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Okt

Dorf in der Stadt: Baugemeinschaft im Prinz-Eugen-Park in München

Foto: Fotografie Sedlmayer

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In München wurde Deutschlands bis dato größte Holzbausiedlung errichtet. Dabei sticht ein Projekt hervor, das aus konventionellen Zeilenbebauungen und monotonen Reihenhausformationen ausgebrochen ist. Als „Dorf in der Stadt“ ist es dort gelungen, die ruralen Bezüge gelebter Nachbarschaften mit einem großstädtischen Lebensgefühl zu vereinen.

Dorf in der Stadt: Baugemeinschaft im Prinz-Eugen-Park in München

In München-Bogenhausen, im Stadtteil Oberföhring, wurde auf einem ehemaligen Kasernengelände ein neues Quartier errichtet. Das Prinz-Eugen-Park benannte, ca. 30 Hektar große Areal, beherbergt rund 1.800 Wohnungen für über 4.000 Menschen. Im südlichen Bereich, auf etwa einem Drittel des Neubaugebiets, hat man sich Platz für eine ökologische Mustersiedlung genommen. Die 8 Einzelprojekte mit 570 Wohneinheiten sollen für die zukünftige Stadtentwicklung Münchens beispielgebend wirken. So mussten die Bauvorhaben dem bauökologischen Anspruch folgend definierte Mengen an nachwachsenden Rohstoffen (Nawaro) im Baukörper nachweisen, wobei die Spanne je nach Gebäudeklasse von 50 kg bis hin zu 150 kg je m² realisiertem Wohnraum reicht. Der direkte Weg zum Holzbau war damit geebnet. Hierbei ist zu konstatieren, dass die allermeisten Holzbauten in der heutigen Zeit derlei Maßgaben zumeist ohnehin erfüllen, ob im klassischen Holztafelbau, im Holzmassivbau oder in den diversen Mischformen und Hybridbauweisen, wie sie auch im Prinz-Eugen-Park zur Anwendung gekommen sind. So sind in Teile der Mustersiedlung Nawaro-Mengen von bis zu 280 kg/m² Wohnraum eingeflossen.

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Rund 40 % der Grundstücke im Prinz-Eugen-Park durften von Baugemeinschaften und Genossenschaften bebaut werden.

Fragwürdiges Herkunftskriterium

Die verwendeten Fichten- und Kiefernhölzer bzw. die aus ihnen vorgefertigten Bauteile und Elemente (vornehmlich: KVH/BSP/BSH/ Holzwerkstoffplatten) sollten aus PEFC/FSC-zertifiziertem Holz bestehen. Oder alternativ aus einem Umkreis von max. 400 km entfernt vom Bauplatz stammen. Diese willkürliche Entfernungsvorgabe bedient das Klischee lokal-regionaler Hölzer, mit der der Holzbau längst vergangener Zeiten bis heute romantisiert wird. Mit der Realität im modernen Ingenieurholzbau hat das jedoch nichts zu tun. Denn auch der Holzbau unterliegt, von den Sägewerken über die Hersteller serieller Standardprodukte bis zum Groß- und Fachhandel seit Jahren andauernden, europaweiten Konzentrationsprozessen. Diese haben dazu geführt, dass immer weniger und immer größere Produzenten den zunehmend internationalen Holzbaumarkt dominieren. Dabei stehen für die Einkäufer der Holzbaubetriebe wie auch der Bauunternehmen zuvorderst der aktuelle Preis und die zeitliche Verfügbarkeit in entsprechenden Qualitäten im Vordergrund, weniger die Herkunft des Holzes, zumal die Transportkosten nicht besonders ins Gewicht fallen.

