Start Unternehmen AZ Fachwissen Der Gebäude-Energieberater

Der Gebäude-Energieberater

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/azprofile/architekturzeitschriften/der-gebaeude-energieberater-magazin.jpg

Rund 1/3 der Energie in Deutschland wird in den Haushalten verbraucht – wandert durch elektrische Verbraucher oder durch den Schornstein. „Gebäude gehören zu den Großverbrauchern – und sind gleichzeitig so komplex in Sachen Energiemanagement, dass es eines eigenen Berufsbildes bedarf, dieser Herausforderung Herr zu werden“, sagt Britta Großmann, Chefredakteurin des Magazins »Gebäude-Energieberater« (GEB), der ersten Fachzeitschrift für die Zielgruppe. Energieberater bewerten und optimieren seit über einem Jahrzehnt Häuser unter energetischen Gesichtspunkten. Die nicht ganz unkomplizierte Geburt eines neuen Berufsbildes, das das Bauen und vor allem das Renovieren in der Republik verändert hat.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/azprofile/architekturzeitschriften/der-gebaeude-energieberater-zeitschrift.jpg

Das Berufsbild der Gebäude-Energieberater entsteht vor etwa fünfzehn Jahren. Nach Inkrafttreten der ersten Energieeinsparverordnung (EnEV) im Jahr 2002 und mit der angestrebten Energiewende wird klar, dass ein Energie-Supervisor am Bau fehlt. Während die Handwerker die Sache durch die Brille der technischen Anlagen und Produktsysteme sehen, betrachten die Architekten die Welt vornehmlich aus der funktionell-ästhetischen Perspektive. Hinzu kommt eine Flut neuer Vorschriften, Normen und gesetzlicher Regelungen, die sich nur schwer überblicken lässt, die aber die Energiewende erzwingen soll. Ein Beispiel dafür ist die Einführung des Energieausweises für Gebäude 2007.

Die Politik nimmt damit auch den Normalbürger, aber insbesondere den Hauseigentümer in die Pflicht, den Energieverbrauch zu senken und auf nachhaltigere Systeme umzusteigen. Der Regelungsmoloch fordert seinen Tribut – der Gebäude-Energieberater wird geboren, weil er gebraucht wird. Er ist Analyst, Berater und Weichensteller in einem. Er kennt die technischen und juristischen Regeln und kann Kosten und Nutzen abwägen.

Gebäude-Energieberater: Supervisor für energieoptimiertes Bauen
Die Chance, sich zum Gebäude-Energieberater weiterbilden zu lassen, nutzen die unterschiedlichsten Berufsgruppen. Beispielsweise Ingenieure, Architekten oder Handwerksmeister von Bau-Nebengewerken. Charakteristisch für das neue Berufsbild sind verschiedene Grundausbildungen, die Zugangsvoraussetzungen für die neue Tätigkeit sind. »Das inhomogene Grundwissen sorgt für einen unterschiedlichen Informationsbedarf«, sagt Britta Großmann. Sie und die Redaktion des GEB kümmern sich seit 10 Jahren um die Berufsgruppe und haben eine Community geschaffen. Während andere Fachzeitschriften vornehmlich über Anzeigenerlöse finanziert werden, hat das damals neue Objekt aus dem Stuttgarter Gentner-Verlag echten Lesernutzen – und mithin fast 7.000 zahlende Abonnenten mit echtem Informationsbedarf.

Der vielfältige berufliche Hintergrund hat sowohl Vor- als auch Nachteile für die Energieberater-Community: Ein breites Wissensspektrum steht dem Berufsstand zur Verfügung, aber jeder besitzt andere Vorkenntnisse. Dazu kommt die sich stetig ändernde gesetzliche Situation, die eine ständige Weiterbildung erfordert. »Als der Energieausweis für 2005 angekündigt wurde, haben wir schnell erkannt, dass es eines Mediums bedarf, das praxisnahes Wissen vermittelt, über die neusten Entwicklungen auf dem Laufenden hält und vorselektiert, worüber ein Energieberater zwingend informiert sein muss«, so Großmann, »aus dieser Idee ist das Fachmagazin Gebäude-Energieberater entstanden.«

In ihrer täglichen Arbeit versucht die Branche der Sanierungs-Unlust in der Bevölkerung entgegenzuwirken. Gebäude-Energieberater wissen, wann es sich lohnt, bestimmte Maßnahmen umzusetzen und lotsen Hausbesitzer durch das Förderungsangebot von KfW-Bank und Institutionen. Für all diejenigen, die umfangreich sanieren wollen, aber aus verschiedenen Gründen eine Komplettsanierung nicht auf einmal stemmen können, stellt der Gebäude-Energieberater einen individuellen Sanierungsfahrplan zusammen. „Ohne den Energieberater haben Hausbesitzer selten Kenntnis über diese Möglichkeiten“, sagt Chefredakteurin Großmann.

