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AZ/Architekturzeitung - Deutschland Österreich Schweiz |Samstag, 04.02.2012 |
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Start Innovation Innenausbau Blindeninstitut in Regensburg
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Blindeninstitut in Regensburg

Das Blindeninstitut Regensburg ist Schule und Internat für Kinder und Jugendliche mit Blindheit oder Sehbehinderung und weiteren Behinderungen. Sie sollen hier lernen selbstständig zu agieren, sollen ihre individuellen Fähigkeiten ausbauen und optimal auf ihr Erwachsenenleben vorbereitet werden. Schon allein durch das ins Detail durchdachte neue Schulgebäude können die Schüler Orientierung ohne die klassischen Blindenleitlinien trainieren: mit unterschiedlichen Lichtszenen, Raumakustik, Kontrasten und Höhenunterschieden. In enger Abstimmung mit der Blindeninstitutsstiftung haben die Architekten Georg Scheel Wetzel ein ausgeklügeltes Konzept entwickelt und umgesetzt.

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Ein Neubau des Blindeninstituts in Regensburg war dringend notwendig: An vier verschiedenen, wenig geeigneten Standorten wurden die Schüler bis dahin betreut und therapiert. Heute finden etwa 90 Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 20 Jahren Platz in dem großen Gebäude. Etwa 20 von ihnen, die nicht aus dem näheren Umkreis stammen, sind im Internat untergebracht, dem südlichsten, zweigeschossigen Gebäuderiegel. In kleinen, familiären Wohngruppen mit je einem Doppel- und drei Einzelzimmern leben sie hier in ihrem zweiten Zuhause, unter der Woche und bei Bedarf auch am Wochenende und in den Schulferien. In das weitläufige Gebäude des Instituts hat sich darüber hinaus eine Kindergartengruppe des Montessori-Vereins integriert. Wolfgang Lebert, Rektor der Schule, schätzt den ungezwungenen und fruchtbaren Kontakt zwischen behinderten und nicht behinderten Kindern: »So wird schon sehr früh der Umgang miteinander gelernt.« 

Das neue Blindeninstitut ist auf einer Fläche von 12.000 m² am Stadtrand von Regensburg entstanden, in unmittelbarer Nähe zum Kloster Prüfening. Die gute Verkehrsanbindung und die Nähe zur Natur waren ausschlaggebend für die Wahl des Hanggrundstücks. Die neue Anlage sollte so gebaut werden, dass sie einen deutlichen Abschluss der Stadt gegenüber dem Kloster und zugleich einen harmonischen Übergang zu den angrenzenden Feldern bildet. Die Fassadengestaltung greift die Lage zwischen Urbanität und Natur auf: dunkle Ziegel dominieren die der Stadt zugewandte Front, Holz und Glas die zur Landschaft offene Seite. 

Kammartig liegen die ein- und zweigeschossigen Baukörper auf dem Hang. Mit 50-60 cm Höhenunterschied staffeln sich fünf parallel angeordnete Gebäudefinger, die durch den Haupt- und Eingangstrakt verbunden sind. Breite Rampen im Gebäude und Außengelände lassen die Schüler überall problemlos passieren. Die Klassenstufen in den eingeschossigen Gebäudeflügeln sind bewusst entsprechend der Höhenlage aufsteigend angeordnet: unten die schulvorbereitende Einrichtung, dann die Unter-, Mittel-, Ober- und schließlich die Werkstufe. Der zweigeschossige Haupt- und Eingangstrakt beherbergt im Obergeschoss die Verwaltungs- und Therapieräume, im Erdgeschoss einen EDV-Raum, Werkräume, Musik- und Rhythmikzimmer und die Lehrküche mit höhenverstellbaren und unterfahrbaren Küchenzeilen. Ein Therapiebad und die Turnhalle befinden sich in einem separaten Gebäude, das durch einen lichtdurchfluteten Gang mit dem Hauptgebäude verbunden ist.

