16
Jan

Zaha Hadid entwirft Reinhold-Messner-Museum

Hochbau

Die geschwungenen Betonelemente entsprechen der aktuellen Formensprache von Zaha Hadid. Die Bilder sind ein Beitrag von Reinhold Messner. Bild: MMM-Corones 

Wenn eine der renommiertesten Architektinnen und der berühmteste Extrembergsteiger gemeinsam ein Projekt realisieren, kann nur etwas Besonderes entstehen. In diesem Fall das Messner Mountain Museum auf dem Kronplatz. Um es zu realisieren, benötigten beide jedoch technische Pioniere und qualitative Baustoffe, d. h. Kruno Stephan Thaleck und Zement von CRH.

Eigentlich gibt es auf der Welt nur 14 Achttausender, also Berge mit einer Höhe über 8.000 Meter. Für die Bergsteigerlegende Reinhold Messner besteht – nach eigenen Aussagen – jedoch einer mehr: das Messner-Museum am Kronplatz. Vermutlich auch deshalb, weil ihm prophezeit wurde, dass er »an den Rundungen von Zaha Hadid abrutschen« würde. Die Architektin hat das Museum geplant, wobei sie ihrer Vorliebe für geschwungene Bauteile voll und ganz nachging. Anschließend musste sich Reinhold Messner mit seiner Ausstellung an diese Gegebenheiten anpassen. Keine leichte Aufgabe, wie der Bergsteiger einräumt – und das, obwohl er schon bei fünf anderen Museen ausreichend Erfahrung in der Ausstellungskonzeption gesammelt haben dürfte.

Obwohl sich das Museum auf einem Berg befindet, errichtete Zaha Hadid eine größtenteils unterirdische Betonstruktur. Bild: MMM-Corones

Dort, wo heute das Messner-Museum steht, hatte der Bauherr ursprünglich lediglich eine Aussichtsplattform errichten wollen – von Zaha Hadid geplant. Doch Reinhold Messner hatte eine bessere Idee: ein Museum. So entwarf die Architektin dieses und damit ein architektonisches Kleinod. Von außen betrachtet, gibt sich das Gebäude bedeckt. Das Objekt gräbt sich tunnelartig in den Berg. Nur der Eingang zum Plateau hin und die Ausformungen auf der anderen Seite ragen aus der Bergspitze. Bei der Ausrichtung der Panoramafenster ging die Architektin auf den Extrembergsteiger ein. Durch die großen Öffnungen sieht der Besucher die Spitze des Peitlerkofels, hinter dem Reinhold Messner geboren wurde, den Heiligkreuzkofel, der laut Messner zu seinen schwierigsten Dolomitentouren gehörte, und den Ortler, den höchsten Berg Südtirols, Messners Heimat.

Doch bereits am Eingang kann der Besucher erahnen, welche architektonische Meisterleistung ihn erwartet. Die großen Bauteile der Fassade wurden in dieser Größe noch nie als zementgebundene Einzelteile erstellt. Im Inneren wird er über eine Treppe nach unten geführt – eine Raumgestaltung, die von vielen Besuchern als »rasant und beeindruckend« beschrieben wird. Mit ihrer unverwechselbaren Formensprache bildet Zaha Hadid die zackigen Spitzen von Kalkstein nach, erinnert an reißende Bergbäche und spiegelt die Geometrie von Schneeverwehungen wider. Möglich wurde dies alles nur durch den Einsatz von Beton – genauer gesagt CEton. Einem Baustoff aus dem Haus B & T Bau & Technologie GmbH. Die Entstehungsgeschichte von CEton ist eng mit der Architektin Zaha Hadid verbunden: Sie entwarf im Jahr 2009 ein Londoner Objekt mit ähnlich geschwungenen Formen. Jedoch galt dieses damals unter den Fachkreisen als unbaubar – bis die Verantwortlichen auf CEton zurückgreifen konnten. Der Baustoff wurde von Kruno Stephan Thaleck, Inhaber der B&T Bau + Technologie GmbH, im Vorfeld entwickelt und kam hier zum ersten Mal in komplexer Form zum Einsatz.

