Start Innovation Fassade/Fenster Vordächer am Lincoln Center for the Performing Arts in New York

Vordächer am Lincoln Center for the Performing Arts in New York

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1008/lincoln_center_5742.jpg

Das Lincoln Center for the Performing Arts wurde Ende der 50er Jahre errichtet und ist das bedeutendste und bekannteste kulturelle Zentrum von New York. Der über sechs Hektar große Kulturkomplex beherbergt unter anderem die weltberühmte Metropolitan Opera mit ihren fast 4000 Sitzplätzen. Daneben stehen das 1964 von Philip Johnson erbaute David H. Koch Theater, das sowohl das New York City Ballet als auch die New York City Opera beherbergt, und die 1962 fertig gestellte Avery Fisher Hall. Zurzeit wird der komplette Straßenblock des Lincoln Centers in Manhattan von den New Yorker Künstlern und Architekten Diller Scofidio + Renfro neu gegliedert.

Zwei weit auskragende gläserne Vordächer strukturieren den öffentlichen Raum am Josie Robertson Plaza und betonen die Eingangssituationen der Avery Fisher Hall und des David H. Koch Theater auf unübersehbare Weise. Die markanten gläsernen Vordächer reichen über den Bürgersteig hinweg bis an die Columbus Avenue und laden Vorübergehende ein, in die Welt der Künste einzutreten.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1008/lincoln_center_5793.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1008/lincoln_center_5808.jpg

Diller Scofidio + Renfro fügten zwei elegante und gestalterisch identische Stahlskulpturen behutsam an die Architektur der Avery Fisher Hall und das David H. Koch Theater an. So leicht und elegant die Konstruktion auch scheinen mag, die Ingenieursleistung ist immens und sprengt den üblichen Rahmen deutlich. Die Architekten wandten sich mit ihrem Entwurf an die Glasspezialisten von sedak, die in Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Ingenieuren Knippers Helbig GmbH sowohl die statische Berechnung als auch die Detailplanung übernahmen.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1008/lincoln_center_6154.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1008/lincoln_center_7202.jpg

Zwei aufwändig aus Einzelblechen geformte Stahlstützen gründen auf der Untergeschossebene, durchstoßen eine Fußgängerrampe und bilden den einzigen Auflagepunkt für die 27 Meter lange Konstruktion. In der Ansicht bilden beide Stützen ein stilisiertes Y. Sämtliche Horizontallasten der Konstruktion werden von diesen beiden Trägern aufgenommen und in die Betondecke der Fußgängerrampe abgetragen. Um die einwirkenden Kräfte aus den Windlasten gleichmäßig zu verteilen, sind die Stützen über zwei rahmenlose Verbundglasscheiben aus jeweils 4 x 12 mm Floatglas statisch wirksam miteinander verbunden.

Auf den beiden Stützen liegen zwei leicht nach außen gekippte, knapp über 27 Meter lange Stahlträger, die ebenfalls aufwändig aus Einzelblechen gefertigt wurden. Ein quer durch die Stahlträger gestecktes Rundrohr verbindet diese mit dem Gebäude und sorgt zusammen mit dem Y-Trägerpaar für die erforderliche Standfestigkeit.

Den beiden Trägern untergehängt sind großformatige Glasscheiben – zwölf 4,30 x 2,30 Meter große 4fach-VSGScheiben, von denen jede einzelne knapp 1,5 Tonnen wiegt. Sie werden an nur vier Punkten über eigens entwickelte Punkthalter aus hochfestem Werkstoff abgehängt. Anschließend mit Zwei-Komponenten-Injektionsmörtel kraftschlüssig vergossen, bilden Glas und Stahl einen statisch wirksamen Verbund. Jede Scheibe ist mit einem leichten Gefälle versehen und entwässert ohne Rinne zur Seite. Aufgrund der leichten seitlichen Neigung der Kragträger, die zudem nicht parallel laufen und der Neigung der Einzelscheiben ist jeder Punkthalter eine Einzelanfertigung.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1008/lincoln_center_7106.jpg

Das statische Konzept der Vordächer erforderte eine hohe Passgenauigkeit der unterschiedlichen Bauteile. Die üblichen Bautoleranzen von 3 bis 5 Millimeter für Stahlbauten mussten bei diesem Projekt deutlich unterschritten werden. Die Vorgabe lag bei ± 1,5 Millimeter für die montierte Konstruktion. Bereits im Vorfeld galt es die zu erwartenden starken Verformungen durch das Eigengewicht der Scheiben von 18 Tonnen zu berücksichtigen. Die Stahlträger wurden deshalb mit Hilfe von Schablonen passgenau zusammengesetzt und in Längsrichtung überhöht hergestellt. Vor dem Verschweißen der Nähte musste man die Träger mit Hilfe von Heizmatten gleichmäßig auf 160 Grad erwärmen. Um die notwendigen hochfesten Schweißnähte verformungsfrei herzustellen wurden die Heizmatten immer nur partiell entfernt und nach dem Schweißen einer Teilnaht unmittelbar wieder platziert. Nach exakt berechnetem Montageplan errichtet, zeigen die 40 Tonnen Stahl und Glas eine perfekt horizontal verlaufende Linie und betonen als transparente architektonische Geste den einladenden Charakter der beiden Kulturbauten.

