Start Innovation Farben + Anstriche Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1709/haus-mayer-kuckuk-01.jpg

Es ist ein eigenwilliges Gebäude, das 1967 nach dem Entwurf des Architekten Wolfgang Döring in nur sechs Tagen auf einem Erbpachtgrundstück der Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung der Uni Bonn errichtet wurde. Bemerkenswert sind nicht nur das ungewöhnliche Äußere und die beispiellos kurze Bauzeit, in der die vorfabrizierten Elemente montiert wurden, sondern auch die geringen Baukosten in Höhe von 80.000 DM. Der nach seinem Bauherrn, dem Atomphysiker Theo Mayer-Kuckuk, benannte Bau stellt einen Prototyp dar und sollte eigentlich in Serienfertigung produziert werden, wozu es aber nie gekommen ist. Prof. Döring erinnert sich: »Wir hatten mehr als 200 Anfragen zur weiteren Produktion des Hauses, leider führte keine zur Fabrikation.«

Industrieller Fachwerkbau

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1709/haus-mayer-kuckuk-02.jpg

Haus Mayer-Kuckuk blieb ein viel beachtetes Unikat. Als bedeutendes Beispiel für innovativen Wohnbau im 20. Jahrhundert gehörte es zu den am meisten dokumentierten Bauobjekten der Nachkriegsgeschichte. Unzählige Architekturstudierende pilgerten nach Bad Honnef, um den Bau zu besichtigen.
Die Idee: ein kostengünstiges Haus, in wenigen Wochen liefer- und aufbaubar und durch Module jederzeit erweiterbar. Das Besondere: seine Konstruktion. Das skulptural ausgebildete tragende Fichte-Brettschichtholz-Skelett demonstriert den Stand der Technik und der Gestaltung in der Architektur der 1960er-Jahre: Material plus Konstruktion liefern die Form. Die außen ablesbare Tragstruktur, ausgesteift mit sechseckigen Holzscheiben in der Querrichtung und Stahlverstrebungen in der Längsrichtung, gliedert das Gebäude auf augenfällige Art und Weise. In das Holzfachwerk eingehängt sind Platten, außen mit Faserzement-, innen mit Spanplatten verkleidet und mit Glaswolle gefüllt. Das Haus – eigentlich eine einfache zweigeschossige Box – ruht auf dünnen Stahlstiften, mit denen die Leimholzbalken im Betonfundament verankert sind.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1709/haus-mayer-kuckuk-03.jpg

Modernes Denkmal
Um seinen Fortbestand zu schützen, wurde Haus Mayer-Kuckuk im Jahr 2007 wegen der Einmaligkeit seiner Erscheinung und Konstruktionsweise in die Denkmalliste der Stadt Bad Honnef aufgenommen. Das Amt für Denkmalpflege im Rheinland bezeichnete es als »prototypische Realisation progressiver architektonischer Gedanken einer fortschrittsgläubigen Zeit, ein architektur- und gesellschaftshistorisches Zeugnis der 1960er-Jahre, eine „utopische technoide Innovation«.
2008 erfolgten aufgrund erster Fäulnisschäden Untersuchungen des Bestandes und die Beantragung von Fördermitteln der Denkmalpflege. 2011 wurde die systematische Kartierung der sichtbaren Schäden veranlasst. Die Eigentümer suchten und fanden Hilfe beim Rheinischen Amt für Denkmalpflege und bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Viele Experten zerbrachen sich den Kopf darüber, wie eine Sanierung aussehen könnte, die das außenliegende Holz vor der Staunässe verschont, die dem Tragwerk zugesetzt hatte.
Im Jahr 2014 wurde der Architekt Christian Welter aus Siegen mit der Sanierung beauftragt.
Das Problem war die ursprüngliche Tragwerkskonstruktion mit ihren zuerst frei bewitterten und dann fehlerhaft dampf- und luftdicht verkleideten Kontaktflächen des Tragwerks mit den Aussteifungsplatten. Nach heutigem Kenntnisstand darf eine Brettschichtholz-Trägerkonstruktion nicht direkt der Bewitterung ausgesetzt sein. In enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz kam es zur Abwägung unterschiedlicher Konstruktionen für den Ersatz der durch Pilzbefall beschädigten oder teilweise zerstörten Träger.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1709/haus-mayer-kuckuk-04.jpg

