21
Mär

Kunst bietet die Möglichkeit, subjektiv in meiner eigenen Wahrnehmung des Raums zu agieren

Design Kunst
Q_30.341, 2010 | Q_30.342, 2010 | Q_30.344, 2010 | Q_30.345, all 2010, lacquer on canvas, 46 x 37 cm Q_30.347, 2010 Lacquer on canvas 46 x 37 cm

Seine Arbeiten wecken überraschend gegensätzliche Assoziationen wie Ruhe und Geschwindigkeit, Abstraktion und Kontemplation. Reduziert auf Farbflächen zeigen diese Kunstwerke nichts anderes als geometrische Formen und Farben, Volumen und Oberflächen, die nur auf sich selbst verweisen. Er wolle die Spannung einfangen, die von Ruhe ausgeht, sagt der Schweizer Künstler Pierre Juillerat. Er versuche, den mentalen Raum zu artikulieren, der zwischen den Gedanken herrsche, den Zwischenraum zwischen Intuition und Intelligenz.

In Juillerats Arbeit fließen viele Einflüsse zusammen. Von Haus aus Architekt, hat der in Berlin lebende Künstler in unterschiedlichsten Bereichen gearbeitet, war Mitglieder verschiedener Rockbands, Fahrradkurier, Pilot. Diese Gegensätzlichkeit – oder eher Komplexität – spiegelt sich auch in seinem Arbeitsprozess wider. Frei nach dem Motto »So viel wie nötig, so wenig wie möglich« verzichtet er auf figurative Motive und reduziert seine Gemälde auf Farben und Formen. 

Seine Arbeiten tragen Titelcodes wie »B_62.6« oder »Q_46.803«, die auf Juillerats persönliches Archivierungssystem verweisen. Diese Gemälde repräsentieren nichts, sie stehen für nichts, sind kein Symbol, suggerieren keine narrative Illusion – sie sind, was auf ihnen zu sehen ist: ein Bildträger dessen Oberfläche bemalt ist mit Farben, Linien, Formen. Dieses Objekt jedoch beginnt, mit seiner Umwelt, mit dem Betrachter zu interagieren, indem es sie in den glänzenden Oberflächen widerspiegelt, in den matten verschluckt.

Gemalt auf unterschiedlichen Materialien wie Aluminiumblechen, wie sie im Flugzeugbau verwendet werden, auf Papier, Acrylglas und Leinwand mit »billigen« Industriefarben, -lacken und Harzen sehen die Arbeiten aus, als seien sie maschinell gefertigt. Massenproduktion vs. Handarbeit, Serienfertigung vs. Unikat. Farbspuren an den Kanten deuten allerdings darauf hin, dass Juillerat in der Tat manuell arbeitet: Jedes Gemälde ist einzigartig und nicht wiederholbar.

Im folgenden Interview erklärt Pierre Juillerat, was die Arbeit als Künstler für ihn bedeutet und wie sein Background in der Architektur seine Arbeiten beeinflusst.
(Essay und Interview (gekürzt) wurden im Ausstellungskatalog der Ausstellung »Perspectives on in/outside« im Dezember 2010 bei Savvy Contemporary, Berlin veröffentlicht. Übersetzung Simone Kraft)

Illustrations © Pierre Juillerat

Q_46.8038, 2010, and Q_46.8037, 2010, Pigmented ink on archival paper, 42 x 29,7 cm, Edition of 12 + 3 EA's Dated, signed © P. Juillerat

INTERVIEW

Sie sind studierter Architekt. Obwohl Sie nicht mehr als solcher arbeiten, interessiert Sie die Architektur unverändert stark. Warum Architektur?

Strukturen zu dekonstruieren und zu rekonstruieren, mit intuitiven Farbnachbarschaften zu experimentieren und sie in einem anderen Kontext einzusetzen würde ich als das beschreiben, das mich interessiert. Vielleicht könnte man auch von Beschleunigung und Entschleunigung, von Verschachtelungen, räumlichen Desorientierungen, Navigation reden. Ich mag auch den Prozess des Farbauftrags auf eine Oberfläche sehr. Das Malen dreht sich um die Farbe. Daher setze ich die Farbe nicht als Medium, sondern als »Subjekt« an sich ein, um zu versuchen, die Energie reiner Farbflächen zu feiern. Ich glaube, dass diese Arbeitsweise eine Position kreiert, die nicht auf Abstraktionen der äußeren Welt beruht, sondern nur in sich selbst ruht.

Wie beeinflusst die Architektur Ihre Arbeit?

Architektur in ihrem weiteren Verständnis ist mit der menschlichen Existenz verbunden und kann nicht von meiner Arbeit getrennt werden. Für mich sind die Analyse raumdefinierender Elemente, Räume und Zwischenräume ein Ausgangspunkt für meine Arbeit. Auch nichtkonstruierte Räume, wie »mentale Räume« und Zwischenräume, beeinflussen den Prozess – etwa indem ich hinterfrage, welche Art von Räumen zwischen zwei Gedanken liegt, welche Art von Aktivität es dort gibt, wenn überhaupt, und wie man dorthin gelangen kann? Ein anderer Punkt, der von der Architektur beeinflusst wird, ist die Tatsache, dass wir uns durch Räume bewegen müssen, um sie wahrzunehmen. Ich möchte beobachten, wie automatisiert diese Bewegungen sein können. Ähnliche Gedanken beeinflussen die Darstellung von Raum in meiner Arbeit, indem ich mehrere Fluchtpunkte gebrauche, die oft außerhalb der Gemälde liegen. Parallelität und Symmetrie von Linien oder Farbfeldern werden nicht bewusst vermieden, aber sie geschehen einfach nicht.

Wie verläuft Ihr Arbeitsprozess?


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