03
Okt

Pädagogische Hochschule Tirol von ARSP Architekten

Projekte (d)

 

Die neue Pädagogische Hochschule Tirol in Innsbruck vereint die bis dato über die Stadt verstreuten Abteilungen auf einem modernen Hochschulcampus. Er wirkt mit seinen wohlproportionierten Baukörpern und seiner schimmernden Aluminiumfassade mit dunklen Fensterbändern wie aus einem Guss. Dabei besteht die Hälfte der Bauvolumina aus Bestandsbauten aus den 1970er-Jahren. ARSP Architekten haben mit ihrem Entwurf den Bestand integriert und revitalisiert und mit ihren ergänzenden Neubauten die bestehenden Strukturen kongenial weitergedacht und neu interpretiert.

Mit rund 1.000 Studierenden im Erststudium und 15.000 in der Fort- und Weiterbildung zählt die Pädagogische Hochschule Tirol (PHT) zu den großen Hochschuleinrichtungen Österreichs und dient als Zentrum der Aus-, Fort- und Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer. Den EU-weiten offenen Wettbewerb für den neuen Bildungscampus der PHT gewannen ARSP Architekten im Jahr 2012. Nach intensiven Planungsjahren starteten die umfangreichen Baumaßnahmen im Sommer 2018. Drei Jahre später konnte der neue Campus der Hochschule übergeben werden. Corona-bedingt wird die PHT nun am 19. Mai 2022 feierlich eröffnet.

paedagogische hochschule tirol arsp achitekten 02

Bildquelle: Zooey Braun


ARSP Architekten überzeugten beim EU-weit offenen Wettbewerb mit einem Entwurf, der die vorgefundenen Qualitäten des Bestands aufnimmt, weiterdenkt und auf die aktuellen Anforderungen der Schul- und Hochschullandschaft reagiert. Der Wettbewerb ließ damals offen, ob die bestehenden Gebäude teilweise oder komplett abgerissen und alles neu gebaut werden sollte. ARSP Architekten entschieden sich für eine Art Hybrid und erhielten rund 50 Prozent des Bestands. Die Gebäude wurden 1976 im Zuge der Olympischen Spiele in Innsbruck von den Architekt:innen Brigitte und Rupprecht Ottel errichtet. „Wir wollten so viel Bestand erhalten wie möglich und so viel neu ergänzen, wie es die Bauaufgabe erforderte“, erklärt Frank Stasi, Architekt und Mitgründer von ARSP Architekten. „Zum einen fiel diese Entscheidung aus Gründen der Ressourcenschonung, ein Komplettabriss ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Zum anderen haben wir Respekt vor dem Bestand. Die Gebäude sollen als Kinder ihrer Zeit weiterbestehen. Sie sind seit Jahrzehnten Identifikationspunkte des Stadtquartiers.“

Eine der Hauptaufgaben für ARSP Architekten war die Neuorganisation der Nutzungen auf dem Campus. Heute verteilen sich die rund 24.000 Quadratmeter Nutzfläche auf ein rundum verglastes und leicht wirkendes Sockelgeschoss, auf dem vier jeweils viergeschossige Baukörper aufsitzen – zwei davon sind Bestandsgebäude, zwei haben ARSP Architekten neu entwickelt. Im Erdgeschoss sind sämtliche gemeinschaftlich genutzte Bereiche wie Aula, Mensa, Bibliothek und Hörsäle untergebracht. „Das Sockelgeschoss stellt eine transparente Ebene dar, das zwischen dem Straßenraum und städtischem Vorplatz einerseits und dem südlich gelegenen Park andererseits vermittelt“, ergänzt Frank Stasi. Die aufgesetzten Baukörper nehmen jeweils eine spezifische Nutzung auf: Verwaltung, Praxisschulen, Sonderunterricht und Seminarräume. Im Süden des Campus befinden sich die Sporthallen und ein Schwimmbad, die ARSP Architekten sanieren ließen.

paedagogische hochschule tirol arsp achitekten 03
Bildquelle: Zooey Braun


 