Vorbildliche Sanierung
Die Suche nach Sanierungsmöglichkeiten führte von der Ertüchtigung des außenliegenden Tragwerks zu dem kühnen Plan, das komplette Tragwerk des vorhandenen Gebäudes auszutauschen. Die hierfür zur Auswahl stehenden Alternativen zur heimischen Fichte – Kiefer, Lärche, Eiche, Accoya – waren aus finanziellen Gründen nicht realisierbar. Man entschied sich, das ursprüngliche Material der Tragkonstruktion Fichte-Brettschichtholz zu verwenden, allerdings mit dem höchstmöglichen lieferbaren Raumgewicht, und es mit dem mineralischen Anstrichsystem»KEIM Lignosil«zum Wetterschutz von Holz zu behandeln. Ein Anstrich mit »KEIM Lignosil« bildet keinen Film, sondern verbindet sich dauerhaft mit dem Untergrund, überzeugt durch hervorragenden Feuchteschutz sowie Witterungsbeständigkeit und ist UV-stabil und absolut lichtecht, auch bei dunklen Farbtönen. Mit diesen Eigenschaften unterscheidet sich Lignosil grundsätzlich von konventionellen, auf Kunststoffen basierenden Holzschutz-Systemen. Mit ihrer filmbildenden und nicht dauerhaft UV-beständigen Schicht verlieren diese Beschichtungssysteme unter Besonnung und Bewitterung ihre ursprünglichen Eigenschaften und müssen in kürzeren Abständen nachgearbeitet werden. Dadurch bauen sie mit der Zeit eine Schicht auf, die im Holz anstehende Feuchte immer schlechter abführen kann.

Zusätzlich zum diffusionsoffenen Holzschutz sollten die komplexen Knoten mit den hinterlüfteten Zinkblechverwahrungen gegen Feuchtigkeit geschützt werden. Dazu wurden die Knotenplatten einseitig mit einer Zinkblechverwahrung ergänzt, die mit den Abdeckungen der Doppelzangen verbunden ist. Diese Abdeckungen wurden etagenweise mit Zinkblechprofilen versehen, die die Stützen ringförmig einfassen und vom Holz dauerelastisch getrennt sind. Dadurch ist der obere Anschluss der Knotenplatten geschützt und der Wasserfluss bei Niederschlag geschossweise unterbrochen und somit minimiert. Um die Gestaltung auch aus der Sicht des Denkmalschutzes abzurunden, wurden die Zinkblechverwahrungen mit »KEIM Soldalit« gestrichen.
Die mit »KEIM Mycal-Ex« gereinigten Fassadentafeln aus Asbestzementfasern behandelte man mit »KEIM Algicid-Plus« bevor sie mit der silikatischen Spezialbeschichtung »KEIM Teknosil« konservatorisch sicher beschichtet wurden.
»Wir gehen davon aus, dass wir durch die Kombination der beschriebenen Maßnahmen eine Rekonstruktion geschaffen haben bei der wir nachhaltige Lösungen auf die schwierige Aufgabe herausgearbeitet haben. Zur Sicherheit erfolgen regelmäßige Kontrollmessungen der Holzfeuchte«, erklärt Architekt Christian Welter.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1709/haus-mayer-kuckuk-05.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1709/haus-mayer-kuckuk-06.jpg
 

Preiswürdig
Die Sanierung war eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten: Aufgrund der Verbindung von tragendem Skelettbau und raumbildendem Ausbau mussten beim Tausch des Ständerwerks die meisten Wände von den Trägern getrennt werden. So dauerte allein die Wiederherstellung des Innenraumes fünf Monate. „Anfangs wurde die Sanierungszeit auf drei Monate geschätzt, daraus geworden sind zehn Monate“, so die Eigentümer Andrea Köhler und Hartmut Witte. »Außerdem mussten wir unser Haus in dieser Zeit verlassen und bei Freunden wohnen. Aber dieses Bauwerk gibt es genau einmal auf der Welt. Und wir wollten es unbedingt im Original erhalten.«

