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EU-Projekt zur energieeffizienten Sanierung von historischen Stadtquartieren

Die Europäische Union hat sich für die kommenden Jahre hohe Ziele gesetzt: Ihre Mitgliedsstaaten haben sich verpflichtet, bis 2020 20 Prozent ihrer Primärenergie einzusparen und damit auch die CO2-Emissionen deutlich zu senken. Deutschland arbeitet mit der Energiewende bereits zielstrebig an diesem Vorhaben. Ein Hauptaugenmerk der europaweiten Bemühungen ist die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden, seien es Neu- oder Bestandsbauten. Historische Gebäude bzw. Stadtquartiere haben in diesem Zusammenhang bislang leider nur wenig Beachtung gefunden. Aus diesem Grund ist aktuell das EU-Projekt EFFESUS (Energy Efficiency for EU Historic Districts Sustainability) mit einem Gesamtbudget von 6,7 Millionen Euro initiiert worden. Im Mittelpunkt des Projektes, an dem von Seiten der Fraunhofer-Gesellschaft das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP und das Fraunhofer-Zentrum für Mittel- und Osteuropa MOEZ beteiligt sind, steht die Betrachtung historischer Stadtquartiere und Baudenkmäler in Europa unter energetischen Aspekten. Der Fokus richtet sich dabei sowohl auf die energetische Effizienz einzelner Gebäude, von Ensembles und Stadtquartieren, als auch auf deren Versorgung durch erneuerbare Energien.

Gerade Europa kann im Bereich der CO2-Reduzierung eine führende Rolle bei der Entwicklung innovativer Lösungen für das baukulturelle Erbe übernehmen. Eine zentrale Rolle spielt auch hier die Investition im Bereich der Energieeffizienz. Historische Gebäude im städtebaulichen Kontext verbrauchen derzeit ca. vier Prozent des gesamten Endenergiebedarfs und sind verantwortlich für etwa drei Prozent der CO2-Emissionen. Daher ist eine Verbesserung der Energieeffizienz in historischen Gebäuden und historischen Stadtquartieren nicht aus dem Auge zu verlieren.

Verbesserung der Energieeffizienz im baulichen Kulturerbe

Das Hauptziel von EFFESUS ist es, unter der Prämisse der Vereinbarkeit mit dem baulichen Kulturerbe, Methoden zur Beurteilung und Auswahl von Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz bei bestehenden und neuen Technologien zu entwickeln und darzustellen. Dafür werden beispielsweise Fallstudien an sieben Unesco Welterbestätten durchgeführt. Die ausgewählten Städte können unterschiedlichen Klimazonen zugeordnet werden und erstrecken sich von Santiago de Compostela über Genua und Budapest nach Istanbul, von Glasgow bis Visby und schließen Bamberg als deutschen Beitrag ein.

Projektbeteiligung von Fraunhofer IBP und Fraunhofer MOEZ

Das Fraunhofer IBP wird Fragestellungen rund um die effiziente Energieversorgung sowie deren Integration in historische Stadtquartiere und deren Bausubstanz bearbeiten. Gleichzeitig werden die Wissenschaftler die Kompatibilität solcher Maßnahmen mit denkmalpflegerischen Gesichtspunkten auf den Prüfstand stellen. Unterschiedliche Dämmmaßnahmen und Dämmputze für denkmalgeschützte Gebäude sollen mit den Partnern entwickelt, auf dem Freilandversuchsgelände des Fraunhofer IBP in Holzkirchen getestet und schließlich in einer Fallstudie demonstriert werden. Im Mittelpunkt der Arbeiten der Abteilung Energiesysteme steht die Nutzung der regionalen Energiepotentiale sowie deren Verknüpfung mittels intelligenter Energiemanagementsystemen in den Partnerstädten. Regionale Energiepotentiale – wie die Solarenergie – werden ermittelt und Strategien zur Nutzung regenerativer Energien sowie Maßnahmen zur Energieeffizienz in den Städten und Quartieren erarbeitet. Die im Projekt gefundenen Lösungsstrategien werden schließlich am Fraunhofer-Zentrum für Energetische Altbausanierung und Denkmalpflege Benediktbeuern didaktisch aufbereitet und im Rahmen von Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen dem Fach- und Laienpublikum präsentiert.

Aufgabe des Fraunhofer MOEZ ist zum einen die Entwicklung einer kohärenten Markteinführungs-Strategie für die im Projekt (weiter-) entwickelten Technologien und Dienstleistungen, die die gesamte Wertschöpfungskette umfasst. Zum anderen erarbeitet das Institut zielgruppenspezifische Konzepte für den kontinuierlichen Dialog mit den unterschiedlichen Akteursgruppen (Vermieter, Mieter, Architekten, Stadtverwaltung, Energieversorgungsunternehmen, etc.), um aufkommende Konflikte und am Markt vorbeigehende Entwicklungen frühzeitig zu vermeiden.

 

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