Start Innovation Fassade/Fenster Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1709/holz-hybridbau-h7-foto-anke-muellerklein-01.jpg

H7, das Bürohaus von Andreas Heupel Architekten im alten Stadthafen von Münster, ist ein siebengeschossiger Holz-Hybridbau, der neue Maßstäbe im Hinblick auf Ökologie und Wirtschaftlichkeit setzt: Holz und Stahlbeton sind hier intelligent in Verbund gefasst. Für die Fassadengestaltung wählten die Architekten ein Material, das »fast so ursprünglich ist wie der Werkstoff Holz« – grün glasierte keramische Fassadenplatten mit einer feinen horizontalen Reliefstruktur, die individuell und in enger Abstimmung mit dem Hersteller gefertigt wurden und je nach Tageslicht und Witterung abwechslungsreich changieren.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1709/holz-hybridbau-h7-foto-anke-muellerklein-02.jpg

Ein besonderes Gebäude zwischen »Theater und Käse«, so stellte Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe den Neubau beim ersten Spatenstich im Frühjahr 2015 vor. Während rechts das Wolfgang-Borchert-Theater im ehemaligen Getreidespeicher des Stadthafens residiert, ist links die »Hafenkäserei« einer großen Biokäsemarke eingezogen. Der alte Binnenhafen der Stadt Münster ist als Warenumschlagplatz bedeutungslos geworden, stattdessen finden sich hier vorwiegend kulturelle und gastronomische Betriebe, die den sogenannten Kreativkai bilden.

Seit dem Frühjahr 2017 bieten die Terrassen des ca. 26 Meter hohen Büro- und Verwaltungsgebäudes H7 neue Ausblicke auf den Hafen. Als Hauptinvestor und Ankermieter für die 4.500 Quadratmeter Nutzfläche war es einer regionalen Bio-Einzelhandelskette ein besonderes Anliegen mit dem Neubau ihrer Verwaltung die Qualitäten natürlicher Rohstoffe aufzuzeigen. Als höchster Holz-Hybridbau in Nordrhein-Westfalen wurde das Projekt jüngst mit einer Anerkennung beim Deutschen Holzbaupreis 2017 ausgezeichnet.

Um auf dem schmalen Grundstück die Abstandsflächen zu den benachbarten Gebäuden einzuhalten und trotzdem eine größtmögliche Offenheit und Flexibilität zu erhalten, ist die Gebäudekubatur unregelmäßig abgetreppt und bietet so in den oberen Geschossen urbane Terrassenflächen. An den großflächig verglasten Stirnseiten ist die Tragstruktur zudem klar ablesbar. Während die Stützen und Geschossdecken von außen mit Aluminiumprofilen bekleidet sind, wird die Holzkonstruktion im Inneren sichtbar: Statt die Balken aus Brandschutzgründen zu kapseln, wurden die Querschnitte um 6,3 cm, der Abbrandrate von Holz in 90 Minuten, vergrößert. Eine zweireihige Stahlbetonachse nimmt in der Mitte des Neubaus den zentralen Versorgungs- und Erschließungskern auf und verbindet sämtliche Einheiten. Über die zweigeschossige Eingangshalle mit Bistro öffnet sich das Gebäude und macht die Möglichkeiten von Holz hier bereits zum ersten Mal sichtbar. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Stahlbetonbau konnten 262 Tonnen CO2 eingespart werden.

Dass der Holzbau von außen nicht wie ein Holzbau aussehen muss und trotzdem seinem ökologischen Anspruch gerecht wird, beweisen die Architekten mit einer Fassadengestaltung aus grün glasierten Keramikplatten der Firma Moeding. In Assoziation an einen Laubmantel wurden drei unterschiedliche Helligkeitsstufen des gleichen Grüntons definiert und nach einem genauen Verlegeplan auf den Längsseiten des Gebäudes angeordnet. Dank der exakten Planung liegen nie zwei Felder mit dem gleichen Farbton aneinander und es entsteht ein lebendiges Fassadenbild.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1709/holz-hybridbau-h7-foto-anke-muellerklein-03.jpg

Ein Kriterium für die Wahl der Fassadenplatten aus Keramik war auch hier der Anspruch des Bauherren, möglichst natürliche Baustoffe und ein recyclebares Fassadensystem zu verwenden. Mit der Wahl der Moeding-Produkte aus Ton und Lehm, die zudem aus unmittelbarer Werksnähe stammen, sowie der Montage als vorgehängtes hinterlüftetes System, das sortenrein demontierbar ist, konnte beides erfüllt werden. Dazu sind alle Glasuren bei Moeding bleifrei.

Die Plattengröße von 50 Zentimeter Höhe, 135 Zentimeter Breite und 4 Zentimeter Dicke ergibt sich aus dem Gebäuderaster von 1,35 Meter. Mit einer feinen Profilierung aus horizontalen Rillen in Abständen von 2,5, 5 und 10 Zentimeter, in einem unregelmäßigen Raster, lassen sich die Fugen zwischen den Fassadenplatten überspielen und die Gebäudelänge von immerhin fast 50 Meter mit einer feinen Struktur brechen. Drei Mundstücke mit unterschiedlichen Ausformungen erzeugen das filigrane Relief, das individuell und in enger Abstimmung mit dem Architekten für das Gebäude entworfen wurde. Als Basis für die Keramikplatten dient das Alphaton Rapid System der Moeding Keramikfassaden GmbH, das keine Montagereihenfolge vorgibt – ein großer Vorteil bei vielen verschiedenen Plattentypen aus Rillungen und Glasurfarben.