So viel Idealismus musste belohnt werden: Im Dezember 2016 wurde das Projekt mit dem Rheinisch-Westfälischen Preis für Denkmalpflege ausgezeichnet. Verliehen wird die Auszeichnung für die vorbildliche Sanierung eines Denkmals pünktlich zum 50. Geburtstag von Haus Mayer-Kuckuk im März 2017. »Es ist toll, dass sich Privatleute so vorbildlich für ihr Denkmal einsetzen. Diesen freiwilligen, zeit- und kraftaufwendigen Einsatz würdigen und fördern wir mit dem Staatspreis«, sagte Minister Michael Groschek anlässlich der Bekanntgabe der Preisträger. »Die Eigentümer ermöglichen uns durch ihre Arbeit einen Blick in die Geschichte der Bautechnik und Bauwirtschaft in unserem Land. Sie haben einen hervorragenden Beitrag zum Denkmalschutz im Rheinland geleistet.«

Architekt 1967:
Wolfgang Döring, heute Döring Dahmen Joeressen Architekten, Düsseldorf

Architekt Sanierung:
Christian Welter, projektplus gmbh, Siegen

Fachliche Beratung und Unterstützung:
LVR Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Dr. Gundula Lang, Norbert Engels
Bezirksregierung Köln, Amt für Denkmalpflege, Barbara Naraghi
Bauamt der Stadt Bad Honnef, Untere Denkmalbehörde, Ralf Hillen
Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Harry Linge

Statik:
Manfred Otterbach, Niederfischbach

Holz- und Außenanstrich:
Farbsysteme der Firma KEIMFARBEN, www.keim.com

 

Industriearchitektur: Neuer Praxisraum für das Geberit Informationszentrum in Lausanne

Industriearchitektur: Neuer Praxisraum für das Geberit Informationszentrum in Lausanne

Nach zwei Jahren erfolgreicher Schulungen in den neuen Praxisräumen im Informationszentrum von Geberit in Jona, erhält jetzt auch der Schulungsraum in Lausanne ein neues Gesicht. Sanitärprofis werden so in modernen und ansprechenden Räumen für die Installation der Geberit-Systeme geschult.

Umbau Wohn- und Geschäftsgebäude D17 in Ingolstadt von Bettina Kandler Architekten

Umbau Wohn- und Geschäftsgebäude D17 in Ingolstadt von Bettina Kandler Architekten

Das  Wohn- und Geschäftsgebäude D17 liegt städtebaulich in einer funktional wichtigen Lage am südlichen Eingangsbereich zur Altstadt von Ingolstadt und in unmittelbarer Nähe zur Donau. Archivierte Pläne gehen bei dem Wohn- und Geschäftshaus auf das Jahr 1878 zurück.

Frankfurter Buchmesse: Raum für Inspiration von schneider+schumacher

Frankfurter Buchmesse: Raum für Inspiration von schneider+schumacher

480 Quadratmeter Grundfläche, 6,5 Meter Höhe und eine selbsttragende Holzkonstruktion mit lichtdurchlässiger Membran – das ist der »Frankfurt Pavilion«, das neue Wahrzeichen der Frankfurter Buchmesse. Geplant und umgesetzt von schneider+schumacher, entsteht auf der 70. Frankfurter Buchmesse ein ikon...

Weitere Artikel:

Zeitz Museum of Contemporary African Art (MOCAA)

Zeitz Museum of Contemporary African Art (MOCAA)

In Kapstadt hat sich ein historisches Getreidesilo zum Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst gemausert. Die Architekten des Heatherwick Studio ließen die betonierten Wandungen der Kornkammern aufsägen und schufen damit ein Atrium von beinahe kathedralenhaftem Charakter. Neuer Beton verstärkt...

Gipsfaserplatten für die Elbphilharmonie in Hamburg

Gipsfaserplatten für die Elbphilharmonie in Hamburg

Die großformatigen Gipsfaserplatten bestehen aus einem Vormaterial aus Naturgips. Sie zeichnen sich durch ihre Belastbarkeit, die Brandschutzeigenschaften (A1) und ihre hervorragenden Be- und Verarbeitungsmöglichkeiten aus.

