10
Dez

Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven

Warming Stripes auf dem Spitzdach des Bangert-Gebäudes. Foto: DSM / Hauke Dressler

Projekte (d)

 

Mitte November begannen die ‚Polarwochen’ des Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. Ein Programm, das die aktuellen Ausstellungen des Museums zur Geschichte der Forschungsschifffahrt und zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Polarregionen sowie die Ozeane begleitet. Westermann Kulturprojekte entwickelte mit dem Medienkünstler Kurt Laurenz Theinert eine Medieninstallation im Auftrag des Museums, die sowohl in den Stadtraum hinein wirkt wie auch das Museum den Blicken von draußen öffnet. Erstmals kombiniert diese Projektion eine urbane Intervention im Stadtraum mit einem immersiven Ausstellungskonzept und verbindet innen und außen miteinander.

Die Stadt an der Wesermündung gilt als ein maritimes Kompetenzzentrum der Bundesrepublik. Das Alfred-Wegener-Institut hat gleich gegenüber dem Museum seinen Sitz und das prominenteste deutsche Forschungsschiff Polarstern hat in Bremerhaven seinen Heimathafen. Nebenan befinden sich das Klimahaus (2009) und das Auswanderermuseum (2005), zwei weitere Institutionen mit einem starken Bezug zum Meer.

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum befindet sich im Augenblick in einem umfassenden Relaunch-Prozess, der einer Neuerfindung gleicht. Es ist das älteste Museum an Bremerhavens Wasserfront, in den 70er Jahren gegründet, mit dem die Stadt und das Land Bremen auf die Krise der Werften und des Hafens reagierten. Wissenschaft und Tourismus wurden als die neuen tragenden Säulen für die Stadtentwicklung identifiziert.

Apnoe-Taucherin Anna von Boetticher im Rahmen der Lichtinstallation "Screening Northern Lights". Foto: DSM / Hauke Dressler
Apnoe-Taucherin Anna von Boetticher im Rahmen der Lichtinstallation "Screening Northern Lights". Foto: DSM / Hauke Dressler


Mensch & Meer – Museum für das Anthropozän

Der Gründungsbau von Hans Scharoun, selbst in Bremerhaven aufgewachsen, und auch der Erweiterungsbau von Dietrich Bangert sind in die Jahre gekommen und auch das Ausstellungskonzept wird überarbeitet. Die rein technikgeschichtliche Darstellung der Schifffahrt genügt nicht mehr den Ansprüchen einer vielfältigen Besucherschaft und wird unter dem programmatischen Titel ‚Mensch & Meer’ um kulturgeschichtliche, ökologische und sozialgeschichtliche Perspektiven erweitert. Das Museum, das als Leibniz-Institut für maritime Geschichte ein Forschungsmuseum ist, will ein umfassendes Bild des Umgangs der Menschen mit dem Meer entwickeln.

Das Museum verfügt über eine 75 Meter lange Glasfront, die als Schaukasten und Bühne erstmals aktiv bespielt wird. Diese Transparenz des Gebäudes ist eine Herausforderung und Chance und unterscheidet es von vielen anderen Museumsbauten, die sich hermetisch als Block oder Raumschiff von ihrer städtischen Umgebung abstoßen. Dem gegenüber öffnet sich das Deutsche Schifffahrtsmuseum auf Augenhöhe auch für Bürger, Besucher und Spaziergänger.

Die aktuelle Präsentation gibt einen Vorgeschmack auf das, was kommen soll. Das Meer bedeckt 71 Prozent der Erdoberfläche, produziert 50 Prozent des Sauerstoffs unserer Atemluft und 90 Prozent des Welthandels werden von der Schifffahrt bewältigt. Im Gegensatz zu dieser überragenden Bedeutung ist das Wissen über die Meere in vielerlei Hinsicht dürftiger als das über den Mond. Der aktuellen MOSAiC-Expedition der ‚Polarstern’ zum Nordpol kommt deshalb auch jenseits der konkreten Forschungsergebnisse eine große Bedeutung zu. Die Expedition schafft die dringend nötige Aufmerksamkeit für die Bedeutung der Meeresforschung für das Menschheitsthema Klimawandel.

Lichtinstallation "Screening Northern Lights" im Innenbereich des Museums. Foto: DSM / Hauke Dressler
Lichtinstallation "Screening Northern Lights" im Innenbereich des Museums. Foto: DSM / Hauke Dressler


Wissenschaftskommunikation braucht bildgebende Verfahren

Wissenschaftskommunikation ist mehr als Überzeugungsarbeit mit Zuwendungsgebern und notwendiger Teil der Drittmittel-Einwerbung. In Zeiten knapper Kassen richtet sie sich besonders an die breite Öffentlichkeit, die von der Relevanz der Forschung überzeugt werden will. Dabei ist das Vermitteln mehr als eine lästige Pflicht sondern eigentlich Kern aller Anstrengungen, die eigenen Ergebnisse mit anderen zu teilen, sich auszutauschen und Begeisterung für das Forschen zu wecken. Diese Anderen sind eben nicht nur die Fachkollegen sondern beispielsweise auch die Jugendlichen, die für Studium und Forschung gewonnen werden wollen.

Gerade die Klimawandel-Diskussion ist eine kommunikative Herausforderung für die Autorität der Wissenschaft geworden. Es gibt starke Kräfte, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse in einen bloßen Streit um Meinungen verwandeln möchten, in dem sich Fakten und deren Relevanz für das Handeln verflüchtigen.

