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Di, Apr

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Die Architekten Martin Henn und Matteo Thun im Gespräch

Menschen

 

Einen Tag pro Woche sind nach einer aktuellen Befragung des ifo-Instituts Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland durchschnittlich im Homeoffice. Weltweit arbeiten die Menschen im Schnitt sogar an 1,5 Tagen von Zuhause. Büroflächen im großen Stil sparen sich daher viele Unternehmen zunehmend ein. Die Inflation, hohe Baukosten und Zinssätze tun ihr Übriges: Der Vermietungsmarkt ist schwach. Nicht nur in Deutschland. Hat das Office also ausgedient? Was muss Büro heute bieten, um morgen noch attraktiv zu sein – und damit Mieter zu begeistern? Was können Entwickler und Architekten bei der Planung von neuen Bürogebäuden aus dem Ausland lernen? Und welchen Einfluss wird KI auf die Arbeitswelt und damit auch auf den Büromarkt haben? Wir haben darüber am Rande des „1. Immobilien-Brunch‘s im Rohbau des neuen Münchner Business-Campus ‚DER bogen‘“ mit Architekt Martin Henn und Interior-Designer Matteo Thun gesprochen. Beide Visionäre realisieren preisgekrönte Projekte auf der ganzen Welt und haben selbst Büros in Deutschland, China, Singapur und Italien. 
 

Hat das Office ausgedient? Die Architekten Martin Henn und Matteo Thun im Gespräch über internationale Wege aus der Immobilienkrise und wie Architekten dabei mitwirken können

Matteo Thun (links) und Martin Henn (rechts) im Rohbau des neuen Münchner Business-Campus „DER bogen“. Bildquelle: DER bogen GmbH & Co. KG / Maxi Rauch
Matteo Thun (links) und Martin Henn (rechts) im Rohbau des neuen Münchner Business-Campus „DER bogen“. Bildquelle: DER bogen GmbH & Co. KG / Maxi Rauch


 
Architekturzeitung: Herr Henn, Herr Thun, wo arbeiten Sie selbst am liebsten: im Homeoffice oder im Büro?
 
Matteo Thun: Unter der Dusche. (lacht) Dort bin ich ganz mit mir selbst, ohne sekundäre Einflüsse von außen. In der absoluten Isolation habe ich die besten Intuitionen.
 
Martin Henn: Ich bin gerne umringt von meinem Team. Bei mir ist es also genau das Gegenteil (lacht): Ich brauche die absolute Interaktion. 
 
Matteo Thun zu Martin Henn: Du hast natürlich recht. Die beste Art zu arbeiten ist interdisziplinär zu arbeiten, versammelt um einen großen Tisch mit hochkompetenten Mitarbeitern. 
 
Martin Henn: Ich glaube, man braucht beides. Momente, in denen man hoch konzentriert arbeitet und dann aber auch wieder den Austausch. 
 
Architekturzeitung: Sie arbeiten beide auf internationalem Parkett. Gibt es für Ihre Mitarbeiter in Mailand, Peking oder Shanghai bezüglich des Arbeitsortes und der Arbeitszeiten unterschiedliche Büro-Kulturen? 
 
Martin Henn: In China gibt es das Homeoffice quasi nicht. Hier in Deutschland hingegen wird es auch von unseren Mitarbeitenden in Maßen eingefordert und wir ermöglichen das auch. Wobei ich ungern von Homeoffice spreche, sondern lieber von mobilem Arbeiten. Das kann also auch im Zug sein oder von einem anderen Ort aus. Unser Kraftzentrum ist aber das Büro. Wenn jemand nur Zuhause arbeiten will, dann sind wir für ihn oder sie nicht der richtige Arbeitgeber.
Was die Arbeitszeiten betrifft: In Deutschland sind die Mitarbeitenden recht früh gegen neun Uhr im Büro. Sie gehen aber auch früher. In China ist der Beginn morgens etwas weicher, dafür wird jedoch auch deutlich länger gearbeitet – oft bis in die Nacht hinein. 
 