Behaglichkeit als wichtiges Sanierungsmotiv
Aufgrund von langjährigen Erfahrungswerten weiß sie: »Das Erfüllen gesetzlicher Vorschriften und die Kostenersparnis sind nur einer der Gründe für das energetische Sanieren. Besonders wichtig ist Gebäudebesitzern auch der Werterhalt und wenn möglich die Werterhöhung der eigenen Immobilie.« Aber auch der emotionale Faktor ist nicht zu unterschätzen. »Der Erfahrung nach ist aber die Behaglichkeit in den eigenen vier Wänden eines der stärksten Sanierungsmotive«, so Britta Großmann, »wenn es durch alle Ritzen zieht, besteht Handlungsbedarf.«

Und was haben sie erreicht, die rund 15.000 Gebäude-Energieberater dieses Landes? Mit ihrer Hilfe können Haushalte, aber auch Gewerbe und Kommunen, ihren Energieverbrauch deutlich reduzieren. Im Rahmen des CO2-Gebäudesanierungsprogrammes wurden seit 2006 rund 209 Milliarden Euro investiert und in knapp 4 Millionen Wohnungen und in über 2.200 sozialen und kommunalen Gebäuden eingesetzt. Allein mit den KfW-Förderprogrammen Energieeffizient Bauen und Sanieren werden bis 2020 rund 144 Millionen Tonnen CO2 eingespart, so das Ergebnis einer Evaluierung vom Fraunhofer-Institut im Auftrag der KfW-Bank. Ein wichtiger Schritt für den Klimaschutz.

Der hohe wirtschaftliche Nutzen zeigt sich auch in der Schaffung von 400.000 Arbeitsplätzen in Handwerk und Mittelstand und in der geringeren Abhängigkeit von Energieimporten. Die Politik hat das Ziel allerdings hoch gesteckt: Bis 2050 soll der Energieverbrauch um 80 Prozent gesenkt werden. Ist das realistisch? Britta Großmann: »Technisch ist das machbar. Ob die Motivation reicht, wird man sehen. Die Branche muss ihren Markt bearbeiten und die Menschen überzeugen. Die Arbeit der Gebäude-Energieberater ist von hoher gesellschaftlicher Relevanz – und zahlt sich dabei doppelt aus.«

Modernes Design für Touristinformation von DIA – Dittel Architekten

Modernes Design für Touristinformation von DIA – Dittel Architekten

DIA – Dittel Architekten zeichnet für das Gestaltungskonzept sowie Planung und Ausführung der neuen Touristinformation in Schwäbisch Hall verantwortlich. Ziel des Konzeptes ist es, die Identität der Stadt in Raum zu übertragen und mit digitalen und analogen Inhalten erlebbar zu machen. Werte wie Ser...

DGNB-zertifiziertes Autohaus für Neu- und Gebrauchtwagen von ATP architekten ingenieure

DGNB-zertifiziertes Autohaus für Neu- und Gebrauchtwagen von ATP architekten ingenieure

Als Spezialisten für die Automobilbranche und Integrale Planung entwarfen ATP architekten ingenieure die neue Mercedes-Benz-Hauptniederlassung für das Gebiet Rhein-Main. Der Auftraggeber Daimler Real Estate bündelte Verkauf, Verwaltung, Service und Werkstatt von drei Standorten auf einem neuen Gewer...

Oliv Architekten revitalisieren das PEAK Bürogebäude in München

Oliv Architekten revitalisieren das PEAK Bürogebäude in München

Die intelligente Revitalisierung leerstehender Gebäude gehört zu den dringlichsten Aufgaben einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Dabei ist der Leerstand, der meist schon über einen längeren Zeitraum geht, ein Indikator für die Schwierigkeit der baulichen und planerischen Aufgabe. So war es auch beim...

