Anzeige AZ-A2-728x90 R7
Start Innovation Lichttechnik Erweiterung des Alterszentrums Hofmatt in Münchenstein von Oplatek Architekten AG

Erweiterung des Alterszentrums Hofmatt in Münchenstein von Oplatek Architekten AG

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1611/oplatek-architekten-iguzzini-az01.jpg
 

In die Jahre gekommen war das Alters- und Pflegeheim Hofmatt in Münchenstein bei Basel. Deshalb mussten die ältesten Gebäudetrakte im Zuge der ursprünglich nur als Erweiterung geplanten Maßnahme durch Neubauten ersetzt werden. So wurde aus dem Zentrum ein fast komplett neues Ensemble, das sich modern und offen zeigt. Das Beleuchtungskonzept aus hohem Tageslichtanteil und hellem Kunstlicht unterstützt den Wach- / Schlafrhythmus der Bewohner.

Der neue, die eigentliche Kapazitätserweiterung von 124 auf 165 Heimplätze stellende Gebäudetrakt liegt auf der vormals unbebauten Fläche im Südosten des Areals, mit Blick weit über die Flusslandschaft und auf den gegenüberliegenden Dorfkern von Alt-Münchenstein. Mit seiner ausladenden, geschwungenen Form bildet der Südflügel den Abschluss des Siedlungsgebiets gegen das offene, nicht überbaubare Gelände des Rhein-Nebenflusses. Die zwei neuen Trakte, die die aufgrund baulicher wie betrieblicher Mängel zurückgebauten Gebäude aus den Jahren 1966 und 1975 ersetzen, sind am ursprünglichen Ort entlang der Pumpwerkstrasse situiert, nutzen aber die zur Verfügung stehende Parzellenfläche bis zur Baulinie vollständig aus. Die jüngsten Bestandsbauten von 1996 wurden belassen und durch kleinere Umbauten an den neuen Standard angepasst.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1611/oplatek-architekten-iguzzini-az02.jpg

Aufgrund des Niveauunterschieds zwischen der Eingangs- und der Gartenebene konnten die Architekten die einzelnen Volumina so setzen, dass die Fünfgeschossigkeit des Nord- und Westflügels für den Betrachter von außen nicht ablesbar ist. Entlang der Pumpwerkstrasse erscheint das Gebäude nur zwei- bis dreigeschossig, während der dreigeschossige Erweiterungsflügel die Höhe des Eingangstraktes, aus Südosten betrachtet, optisch überschneidet. Natürlich bot die Topografie eine Herausforderung für die Erschließungsstruktur der Anlage. Das Niveau des Haupteingangs befindet sich drei Geschosse oberhalb des Gartens. Um den Eingang direkt mit einer Grünfläche zu verbinden, wird seine Ebene mittels einer verglasten Galerie bis zur üppig bepflanzten Dachlandschaft des vorgelagerten Erweiterungsflügels weiter geführt. Den Gästen im Restaurant oder Speisesaal, die sich beide auf dem Eingangsniveau befinden, vermittelt der Dachgarten ebenso das Gefühl der Ebenerdigkeit und bildet den Vordergrund für die Aussicht in die Flusslandschaft.

Auch in den unteren Geschossen verbindet die lichtdurchflutete Galerie die einzelnen Gebäudetrakte mit ihren unterschiedlichen Wohnbereichen und verkürzt damit die Verkehrswege für den Betrieb. Darüber hinaus ermöglicht sie den Bewohnerinnen und Bewohnern bei jeder Witterung Rundgänge innerhalb des Hauses. Dabei erleichtern die Ausblicke durch die beiden vollständig verglasten Fassaden die Orientierung in der ausgedehnten Anlage. Die quergestellte Verbindungsgalerie teilt die Außenfläche zwischen dem Eingangs- und dem Erweiterungsflügel in zwei Innenhöfe unterschiedlichen Charakters. Beide Höfe können durch die auf dem Gartenniveau weit zu öffnenden Verglasungen – die Gartenhalle – miteinander verbunden werden.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1611/oplatek-architekten-iguzzini-az04.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1611/oplatek-architekten-iguzzini-az05.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1611/oplatek-architekten-iguzzini-az06.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1611/oplatek-architekten-iguzzini-az07.jpg

Mit Ausnahme des Westtrakts sind die Bewohnerzimmer aufgrund der Topografie und der Orientierung zu den Himmelsrichtungen einseitig angeordnet. Die dadurch gebildeten, relativ langen Korridore werden immer wieder durch natürlich belichtete Ausbuchtungen durchbrochen, die gerne als informelle Sitz- und Aufenthaltsecken genutzt werden. Da die Verkehrsflächen als Mischzonen konzipiert sind, werden die Gänge ohne Abschlüsse in die Aufenthaltsbereiche ausgeweitet. Im Westtrakt, dessen Fassaden dreiseitig mit Bewohnerzimmern belegt sind, wird das Tageslicht durch einen inneren Lichthof bis ins unterste Geschoss geführt.

