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Schulen für Afrika - Interview mit Meinhard von Gerkan

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Südlich der Sahara gehen immer noch rund 45,5 Millionen Mädchen und Jungen nicht zur Schule – etwa jedes dritte Kind. Die Kampagne »Schulen für Afrika«, initiiert von UNICEF, der Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts sowie der Nelson Mandela Stiftung will Aufmerksamkeit für die schlechte Bildungssituation schaffen und konkrete Hilfe mobilisieren. Mehr Informationen finden Sie unter www.schulenfuerafrika.de.

»Die Kinder wollen lernen, sie wollen dabei sein!«
Für die erstmals auf dem afrikanischen Kontinent stattfindende Fußball-WM 2010 entwickelte und baute das Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner drei der zehn Fußball-Stadien. »Schulen für Afrika« sprach mit Meinhard von Gerkan, der auch während des Turniers in Südafrika zu Gast war, über seine Eindrücke vor Ort.

Ingo Scheel: Herr von Gerkan, Ihr Büro hat Stadien für die Fußball-WM in Afrika entwickelt und gebaut. Welchen Eindruck hatten Sie vom Südafrika des 21. Jahrhunderts?

Meinhard von Gerkan: Ich war bereits während der Apartheid durch eine Gastprofessur in Pretoria und habe dadurch einen guten Vergleich. In der damals dominanten weißen Bevölkerung erwartete man bereits das Ende des Regimes. Ich hatte den Eindruck, dass Zimbabwe und die angrenzenden Länder im Chaos untergingen, als die Kolonialisten verschwanden. Diese Befürchtung hatte ich auch in Südafrika. Umso positiver überrascht war ich, Jahre später zu sehen, wie sich das Land entwickelt hatte. Es hatte etwas vom Obama-Credo »Yes, we can!«. Während unter den Weißen eher Resignation herrschte, fühlte man in der schwarzen Bevölkerung eine große Aufbruchstimmung, Hoffnung und Euphorie. Das ist nicht zuletzt der Grund, warum es Südafrika nicht nur geschafft hat, alle Stadien fertig zu bauen, sondern alles rund um Verkehrswesen, Unterbringung und Versorgung bestens zu organisieren - und sich dabei auf die allerfreundlichste Weise gegenüber den Gästen zu zeigen! Während der Spiele wohnte ich in unmittelbarer Nähe zum Stadion und wurde sehr zuvorkommend behandelt. Ich habe das Land und seine Menschen als sehr freundlich, kooperativ und hoffnungsfroh erlebt.

Ingo Scheel: Wie haben Sie die Kinder vor Ort in Südafrika wahrgenommen?

Meinhard von Gerkan: Mir fallen als erstes die Aufgeschlossenheit und die Spielfreude ein, wenn ich an die Kinder denke. Auch der Wille und die Bereitschaft, Dinge zu erfahren, zu erfragen und zu lernen. Die Kinder machten einen wachen, freundlichen Eindruck: Sie wollen lernen, sie wollen dabei sein!

Ingo Scheel: War die WM aus Ihrer Sicht eine Art Sprungbrett für den Kontinent Afrika?

Meinhard von Gerkan: Für das Land und für seine Gäste war das eine überaus gelungene Veranstaltung. Ich glaube, dass ein großes Maß an Hochachtung und Solidarität vorherrscht. Ich habe es schon vor Ort so empfunden, speziell, nachdem Südafrika früh ausgeschieden ist, Ghana aber noch im Turnier war: Alle haben sich als Afrikaner gefühlt! Die kontinentale Solidarität war sehr deutlich zu spüren.

Ingo Scheel: UNICEF setzt sich für den Bau kinderfreundlicher Schulen ein. Hier steht das Kind im Zentrum jeder Entscheidung. Wie schätzen Sie solch ein Konzept ein?

Meinhard von Gerkan: Jeder Junge und jedes Mädchen muss wissen, dass Zukunftschancen immer in Wechselwirkung zu Bildung stehen. Die Disziplin, regelmäßig eine Schule zu besuchen und sich nicht von anderen Dingen verleiten zu lassen, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Natürlich gibt es da viel zu tun. Man muss auch der älteren Bevölkerung immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass die Chancen ihrer Kinder immer mit Bildung zu tun haben, auch wenn sie selbst diese Erfahrungen als Kind nicht gemacht haben. Das ist ein langwieriger Lernprozess, aber je besser das Angebot - sowohl rein physisch in Form von Gebäuden als auch in Gestalt von Lehrkräften - und je mehr Wertschätzung Bildung selbst in der Gesellschaft erfährt, umso größer sind die Chancen für die nächsten Generationen.

Ingo Scheel: Und noch eine persönliche Frage: Wie wichtig war Bildung in Ihrem Leben?

Meinhard von Gerkan: Den Kriegswirren und auch der Tatsache geschuldet, dass mein Vater sehr früh gefallen ist, habe ich nicht weniger als zwölf Schulen besucht. Erst sind wir geflohen, dann hatte ich verschiedene Pflegeeltern und war später auf der Steiner-Schule. Dann habe ich das Abitur nicht bestanden und bin noch zur Abendoberschule gegangen - ich habe also sehr viele verschiedene Erfahrungen gemacht. Anschließend habe ich begonnen, Physik und Jura zu studieren und später abgebrochen, um schlussendlich bei der Architektur zu landen. Ich blicke dennoch auf meine Jugendzeit, meine Ausbildung und Lehrjahre mit sehr angenehmen Erinnerungen zurück.

Mit Meinhard von Gerkan sprach der Journalist Ingo Scheel.
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