21
Mai

Kunstverein Friedrichshafen: Visions or Waking Dreams

Courtesy Ausstellungsansicht Melike Kara: Die Künstlerin, Jan Kaps Galerie, Köln und Perez Projects, Berlin. Fotograf: Kilian Blees

Design Kunst

 

Wissenschaft, Faktizität und Empirie sind die Grundlagen jeder aufgeklärten, modernen Gesellschaft. Doch was passiert, wenn sich trotz aller Rationalität keine allgemeingültigen Aussagen über die Totalität der Welt mehr treffen lassen?

„Die Welt romantisieren heißt, sie als Kontinuum wahrzunehmen, in dem alles mit allem zusammenhängt. Erst durch diesen poetischen Akt der Romantisierung wird die ursprüngliche Totalität der Welt als ihr eigentlicher Sinn im Kunstwerk ahnbar und mitteilbar.“ Diese Aussage von Novalis ist für die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung programmatisch.

Wiederkehrende Themen von Melike Karas Malerei und Installationen sind die zwischenmenschliche Kommunikation und die Frage, wie individuelle und kollektive Geschichten erzählt und Identitäten konstruiert werden. Während ihre früheren Bilder eine figürliche Formensprache nutzten, verwischt sie in neueren Malereien zusehends die Grenze zur Abstraktion, sodass nur noch vereinzelt Silhouetten zu erahnen sind.

Courtesy Ausstellungsansicht Larissa Sansour & Søren Lind: Der/Die Künstler. Fotograf: Kilian Blees
Courtesy Ausstellungsansicht Larissa Sansour & Søren Lind: Der/Die Künstler. Fotograf: Kilian Blees


 

Kara beschäftigt sich mit ihren eigenen kurdisch-alevitischen Wurzeln und schöpft aus ihrem persönlichen Archiv, das sie über Jahre aus verschiedenen Quellen zusammengetragen hat. Sie stemmt sich vehement gegen das Vergessen und versucht durch Fotografien, Erinnerungen und Erzählungen von Ereignissen, Mythen und Ritualen, die Geschichte und Traditionen des staatenlosen kurdischen Volkes zu dokumentieren und zu bewahren.

Larissa Sansour ist eine palästinensische Künstlerin, die in ihrer Praxis immer wieder Elemente der Popkultur und Science-Fiction nutzt, um politische und gesellschaftliche Themen zu behandeln und die komplexe Lebensrealität in Palästina und dem Nahen Osten zu beleuchten. Ihr multimediales Werk umfasst Skulpturen, Fotografien und Installationen. Darüber hinaus schafft sie bildgewaltige Filme, für die sie mit dem Drehbuchautor, Regisseur und Schriftsteller Søren Lind (*1970) zusammenarbeitet. Auch ihr gemeinsamer Film In the Future They Ate From the Finest Porcelain (2015) bewegt sich im Spannungsfeld von Science-Fiction, Archäologie und Politik und erforscht die Rolle von Mythen für die Entstehung nationaler Identität. Er erzählt von einer Widerstandsgruppe, die im Untergrund kunstvolles Porzellan vergräbt, um eine völlig fiktive Zivilisation zu begründen, und so Ansprüche auf ihr schwindendes Land legitimieren zu können. Sobald das Porzellan ausgegraben wird, beweist es die Existenz des vermeintlichen Volkes.

Courtesy Ausstellungsansicht Julia Steinigeweg: Die Künstlerin. Fotograf: Kilian Blees
Courtesy Ausstellungsansicht Julia Steinigeweg: Die Künstlerin. Fotograf: Kilian Blees


Die Fotografin Julia Steinigeweg erforscht in ihren Arbeiten neue Technologien und deren zunehmenden Einfluss auf die Gestaltung der Realität. Für die Serie I think I saw her blink traf sie in Singapur eine Professorin, die ihr eigenes Roboter-Double erschaffen hat. Dort fand sie sich an einem Ort wieder, an dem die Grenzen zwischen Realität, Fiktion und Simulation zusehends verschwimmen. Die entrückt und teils dystopisch erscheinenden Fotografien von Menschen, Architekturen und sogar der Natur wirken artifiziell. Alles ist in perfekter Ordnung. Platz für Zufälle oder organisch gewachsene Strukturen scheint es in dieser „neuen“ Welt nicht zu geben. Die Diskrepanz zwischen tatsächlicher und simulierter Realität in den Fotografien gibt einen Ausblick darauf, wie sich die Gegenwart noch von der zu erwartenden Zukunft unterscheidet.

Der Ausgangspunkt des multimedialen Werks von Emma Talbot sind subjektive, intuitive Zeichnungen, aus denen sowohl feine, aus Seide gefertigte Malereien als auch Skulpturen und Videoanimationen entstehen. Ihre zunächst sehr subjektiven, aus der inneren Gedanken- und Gefühlswelt entstehenden Manifestationen werden in die Gegenwart mit all ihren Problematiken eingebunden. Formal kombiniert Talbots Bildsprache Figürliches mit Ornamentik und Mustern sowie mit eigenen und Texten anderer Literaten und Poeten. Sie erschafft traumhafte, energiegeladene Bildwelten, die immer auch vom Verhältnis des Menschen zum Universum und der Beziehung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und der Zukunft handeln.