Objekt: Lincoln Center Canopies, New York / USA
Glas: seele sedak GmbH & Co. KG, www.sedak.com
Architekten: Diller Scofidio + Renfro, New York / USA, www.dsrny.com
Statik: Knippers Helbig GmbH, Stuttgart, www.khing.de
Fotos: seele sedak GmbH & Co. KG / Andreas Keller Fotografie

Modernes Design für Touristinformation von DIA – Dittel Architekten

Modernes Design für Touristinformation von DIA – Dittel Architekten

DIA – Dittel Architekten zeichnet für das Gestaltungskonzept sowie Planung und Ausführung der neuen Touristinformation in Schwäbisch Hall verantwortlich. Ziel des Konzeptes ist es, die Identität der Stadt in Raum zu übertragen und mit digitalen und analogen Inhalten erlebbar zu machen. Werte wie Ser...

DGNB-zertifiziertes Autohaus für Neu- und Gebrauchtwagen von ATP architekten ingenieure

DGNB-zertifiziertes Autohaus für Neu- und Gebrauchtwagen von ATP architekten ingenieure

Als Spezialisten für die Automobilbranche und Integrale Planung entwarfen ATP architekten ingenieure die neue Mercedes-Benz-Hauptniederlassung für das Gebiet Rhein-Main. Der Auftraggeber Daimler Real Estate bündelte Verkauf, Verwaltung, Service und Werkstatt von drei Standorten auf einem neuen Gewer...

Oliv Architekten revitalisieren das PEAK Bürogebäude in München

Oliv Architekten revitalisieren das PEAK Bürogebäude in München

Die intelligente Revitalisierung leerstehender Gebäude gehört zu den dringlichsten Aufgaben einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Dabei ist der Leerstand, der meist schon über einen längeren Zeitraum geht, ein Indikator für die Schwierigkeit der baulichen und planerischen Aufgabe. So war es auch beim...

Weitere Artikel:

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Alles richtig gemacht und der Bauherr ist trotzdem unzufrieden? Wer bei der Planung von Bürogebäuden allein auf das vereinfachte oder auch das simulationsbasierte Nachweisverfahren der DIN-4108-2 (Wärmeschutz von Gebäuden) setzt, steht zwei Problemen gegenüber.

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Moderne Energiekennwerte und gesundes Wohnklima im Einklang mit dem Denkmalschutz – diese Anforderungen wollte Malermeister Claus Schmid bei der Sanierung eines alten Fachwerkhauses miteinander vereinen. Deshalb dämmte er von innen mit einem mineralischen System in Verbindung mit silikatischen und K...

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

In unseren Städten wird es immer enger. Parkhaussysteme können städtische Nischen optimal und rentabel nutzen: Vollautomatisch und raumsparend ermöglichen sie Mobilität, wo Grund teuer ist und Parkplätze knapp sind. Im urbanen Raum lassen sich Parkhaussysteme selbst in schmale Baulücken einfügen.

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Alles richtig gemacht und der Bauherr ist trotzdem unzufrieden? Wer bei der Planung von Bürogebäuden allein auf das vereinfachte oder auch das simulationsbasierte Nachwei...

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Moderne Energiekennwerte und gesundes Wohnklima im Einklang mit dem Denkmalschutz – diese Anforderungen wollte Malermeister Claus Schmid bei der Sanierung eines alten Fac...

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

In unseren Städten wird es immer enger. Parkhaussysteme können städtische Nischen optimal und rentabel nutzen: Vollautomatisch und raumsparend ermöglichen sie Mobilität, ...

Glas-Sensorschalter: Licht per Fingertipp

Glas-Sensorschalter: Licht per Fingertipp

Bei vielen Schaltern stand bisher die funktionelle Komponente im Vordergrund, während das Design eher als sekundäre Komponente behandelt wurde. Das ändert sich seit einig...

Bodenmaiser Hof: Wellnesshotel mit Gebäudeautomation

Bodenmaiser Hof: Wellnesshotel mit Gebäudeautomation

Nach seinem jüngsten Umbau reiht sich der Bodenmaiser Hof im Bayerischen Wald unter die Top-Wellnesshotels in Deutschland ein. Unter dem Motto »Stylisch Bayerisch« werden...

Neubau der Paulaner Hauptverwaltung auf historischem Areal

Neubau der Paulaner Hauptverwaltung auf historischem Areal

Das ehemalige Werksgelände der Paulaner Bierbrauerei in der Münchner Ohlmüllerstraße wurde durch den Umzug der Produktion nach München-Langwied frei. Paulaner entschloss ...

Objekt mit Kern aus recycelten Materialien und Fassade

Objekt mit Kern aus recycelten Materialien und Fassade

Reduce, Reuse, Recycle – dieser Ansatz hat nun auch die Architektur erreicht. In Dänemark hat das Architekturbüro Een til Een unter Verwendung ausschließlich biologischer...

Warme Kante Abstandhalter

Warme Kante Abstandhalter

Auf der Fensterbau Frontale 2018 werden die Diskussionen rund um Digitalisierung, Fertigungsautomation, innovative Fensterlösungen und natürlich den Dauerbrenner Energiee...

Fensterflügel komplett aus Glas

Fensterflügel komplett aus Glas

Die Clara Fenster AG beginnt das neue Jahr mit einer breit angelegten Produkteinführung. Das rahmenlose Fenster »Clara« transportiert den zentralen Produktvorteil aus Sic...

Leute, Lärm, Licht

Leute, Lärm, Licht

Jeder dritte Deutsche hat Angst, Opfer eines Einbruchs zu werden, besagt eine Studie der GDV.1 Daher wundert es nicht, dass sich immer mehr Menschen für die verschiedenen...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.