Ein wichtiges Kriterium bei der Planung war die Atmosphäre der neuen Räume, die Wohnlichkeit ausstrahlen und jeglichen Anklang an einen Spitalbetrieb vermeiden sollten. Für den Innenausbau wurden natürliche Materialien gewählt, die ein warmes, gesundes Wohnklima vermitteln. Ein wichtiges Element für das Wohlbefinden der Bewohner ist auch die ausreichende natürliche und künstliche Belichtung. Dank der Grundrissorganisation und Fassadengestaltung konnte die Tageslichtführung vorbildlich gesteuert werden.

Bei der künstlichen Beleuchtung ließ sich Lichtplaner Adrian Huber von wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Abhängigkeit des Wohlbefindens älterer Menschen von der Lichtversorgung leiten und kreierte in Zusammenarbeit mit der Neurobiologin Anna Wirz-Justice und mit dem Fraunhofer Institut Stuttgart das Konzept einer überdurchschnittlich hellen Allgemeinbeleuchtung mit wechselnden Lichtintensitäten über den Tagesverlauf. Die Wissenschaftlerin setzt auf besonders viel Tageslicht im Freien, das selbst an regenverhangenen Tagen eine für die therapeutische Wirkung ausreichende Stärke hat, sowie auf hellere Kunstlichtkonzepte für den Innenraum. Insbesondere bei Demenz-Kranken zeigen hohe Beleuchtungsstärken therapeutische Wirkung und helfen bei der Harmonisierung des Wach- / Schlafrhythmus. Mehr Aktivität am Tag lässt die Menschen am Abend schneller ein- und in der Nacht besser durchschlafen.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1611/oplatek-architekten-iguzzini-az08.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1611/oplatek-architekten-iguzzini-az09.jpg

Der Planer entwickelte LED Leuchten, die große Lumenpakete an die Umgebung abgeben, ohne die Menschen zu blenden. In den offenen Aufenthaltsbereichen in den Fluren der Zimmertrakte sind sie als großflächige, runde Objekte in zwei Größen in Gruppen von den Decken abgependelt und durch quadratische Wandleuchten ergänzt. Sie erzeugen Lichtstärken, welche die Bewohner an Tagen, an denen sie nicht nach draußen ins Sonnenlicht gehen können, über den Tag wach halten. Außerdem rhythmisieren sie die Flurbereiche. Die Eingänge der Bewohnerzimmer und die Flure sind mit dimmbaren, warmweißen und 2.000 Lumen starken Reflex LED Deckeneinbauleuchten von iGuzzini beleuchtet, die den Bewohnern ein besonders weiches und homogenes Licht spenden, das nahezu blendfrei ist (UGR <19). Bei der Leuchtenauswahl war Blendungsbegrenzung ein besonders wichtiges Kriterium, damit sich die Menschen trotz der überdurchschnittlich hellen Beleuchtung wohlfühlen.

Im Foyer, in der Verbindungsgalerie, im Restaurant und Speisesaal sind ca. 400 warmweiße 10er Laser Blade (3.000 Kelvin) mit einem Farbwiedergabewert CRI >90 im Einsatz, die trotz der hohen Beleuchtungsstärke von 1.800 Lumen dank ihrer in den schwarzen Blendschutzschirm integrierten Hochleistungsoptik eine kontrollierte Leuchtdichte von UGR Zu dem circadianen Beleuchtungskonzept gehört auch die Eliminierung des anregenden Blauanteils des Lichts in den Bewohnerzimmern während der Nachtruhe. Als Nachtleuchte wurde daher serienmäßig Underscore mit amberfarbenen LED eingebaut. Damit erhält das Pflegepersonal eine gute Arbeitsbeleuchtung, welche die Bewohner nicht tiefgreifend aufweckt. Denn amberfarbenes Licht löst im Gehirn keine Abschwächung der Melatonin Ausschüttung aus.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1611/oplatek-architekten-iguzzini-az10.jpg

Was in Münchenstein mit der Idee eines Erweiterungsbaus begann, endete mit einem fast kompletten Neubau, in dem der aktuelle Wissensstand zum Thema Altern und Demenz in Verbindung mit der physikalischen Umgebung umgesetzt wurde. In Hofmatt haben Architekten, Innenarchitekten, Lichtplaner, Farbberater und die Heimleitung eine Institution geschaffen, die die Menschen in Würde altern lässt.

iGuzzini, www.iguzzini.ch

Bauherr: Stiftung Hofmatt, Münchenstein
Architekt: Oplatek Architekten AG, www.oplatek.ch
Lichtplanung: Lichttechnik Adrian Huber, Basel

Fotos: HG Esch für iGuzzini

Eduard’s – Lifestyle-Bar von DIA – Dittel Architekten

Eduard’s – Lifestyle-Bar von DIA – Dittel Architekten

DIA – Dittel Architekten entwickelt das Gastronomie-Design sowie Name und Corporate Design der Bar Eduard’s und verantwortet die Ausführung im Dorotheen Quartier in Stuttgart. Benannt nach dem Breuninger-Gründer setzt die neue Lifestyle-Bar ein klares Statement im neuen Viertel.