Matteo Thun: Wir hatten 20 Jahre ein Büro in Shanghai und haben nach den ersten Corona-Monaten verstanden, dass es keinen Sinn macht, es zu halten. Seitdem arbeiten alle chinesischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in einem Mailänder Designbüro. Dort starten sie gegen zehn Uhr morgens und arbeiten bis 19 Uhr. In München wiederum beginnt der Arbeitstag gegen halb neun und endet entsprechend früher am Abend. 
 
Architekturzeitung: Herr Thun, Sie realisieren weltweit individuelle Bauprojekte für Privat-Häuser, Hotellerie und Gastronomie, für Spitäler sowie Kliniken und eben auch für inspirierende Arbeitsplätze in Bürogebäuden. Ihr Architektur- und Designbüro ist bekannt für seine zukunftsorientierte Perspektive und die Suche nach respektvollen Lösungen für Mensch und Natur. Wie wirken sich die Arbeitsplatzkulturen in den verschiedenen Ländern auf Ihre Herangehensweise an die Bürogestaltung dort aus? 
 
Matteo Thun: In der Frage steckt bereits die Antwort. Die Seele des Ortes ist in München anders als in Mailand, in Mailand anders als in Bologna oder Rom und komplett anders als in Berlin oder Frankfurt am Main. Vor diesem Hintergrund müssen wir Architekten herausfinden: Was ist die Seele der jeweiligen Stadt oder Gemeinde, eines Stadtteils oder einer Straße? Im Grunde genommen sind wir Rechtsanwälte, Ärzte, Psychologen und Hochbauingenieure. Das ist nicht immer einfach. 
 
Architekturzeitung: Herr Henn, Ihr Architekturbüro ist seit über 75 Jahren im In- und Ausland tätig. Sie bieten unter anderem auch ‚Workplace Strategy‘ an, entwickeln also neue Arbeitswelten. Welche Trends gibt es derzeit in der internationalen Büroentwicklung?
 
Martin Henn: Zwei große Themen sind hier aktuell beherrschend. Erstens erfährt das Büro weltweit eine Transformation von einem Ort der Arbeit hin zu einem Ort des Austauschs und der Kollaboration. Dementsprechend legen wir bei der Planung von Bürowelten das Augenmerk verstärkt auf die Flächen für Zusammenarbeit und Interaktion. Zudem werden sogenannte „Third Places“ immer wichtiger. Das sind Orte, an denen informeller Austausch und ungeplante Kommunikation stattfinden. 
 
Das zweite große Thema ist die Hybridisierung der physischen und virtuellen Räume und wie diese zu einem Gesamterlebnis verschmelzen können. Oft ist es ja heute noch so, dass bei Meetings, an denen Menschen virtuell teilnehmen, technische Probleme auftauchen. Künftig sollte das sehr viel einfacher gehen und es wird selbstverständlich werden, Leute virtuell und spontan zuzuschalten. 
 
Business-Campus in München: „DER bogen“. Bildquelle: DER bogen GmbH & Co. KG / Maxi Rauch
Business-Campus in München: „DER bogen“. Bildquelle: DER bogen GmbH & Co. KG / Maxi Rauch
Architekturzeitung: Aktuell arbeiten Ihre beiden Büros an der Umsetzung eines neuen Business-Campus in München: „DER bogen“. Ihre erste Zusammenarbeit? 
 
Matteo Thun: Es ist unsere erste Zusammenarbeit und ich würde mir wünschen, dass wir weiterhin miteinander arbeiten können. 
 
Martin Henn: Das unterstreiche ich absolut. Ich habe mein erstes Praktikum bei Zaha Hadid absolviert. Damals war die Welt noch ein bisschen anders. Es gab die geniale Architektin oder den genialen Architekten, die haben eine Skizze gemacht und das Team musste sie richtig interpretieren und ausführen. Heute glauben wir daran, dass gute Architektur Team-Arbeit ist. Dafür braucht es eine kollektive Intelligenz. Bei uns war es bisher immer so: Wenn wir mit anderen Architekten oder Architektinnen kollaboriert haben, hat sich stets die Qualität noch verbessert. Denn es entsteht immer noch einmal eine andere Perspektive, eine andere Haltung, eine noch stärkere Auseinandersetzung und ein noch intensiverer Diskurs. Insofern sehe ich das als Zukunftsmodell für Architektur. Das ist hierzulande noch nicht so gängig, weil die meisten Architekturbüros sehr auf sich selbst fokussiert arbeiten. Wir bei HENN sind sehr offen für Kollaborationen. Und im Fall von „DER bogen“ hat das hervorragend funktioniert. Ich würde mich deshalb auch sehr freuen, wenn wir mit dem Büro von Matteo Thun künftig öfter zusammenarbeiten könnten.
Business-Campus in München: „DER bogen“. Bildquelle: DER bogen GmbH & Co. KG / Maxi Rauch
Business-Campus in München: „DER bogen“. Bildquelle: DER bogen GmbH & Co. KG / Maxi Rauch
 
