28
Jan

Mut zu einer ambitionierten Wohnungsbaupolitik für Baden-Württemberg

Immobilien

Wohnen ist ein Grundbedürfnis aller Menschen und somit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Um den dramatischen Wohnungsmangel zu bekämpfen, fordert die Architektenkammer Baden-Württemberg die sofortige Umsetzung eines 8-Punkte-Plans. Die Resolution, mit der sie das Land zu einer ambitionierteren Wohnungsbaupolitik aufruft, hat ihre diesjährige Landesvertreterversammlung im November 2017 verabschiedet.

Gefordert werden eine deutliche Ausweitung des kostengünstigen, quartiersbezogenen und demografiefesten Wohnungsbaus sowie eine Stadtentwicklungsplanung, die sich am Gemeinwohl orientiert. Darüber hinaus soll der Ausbau von interkommunalen Wohnraum-Bündnissen neue Perspektiven für bedarfsgerechten Wohnungsbau eröffnen. In Zusammenhang damit sieht die Architektenkammer eine zunehmende Bedeutung für die Landes- und Regionalplanung.

Zu den acht Punkten gehört auch, Bodenwertsteigerungen zugunsten bezahlbarer Wohnungsbauprojekte abzuschöpfen und mit Förderansätzen flexibel auf soziale und regionale Unterschiede einzugehen. Außerdem dringt die Architektenschaft darauf, dass sich Kommunen bei der Grundstücksvergabe nicht am Höchstpreis orientieren, sondern an der Qualität von ganzheitlichen, quartiersbezogenen und sozialen Konzepten. Und schließlich soll das Land ein Programm auflegen, bei dem es in Partnerschaft mit Kommunen und Investoren an 25 Standorten 2.000 beispielhafte Wohnungen schafft. Die Resolution mit weiteren Informationen zu den Forderungen finden Sie im Anhang.

Mit dem bezahlbaren Bauen und Wohnen setzt sich auch die dritte, am 24. November erschienene Neuauflage der Publikationsreihe KONZEPT auseinander. Anhand von beispielhaften Objekten aus Gutach, Offenburg, Ulm, Stuttgart und Pforzheim zeigen diese Arbeitshefte für zeitgemäßes Wohnen, dass es zwar keine Generallösung gibt, dafür aber eine inspirierende Vielfalt an Möglichkeiten. Das Periodikum ist ein Beitrag zur Wohnraum-Allianz Baden-Württemberg und wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau unterstützt. »KONZEPT – bezahlbar bauen und wohnen« steht unter www.akbw.de/konzept3.pdf und wird kostenlos zugesandt, Bestellungen an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Resolution der Landesvertreterversammlung

Das Innovationsland Baden-Württemberg ist wirtschaftlich stark und wächst: Derzeit leben hier 10.879.618 Menschen – knapp die Hälfte davon ist steuerpflichtig. Ein Indikator für diesen Erfolg ist die steigende Wohnraumnachfrage. Gleichzeitig ist Mietarmut längst kein gesellschaftliches Randphänomen mehr: Während jährlich 3.000 Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung fallen, hat inzwischen ein Drittel der Bevölkerung im Südwesten Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein - Anspruch haben Alleinverdienende mit einem Jahreseinkommen bis 47.600 Euro - (s. aktuelle KONZEPT-Ausgabe »bezahlbar bauen und wohnen«).

Im Jahr 2015 lebten rund 43 Prozent der Bevölkerung im Südwesten alleinstehend – bei steigendem Anteil der Alleinerziehenden. Der Bedarf an kleinen, bezahlbaren Wohnungen wächst. Gleichzeitig sind dennoch im Jahr 2016 die Baugenehmigungszahlen für Mehrfamilienhäuser um acht Prozent gesunken. Die im Oktober 2017 vorgestellte Prognos-Studie beweist: Um die aufgestaute Wohnungsbaulücke abzutragen und den weiteren Bedarf zu decken, müssen bis 2025 jährlich rund 60.000 Wohnungen in Baden-Württemberg gebaut werden – mehr als doppelt so viele wie bislang.

Wohnen ist ein Grundbedürfnis aller Menschen und damit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Architektenkammer Baden-Württemberg fordert deshalb die sofortige Umsetzung eines 8-Punkte-Programms:

1. Deutliche Ausweitung des kostengünstigen, quartiersbezogenen und demografiefesten sozialen Wohnungsbaus. Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht durch Standardabsenkungen, sondern durch eine Korrektur des Kostentreibers Grundstück: Verfügbarmachen von bebaubaren Flächen sowie Förderung von kommunalen und genossenschaftlichen Modellen. Die Reform der Grunderwerbsteuer ist dazu zwingend erforderlich.