Auch diese wurden in mehreren Bemusterungsdurchläufen definiert und entsprechen in ihrer Semitransparenz dem Wunsch des Architekten, die Natürlichkeit des Materials sichtbar und erlebbar zu machen. So bleibt der keramische Grundscherben teilweise erkennbar. Unterstützt durch die Oberflächenstruktur der gerillten Platten changiert die Glasurfarbe auf der einzelnen Platte von gelblich bis tiefgrün und lässt bei bestimmten Lichtsituationen ein geradezu flirrendes Bild entstehen.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1709/holz-hybridbau-h7-foto-anke-muellerklein-04.jpg

In enger Zusammenarbeit mit dem Hersteller wurde auch für den Übergang der Längsfassaden zu den Stirnseiten ein eigenes Werkzeug produziert. Das kräftige Hohlkammerprofil von etwa 12 x 12 Zentimeter umläuft die kompletten Stirnseiten und bildet einen Abschluss, der auch aus der Entfernung gut wahrzunehmen ist und die Präsenz von H7 am Stadthafen unterstreicht.

Projektname: Büro- und Verwaltungsgebäude H7, Münster
Auftraggeber: DESRAD Immobilien, Münster
Architekten: Andreas Heupel Architekten, www.heupel-architekten.de
Fassadenbekleidung: MOEDING Keramikfassaden GmbH, www.moeding.de
Bauzeit: Mai 2015 bis November 2016
Fertigstellung: April 2017

Fotos: Anke Müllerklein, www.anke-muellerklein.com

Radikal und dramatisch: Restaurant Hueso von Architekt Ignacio Cadena

Radikal und dramatisch: Restaurant Hueso von Architekt Ignacio Cadena

Die subtile Schönheit einer unverstellten und puren Architektur will der mexikanische Architekt Ignacio Cadena im Restaurant Hueso zeigen. Hueso bedeutet »Knochen« und unverkennbar prägen die sterblichen Überreste der mexikanischen Fauna die Wände dieses einmaligen kulinarischen Ortes.

Corporate Design von Dittel Architekten für das Mannheimer Rathaus

Corporate Design von Dittel Architekten für das Mannheimer Rathaus

DIA – Dittel Architekten hat für das Rathaus E5 in Mannheim ein neues bauliches Corporate Design entwickelt und zeichnet für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes verantwortlich. Ziel der architektonischen und gestalterischen Maßnahmen war es, eine repräsentative Designsprache zu etablieren ...

Mikrohofhaus: Wohnen auf kleinstem Raum

Mikrohofhaus: Wohnen auf kleinstem Raum

Gewinner des Wettbewerb »Raumpioniere – Wohnen auf kleinstem Raum« sind die Architekten Florian Kaiser, Guobin Shen und Hans-Christian Bäcker des Stuttgarter Ateliers Kaiser Shen mit ihrem »Mikrohofhaus«.

Weitere Artikel:

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

In nur sieben Wochen wich grauer Beton einer abstrakt-naturalistischen Malerei mit blauem Himmel, weißen Wolken, täuschend echten Bäumen und einem illusionistischen Streichelzoo. Verantwortlich dafür zeichnet der auf exklusive Wandmalerei spezialisierte Künstler Ulrich Allgaier.

Wintergarten gut beheizt

Wintergarten gut beheizt

Im Wintergarten hat Wärme nicht nur einfach die Funktion »Heizen« zu erfüllen. Wärme weckt Emotionen und bringt Atmosphäre in den gläsernen Raum. Eine elektrische Strahlungsheizung ermöglicht ein bedarfsgerechtes Heizen, wenn der Wintergarten genutzt wird und die Kraft der Sonne nicht ausreicht.

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Das von den Rotterdamer Städtebauexperten OMA (Office for Metropolitan Architecture) erdachte Timmerhuis in Rotterdam gilt als das »grünste Gebäude der Niederlande«. Es vereint Stadtverwaltung, Wohnungen, Büros sowie das Rotterdamer Stadtmuseum und schlägt eine architektonische Brücke zum denkmalges...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Tragwerke mit Nagelplattenbindern
    Tragwerke mit Nagelplattenbindern Nagelplattenbinder bilden das Gerüst des Dachtragwerks und bieten sich zur Verwirklichung selbst extrem komplexer Architekturen an. Sie sind als Bauteile…

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

In nur sieben Wochen wich grauer Beton einer abstrakt-naturalistischen Malerei mit blauem Himmel, weißen Wolken, täuschend echten Bäumen und einem illusionistischen Strei...

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Das von den Rotterdamer Städtebauexperten OMA (Office for Metropolitan Architecture) erdachte Timmerhuis in Rotterdam gilt als das »grünste Gebäude der Niederlande«. Es v...

Wintergarten gut beheizt

Wintergarten gut beheizt

Im Wintergarten hat Wärme nicht nur einfach die Funktion »Heizen« zu erfüllen. Wärme weckt Emotionen und bringt Atmosphäre in den gläsernen Raum. Eine elektrische Strahlu...

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylgla...

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und ...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die ...

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

H7, das Bürohaus von Andreas Heupel Architekten im alten Stadthafen von Münster, ist ein siebengeschossiger Holz-Hybridbau, der neue Maßstäbe im Hinblick auf Ökologie und...

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Die Profile des Fensters »cero« messen trotz der möglichen 15 Quadratmeter großen Scheibenelemente gerade einmal 34 Millimeter. Für die jeweiligen Anforderungen an Wärmed...

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Die neue Wirtschaftsuniversität in Wien ist die größte der Europäischen Union. Bisher befand sich die alte Wirtschaftsuniversität in einem Gebäude aus den 1970er-Jahren. ...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.