Architekturzeitung: Das Konzept für den Neubau ist 2018 entstanden – also lange vor Corona. Haben Sie Ihre jeweiligen Pläne für „DER bogen“ während der Pandemie verändert? 
 
Martin Henn: Gar nicht. Weil das Gebäude von vornherein so anpassungsfähig geplant war, dass es auf neue Situationen wie Corona und seine Folgen reagieren kann – ebenso wie auf andere Ereignisse, die eventuell noch kommen werden. Vielleicht wird es hier in 20, 30 Jahren keine Büros, sondern Labore oder etwas ganz anderes geben. Ein Bürogebäude, das heute gebaut wird, sollte Veränderungen aushalten können. 
 
Architekturzeitung: „DER bogen“ bietet zudem mehr als Büroflächen. Spielt das bei möglichen Veränderungen auch eine Rolle? 
 
Matteo Thun: Wir haben bei „DER bogen“ auf ein deutliches Individualisierungsprinzip für den Nutzer gesetzt. So gibt es vier komplett verschiedene Foyers, die vier verschiedene Targets generieren. Das heißt, die Mieter können sich nicht nur über ihre individuell gestalteten Büros, sondern auch über ihren spezifischen Eingang identifizieren. 
 
Darüber hinaus sind Food und Beverage auf höchstem Niveau im Haus geplant. Es gibt ein Restaurant und eine Bar, einen Nahversorger, ein Fitnessstudio und weitere Geschäfte die öffentlich zugänglich sind. Und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können mit dem Fahrrad kommen, sich duschen und ihre Fahrradkleidung verstauen. Das klingt sehr peripher. Es sind aber zentrale Momente für die langfristige Nutzung eines Gebäudes.
 
Architekturzeitung: Corona, Ukrainekrieg, Rohstoffmangel, Fachkräftemangel, höhere Baukosten, steigende Zinsen, Inflation: Die (Bau-)Welt hat sich seit 2018 stark verändert. Unternehmen benötigen heute weniger Flächen als noch vor fünf Jahren und passen sich zudem wirtschaftlich an die Situation an. Entwickler und Eigentümer haben es heute also sehr viel schwerer, Büros zu vermieten. Was ist Ihre Antwort auf dieses Problem?
 
Martin Henn: Wenn es momentan aus Sicht der Projektentwickler nicht brummt, dann müssen sie sich die Frage stellen, wie sie dennoch erfolgreich Projekte realisieren können. Wir als Architekten und Architektinnen sind bei der Lösung dieser Probleme der kleinste Hebel. Ökonomische Umstände beeinflussen das viel stärker. Aber wir können gemeinsam mit den Entwicklern den Fokus darauf lenken, eine Vielfalt hinsichtlich der Programmierung eines Gebäudes herzustellen. Wir können Angebote entwickeln, die nicht generisch und austauschbar sind. Da ist „DER bogen“ erneut ein gutes Beispiel. Die Antwort lautet: Weg von Monofunktionen, hin zu Nutzungsvielfalt und Integration ins städtische Gefüge. Dadurch werden Anreize für Mitarbeitende geschaffen, ins Büro zu gehen. 
 
Viele Entwickler und Entwicklerinnen, mit denen ich spreche, bezeichnen die aktuelle Situation als einen entschlackenden Moment. Das heißt, dass diejenigen, die bisher auf einem niedrigen Qualitätsniveau entwickeln, den Markt jetzt verlassen werden. Diejenigen, die qualitativ hochwertige Projekte entwickeln, werden diese Situation hingegen überleben. Da können Architekten und Architektinnen gute Dialogpartner sein – auch, weil sie in der Lage sind, im städtebaulichen Maßstab zu denken. 
 