KanyaKage mit modernen Sanitäranlagen ausgestattet

KanyaKage mit modernen Sanitäranlagen ausgestattet

In Berlin-Kreuzberg eröffnete Ende April 2018 eine einzigartige Kunst- und Veranstaltungslocation. Nach den beiden Eigentümern KanyaKage benannt, ist der neue »Artspace« regelmäßig Schauplatz von Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Außerdem stehen die insgesamt 170 Quadratmeter großen Räume für Le...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter


Ihre E-Mail
 
   

Senden Sie mir die kostenlosen Nachrichten der AZ/Architekturzeitung per E-Mail zu. Meine Anmeldung erfolgt, nachdem ich die Datenschutzhinweise gelesen haben. Die Nachrichten können Werbung von Dritten enthalten. Mein Einverständnis zum Empfang der Nachrichten kann ich jederzeit widerrufen.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Der Gebäude-Energieberater
    Der Gebäude-Energieberater Ein junger Berufsstand und seine bewegte Geschichte: Gebäude-Energieberater lotsen Hauseigentümer durch den Regelungs- und Förderungsdschungel und sind wichtige Empfehler bei…

Zeitz Museum of Contemporary African Art (MOCAA)

Zeitz Museum of Contemporary African Art (MOCAA)

In Kapstadt hat sich ein historisches Getreidesilo zum Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst gemausert. Die Architekten des Heatherwick Studio ließen die betonier...

Gipsfaserplatten für die Elbphilharmonie in Hamburg

Gipsfaserplatten für die Elbphilharmonie in Hamburg

Die großformatigen Gipsfaserplatten bestehen aus einem Vormaterial aus Naturgips. Sie zeichnen sich durch ihre Belastbarkeit, die Brandschutzeigenschaften (A1) und ihre h...

KanyaKage mit modernen Sanitäranlagen ausgestattet

KanyaKage mit modernen Sanitäranlagen ausgestattet

In Berlin-Kreuzberg eröffnete Ende April 2018 eine einzigartige Kunst- und Veranstaltungslocation. Nach den beiden Eigentümern KanyaKage benannt, ist der neue »Artspace« ...

Vakuum-Isolierglas und Explosionsschutz-Dünnglas

Vakuum-Isolierglas und Explosionsschutz-Dünnglas

Das neue Vakuum-Isolierglas (VIG) von AGC zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Uneingeschränkte Sicht ohne sichtbare Evakuierungsöffnungen. Es wird wie normales Iso...

Kunst im Tageslicht betrachtet

Kunst im Tageslicht betrachtet

Die Stiftung »Das Maximum« präsentiert im bayerischen Traunreut nahe dem Chiemsee bedeutende Werke zeitgenössischer Kunst, unter anderem von Georg Baselitz und Andy Warho...

Architekturbüro mit Sichtbetonfassade

Architekturbüro mit Sichtbetonfassade

Der Neubau eines Architekturbüros ist für alle Beteiligten am Bau eine Herausforderung, denn letztlich ist das Bürogebäude die in Beton gegossene Visitenkarte des Archite...

Die höhere Mathematik der Ästhetik

Die höhere Mathematik der Ästhetik

Mehr als 20 Jahre sind vergangen, seit beim Entwurf der Titanaußenhaut für das Guggenheim-Museum in Bilbao erstmals die CAD-Software CATIA für ein renommiertes Gebäude ei...

Schaltbares Glas

Schaltbares Glas

Halio hat die Ästhetik seines intelligenten schaltbaren Glas-Systems auf das Wesentliche reduziert: völlige Farbneutralität und natürliche Transparenz wie ein herkömmlich...

Wohnungsbau mit System

Wohnungsbau mit System

Insgesamt 106 neue Wohnungen in drei Blöcken, die sich architektonisch, funktional und selbst finanzierungstechnisch unterscheiden und sich dennoch harmonisch zu einem in...

Schöner Gaskaminofen

Schöner Gaskaminofen

Mit dem puristischen Lensfocus kommt ein neuer, einzigartig gestalteter Gaskaminofen aus der französischen Design-Schmiede Focus. Der raumluftunabhängige Kamin bietet hoh...

Weitere Artikel:

Anzeigen AZ-D1-D2-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.