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06
Jun

Interview: Den Architektenberuf neu denken

Moderne Interpretation des traditionellen Hofhauses «Hanok»: Die Schweizer Botschaft in Seoul, Südkorea. Bild: Hélène Binet.

Menschen

 

Wolfgang Hardt, Partner bei Burckhardt+Partner, plädiert im Gespräch mit Rolf Mauer für mehr Kollaboration im Zuge der immer komplexer werdenden Bauprojekte und der sich verändernden Baubranche.

INTERVIEW

Rolf Mauer: Können Sie uns einen kurzen Abriss zu Burckhardt+Partner geben?

Wolfgang Hardt: Burckhardt+Partner verfolgt heute mit rund 400 Mitarbeitenden an acht Standorten in der Schweiz und in Deutschland ein breites Leistungsspektrum in den Bereichen Life Science, Industrie, Wohnen, Gesundheit und Freizeit und erbringt von der Entwicklungsidee, über die Planung bis hin zur Ausführung alle Architekturleistungen aus einer Hand.

Gegründet wurde das Büro bereits 1951 in Basel, wo Burckhardt+Partner auch heute noch seinen Hauptsitz hat. Gross wurde das Büro mit Bauten für die in Basel ansässige Chemie- und Pharmaindustrie, was für uns immer noch einen Schwerpunkt darstellt.

Ab den 2000er Jahren hat Burckhardt+Partner die früheren internationalen Aktivitäten reaktiviert und sich auch an zahlreichen Wettbewerben beteiligt. Der letzte internationale Wettbewerbserfolg war der Neubau der Schweizer Botschaft in Seoul, der im Jahr 2019 eingeweiht wurde.

Erstes Hochhaus mit Solarzellen-Fassade in der Schweiz: Der Basler Grosspeter Tower. Bild: Adriano A. Biondo.
Erstes Hochhaus mit Solarzellen-Fassade in der Schweiz: Der Basler Grosspeter Tower. Bild: Adriano A. Biondo.


Rolf Mauer: Was sind die Hauptgeschäftsbereiche von Burckhardt+Partner?

Wolfgang Hardt: Burckhardt+Partner ist bekannt für interdisziplinäre und komplexe Bauvorhaben oftmals in Verbindung mit einem Generalplanermandat. Die Bereiche Life Science, Health Care und Verkehrsinfrastrukturbauten sind hierbei sicherlich die wichtigsten Vertreter. Grundsätzlich deckt Burckhardt+Partner allerdings alle Geschäftsfelder des Hochbaus ab, wobei auch der Wohnungs- sowie der Bürobau einen wichtigen Stellenwert einnehmen.

In Deutschland haben wir einen großen Schwerpunkt in Wissenschafts- und Forschungsbauten. Neben den klassischen Geschäftsfeldern haben wir über die Jahre auch eine große Expertise in der Projektentwicklung aufbauen können.

Rolf Mauer: Wie wichtig ist Größe für ein Architekturbüro?

Wolfgang Hardt: Wir werden immer wieder als größtes Büro der Schweiz bezeichnet. Doch nicht die Größe ist für uns entscheidend, sondern die Qualität unserer Arbeit. Die große Herausforderung ist, diese über die Vielzahl der Projekte und Aufgaben zu gewährleisten. Die Größe ermöglicht uns, Fachwissen in vielen Bereichen aufzubauen, teamübergreifend Erfahrungen auszutauschen, gegenseitig Hilfestellung zu gewährleisten und kurzfristig zu reagieren.

Unser Anspruch ist es, die Architektur ganzheitlich zu betrachten – also von der Projektentwicklung bis hin zur Projektübergabe. Wir stellen zunehmend fest, dass mit wachsender Komplexität und Vielschichtigkeit in der Baubranche, einige Büros weniger bis gar keine Verantwortung mehr übernehmen und sich entsprechend nur noch in den frühen Projektphasen engagieren.