Für jedes der mehrfach gekrümmten Betonelemente musste Kruno Stephan Thaleck eine spezielle Schalung bauen. Bild: B&T Bau + Technologie GmbH

CEton-Elemente sind textilbewehrte Faserverbundbauteile auf Betonbasis, die im Kern aus einer Aluminium-Wabe bestehen und im Composit-Verfahren hergestellt werden. Bei ihrer Verwendung vertraute Thaleck früher und heute auf den Zement von CRH. Im Gegensatz zum Londoner Objekt, bei dem der Weißzement des Herstellers verwendet wurde, entschieden sich die Verantwortlichen beim Messner-Museum für einen grauen Zement: den CEM II/A-LL-42,5-N-Portlandkalksteinzement. Dieser stammt aus dem Werk CRH (Slovensko) a. s. in Rohoznik. Er ist leicht zu verarbeiten und zeichnet sich durch seine gute Frühfestigkeit sowie eine normale Nachhärtung aus. Er entwickelt eine mittlere Hydratationswärme und besitzt ein gutes Wasserrückhaltevermögen – was ihn für die Herstellung von Sichtbetonflächen geradezu prädestiniert. Dank seinem reduzierten Klinkeranteil wird bei der Herstellung des CEM II/A-LL 42,5 N weniger CO2 freigesetzt. Dadurch schont er die Umwelt. Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Zements war die Farbe des Betons, der mit diesem hergestellt wurde. Bei dem CRH-Zement ähnelte sie der des alpinen Kalksteins und entsprach exakt so den Wünschen der Planer.

Während die CEton-Elemente in London noch eine Stärke von 60 Millimeter und ein Gewicht von 50 kg/m² haben – was damals schon eine Sensation war –, reizte Kruno Stephan Thaleck die Möglichkeiten des Materials beim Messner-Museum bis an die Grenzen aus. Hier waren die Elemente bei einer Größe von 8,20 x 2,30 Meter nur noch 20 Millimeter dick. Insgesamt wurde eine Fläche von ca. 1.700 Quadratmeter im Innen- und Außenbereich mit den CEton-Elementen verkleidet. Dafür produzierte die B & T Bau & Technologie GmbH für die CEton GmbH insgesamt 374 Einzelplatten (Sichtbetonklasse 4), die alle mehrfach gekrümmt waren. Um diese Geometrie realisieren zu können wurden die 3D-Modelle beim Hersteller mithilfe eines CAD-CAM-Systems für die CNC-Fertigung aufbereitet. Da alle CEton-Elemente unterschiedliche Formen hatten, musste der Hersteller auch alle Schalungen individuell fertigen. Er konnte sie kein zweites Mal verwenden. Erschwerend kam hinzu, dass die Architekten dieses Mal Betonelemente mit Hinterschneidungen eingeplant hatten, durch die sich der CEton nur schwer aus der Form lösen ließ. Doch Kruno Stephan Thaleck fand auch hierfür einen Weg.

Heute ist das Museum ein Gesamtkunstwerk, dass einerseits großartige Architektur zeigt – die allein schon viel Aufmerksamkeit auf sich zieht – und andererseits die Entwicklung des Bergsteigens in den letzten 250 Jahren vorstellt – die gleichermaßen faszinierend ist. Im Sommer 2015 konnten die ersten Besucher das Museum in der luftigen Höhe von 2275 Meter betreten. Bei seiner Eröffnungsrede hob Patrick Schuhmacher, der Zaha-Hadid-Firmenchef, die Pionierleistung von Kruno Stephan Thaleck hervor. Damit lobte gleichzeitig auch das Produkt CEton, das mithilfe des CRH-Zementes gefertigt wurde. Das gesamte Museum ist für den Kronberg eine echte Bereicherung, da die Besucher des beliebten Wintersportgebietes jetzt auch eine Attraktion für die warmen Jahreszeiten erhalten.

Zementlieferant:
CRH (Wien) GmbH, www.crhaustria.com

Auftragnehmer:
CEton GRC GmbH, www.cetongrc.com

Fertigung:
B&T Bau + Technologie GmbH, www.clarolon.de

 


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