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Ökologie ist kein Luxus, Ökologie muss Werte erzeugen

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Bildnachweis: KS-ORIGINAL GMBH

Das Thema Ökologie ist in der Baubranche zum allgegenwärtigen, zu allem passenden Gemeinbegriff geworden. Entsprechende Etiketten kleben auf jedem Sofa, auf jeder Gas-, Öl- und Elektroheizung sowie auf den meisten Baustoffen die auf den Baustellen dieser Welt zu finden sind. Es war nie mehr Ökologie als heute.

Als das ökologische Bauen in den Siebziger Jahren in Deutschland seinen bescheidenen Anfang nahm, waren es noch Außenseiter, die sich mit diesem Thema beschäftigten. Die Ergebnisse sahen auch, mit wenigen Ausnahmen, entsprechend aus. Heute ist Ökologie Standard. Aber nur wenn man etikettengläubig alles ernst nimmt, was einem die Werbung erzählt.

Ja, wir verbrauchen tatsächlich weniger Energie mit unseren Gebäuden und die Politik zwingt uns noch zusätzlich zu einem absurden Wettbewerb um die höchsten und besten Energiekennwerte. Wir sind nahe dran zu glauben, dass die Brennwertheizung mehr als 100 Prozent Wirkungsgrad erzielt und quasi ein Perpetuum Mobile ist.

Gerade jetzt, zu einem Zeitpunkt an dem wir uns alle gegenseitig auf die Schultern klopfen, die Politik mit laufend strenger fortgeschriebenen Energieeinsparungsgesetzen und die einsparwillige Gesellschaft an einem Strang ziehen, wirft einer einen neuen Begriff in den Raum und fordert die Neo-Ökologie.

Was bedeutet das? Lohnt es sich zuzuhören, wenn einer von Neo-Ökologie spricht?
Schöpfer dieses Begriffes ist Matthias Horx, ein Publizist und Unternehmensberater, der sich selbst als »Trend- und Zukunftsforscher« bezeichnet. Mit seinem in der Bankenmetropole Frankfurt beheimateten Zukunftsinstitut ruft Horx die Neo-Ökologie ganz unbescheiden als Megatrend aus.

Uns Architekten, Ingenieure und Planer kann man mit etwas das »mega« sein soll, in keiner Weise aus der Contenance bringen, das Wörtchen kennen wir mehr aus der Sprachwelt unserer Kinder und Enkel. Auch dem Begriff »Trend« laufen wir nicht hinterher. Architektur war noch nie »trendy«. »Megatrend Neo-Ökologie«? Nein danke! Nichts ist nachhaltiger als Architektur, die hält mindestens 50 Jahre, pro Gebäude. Wer baut schon dauerhaftere Dinge als wir Architekten und Ingenieure?

Aber bevor Sie jetzt weiterblättern, lohnt es sich doch, darüber nachzudenken, was Matthias Horx mit »Mega« und »Trend«, »Neo« und »Ökologie« nun genau meint. »Der Megatrend Neo-Ökologie«, so schreibt es das Zukunftsinstitut auf seiner Internetseite, » beschreibt den großen gesellschaftlichen Veränderungsprozess hin zu einem ressourceneffizienten, nachhaltigen Wirtschaften.« Das kennen wir natürlich gut, schließlich haben wir als Planer bereits 2007 eine Gesellschaft gegründet, die das nachhaltige Bauen bereits im Namen trägt.

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Bildnachweis: Thomas_Popinger

Horx und sein Zukunftsinstitut stellen die Frage, wie nachhaltiger Wohlstand funktionieren kann. Reicht es, nur so viel zu verbrauchen, wie nachwachsen kann. Nichts anderes meint der Begriff der Nachhaltigkeit. Ist dieses gesetzte Ziel ausreichend?

Die Frage ist berechtigt. Der US-amerikanische Architekt William McDonough erklärt: Es reicht nicht, langsamer in die falsche Richtung zu gehen, es ist notwendig sich umzudrehen, um die richtige Richtung einzuschlagen. Lars Krückeberg, Gründer des Architekturbüros GRAFT, nimmt diese Formulierung auf und fordert, planerische Ideen als Teil eines großen Zyklus zu begreifen und ausschließlich Wertstoffe einzusetzen, die in Zyklen funktionieren.

William McDonough hat gemeinsam mit dem deutsche Chemiker Michael Braungart die Idee der Ökoeffektivität als Konzept einer Kreislaufwirtschaft entwickelt. In ihrem Buch »Cradle to Cradle« (C2C, Von der Wiege bis zur Wiege) fordern Braungart und McDonough die Entwicklung von Produkten, die kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden können. Matthias Horx fasst diese schwierige Umschreibung mit dem Schlagwort »Urban Mining« zusammen. Neo-Ökologie ist also Ökoeffektivität alias Cradle to Cradle alias Urban Mining? So ungefähr.

Wir müssen uns mit dem Gedanken befassen, dass es nicht ausreicht, »nur« nachhaltig zu wirtschaften. Wir müssen hinterfragen, ob es uns wirklich gelingen kann, ausschließlich das zu verbrauchen, was wir nachwachsen lassen. Obwohl wir Europäer uns durchaus als Ökoweltmeister verstehen dürfen, wäre es fatal, wenn wir uns auf diesem Erfolg ausruhen würden. Ökologie kann auch nicht national oder kontinental gedacht werden. Ökologie, egal ob sie nun »neo« ist oder nicht, kann nur weltweit funktionieren.

Die westlichen Staaten sind mit ihren Industrien Export-Weltmeister und auch als Kultur-Exporteure sind wir sehr erfolgreich. Es ist unsere Aufgabe, auch ökologisch die Führung zu behaupten und Techniken zu entwickeln, die Bauprodukte entstehen lassen, die nicht einfach nur ge- oder verbraucht werden, sondern die künftige Generationen als Rohstoff ansehen. Wenn wir als Architekten weltweit planen und bauen, muss es dazu gehören, dass wir mit der gleichen Leidenschaft hinter der Idee der Ökoeffektivität stehen, mit der wir unsere Architekturentwürfe verfechten. Die Forderung nach Urban Mining ist wörtlich zu nehmen. Wir dürfen in Zukunft unsere Gebäude nicht mehr abreißen um mit den Resten die Müllkippen zu füllen, sondern wir werden unsere Altbauten als Wertstoff zurück an die Industrie verkaufen.

Das ist keine Fiktion, sondern hat bereits begonnen. Viele Hersteller von Verbundbaustoffen haben ihre industriellen Prozesse so umgestellt, dass die einzelnen Bestandteile leicht voneinander getrennt werden können. Wir werden vermehrt Baustoffe verwenden, die über ihre gesamte Dicke materialhomogen sind. Die in ihrer Materialität ehrlich sind und wie Kalksandsteine keine weitere, zusätzlich aufgebrachte Oberfläche benötigen. Installationen werden lose in Hohlräumen verlegt sein, ohne verputzt oder verklebt werden zu müssen. Damit bleiben sie auf einfachste Art trenn- und wiederverwendbar.

In der Zukunft werden wir in der Werbung nicht mehr lesen wie ökologisch etwas hergestellt wurde oder funktioniert, sondern wir werden lesen wie wertvoll dieses Produkt für unsere Nachwelt ist.

 

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