21
Mai

Ikonen der klassischen Moderne

Design Kunst

Für Freunde klassisch moderner Architektur gibt es im Internet eine neue Anlaufstelle: Die neue Internetseite www.iconichouses.org versammelt 100 der herausragendsten Bauten des 20. Jahrhunderts. Präsentiert werden sie anhand einer ebenso einfachen wie praktischen interaktiven Kartenübersicht. Nur wenige Klicks braucht es um Ausschnitte passend zu vergrößern und alle wichtige Informationen zu den berühmten Bauten zu bekommen. Unter den gezeigten Objekten finden die Nutzer so klangvolle Namen wie Haus Fallingwater von Frank Lloyd Wright in den USA, das Alvar Aalto Haus in Finnland oder die Villa Tugendhat von Ludwig Mies van der Rohe im tschechischen Brno. Die Website bietet eine kompakte Übersicht, die mit bisherigen Medien bislang so nur schwierig zu bekommen war, meint Initiatorin Natasha Drabbe, Direktorin des Van Schijndl Hauses in Utrecht. Kein Wunder, dass auch bereits so genannte »Apps« für Apples iPhone und iPod in Arbeit sind, denn viele der berühmten Bauten beherbergen Museen oder sind anderweitig offen für Besucher. Die Internetseite und die Initiatoren wollen helfen, das kulturelle Erbe lebendig und erfahrbar zu machen.

Deutschlands Einfluss zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Auch die in Deutschland gelegenen Meisterwerke moderner Baukunst werden auf der Webseite gezeigt. Sie zeugen von der bedeutenden Rolle in Kunst und Design, die Deutschland vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten besaß. Prominente Beispiele sind etwa Le Corbusiers Haus in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung oder Walter Gropius Entwürfe für das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser in Dessau. Auch hierzulande wurden die meisten zukunftsweisenden und heute zumeist denkmalgeschützten Bauten als Privathäuser für wohlhabende Bauherren errichtet. Zu diesen Bauten zählen etwa die Entwürfe Mies van der Rohes für die Fabrikantenfamilien Lange und Esters in Krefeld, Hans Scharouns kühn geschwungenes Haus Schminke im sächsischen Löbau oder das Haus Michaelsen in Hamburg. Viele dieser Bauten sind auch heute noch in Privatbesitz, andere wurden mit Mitteln des Landes oder privater Stiftungen finanziert und dienen heute als Museum oder Studienort. Die höchste Konzentration wegweisender Bauten findet sich in Berlin, das damals nicht nur bei Kunst, Kultur und Theater, sondern auch in Architektur und Städtebau Maßstäbe setzte. Auch hier finden sich mit Erich Mendelsohns Haus Dr. Bejach in Steinstücken und Mies van der Rohes Landhaus Lemke in Berlin-Weissensee zwei Bauten für vermögende Privatleute. Eine internationale Vorreiterrolle übernahm das um die Jahrhundertwende rasant wachsende Groß-Berlin – neben Frankfurt, Wien und Rotterdam – aber vor allem als Hochburg des modernen Wohnungs- und Städtebaus für mittlere Einkommensschichten.

Wohnen wie in den 1930er Jahren im »Tauten Heim«
Wer sich für dieses Kapitel interessiert, für den bietet sich seit Kurzem eine ganz besondere Gelegenheit, den Geist der aufkommenden Moderne ganz hautnah zu erleben: Im »Tauten Heim« in der Berliner Hufeisensiedlung begeben sich architekturbegeisterte Berlin-Besucher auf eine wahre Zeitreise: »Wohnen wie zu Bruno Tauts Zeiten« ist der Slogan den die beiden privaten Bauherren, die Landschaftsarchitektin Katrin Lesser und der Designer Ben Buschfeld, für Ihr kleines Schmuckstück gewählt haben. Name und Slogan sind Programm: Das für 1-4 Personen ausgelegte, ganz ohne öffentliche Fördergelder und mit viel eigener Arbeit realisierte Ferienhaus ist Architektur- und Designgeschichte zum Anfassen – ein Ort wie geschaffen für alle, die für ihren nächsten Berlin-Besuch etwas Besonderes abseits ausgetretener Touristenpfade suchen. Denn anders als ein reines Museum ist das „Taute Heim“ nicht bloß zum Anschauen gedacht, sondern wurde mit viel Liebe zum Detail als Ferienhaus mit Garten, Terrasse, herausragend viel Originalsubstanz plus modernem Komfort konzipiert.

Wohnen wie in den 1930er Jahren im »Tauten Heim«, Foto: Ben Buschfeld

Kräftige Farben, gute Grundrisse und originalgetreue Möbel
In dem mit nur 65 Quadratmeter großen, kompakt, aber sehr funktional geschnittenen, fast frei am Ende einer Zeile einige Meter nach vorne versetzt stehenden Haus findet sich Raum für drei Zimmer plus Küche, Bad und ein elegant geschwungenes Treppenhaus. Bemerkenswert ist die von Taut für seine Bauten auch in den Innen- und Wohnräumen gewählte kraftvolle Farbigkeit, die hier erstmalig komplett wissenschaftlich untersucht, dokumentiert und originalgetreu wieder hergestellt wurde. Auch die sorgfältig im Stil der 1930er Jahre zusammengestellte Einrichtung und die drei noch vorhandenen Kachelöfen spiegeln den Aufbruch von der bürgerlichen Wohnwelt der Weimarer Republik zu der sich bereits abzeichnenden Moderne wider: Finden sich in Küche und Wohnzimmer viele Stücke, die einem noch aus Omas guter Stube vertraut sind, so zeugt das in kräftigem Blau gestrichene und mit Möbeln im Bauhaus-Stil eingerichtete Schlafzimmer spürbar von der Aufbruchsstimmung in Design, Kunst und Gesellschaft. Ein besonders humorvolles Detail ist das von Katrin Lesser eigens angefertigte Häkelbild, dessen Slogan »Tautes Heim - Glück allein« die Wand neben dem Esstisch ziert.

UNESCO-Welterbe »Hufeisensiedlung«
Die 1925–1930 nach Entwürfen von Bruno Taut errichtete Hufeisensiedlung im Süden Berlins, zu der auch das »Taute Heim« gehört, gilt international als Schlüsselwerk des reformorientierten städtischen Wohnungsbaus. Ihre Mischung aus sensibel gruppierten Reihenhäusern, dörflichem Charme und modern geschnittenen Wohnblocks lädt zum Flanieren ein. 2008 wurde das aus 679 Reihenhäusern, 1.285 Wohnungen, viel Grün und mehreren öffentlichen Plätzen bestehende Denkmalensemble – gemeinsam mit fünf weiteren städtebaulichen Arealen zum UNESCO-Welterbe »Siedlungen der Berliner Moderne« ernannt. Nicht nur die expressive Farbgebung Bruno Tauts, auch der Variantenreichtum einzelner Bauabschnitte, Häuser- und Wohnungstypen der Hufeisensiedlung verblüfft einen bis heute. Das Gleiche gilt für die klug geplanten Grundrisse und die hohe Wohnqualität, die Architektur- und Designliebhaber nun auch vor Ort selbst erleben können. Nähere Infos unter www.tautes-heim.de


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Um die Exponate vor schädlichem Licht zu schützen, haben die Architekten die Zahl der Fenster eingeschränkt. Umso identitätsstiftender ist daher das große Fenster zum Dom, das von außen einen gezielten Einblick ins Innere des Museums bietet und umgekehrt von Innen am Ende des Rundgangs einen Blick in die historische Altstadt von Regensburg. Foto: Alexander Bernhard

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