Matteo Thun: Ich kann dem nur hinzufügen: Wir Architekten leben ja vom Erfolg der Dinge, die wir machen. Wäre „DER bogen“ also in Unterhaching (Anm. der Redaktion: Gemeinde bei München) und nicht im Münchner Stadtteil Bogenhausen entstanden, hätten wir von Matteo Thun & Partners diesen Job abgelehnt. Weil die Voraussetzungen in Unterhaching in der aktuellen Zeit nicht gegeben wären, dieses Projekt erfolgreich zu vermieten. 
 
Architekturzeitung: Das Homeoffice hat viele Vorteile. Vor allem spart es jede Menge Zeit, zum Beispiel für die Arbeitswege. Was kann ein Büro Mitarbeitenden bieten, was sie zu Hause nicht finden – oder besser: Was sollte es bieten? 
 
Matteo Thun: Man spricht seit geraumer Zeit von der 5-Minuten-Stadt. Das heißt, Städte werden polyzentral. Nehmen wir „DER bogen“: Diese Location wird ein neues Zentrum innerhalb der Umgebung darstellen. Das Shopping-Erlebnis und das Food-and-Beverage-Erlebnis werden also im neuen Zentrum rund um den neuen Business-Campus stattfinden. Und das ist wichtig.
 
Wir erleben beispielsweise in den USA Leerstand im Retail-Sektor. Aus einem ganz einfachen Grund: Wenn niemand mehr ins Büro geht, dann kauft auch niemand mehr vor oder nach der Arbeit im Laden daneben ein. Das aber ist grundlegend für das soziale Gefüge. Denn beim Einkaufen entsteht zwischenmenschliche Interaktion. Deshalb sind die Bars in Italien oder die Pubs in London so wichtig: Es sind soziale Orte, an denen sich die Menschen in den Pausen oder nach Feierabend treffen.  
 
Es gibt also ganz unterschiedliche Gründe, warum wir Ansporn bieten müssen, dass Mitarbeitende an fünf Tagen ins Office gehen – und zwar gerne. Büros sollten auch deshalb mehr bieten als nur Büros.
 
Architekturzeitung: Probleme in der Vermietung haben nicht nur Neu-, sondern auch Bestandsbauten. Nehmen wir die USA: Mancherorts sind ganze Büroareale verwaist. Haben Sie Antworten darauf, diesen Trend umzukehren?
 
Matteo Thun: Das haben wir auch in Deutschland schon. Nehmen wir das Beispiel Frankfurt am Main City. Die fehlenden sozialen Räume, kaum Grün und die fehlenden Piazze haben dazu geführt, dass es in Frankfurt eine regelrechte Büroimplosion gegeben hat. 
 
Martin Henn: Natürlich können wir als Architekten und Architektinnen diese Leerstände nicht beheben. Aber wir können versuchen, Monokulturen zu vermeiden. Und wir können aus der Vergangenheit lernen. Hierzulande, vor allem aber in den USA wurden in den 1980er- und 1990er-Jahren häufig sogenannte CBDs, also Central Business Districts gebaut, in denen ausschließlich Büros untergebracht sind. Von neun bis 17 Uhr herrscht dort Leben, danach Stille. Das sind Phänomene, die man heute nicht wiederholen würde. 
 
Trotzdem muss man sich nun mit dem hohen Leerstand beschäftigen. In den USA werden deshalb kaum neue Büros geplant und gebaut. Vielmehr setzt man sich dort mit der Frage auseinander, wie die vorhandenen Offices schlau umgenutzt werden können – beispielsweise in Wohnungen oder kommerzielle Nutzungen. 
 
Architekturzeitung: Ein ganz anderes Thema, aber ein ähnlicher Kerngedanke: KI wird die Arbeitswelt in den kommenden Jahren massiv verändern. Braucht es künftig überhaupt noch große Bürokomplexe wie „DER bogen“? 
 
Matteo Thun: Das Baby ist eben erst geboren. Wir können uns noch nicht ultimativ zu KI äußern. Aber der Ersatz von Mitarbeitern, ihrer Kreativität, ihrer Erfahrung und der interdisziplinäre Austausch von Know-how wird in der nächsten Zeit nicht stattfinden. 
 