Das prägnant geformte 350 Meter lange Dach bildet das Portal zum Flughafen Zürich. Bild: Beat Bühler.
Das prägnant geformte 350 Meter lange Dach bildet das Portal zum Flughafen Zürich. Bild: Beat Bühler.


Rolf Mauer: Welchen Stellenwert hat die Projektentwicklung bei Burckhardt+Partner?

Wolfgang Hardt: Als grosses Architekturbüro können und wollen wir einen Teil unserer Aufträge selbst generieren. Aus diesem Gedanken heraus ist die Projektentwicklung bei Burckhardt+Partner entstanden und hat sich inzwischen zu einer Kernkompetenz entwickelt. Wir ergänzen darin unsere Architekturkompetenz um eine ökonomische und stadtsoziologische Sichtweise und führen mit ganzheitlichem Blick die teils sehr politischen und in jedem Falle multidisziplinären Entwicklungsprozesse.

Über unsere Tochtergesellschaften treten wir in einem Teil dieser Projekte ausserdem auch als Bauherren sowie Vermarkter auf. Auf diese Weise können wir von der kompletten Wertschöpfungskette eines Immobilienprojektes profitieren. Ausserdem erlaubt uns diese Tätigkeit, wichtiges Knowhow zurück in den Architekturbetrieb zu transferieren und unsere planerischen Lösungen mit dem Blick eines professionellen Immobilieneigentümers zu reflektieren. Diese Kompetenzen wollen wir nun auch in den deutschen und österreichischen Markt einbringen.

Rolf Mauer: Sie generieren also Ihre Aufträge selbst durch Objekt- und Arealentwicklung. Wie identifizieren sie denn geeignete Orte?

Wolfgang Hardt: Das Potential eines Areals ergibt sich immer aus seiner spezifischen Rolle im lokalen Kontext. Entwicklung macht dort Sinn, wo die aktuelle Nutzung nicht mehr die richtige Antwort auf die Erfordernisse des Umfeldes zu geben vermag. Ein typisches Beispiel dafür ist eines unserer Projekte, in welchem wir ein Gewerbeareal in direkter Bahnhofslage in einer Vorortgemeinde des sich sehr dynamisch entwickelnden Metropolraumes Basel transformieren.
Wir entwickeln dieses Areal nun zu einem ganzen Stadtteil für viel mehr und viel unterschiedlichere Nutzer, als es die Gewerbenutzung heute sehr monofunktional und mit geringer Flächeneffizienz tut. Wir screenen unser Umfeld beständig auf solche Chancen und haben hierfür spezielle Mitarbeiter im Team. Selbstverständlich gelangen aber auch externe Auftraggeber aufgrund unserer Expertise an uns.

Rolf Mauer: Ihre Entwickler, sind das Architekten oder Immobilienexperten?

Wolfgang Hardt: Das sind Architekten und Immobilienexperten in Personalunion – ganz im Sinne des klassischen Bilds des Architekten als Generalist. Unserer Überzeugung nach ist der ganzheitliche Blick auf ein Projektvorhaben der Schlüssel zu einer ausbalancierten Lösung, die den Auftraggeber bedient, aber auch auf breite Akzeptanz in Politik und Öffentlichkeit stösst. Bei Entwicklungsvorhaben sind das meist die relevantesten Stakeholder.

Rolf Mauer: Wie führt man ein Architekturbüro mit 400 Mitarbeitern?

Wolfgang Hardt: Die Strukturen müssen über die Zeit mit der Entwicklung und den Aufgaben wachsen. Die acht Standorte in der Schweiz und in Deutschland arbeiten im Sinne des Ganzen, ohne jedoch die eigene Identität und Individualität zu verlieren. Jeder Standort mit rund 30-40 Mitarbeitenden, wird von einem Partner und Geschäftsleitungsmitglied geführt.
In einer sich ständig verändernden Realität können wir nicht mehr wie früher eine Struktur definieren und daran Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, festhalten. Es sind flexible und agile Ansätze notwendig, welche aber grundsätzlich zuerst eine Veränderung des Mindsets der Betroffenen auf allen Ebenen bedürfen. Das ist die große Herausforderung, welcher wir uns aktuell stellen.

