Fertigung. Material, Form, Funktion und nicht zuletzt die Herstellung fügen sich sehr gut zusammen.
Bei der Entscheidung hatten wir die Kunden-Brille und zugleich die Architekten-Brille auf, haben die Sache also sowohl aus Sicht des Arztes als auch aus Sicht des Architekten betrachtet. Sprich – in punkto Produkt und Material mag der Arzt Funktionales, Hochwertiges und Langlebiges. Der Architekt wiederum schätzt Dinge, die schlicht sind, gut funktionieren und sich gut in die Architektur eingliedern.

Die neue Urindurchreiche ist 100 Prozent »Made in Leipzig«. Wäre die Herstellung, sagen wir in China, nicht preisgünstiger?

Jan Hartmann: Es sollte ein Produkt werden, das auch bei regionaler Fertigung immer noch einen wettbewerbsfähigen Preis generiert. Das haben wir geschafft, die Durchreiche wird komplett in Leipzig gefertigt. Der Entwurf lässt auch größere Serien zu. Es wird auf Anforderung produziert und allein durch regionale Fertigung sind kurze Lieferzeiten möglich.

Die Durchreiche wurde für Arztpraxen, Labors und Kliniken entwickelt – sind noch andere Einsatzbereiche vorstellbar?

Jan Hartmann: Ich denke, PraxenProfi® hat eine vielversprechende Nische gefunden. Dinge von einem Raum zum anderen durchreichen, muss nicht nur zwischen Toilette und Labor stattfinden, es kann im Wartebereich zwischen Empfang und Sprechzimmer genauso praktisch sein oder auch im Heimgebrauch eine Renaissance erfahren. Das verwendete Material bietet viele Möglichkeiten: Es kann auch farbig oder transparent sein.

Könnte die Urindurchreiche ein Kandidat für den 3D-Drucker werden?

Jan Hartmann: Im Prinzip kann ja Vieles gedruckt werden. Aber momentan ist der 3D-Drucker meiner Meinung nach noch viel zu teuer und kann nicht die Qualität liefern, wie wir sie jetzt haben. Genau das möchten wir nicht.
Wichtiger ist es, die jetzigen Möglichkeiten auszureizen. Wir brauchen eine maximale Wandelbarkeit, die unser Auftraggeber an seine Kunden weiterreichen kann. Zurzeit ist noch eine laborseitige Verschließbarkeit im Gespräch. Zudem können Türen vorkonfektioniert werden. So lässt sich alles just in time liefern.
An dieser Stelle übrigens haben wir auch die Brille des Monteurs auf. Der bekommt schon alles vorgegeben. Zum Einbau muss er die Durchreiche nur in die Wandöffnung einsetzen und fixieren. Anschließend das Hochleistungsklebeband abziehen und den Blendrahmen auf das Klebeband aufdrücken. Die Lage ist definiert und eine Fehlklebung ausgeschlossen. Zum Schluss noch einen Rundgummi in die Fügestelle einbringen. Fertig.
Bei den Designers Open 2017, wo wir die Urindurchreiche ebenfalls ausgestellt hatten, fand das einige Aufmerksamkeit. Als nächstes beschäftigt uns der Service rund um das Produkt. Beispielsweise Becherspender, Desinfektionsmittel-Spender, Einsätze – quasi ein Rundum-Paket als Baukasten zum Nachrüsten.

Interview: M. D.

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