Enso Sushi & Grill von DIA – Dittel Architekten

Enso Sushi & Grill von DIA – Dittel Architekten

DIA – Dittel Architekten gestaltet und realisiert die Gastronomie Enso Sushi & Grill in exponierter Lage im Dorotheen Quartier in Stuttgart. Das moderne Design ist anspruchsvoll und kreativ wie die asiatisch-europäische Fusion-Küche. Die Neuinterpretation traditioneller Architekturelemente Asien...

Wohnflächen statt Büroflächen

Wohnflächen statt Büroflächen

Um an Standorten, die scheinbar nur für Büroflächen geeignet sind, attraktiven Wohnraum zu schaffen, bedarf es besonderer Konzepte. Ein solches hat das Stuttgarter Architekturbüro Frank Ludwig für die Stuttgarter Olgastraße 87 entworfen: An der belebten innerstädtischen Straße im Zentrum der Schwabe...

Weitere Artikel:

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Es ist ein eigenwilliges Gebäude, das 1967 nach dem Entwurf des Architekten Wolfgang Döring in nur sechs Tagen auf einem Erbpachtgrundstück der Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung der Uni Bonn errichtet wurde. Bemerkenswert sind nicht nur das ungewöhnliche Äußere und die beispiellos kurze Bauzeit, in d...

Oberflächentrends bei Innentüren

Oberflächentrends bei Innentüren

Die heutigen Sortimentsdimensionen des Bauens und Planens verlangen nach strukturierten Lösungen für Oberflächen wie beispielsweise bei Innentüren. Aufgrund des Überangebots an industriellen Produkten besteht seitens vieler Architekten und Fachplaner ein zunehmend größerer Orientierungs- und Navigat...

Frischer Wind fürs Flachdach

Frischer Wind fürs Flachdach

Ist die Dampfsperre auch wirklich trocken? Der neue »SitaVent Revision« erlaubt jederzeit einen prüfenden Blick auf den Status unterhalb der Wärmedämmung. Immer wieder vom Markt gefordert, entwickelte Sita das neue Revisionsbauteil auf Basis des »SitaVent Kaltdachlüfters« mit PE-Rohr, Grundplatte un...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Der Gebäude-Energieberater
    Der Gebäude-Energieberater Ein junger Berufsstand und seine bewegte Geschichte: Gebäude-Energieberater lotsen Hauseigentümer durch den Regelungs- und Förderungsdschungel und sind wichtige Empfehler bei…

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Es ist ein eigenwilliges Gebäude, das 1967 nach dem Entwurf des Architekten Wolfgang Döring in nur sechs Tagen auf einem Erbpachtgrundstück der Elly-Hölterhoff-Böcking-St...

Oberflächentrends bei Innentüren

Oberflächentrends bei Innentüren

Die heutigen Sortimentsdimensionen des Bauens und Planens verlangen nach strukturierten Lösungen für Oberflächen wie beispielsweise bei Innentüren. Aufgrund des Überangeb...

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Der Keukenhof in Lisse bei Amsterdam ist das internationale Schaufenster der niederländischen Blumenzucht. In den acht Wochen von Anfang März bis Mitte Mai wird dort geze...

Kalksandstein mit neuen technischen Möglichkeiten

Kalksandstein mit neuen technischen Möglichkeiten

Der Baustoffhersteller Heidelberger Kalksandstein hat technische Grenzen zugunsten des Designs erweitert. Das Produktionsverfahren der Kalksandsteine unterstützt nun den ...

Frischer Wind fürs Flachdach

Frischer Wind fürs Flachdach

Ist die Dampfsperre auch wirklich trocken? Der neue »SitaVent Revision« erlaubt jederzeit einen prüfenden Blick auf den Status unterhalb der Wärmedämmung. Immer wieder vo...

Keramik für dünnwandige Waschtische

Keramik für dünnwandige Waschtische

TOTO verfügt über ein breit gefächertes Angebot an Sanitärkeramik und insbesondere an Waschtischen, die universell einsetzbar sind. Als herausragende Eigenschaften gelten...

Farbige Fassadenbahn

Farbige Fassadenbahn

In der völlig neu entwickelten, diffusionsoffenen, dauerhaft UV-stabile Fassadenbahn »Ampatop F Color« haben die Beschichtungsspezialisten eine Vielzahl an bauphysikalisc...

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Wohlfühlen mit Wärmepumpe

Wohlfühlen mit Wärmepumpe

Das zweigeschossige Haus von Melanie und Maik Westphal fügt sich ausgesprochen harmonisch in das 823 Quadratmeter große Hanggrundstück ein. Vorab hatten sie das mit zahlr...

PolygonGarden von HKA Hastrich Keuthage Architekten

PolygonGarden von HKA Hastrich Keuthage Architekten

HKA Hastrich Keuthage Architekten entwickelten für das Projekt »PolygonGarden« eine lange Glasfassade, deren Faltung eine interessant belebte Straßensilhouette erzeugt. D...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.