Rolf Mauer: Wie definieren Sie Erfolg? Ist der für sie kulturell oder wirtschaftlich motiviert?

Wolfgang Hardt: Burckhardt+Partner ist ein Architekturbüro, für welches der kulturelle Beitrag im Vordergrund steht. Wenn allerdings der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt, können auch wir keinen kulturellen Beitrag mehr leisten. Wir brauchen wirtschaftlich erfolgreiche Projekte, um uns an Wettbewerben engagieren und in Projektentwicklungen und aktuell in die Digitalisierung investieren zu können.
Für uns ist ein Projekt erfolgreich, wenn Architektur, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit im Einklang sind und schlussendlich die Nutzer das Gebäude erfolgreich annehmen.

Rolf Mauer: Sie kooperieren mit international großen Büros wie SOM. Wie finden sich solche Partnerschaften, wie arbeitet man inhaltlich zusammen, wie werden die Leistungsgebiete aufgeteilt?

Wolfgang Hardt: SOM ist einer unserer Kooperationspartner, mit dem wir über Jahre hinweg erfolgreich zusammenarbeiten. Als führendes Architekturbüro mit großer Zusammenarbeitserfahrung sind wir immer wieder Ansprechpartner für ausländische Architekten, die in der Schweiz ein Projekt realisieren wollen.
Bei Kooperationen legen wir Wert darauf, nicht nur der Baumanager oder Generalplaner zu sein, sondern auf Augenhöhe und paritätisch das Projekt gemeinschaftlich zu bearbeiten. So konnten wir in letzter Zeit unter anderem den Wettbewerb für das Kantonspital Aarau zusammen mit Wörner Traxler Richter für uns entscheiden. Aktuell sind wir in einer Arbeitsgemeinschaft für den Flughafen-Wettbewerb in Zürich.
Im Zuge immer grösser und komplexer werdender Projekte, sowie der Digitalisierung an sich, werden Kooperationen immer wichtiger. Es gilt sich gemeinschaftlich den Aufgaben zu stellen und das leider immer noch stark verbreitete Konkurrenzdenken abzulegen. Verschiedenartige Fähigkeiten und Kapazitäten zu einem Ganzen zusammenzubringen, sowie Verantwortung und finanzielles Risiko zu teilen, stehen im Vordergrund.

Rolf Mauer: Bedeutet eine Internationalisierung nicht auch, dass sie mit interkulturellen Herausforderungen zu kämpfen haben? Welche Rolle spielt Ihre Schweizer Kultur im internationalen Kontext?

Wolfgang Hardt: Über die Jahre hinweg haben wir es geschafft, die Marke Burckhardt+Partner so zu positionieren, dass wir einen sehr internationalen Zulauf von Mitarbeitern haben. Mittlerweile freuen wir uns über 30 Nationalitäten, welche die Kultur der Firma entscheidend mitprägen. Unsere Schweizer Wurzeln, die Bürophilosophie wie auch die Kultur und Werte, die wir über lange Jahre im Büro pflegen, bilden nach wie vor die Säulen unseres Leitbilds. Die mit „Swissness“ verbundenen Werte wie Qualität, Präzision im Detail und Zuverlässigkeit widerspiegeln sich in unserer täglichen Arbeit und entsprechend in unseren Projekten.

Rolf Mauer: Wie positionieren Sie sich innerhalb eines sich immer digitaler werdenden Architekturmarktes? Ist die Schweiz in der Digitalisierung nicht weiter im Gegensatz zu Deutschland?