Weitere Artikel:

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Alles richtig gemacht und der Bauherr ist trotzdem unzufrieden? Wer bei der Planung von Bürogebäuden allein auf das vereinfachte oder auch das simulationsbasierte Nachweisverfahren der DIN-4108-2 (Wärmeschutz von Gebäuden) setzt, steht zwei Problemen gegenüber.

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Moderne Energiekennwerte und gesundes Wohnklima im Einklang mit dem Denkmalschutz – diese Anforderungen wollte Malermeister Claus Schmid bei der Sanierung eines alten Fachwerkhauses miteinander vereinen. Deshalb dämmte er von innen mit einem mineralischen System in Verbindung mit silikatischen und K...

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

In unseren Städten wird es immer enger. Parkhaussysteme können städtische Nischen optimal und rentabel nutzen: Vollautomatisch und raumsparend ermöglichen sie Mobilität, wo Grund teuer ist und Parkplätze knapp sind. Im urbanen Raum lassen sich Parkhaussysteme selbst in schmale Baulücken einfügen.

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Tragwerke mit Nagelplattenbindern
    Tragwerke mit Nagelplattenbindern Nagelplattenbinder bilden das Gerüst des Dachtragwerks und bieten sich zur Verwirklichung selbst extrem komplexer Architekturen an. Sie sind als Bauteile…

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Alles richtig gemacht und der Bauherr ist trotzdem unzufrieden? Wer bei der Planung von Bürogebäuden allein auf das vereinfachte oder auch das simulationsbasierte Nachwei...

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Moderne Energiekennwerte und gesundes Wohnklima im Einklang mit dem Denkmalschutz – diese Anforderungen wollte Malermeister Claus Schmid bei der Sanierung eines alten Fac...

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

In unseren Städten wird es immer enger. Parkhaussysteme können städtische Nischen optimal und rentabel nutzen: Vollautomatisch und raumsparend ermöglichen sie Mobilität, ...

Glas-Sensorschalter: Licht per Fingertipp

Glas-Sensorschalter: Licht per Fingertipp

Bei vielen Schaltern stand bisher die funktionelle Komponente im Vordergrund, während das Design eher als sekundäre Komponente behandelt wurde. Das ändert sich seit einig...

Bodenmaiser Hof: Wellnesshotel mit Gebäudeautomation

Bodenmaiser Hof: Wellnesshotel mit Gebäudeautomation

Nach seinem jüngsten Umbau reiht sich der Bodenmaiser Hof im Bayerischen Wald unter die Top-Wellnesshotels in Deutschland ein. Unter dem Motto »Stylisch Bayerisch« werden...

Neubau der Paulaner Hauptverwaltung auf historischem Areal

Neubau der Paulaner Hauptverwaltung auf historischem Areal

Das ehemalige Werksgelände der Paulaner Bierbrauerei in der Münchner Ohlmüllerstraße wurde durch den Umzug der Produktion nach München-Langwied frei. Paulaner entschloss ...

Objekt mit Kern aus recycelten Materialien und Fassade

Objekt mit Kern aus recycelten Materialien und Fassade

Reduce, Reuse, Recycle – dieser Ansatz hat nun auch die Architektur erreicht. In Dänemark hat das Architekturbüro Een til Een unter Verwendung ausschließlich biologischer...

Warme Kante Abstandhalter

Warme Kante Abstandhalter

Auf der Fensterbau Frontale 2018 werden die Diskussionen rund um Digitalisierung, Fertigungsautomation, innovative Fensterlösungen und natürlich den Dauerbrenner Energiee...

Fensterflügel komplett aus Glas

Fensterflügel komplett aus Glas

Die Clara Fenster AG beginnt das neue Jahr mit einer breit angelegten Produkteinführung. Das rahmenlose Fenster »Clara« transportiert den zentralen Produktvorteil aus Sic...

Leute, Lärm, Licht

Leute, Lärm, Licht

Jeder dritte Deutsche hat Angst, Opfer eines Einbruchs zu werden, besagt eine Studie der GDV.1 Daher wundert es nicht, dass sich immer mehr Menschen für die verschiedenen...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.