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Die Gruppenstärke liegt in der Regel bei 5-6 Kindern mit ähnlichem Leistungsniveau. Jede Gruppe hat ein eigenes Klassenzimmer und einen Tagesstättenraum, die mittels einer großen Schiebetür verbunden sind. Jeweils zwei Gruppen teilen sich zudem einen Einzelförderungs- und einen Seherziehungsraum. Der Seherziehungsraum ist komplett in Schwarz gehalten, Boden, Decke, Wände, Mobiliar – nur eine Wand ist weiß. Damit werden maximale Kontraste geschaffen und die Kinder können sich ganz auf das Lernobjekt konzentrieren. Hier werden beispielsweise Dias gezeigt und damit die individuellen Sehfähigkeiten trainiert. Denn etwa 90 % der Kinder sind lediglich sehbehindert, sie können also starke Kontraste und grelle Farben durchaus wahrnehmen. Das gesamte Gebäude und die Außenanlagen sollen helfen, genau diese Wahrnehmungsmöglichkeiten zu verbessern.

Klassenzimmer, Einzelförderungs- und Seherziehungsraum sind mit dem Tagesstättenraum, Garderobe und Sanitärräumen jeweils zu einer funktionalen Einheit verbunden. Jede Jahrgangsstufe hat zudem einen eigenen Ausgang zum Hof. Fantasievolle Spielgeräte schaffen dort einen naturnahen Erlebnisraum, der nahtlos in Wald und Feld übergeht. Jeweils eine auf der Geländestufe angepflanzte Obstsorte markiert wiederum den Bereich.

Räumlich sind alle Schulflügel gleich aufgebaut. Damit finden sich die Schüler auch beim Übergang in die nächste Klassenstufe schnell zurecht. Die gute Orientierung im Gebäude lag Schulrektor Wolfgang Lebert und Architekt Simon Wetzel besonders am Herzen. Und zwar nicht nur visuell, sondern auch akustisch und haptisch – und eben nicht ausschließlich mit dem klassischen Blindenleitsystem. Der Hauptkorridor ist höher gelegen und größer als die Flure in den Nebenarmen und hat dadurch auch einen anderen Raumklang, Schritte und Laute haben hier einen charakteristischen Nachhall. In Form von Noppenplatten markieren Aufmerksamkeitsfelder Hindernisse wie Treppen und Aufzüge. Auch mit hell und dunkel haben die Architekten gearbeitet: Die Flure werden mit langen Neonröhren beleuchtet. Kreuzungen, Garderoben und Eingänge zu den Räumen markieren kerzenähnliche Rasterbeleuchtungen. 

Die Flure selbst sind möglichst reizarm gestaltet: Die Wände sind hell verputzt, Decken, Stützen und die Fassadenwand bestehen aus Sichtbeton. Türen in Kirsche bilden einen starken und damit für viele Sehbehinderte erkennbaren Kontrast. Während in den Fluren und öffentlichen Bereichen ein kalter Bodenbelag aus Muschelkalk ausliegt, kennzeichnen weiche, warme und fußbodenbeheizte Linoleumböden die Gruppen- und Schulräume. Jeder Schulflügel wird mit einer anderen kräftigen Linoleumfarbe definiert. So können die Schüler bereits am Farbton erkennen, in welchem Bereich sie sich befinden. Entsprechend der Zuordnung der Höhenlage zu den einzelnen Funktionsbereichen leiten auch die Farben von unten nach oben von hell zu dunkel.

DLW Linoleum von Armstrong mit einer breiten Palette mit 131 Nuancen von Sonnengelb über Himmelblau bis Froschgrün bot jede Menge Gestaltungsfreiheit. Beige, Orange, Rot, Rot-Braun und Dunkelgrün wählten die Architekten schließlich für die fünf Gebäudeflügel aus. Besonders für kleine Kinder, die noch über den Boden krabbeln, und Kinder mit Körperbehinderung war der natürliche Bodenbelag aus Leinöl, Harzen, Kork- und Holzmehl auf einer Juteschicht die erste Wahl. Zudem konnte unter den Belag eine Fußbodenheizung gelegt werden. DLW Linoleum wurde auch aufgrund seiner Strapazierfähigkeit und Reinigungsfreundlichkeit ausgewählt. Denn auch auf den sparsamen Umgang mit Ressourcen wie Energie und Wasser sowie auf Naturnähe hat das Blindeninstitut besonderen Wert gelegt.

Armstrong DLW AG, www.armstrong.de

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