Vorzug von Baugemeinschaften und Genossenschaften

magazin quartier staedtebau quartiersentwicklung 02Rund 40 % der Grundstücke im Prinz-Eugen-Park durften von Baugemeinschaften und Genossenschaften bebaut werden. Dies darf als Ausdruck einer Abkehr der öffentlichen Hand vom rein kommerziellen Investorenbau betrachtet werden, der mitverantwortlich für das Desaster auf dem Wohnungsmarkt der letzten Jahre in den Metropolen war und ist. Dank der sozialen und ökologischen Vergabekriterien seitens der Stadt München konnten die agmm Architekten + Stadtplaner um Patric F.C. Meier und Markus Borst für die Baugemeinschaft Gemeinsam Größer II im Rahmen einer Konzeptvergabe einen Bauplatz in der ökologischen Mustersiedlung erwerben. Dabei erhielt die Baugemeinschaft eine Förderung von rund 900.000 Euro, resultierend aus den verbauten Nawaro-Mengen von bis zu 2 Euro/kg. Die Baugemeinschaft hatte sich bereits im Vorfeld konstituiert, um final die 39 Wohneinheiten mit Wohnflächen von 70 m² bis 120 m² unter sich aufzuteilen. Die Mitglieder vereinte der Wunsch nach Beteiligung an der Planung ebenso wie die Möglichkeit, dadurch die Baukosten im Vergleich zum konventionellen Bauträgergeschäft um bis zu 20 % zu senken. Des Weiteren haben sich die zukünftigen Nachbarn darauf verständigt, gewisse Teilbereiche gemeinschaftlich zu finanzieren, was den Zusammenhalt fördert und die räumlichen Möglichkeiten jeder einzelnen Baupartei erweitert hat. Diese Faktoren haben es auch jungen Familien und solchen die es demnächst werden wollen ermöglicht, Teil der Baugemeinschaft zu werden, die gleichwohl auch älteren Semestern und Singles neue Heimstatt geworden ist.

Holzrahmenbauten mit Biodiversitäts-Gründächern

Die zu rund 75 % unterkellerte Siedlung beherbergt zwei viergeschossige Gebäude links und rechts des Hauptzugangs mit 15 Wohneinheiten, sowie im hinteren Bereich 12 zwei- bzw. dreigeschossige Wohnhäuser mit 24 weiteren Wohneinheiten. Die von den Südtiroler Zimmerern von Lignoalp vorproduzierten, 500 Holzrahmenbau-Außenwandelemente wurden mit einer Fläche von rund 4.500 m² just-in-time auf die Baustelle geliefert und sofort montiert. Die Vorfertigung inkludierte die Lärchenholzfassade, die Fenster- und Türelemente, außenliegenden Raffstores und die geschossweise umlaufenden Brandriegel sowie die eingeblasene Dämmung aus Holzfasern. Darüber hinaus verfügen die Gebäude über massivhölzerne Brettsperrholz-Decken (BSP) und BSP-Innenwände. Den Abschluss bilden Biodiversitäts-Gründächer, die in Teilen begehbar als Dachterrasse und Garten mit Hochbeeten genutzt werden, und zugleich für die sommerliche Kühlung der Siedlungskomplexes sorgen.

Mäandrierende Laubengangerschließung

Ein ganz wesentliches architektonisches Merkmal bildet die innovative Erschließung der Hofhäuser der Gemeinschaftssiedlung. Der mäandrierende Laubengang dockt im Wechselspiel jeweils punktgenau an den einzelnen Wohneinheiten des Obergeschosses an. Diese organische Erschließung verbindet die Parteien und ihre Wohnungen auf eine ebenso schöne wie pragmatische Form. Im Unterschied zu konventionellen Laubengängen, die beim Vorbeilaufen uneingeschränkte Blicke in die Wohnzimmer der Nachbarn ermöglichen, schützt das natürliche Mäander die Privatsphäre. Ferner führt das obige Wechselspiel auch zu geringeren Verschattungen der unteren Wohnbereiche. Und: die „Schlange“, wie sie auch bezeichnet wird, erweckt Sympathien, macht neugierig, lädt zum Verweilen ein, sowohl oben, als auch darunter. Für die Bewohner der Baugemeinschaft hat sie sich längst zu einem beliebten Spontan-Treffpunkt entwickelt, wobei die Kinder sich drumherum tummeln, spielen und die integrierte Rutsche nutzen. Die Verstetigung des Gemeinschaftlichen – sie findet hier statt, dank dieser sozial-integrativen Architekturlösung.

Lesen Sie mehr zum Thema in der Ausgabe 4.2022 von QUARTIER – Fachmagazin für urbanen Wohnungsbau.

[Auszug aus QUARTIER 4.2022, Autor: Marc Wilhelm Lennartz]

QUARTIER informiert über kostensensibles und qualitätsvolles Bauen sowie Maßnahmen und Konzepte für zukunftsweisenden Städtebau und die Quartiersentwicklung.

Weitere Informationen auf www.magazin-quartier.de


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