In einem der beiden revitalisierten aufgesetzten Gebäudeteile haben die Architekten die Sonderunterrichtsbereiche „Kulinarik und Ernährung“, „Naturwissenschaften“, „Werken“ und „Musik“ organisiert, der zweite Bestandskörper nimmt 21 Seminarräumen und drei Multimediaräume auf. In den beiden Neubauten im Osten des Campus siedelten ARSP Architekten die Verwaltung und die beiden sogenannten Praxisschulen an. Die Volks- und Mittelschule sind sprengelfreie MINT-Schulen, die als Forschungseinrichtungen für innovative Unterrichtsmethoden dienen und an denen die Studierenden der PHT hospitieren. Die Dachflächen des Sockelgeschosses führten die Architekten begehbar aus und sie dienen nun als zusätzliche Aufenthaltsräume und der schnellen Durchquerung des Campus.

Dass die Hochschule mit ihren einzelnen Gebäudeteilen als Einheit wirkt, ist vor allem der Fassadengestaltung zu verdanken. ARSP Architekten entwickelten eine Fassade aus gekantetem, feinperforiertem Aluminiumblech, die alle Gebäudeteile umschließt, – ob Bestand oder Neubau –, miteinander verbindet und so den Campusgedanken stärkt. Das gesamte Gebäude wirkt sehr lebendig, da das Fassadenmaterial stark auf unterschiedliche Tageslichtstimmungen, die auch durch die umliegende Bergkulisse beeinflusst wird, reagiert. Unterstützt wird das einheitliche Bild durch eine eindrückliche Signaletik: Zusammen mit dem büro uebele entstand die Idee eines Wortpalindroms, das als umlaufendes poetisches „Bildungsband“ die Gebäudeteile eint. Die einzelnen großformatigen und weithin sichtbaren Wortkombinationen über dem Sockelgeschoss lassen sich vorwärts als auch rückwärts lesen. Das büro uebele entwarf auch das Leitsystem für den neuen Campus.

Konstruktiv knüpfen ARSP Architekten an das klare Raster des Stahlbetonskelettbaus der Bestandsgebäude mit ihren raumprägenden Stützen und Unterzügen an. Im Bestand wurden sie von allen Ein- und Ausbauten freigelegt und wieder sichtbar gemacht, in den Neubauten neu interpretiert. Diese gestalterisch wiederholenden Elemente bilden das Grundgerüst der Gebäude und ermöglichen ein hohes Maß an Flexibilität in der Nutzung. Besondere Funktionsbereiche wie der große Hörsaal werden architektonisch aus dem Raster herausgenommen und damit räumlich betont. In die vier „Türme“ des Campus, auch in die Bestandskörper, schnitten ARSP Architekten zentrale Patios, um die Innenräume ideal mit Tageslicht zu versorgen.

paedagogische hochschule tirol arsp achitekten 04
Lageplan


 

Die Bestandstrakte wurden im Innenraum komplett erneuert. Die Architekten tauschten Oberflächen aus, ersetzten die Haustechnik, stellten Barrierefreiheit her und ertüchtigten den Brandschutz.
Reduziert zeigt sich die die Innenarchitektursprache von ARSP Architekten. Sie konzentriert sich auf wenige, aber robuste Materialien: Sichtbeton, geschliffener Terrazzoestrich, Streckmetalldecken und Glas prägen das Interieur. Für eine optimale Raumakustik setzen ARSP Architekten in vielen Bereichen hochwertige magnesitgebundene Holzwolle-Akustikplatte in verschiedenen Grautönen ein – an Wänden werden sie oftmals gleichzeitig als Pinnwände genutzt. „Die fein abgestuften Grautöne unserer Innenarchitektur bietet einen ordnenden und verbindenden Hintergrund für die lebendige Buntheit der Schüler:innen und Studierenden“, ergänzt Architekt Frank Stasi.