Wolfgang Hardt: Im Gespräch mit deutschen Architekturbüros konnte ich feststellen, dass hier ein großer Unterschied herrscht. Dies, obwohl das Thema in beiden Ländern etwa zeitgleich angegangen wurde. Es wäre übertrieben zu behaupten, dass in der Schweiz mittlerweile jedes Architekturbüro hinsichtlich der Digitalisierung bereits vorangeschritten ist. Aber eine große Anzahl an Büros ist dran, hierbei etwas für sich und die Branche zu bewegen. Und auch die Verbände und Institutionen leisten ihren Beitrag zum Fortschritt. Sicherlich ist das von der Gesetzgebung her in der Schweiz etwas einfacher als in Deutschland, wo das Thema stärker politisch reglementiert ist.

Rolf Mauer: Wie wichtig ist Building Information Modelling (BIM) für Burckhardt+Partner?

Wolfgang Hardt: Wir selbst versuchen, den Begriff BIM zu vermeiden. Denn wir stellen fest, dass zwar viel darüber geredet wird, ein gemeinsames Verständnis für die tatsächliche Bedeutung über die drei Buchstaben hinaus aber fehlt. Nach fünfjähriger Einführungs- und Anlernphase in unterschiedlichsten Projekten und Projektphasen wird BIM – verstanden als eine Methode zur Erstellung eines 3D-Gebäude- und Datenmodells – bei uns mittlerweile in 50 von aktuell 200 laufenden Projekten angewandt. Die Vorteile liegen auf der Hand, so ist es auch nicht verwunderlich, dass wir dies auch anwenden, selbst wenn der Auftraggeber die Abhandlung nicht explizit fordert. Weit spannender für uns sind aber die weitreichenden Möglichkeiten, die auf der Basis von BIM in der Planung und Projektabwicklung ermöglicht werden.

Rolf Mauer: BIM, viele verwenden also diesen Begriff, ohne ihn inhaltlich im Detail zu kennen?

Wolfgang Hardt: BIM ist für uns nur ein Teilaspekt beziehungsweise die Grundlage der digitalen Planung. Passt man die Kommunikations- und Planungsprozesse entsprechend den neuen digitalen Möglichkeiten an, spricht man von Virtual Design and Construction (VDC), was letztlich auch das zentrale Thema Datenmanagement einbezieht. Aktuell ist man intensiv auf der Suche nach adäquaten Zusammenarbeitsmodellen. Ein vielversprechender Ansatz ist IPD (Integrated Project Delivery), deren Ziel es ist, ein optimales integrales Projektumfeld für Planung, Bauablauf und den Gebäudebetrieb zu schaffen. Dies beginnt beim entsprechenden Informations- und Kommunikations-Setup, reicht über angepasste Prozess- und Vertragsmodelle und bezieht – viel früher als bisher – ausführende Firmen und zukünftige Nutzer und Betreiber aktiv in den Planungsprozess mit ein.

Architekten haben Kooperationen eigentlich nicht gelernt, es herrscht eher Kulturkampf mit dem nächsten Büro. Wie gehen Sie damit um?
Ich persönlich stehe solchen Kollaborationen positiv gegenüber, da ich davon überzeugt bin, dass wir gemeinsam die aktuellen und anstehenden Veränderungen besser bewältigen und dadurch auch entsprechend stärker auftreten können. Bekanntermassen ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. In der Architekturbranche ist diese Haltung leider nicht so stark verbreitet.

Rolf Mauer: Ein Düsseldorfer Marktforschungsbüro hat die These aufgestellt, dass Planer in den nächsten fünf Jahren zu den Verlierern gehören werden. Sehen Sie das auch so oder möchten Sie da widersprechen?

Wolfgang Hardt: Es muss unser aller Interesse sein, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. In meinem damaligen klassischen Diplom-Studiengang wurde uns beigebracht, dass Architektur die Betrachtung des gesamtheitlichen Prozesses von der Planung bis zur Ausführung bedeutet und auch die Koordination aller fachlich Beteiligten miteinschließt; der Architekt als Generalist.

Über die Zeit haben viele Architekturbüros Teile davon bereits abgegeben oder sich abnehmen lassen. TU`s und GU`s, aber auch Baumanagement- und Projektsteuerungsbüros, haben originäre Aufgaben des Architekten übernommen und uns mittlerweile zum Designarchitekten degradiert. Ich frage mich, wie lange wir da noch zuschauen wollen, ohne konkret etwas zu unternehmen?