Courtesy Ausstellungsansicht Emma Talbot: Die Künstlerin und Petra Rinck Galerie, Düsseldorf. Fotograf: Kilian Blees
Courtesy Ausstellungsansicht Emma Talbot: Die Künstlerin und Petra Rinck Galerie, Düsseldorf. Fotograf: Kilian Blees


Melike Kara (*1985) hat an der Kunstakademie Düsseldorf bei Rosemarie Trockel studiert. Ihre Werke wurden u.a. im Witte de With Center for Contemporary Art, Rotterdam, im Wiels Contemporary Art Centre, Brüssel, dem Yuz Museum, Shanghai, im Kunstverein Göttingen und dem Kölnischen Kunstverein sowie dem Ludwig Forum Aachen gezeigt. Melike Kara lebt und arbeitet in Köln.

Søren Lind (*1970) ist ein dänischer Philosoph, Schriftsteller, Künstler, Regisseur und Drehbuchautor. Er schrieb Bücher über Geist, Sprache und Verständnis, bevor er sich der Kunst, dem Film und der Fiktion zuwandte. Er hat Romane, Kurzgeschichten und Kinderbücher veröffentlicht und seine Filme wurden u.a. im dänischen Pavillon auf der 58. Venedig Biennale gezeigt, bei Copenhagen Contemporary, im MoMA, in der Nikolaj Kunsthal, Kopenhagen, der Berlinale, dem International Filmfestival Rotterdam und dem BFI London Film Festival. Lind lebt und arbeitet in London.

Larissa Sansour (*1973) hat Bildende Kunst in Kopenhagen, London und New York studiert. Ihre Werke wurden u.a. im Centre Pompidou, in der Nikolaj Kunsthal, Kopenhagen, der Tate Modern, bei der Liverpool und Istanbul Biennale und dem Rotterdam Film Festival gezeigt. Zur 58. Venedig Biennale hat sie 2019 mit der Installation Heirloom den dänischen Pavillion bespielt. Larissa Sansour lebt und arbeitet in London.

Julia Steinigeweg (*1987) hat Kommunikationsdesign und Bildende Kunst an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Hochschule für bildende Künste in Hamburg studiert. Ihre Arbeiten wurden u.a. in den Deichtorhallen Hamburg Haus für Photographie, dem NRW Forum, Düsseldorf, der Daegu Photo Biennale in Südkorea sowie dem Künstlerhaus Dortmund ausgestellt. Zu ihren Kunden gehören zudem DIE ZEIT, GEO, das monopol Magazin, die Welt am Sonntag oder das SZ-Magazin. Julia Steinigeweg lebt und arbeitet in Berlin.

Emma Talbot (*1969) hat Bildende Kunst und Malerei am Birmingham Institute of Art & Design und dem Royal College of Art, London studiert. Ihre Werke wurden u.a. in der Kunsthalle Giessen, dem GEM Kunstmuseum voor Actuele Kunst, The Hague, im Kunsthaus Pasquart, Biel und dem NAK Neuen Aachener Kunstverein gezeigt. 2020 wurde sie mit dem Max Mara Prize for Woman ausgezeichnet. 2022 ist sie zur Teilnahme an der 59. Venedig Biennale eingeladen. Sie lebt und arbeitet in London.

Kunstverein Friedrichshafen
Buchhornplatz 6
88045 Friedrichshafen
T: +49 7541 21950
F: +49 7541 34206
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.kunstverein-friedrichshafen.de


Um den Baukörper zu gliedern, entschieden sich die Architekten für eine versetzte Anordnung der beiden Hallen. Diese erheben sich oberhalb eines Sockelbandes aus Beton und lassen aufgrund ihrer versetzten Anordnung zwei geschützte Freibereiche entstehen: den Eingangshof und den Vereinshof mit integrierter Sportgaststätte. Foto: Marcus Ebener

Projekte (d)

Vollständige Dacheindeckungen sind mit Nicer X einfach umsetzbar.

Gebäudetechnik

Annabelle von Reutern von Concular. Foto: Kristina Grommes

Premium-Advertorial

BIPV-Module integriert in Gebäude des Fraunhofer ISE, Freiburg. Foto: Fraunhofer ISE

Gebäudetechnik

VITOSET nutzt mit dem Eis-Energiespeicher und den Energiezäunen die Umweltenergie gleich vierfach. Grafik Viessmann

Gebäudetechnik

Bei der Niemeyer Sphere auf dem Techne Sphere Komplex des Kranherstellers Kirow in Leipzig sorgen schaltbare eyrise Flüssigkristallfenster von Merck für den erforderlichen Sonnenschutz und tragen dazu bei, eine Aufheizung des Innenraums zu vermeiden. Bild: eyrise

Fassade

Bildquelle: kokliang1981– stock.adobe.com

Advertorials

Anzeige AZ-GC1-728x250 GAS

Anzeige AZ-C1a-300x250 R8

Anzeige AZ-C1b-300x600 R8