Eine wohnlichere Innenarchitektur entwickelten ARSP Architekten für die Praxisschulen. In diesen Bereichen ergänzen warme Holzfußböden und -möbel und kräftige Blautöne das Material- und Farbkonzept.

www.arsp-architekten.eu

Daten und Fakten
Projekt: Pädagogische Hochschule Tirol, Innsbruck
Architektur/Generalplanung: ARSP Architekten ZT, Dornbirn/Innsbruck/Stuttgart,
www.arsp-architekten.eu
Auftraggeber: BIG – Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H., Wien
Mieter: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Wien
Nutzer: Pädagogische Hochschule Tirol, Innsbruck
Wettbewerb: 1. Platz beim EU-weiten offenen Architekturwettbewerb, 12.2012
Planungsbeginn: 04.2013
Baubeginn: 08.2018
Fertigstellung: 03.2021, Eröffnung 19. Mai 2022
Grundstücksgröße: 16.352 qm
Bruttogeschossfläche (EF): 29.068 qm
Nutzfläche (NRFa): 24.288 qm
Fassaden- und Tragwerksplanung: gbd group, Dornbirn/Wien
Tragwerksplanung (Bestand): zsz Ingenieure ZT, Innsbruck
Freiraumplanung: Silands Gresz + Kaiser Landschaftsarchitekten, Ulm
Bauphysik und -akustik: BDT - Bau Dämm Technik, Frastanz
HKLS-Planung: IB Peis & Partner, Innsbruck
Elektroplanung: TB Hanel, Innsbruck
Signaletik: büro uebele visuelle kommunikation, Stuttgart

Hersteller (Auszug):
Aufzugsanlagen: Schindler Aufzüge und Fahrtreppen
Holz-Glas-Trennwände: Lindner Group
Mobile Trennwände: Dorma Hüppe
Schulmöbel: Mayr Schulmöbel
Akustikelemente: Knauf Heradesign
Fluchtwegschilder: Fischer Sicherheitstechnik
Leuchten: Zumtobel, Prolicht
Sauberläufer: Emco
Holztüren: Huter und Söhne
Alu-Fassade: V-Met
Alu-Fenster: Schüko
Sonnenschutz: Schlotterer
Sanitäraccessoires (z.B. Spendersysteme): Hagleitner
WC-Trennwände: Reuplan
Doppelboden: Rowa-Moser
Vollverdunklung: Silent Gliss
Medientechnik: Gendo
Sporthallen: Pauzenberger
Sportböden: Swietelsky
Beschilderung: Pixel Project
Lernwaben: Lernwabe
Innenfensterbänke: Helopal
Betonbänke: Escofet


Das Circular Tiny House auf dem Gelände der Hochschule Coburg besteht ausschließlich aus nachwachsenden, wiederverwendbaren Baustoffen.Foto: Sebastian Kolm

Projekte (d)

Galeria Kaskada, Stettin, Polen. Eingesetzte Systeme: MB-59S Casement, MB-70HI, MB-70US, MB-78EI, MB-SR50 A, MB-SR50 HI. Zertifikat: DGNB Gold.

Advertorials

Problemlösungsset rund um den Balkongully SitaCompact Fluid: Balkonentwässerung und Beschichtung ohne Stress.

Dach

Die Inneneinrichtung bietet optimale Rahmenbedingungen für agile Arbeitssituationen. Foto: Yves Sucksdorff

Projekte (d)

Drei skulpturale V-Stützen tragen das länglich auskragende, zirka 400 Tonnen schwere Obergeschoss. Foto: Frank Löschke / LIQUID PHOTOGRAPHY

Projekte (d)

Mit Hilfe der dynamisch schaltbaren Sichtschutzgläser eyrise 350 lassen sich Räume in Sekundenschnelle in private Räume verwandeln. Bild: eyrise

Innenausbau

Ludwig-Erhard-Brücke in Ulm. Bildquelle: LUX GLENDER

Unternehmen

Anzeige AZ-GC1-728x250 GAS

Anzeige AZ-C1a-300x250 R8

Anzeige AZ-C1b-300x600 R8