In der Nähe von Basel entsteht der neue Hauptsitz der SKAN AG. Die eindrückliche Stahlstruktur wird das Erscheinungsbild prägen. Bild: Adriano A. Biondo.
In der Nähe von Basel entsteht der neue Hauptsitz der SKAN AG. Die eindrückliche Stahlstruktur wird das Erscheinungsbild prägen. Bild: Adriano A. Biondo.


Die Digitalisierung bietet einerseits eine große Gefahr, weitere Verantwortung und Aufgabenbereiche zu verlieren, andererseits aber auch die Chance, den Architekturberuf wieder ins Zentrum des Geschehens zu bringen und wieder die Steuerung zu übernehmen. Umso mehr: Statt abzuwarten, was sich aktuell andere für unsere Branche einfallen lassen, sollten wir die Zügel doch lieber selbst in die Hand nehmen; nicht jeder einzeln für sich, sondern gemeinsam.

Rolf Mauer: Sind da dann nicht auch die Hochschulen schuld, den Ausbildungsschwerpunkt der Architektenausbildung eigentlich auf den Entwurfs- und die Planungskultur zu legen? Müssten nicht die Hochschulen eigentlich den Beruf des Architekten maßgeblich beeinflussen und das Thema Digitalisierung stärker in den Fokus rücken?

Wolfgang Hardt: Viele Hochschulen und Universitäten haben das Bedürfnis bereits erkannt und bieten mittlerweile Aufbau-Studiengänge im digitalen Bauen an. Allerdings muss aber auch das Grundstudium entsprechend angepasst werden und entsprechend den neuen Technologien und Ausrichtungen Rechnung tragen.

Natürlich sollten sich auch die Hochschulen und Universitäten Gedanken machen, was der Architektenberuf in 5, 10 oder 20 Jahren bedeutet. Ist der Architekt dann tatsächlich nur noch derjenige, der die erste Idee in Skizzenform aufs Papier bringt, die dann von IT-Spezialisten ins System übertragen, programmiert und berechnet wird, damit der GU dies koordinieren und anschließend umsetzen kann? Gleiches gilt natürlich auch für Ingenieure, Konstrukteure, Techniker und Zeichner. Wir müssen unsere Tätigkeit, entsprechend der sich verändernden Branche und Möglichkeiten neu denken. Und zwar bevor es andere für uns tun.

Rolf Mauer: Glauben Sie, dass Planungsleistungen künftig in Ländern oder in Regionen outgesourct werden, die einfach billiger produzieren und Planungen günstiger erstellen können?

Wolfgang Hardt: Das ist bereits Realität, vor allem bei Firmen, die verstärkt international tätig sind. Diese lassen die 3D-Modelle z.B. in Indien herstellen oder verlagern ganze Aufgabenbereiche ins produktionsgünstigere Ausland. Die Anbieter solcher Dienstleistungen schiessen regelrecht aus dem Boden. In der Schweiz verspüren wir einen verstärkten Druck von Architekten aus dem europäischen Umland, die erkannt haben, dass sich hier gutes Geld verdienen lässt. Diese eröffnen eine kleine Filiale, erbringen ihre Leistungen aber in ihrem Heimatland – mit entsprechenden Preisvorteilen gegenüber Schweizer Büros. Dass die Qualität nicht dieselbe ist, spielt bei Auftragsvergaben, vor allem in der Industrie, leider oft keine große Rolle.

Rolf Mauer: Wie muss sich ein Architekturunternehmen also künftig aufstellen, um konkurrenzfähig zu bleiben?