2. Für eine sozial- und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklungsplanung müssen Wohnungsbaupolitik, Stadt- und Freiraumplanung sowie aktives Bodenmanagement in den Kommunen verknüpft werden. Nur auf diese Weise sind integrierte und zukunftsfähige Stadtentwicklungskonzepte durchzusetzen.

3. Neue Perspektiven für bedarfsgerechten Wohnungsbau durch Ausbau von interkommunalen Wohnraum-Bündnissen. Benachbarte Kommunen verständigen sich auf gemeinsame Arrondierungen ihrer Stadt-Umland-Gebiete und ergänzen sich damit sinnvoll in ihren Angeboten. Im ländlichen Raum sind für starke Wirtschaftsstandorte der entsprechende Wohnraum und die passenden Mobilitätskonzepte zu entwickeln.

4. Vor diesem Hintergrund muss der Landes- und Regionalplanung größere Bedeutung beigemessen werden. Die komplexen Aufgaben sind unter Berücksichtigung der Folgewirkungen zeitnah umzusetzen.

5. Zweckgebundene Abschöpfung der Bodenwertsteigerung als Querfinanzierung zugunsten bezahlbarer Wohnungsbauprojekte sowie zum Erwerb von neuen Grundstücken für eine vorausschauende Bodenbevorratung. Um Grundstückskosten zu reduzieren und den Kommunen langfristig die Einflussnahme zu sichern: Nutzung des Erbbaurechts.

6. Förderansätze müssen flexibel auf soziale und regionale Unterschiede eingehen sowie Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen den Erwerb von Wohneigentum ermöglichen.

7. Konzeptvergaben: Grundstücke dürfen nicht mehr nur nach dem Höchstpreis, sondern sollten nach der Qualität von ganzheitlichen, quartiersbezogenen und sozialen Konzepten vergeben werden, Planungen nur nach Durchführung eines Architektenwettbewerbs. Das Land muss die Kommunen hier unterstützen und fördern.

8. Die Architektenkammer Baden-Württemberg fordert vom Land ein Programm, bei dem es in Partnerschaft mit den Kommunen und Investoren an 25 Standorten 2.000 beispielhafte Wohnungen schafft. Für die Finanzierung dieser notwendigen Projekte wird ein landeseigener Fonds »Zukunft Wohnungsbau BW« empfohlen.

 


Visualisierung des Neubaus des Bayerischen Rundfunks in München-Freimann. Foto: Fritsch + Tschaidse Architekten

Dach

Luftbild des Bettenhauses der Waldkliniken Eisenberg. Bildquelle: HG Esch

Gebäudetechnik

Bildquelle: Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr

Gebäudetechnik

Auf dem Handtuch-Grundstück positionierte Architektin Anja Engelshove das Gebäude an der hinteren Grundstücksgrenze im dicht bebauten Norden. So haben die Nutzer freien Blick in ihren Garten, in dem Logic Moon-Leuchten von Delta Light dezente Akzente setzen. Bildquelle: Arnd Haug für Delta Light

Beleuchtung

Das schwäbische Unternehmen LUX GLENDER hat ein „Licht-im-Handlauf-System“ entwickelt, dass die Brücke über den Walkegraben in Frankenberg (Eder) eindrucksvoll in Szene setzt. Bildquelle: lux-glender.com

Außenraum

Die von a+r Architekten geplante Neuapostolische Kirche Böblingen integriert sich mit ihrer charaktervollen Klinkerfassade harmonisch in das bauliche Umfeld und stellt Bezüge zu den umliegenden Gebäuden her. Foto: Marcus Ebener

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Einladend und weitläufig ist das neue Arbeitsloft „M-Lab“ der Agentur Monsun Media in Bremen. Ein gutes akustisches Raumklima schaffen die dezent von der Decke abgehängten Rossoacoustic Pads der Nimbus Group. Foto: POPO Sitzmöbel und Stehschränke GmbH, Patrick Drescher

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Im Sinne der schützenswerten Architektur von Werner Kallmorgen übernahm Licht01 die vorhandenen Deckeneinbauringe soweit wie möglich. Die QR-CBCLampen wurden durch deckenbündig versenkbare LED-Multifunktionsstrahler mit Wechseloptiken und Wallwasher ersetzt. Bildquelle: Andreas Weiss

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Das neu ausgebaute Dachgeschoss wird im Giebelbereich von geschickt unsichtbar montierten Underscore-Leuchten erhellt. Die Linearleuchten von iGuzzini betonen die Flächen und das Volumen des Giebels völlig schattenfrei und weiten den Raum nach oben auf. Bildquelle: David Franck, Stuttgart

Beleuchtung

Bildquelle: Mehmet & Kazim Akal und Kunstverein Friedrichshafen, Fotograf: Frank Kleinbach

Design Kunst

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