Northern Lights – Bilder aus einer Welt der Extreme

Die Medieninstallation setzt bei der Faszination des Forschungsgegenstandes Forschungsschifffahrt an: Die Wunder der Erde, der Technik und der Kultur. Dabei wird die Medieninstallation, die sich in verschiedene Kapitel teilt, von einer Soundcollage (Timber Hanfreich) zusammengehalten. Mit geräuschartigen, mäandernden Klangfolgen beginnend, fließen die Klänge in einem dramatischen, sich zuspitzenden Klangbett zusammen. Es beginnt mit einem Kaleidoskop von Bildern aus der Geschichte der Seefahrt, den Exponaten des Museums zum Thema Mensch und Meer. Es folgen Streiflichter aus dem historischen Archiv der Polarforschung. Alfred Wegener, der bei seiner Grönland-Expedition 1930 ums Leben kam. Die extremen Herausforderungen reichen bis in die Gegenwart, wenn Apnoe-Taucherinnen wie Anna von Bötticher die Unterwasserwelten unter dem Eisschild erkunden.

Das nächste Kapitel zeigt die ‚Polarstern’ mit ihren wissenschaftlichen Instrumenten, die das abenteuerliche Herz mit dem rational-messenden Verstand der Forschung verknüpfen. Die große Eisschmelze, die anstelle der Eisschilde einen neuen Ozean entstehen lässt, mit all den neuen Begehrlichkeiten nach Rohstoffen, touristischer Entwicklung, auch kürzeren Schiffsrouten zwischen Atlantik und Pazifik, zeigen die Erhabenheit der Eismassen, die in sich zusammenstürzen und deren Wellen unsere Lebenswelt verändern werden. Die nächste Filmsequenz wirft einen Blick auf die Artenvielfalt unter dem Eisschild: Meerengel, Flügelschnecken, Zooplankton bilden den Beginn der Nahrungskette, an dessen Ende die Menschen stehen. Eisbären und Robben sind zwar die bedrohten Tier-Ikonen, das eigentliche Drama aber spielt sich in den Mikrowelten ab, die kaum jemand zu Gesicht bekommt.

Das letzte Kapitel nimmt den Klimawandel und die Visualisierungswerkzeuge der Wissenschaft in den Blick. Klimamodelle und Animation zeigen die Entwicklung über den gesamten Zeitraum der Klimadaten seit 1850. Einmal mehr wird deutlich, dass die angelsächsischen Institute versierte Erzähler und Vermittler von Erkenntnissen sind. Das NASA Goddard Lab, aber auch der britische Klimatologe Ed Hawkins entwickeln die Infographik zu einem virtuosen Kommunikationsinstrument. Und so endet die Projektion auf das 70 Meter lange und 11 Meter hohe Spitzdach des Museums mit einer gigantischen Darstellung der ‚Warming Stripes’, die die Klimaerwärmung sichtbar machen. Die Ergebnisse von tausenden Messpunkten und Messchroniken kombinieren sich zu einem Bild, das sich auf der Museumsfassade aus einer Milliarde Lichtpunkten zusammensetzt.

Die Medieninstallation wird zum Schaufenster für die Stadt. Foto: DSM / Hauke Dressler
Die Medieninstallation wird zum Schaufenster für die Stadt. Foto: DSM / Hauke Dressler


Erhabene und ruinierte Natur

Die von außen und im Inneren wahrnehmbaren Projektionen bringen die Bilder in die Ausstellungshalle. Hier assoziieren sie sich zu einer begehbaren Bilderwelt, in der die erhabenen, aber bisweilen auch punk-artigen Bildwelten des preisgekrönten Filmes ‚Aquarela’ (Regisseurs Viktor Kossakovsky) sich kombinieren mit Filmraritäten aus den Zeiten, in denen die Polarforschung noch Segel setzte. Auch Proteste für den Schutz der Arktis werden gezeigt. Demonstrationschilder der Fridays for Future-Bewegung, die mit Dringlichkeit und großem Ernst auf die Autorität der Wissenschaft und deren Aussagen verweisen, sind Teil der Ausstellung. Ebenso wie die ‚Elegy for the Arctis’ des italienischen Komponisten Ludovico Einaudi, der mit seinem Konzertflügel auf einer künstlichen Eisscholle entlang kalbender Gletscher driftet und das ohrenbetäubende Krachen der stürzenden Gletschereismassen als einen Hilferuf der Erde inszeniert.

Es sind multiperspektivische Annäherungen an das ‚abstrakte’ Thema des Klimawandels, die in der Medieninstallation angestoßen werden. Es ist keine Belehrung, es ist kein Infotainment, sondern es sind Assoziationsräume, die entstehen. Sie eröffnen den sinnlichen Zugang zu Welten, die die wenigsten Menschen aus eigener Erfahrung kennen, die aber große Wirkungen auf die Lebensqualität vieler haben. Es sind keine alarmistischen Bilder eines Unterganges sondern Bilder, die deutlich machen, dass wir es mit gigantischen Kräften und Mächten zu tun haben, die schwer kalkulierbare Wechselwirkungen entfalten. Erhabenheit und ruinierte Natur liegen dicht beieinander. Die Besucher bekommen eine Ahnung davon, dass die ‚Mutter Erde’ die menschlichen Eingriffe oberflächlich betrachtet bisher weggepuffert hat, wir aber auf einen Kipppunkt zusteuern, an dem im Interesse aller der sensible und bewusste Umgang mit knappen Ressourcen und Kontingenten zwingend notwendig wird.


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