Wolfgang Hardt: Ich bin der Meinung, dass wir unsere Branche und den Architektenberuf radikal neu denken müssen. Der Büroalltag und die Planung an sich werden sich stark verändern, Arbeitsgemeinschaften und interdisziplinäre Zusammenarbeiten werden verstärkt eine Rolle spielen und bestehende Leistungsphasen werden sich zu agilen Abhandlungsmethoden wandeln. Des Weiteren wird hohe Kostensicherheit in einer sehr frühen Phase ein Thema sein, die Honorierung wird sich grundlegend verändern, die Planungs- und Bauzeiten werden sich verkürzen und die Herstellungsprozesse von Planung wie Realisierung auf der Baustelle werden sich grundsätzlich stark verändern. Wenn wir all diese anstehenden Veränderungen betrachten, diese ernst nehmen und uns frühzeitig damit beschäftigen, werden wir innovative Lösungen finden, die unseren Berufsstand aufrechterhalten und wegweisend in die Zukunft führen.


Wolfgang Hardt, Mitglied der Geschäftsleitung bei Burckhardt+Partner. Bild: zVg.
Wolfgang Hardt, Mitglied der Geschäftsleitung bei Burckhardt+Partner. Bild: zVg.

Wolfgang Hardt
Burckhardt+Partner, Basel
Jahrgang 1974

Ausbildung
1991 bis 1994: Lehre zum Schreiner und Bauzeichner.
1996: Abschluss der Fachoberschule für Kunst und Gestaltung in Augsburg. Arbeit im Diözesan- und Universitätsbauamt in Eichstätt als Bauzeichner. Mitarbeit an diversen Projekten.
1998 bis 2001: Studium der Architektur an der Fachhochschule Regensburg.
2002: Diplom.
2008 bis 2009: Masterstudiengang „Architektur und Kontext“ an der Fachhochschule Regensburg, mit Abschluss Master of Arts.

Werdegang
Ab 2000 arbeitete er erst als Praktikant und später als Projektarchitekt und Projektleiter bei Herzog & de Meuron in Basel an verschiedenen Projekten im In- und Ausland. Darunter der Neubau und die Erweiterung des Fußballstadions St. Jakob Park in Basel, der Prada Store Minami Aoyama in Tokio, der St. Jakob Turm mit Mercedes Showroom und Shopping-Center in Basel, das Messezentrum Basel, und das VitraHaus in Weil am Rhein. 2005 wurde er Associate, 2008 Partner von Herzog & de Meuron.
Im Mai 2011 trat Wolfgang Hardt als assoziierter Partner bei der Burckhardt+Partner AG ein, wo er unter anderem die Projektleitung für die Mall of Switzerland in der Zentralschweiz übernahm. 2012 bis 2018 leitete er als Partner und Mitglied der Geschäftsleitung die Abteilung Basel 2. Seit Anfang 2019 ist er für den neu geschaffenen Bereich; international Business Development zuständig. Zudem ist er Vorstandsmitglied des SIA Schweizerischer Ingenieur- und Architekten-Verein Sektion Basel und Mitglied der Berufsgruppe Architektur.

Auswahl Preise und Auszeichnungen
Burckhardt+Partner AG hat seit 1989 an rund 500 Architektur- und Planungs-Wettbewerben teilgenommen. 70 Mal wurden die Wettbewerbsbeiträge mit dem 1. Rang ausgezeichnet, über 50 davon wurden und werden realisiert. Das Portfolio umfasst sehr unterschiedliche Projekte wie den Grosspeter Tower in Basel (Fertigstellung 2017), die Schweizer Botschaft in Seoul (2019), den Um- und Neubau am Hauptsitz von Schindler in Ebikon (2020), die Sanierung und der Neubau der Bibliothek am Bauhaus Dessau (2012) oder die Sanierung des Depots für das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg (2018).


Wesentlicher Teil des Energie- und Nachhaltigkeitskonzepts ist die „lebendige“ Fassade aus Glas und Aluminium. Quelle: HUECK

Fassade

Separate Funktionsbrausen lassen sich flexibel als mobile Wasserquelle nutzen. Foto: Hansa Armaturen GmbH

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Dach

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Gebäudetechnik

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