Das neue Blindeninstitut ist auf einer Fläche von 12.000 m² am Stadtrand von Regensburg entstanden, in unmittelbarer Nähe zum Kloster Prüfening. Die gute Verkehrsanbindung und die Nähe zur Natur waren ausschlaggebend für die Wahl des Hanggrundstücks. Die neue Anlage sollte so gebaut werden, dass sie einen deutlichen Abschluss der Stadt gegenüber dem Kloster und zugleich einen harmonischen Übergang zu den angrenzenden Feldern bildet. Die Fassadengestaltung greift die Lage zwischen Urbanität und Natur auf: dunkle Ziegel dominieren die der Stadt zugewandte Front, Holz und Glas die zur Landschaft offene Seite.
Kammartig liegen die ein- und zweigeschossigen Baukörper auf dem Hang. Mit 50-60 cm Höhenunterschied staffeln sich fünf parallel angeordnete Gebäudefinger, die durch den Haupt- und Eingangstrakt verbunden sind. Breite Rampen im Gebäude und Außengelände lassen die Schüler überall problemlos passieren. Die Klassenstufen in den eingeschossigen Gebäudeflügeln sind bewusst entsprechend der Höhenlage aufsteigend angeordnet: unten die schulvorbereitende Einrichtung, dann die Unter-, Mittel-, Ober- und schließlich die Werkstufe. Der zweigeschossige Haupt- und Eingangstrakt beherbergt im Obergeschoss die Verwaltungs- und Therapieräume, im Erdgeschoss einen EDV-Raum, Werkräume, Musik- und Rhythmikzimmer und die Lehrküche mit höhenverstellbaren und unterfahrbaren Küchenzeilen. Ein Therapiebad und die Turnhalle befinden sich in einem separaten Gebäude, das durch einen lichtdurchfluteten Gang mit dem Hauptgebäude verbunden ist.
Klassenzimmer, Einzelförderungs- und Seherziehungsraum sind mit dem Tagesstättenraum, Garderobe und Sanitärräumen jeweils zu einer funktionalen Einheit verbunden. Jede Jahrgangsstufe hat zudem einen eigenen Ausgang zum Hof. Fantasievolle Spielgeräte schaffen dort einen naturnahen Erlebnisraum, der nahtlos in Wald und Feld übergeht. Jeweils eine auf der Geländestufe angepflanzte Obstsorte markiert wiederum den Bereich.
Räumlich sind alle Schulflügel gleich aufgebaut. Damit finden sich die Schüler auch beim Übergang in die nächste Klassenstufe schnell zurecht. Die gute Orientierung im Gebäude lag Schulrektor Wolfgang Lebert und Architekt Simon Wetzel besonders am Herzen. Und zwar nicht nur visuell, sondern auch akustisch und haptisch – und eben nicht ausschließlich mit dem klassischen Blindenleitsystem. Der Hauptkorridor ist höher gelegen und größer als die Flure in den Nebenarmen und hat dadurch auch einen anderen Raumklang, Schritte und Laute haben hier einen charakteristischen Nachhall. In Form von Noppenplatten markieren Aufmerksamkeitsfelder Hindernisse wie Treppen und Aufzüge. Auch mit hell und dunkel haben die Architekten gearbeitet: Die Flure werden mit langen Neonröhren beleuchtet. Kreuzungen, Garderoben und Eingänge zu den Räumen markieren kerzenähnliche Rasterbeleuchtungen.
Die Flure selbst sind möglichst reizarm gestaltet: Die Wände sind hell verputzt, Decken, Stützen und die Fassadenwand bestehen aus Sichtbeton. Türen in Kirsche bilden einen starken und damit für viele Sehbehinderte erkennbaren Kontrast. Während in den Fluren und öffentlichen Bereichen ein kalter Bodenbelag aus Muschelkalk ausliegt, kennzeichnen weiche, warme und fußbodenbeheizte Linoleumböden die Gruppen- und Schulräume. Jeder Schulflügel wird mit einer anderen kräftigen Linoleumfarbe definiert. So können die Schüler bereits am Farbton erkennen, in welchem Bereich sie sich befinden. Entsprechend der Zuordnung der Höhenlage zu den einzelnen Funktionsbereichen leiten auch die Farben von unten nach oben von hell zu dunkel.
DLW Linoleum von Armstrong mit einer breiten Palette mit 131 Nuancen von Sonnengelb über Himmelblau bis Froschgrün bot jede Menge Gestaltungsfreiheit. Beige, Orange, Rot, Rot-Braun und Dunkelgrün wählten die Architekten schließlich für die fünf Gebäudeflügel aus. Besonders für kleine Kinder, die noch über den Boden krabbeln, und Kinder mit Körperbehinderung war der natürliche Bodenbelag aus Leinöl, Harzen, Kork- und Holzmehl auf einer Juteschicht die erste Wahl. Zudem konnte unter den Belag eine Fußbodenheizung gelegt werden. DLW Linoleum wurde auch aufgrund seiner Strapazierfähigkeit und Reinigungsfreundlichkeit ausgewählt. Denn auch auf den sparsamen Umgang mit Ressourcen wie Energie und Wasser sowie auf Naturnähe hat das Blindeninstitut besonderen Wert gelegt.
Armstrong DLW AG, www.armstrong.de







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