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07
Jun

Review: Informal Arrangements von Peter Bialobrzeski

Design Kunst
Peter Bialobrzeski: Informal Arrangements'

Blätter aus Werbeprospekten tapezieren die Wände, Seiten aus Unterwäschekatalogen, Poster von Filmen oder Popstars kleben dicht nebeneinander. Hier steht Beauty-Zubehör, dort liegen Kleider, hier ein Fernseher, dort Radio oder DVD-Player. Mit Kalendern, Stoffen und Vorhängen, mit auf Betten drapierten Kissen wird Wohnlichkeit erzeugt. Diese Unterkünfte sind wenig mehr als notdürftige Verschläge, aber trotzdem versuchen ihre Bewohner, sie mit wenig Mitteln zu einem Heim werden zu lassen.

Sie befinden sich in Kliptown. Kliptown ist nicht nur der älteste, sondern auch ein historisch für die Geschichte Südafrikas sehr bedeutsamer Bezirk von Soweto. 1955 versammelten sich hier 3000 Apartheid-Gegner – unter ihnen auch Walter Sisulu und Nelson Mandela – zum Congress of the People und formulierten die Freiheitscharta, ein Gegenentwurf zum damaligen Apartheid-System. 1990 wurde diese Charta zur Basis der Verfassung des neuen Südafrika. Auf einem neu angelegten Platz erinnert seit fünf Jahren ein steinernes Monument an die Charta.

Kliptown ist aber auch ein Stadtteil Sowetos, der das Scheitern – oder zumindest die Schwachstellen – der Charta allzu augenfällig aufzeigt. Noch lange nicht sind die darin formulierten Ideale realisiert und flächendeckend umgesetzt. Rund um den Gedenkplatz in Kliptown leben die schwarzen Armen in provisorisch zusammengezimmerten Hütten. Im Viertel neben dem WM-Stadion, Soccer City ist knappe 10km Luftlinie entfernt, wohnen sie in Unterkünften, deren Einrichtung oft nicht einmal dem Wert eines Eintrittstickets entsprechen würde.

Der deutsche Fotograf Peter Bialobrzeski blickt in diese Hütten, die so eng sind, dass sie kaum auf das Bild zu passen scheinen. Er präsentiert Ansichten der informellen Behausungen, sehr private Einsichten – ohne Menschen zwar, aber dadurch fast noch intimer: Hier nämlich wird die private Hülle, der persönliche Rückzugsort der Bewohner Kliptowns porträtiert. Gleichsam »schutzlos« wird er dem Blick der Kamera offenbart und so zum Porträt »in absentio«: Die räumliche Hülle, das Zuhause verrät oft mehr über seinen Bewohner, als man denken mag.

Bialobrzeski präsentiert diese fast intimen Einsichten in einer ruhigen, unaufgeregten Bildsprache, die sich auch in der Machart der Publikation, bereits dem 7. Projekt des Fotografen mit dem Hatje Cantz Verlag, widerspiegelt. Den fast seitengroßen Abbildungen wird sehr viel Platz eingeräumt, ohne Text oder Beschriftung wirken sie ganz für sich und lassen dem Betrachter viel Raum, um sich in sie zu vertiefen.

Voraus geht ein kurzer einleitender Essay auf Englisch und Deutsch von Indra Wussow, deren Johannesburger Kulturstiftung jozi art:lab den Fotografen überhaupt erst zu seinem Projekt in Südafrika gebracht hat.

Peter Bialobrzeski: Informal Arrangements, Text von Peter Bialobrzeski, Indra Wussow, Gestaltung von Peter Bialobrzeski, Kathrin Hufen, Deutsch, Englisch, 2010. ISBN 978-3-7757-2660-3





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