Martin Henn: Ich sehe diese Entwicklung weder als Bedrohung noch als ein Ersetzen der Mitarbeitenden, sondern als Erweiterung. Das wird die Arbeitslandschaft und auch das, was an Kompetenzen von uns Menschen abverlangt wird, deutlich verändern. Vor allem repetitive Tätigkeiten werden durch KI künftig ersetzt. Was gut ist, denn so können wir uns mit den wesentlichen Themen beschäftigen. Insofern wird es auch weiterhin Büros geben. 
 
Architekturzeitung: Wie wird KI Ihre eigene Arbeit beeinflussen? Wie lange wird es noch Architekten und Interior-Designer geben? Übernehmen künstliche Intelligenzen künftig deren Arbeit?
 
Martin Henn: Wir experimentieren bereits und versuchen auszuloten, welche Potenziale KI mit sich bringt. Es ist unglaublich kraftvoll, den Lösungsraum ganz am Anfang unseres Kreativprozesses aufzumachen und die hohe Anzahl der möglichen Varianten zu sehen. Da kann man tolle Bilder generieren. Aber was wir als Architekten und Architektinnen ja mitbringen, ist ein Abstraktionsvermögen. Das heißt, kreative Ideen auf einen Punkt zu bringen und auch hohe Komplexitäten in etwas ganz Einfaches zu fokussieren. Und das kann KI überhaupt nicht. Denn KI hat kein Bewusstsein, das reflektiert und abwägt. 
 
Deshalb: Ja, es wird viele Jobs wie die Werkplanung nach hinten heraus nicht mehr geben. Vielleicht werden auch Baustellenabläufe automatisiert stattfinden. Aber den kreativen Prozess wird KI nicht ersetzen. 
 
Matteo Thun: Ich bin sehr zuversichtlich, dass KI unsere Arbeit nicht übernehmen wird. Da die Authentizität von der KI nicht gegeben ist. Das heißt: Eine Idee, die bisher nicht existiert, kann nur aus der Dusche kommen. (Lacht)
 
Architekturzeitung: Zwei Fragen zum Schluss: Wenn Sie Ihr Idealbüro frei und ohne Vorgaben gestalten könnten: Wo wäre es und wie würden Sie es konzeptionell anlegen? 
 
Martin Henn: Es wäre mitten in einer Stadt wie München, Berlin, Peking, Shanghai, New York oder Los Angeles. Konzeptionell wüsste ich aber gar nicht, wo ich anfangen soll, weil wir immer für den Nutzer planen. Es ist ja ein Unterschied, ob man ein Herzzentrum plant oder für eine Tech-Company einen Campus gestaltet. Dahinter stehen unterschiedliche Prozesse, Personen und Mentalitäten. Und darauf muss die Architektur reagieren. 
 
Matteo Thun: Ich schließe mich Martin Henn an. Ich möchte im Herzen einer Stadt arbeiten und wohnen. Denn die Erreichbarkeit ist ein Schlüssel des Erfolgs. Und: Ich würde definitiv aus Holz statt Zement bauen.  
 
Architekturzeitung: Herr Thun, Herr Henn, haben Sie vielen Dank für das Gespräch. 

Porträt: Martin Henn, Geschäftsführer und Head of Design bei HENN (Berlin, München, Peking, Shanghai) Martin Henn absolvierte sein Architekturstudium an der Universität Stuttgart sowie an der ETH Zürich, Schweiz, wo er 2006 mit dem Master abschloss. 2008 erhielt er den Master of Advanced Architectural Design an der Columbia University, New York. Bevor er bei HENN anfing, arbeitete er bei Zaha Hadid Architects in London und Asymptote Architecture in New York. Martin Henn ist seit 2008 für das Architekturbüro HENN tätig, seit 2012 als Partner und seit 2017 als Geschäftsführer. Als Head of Design leitet er die Designstudios in Berlin, München, Peking und Shanghai.
 
Porträt: Matteo Thun startete seine Kunst- und Designkarriere als Student an der Salzburger Sommerakademie unter Oskar Kokoschka und Emilio Vedova. Nach dem Architekturstudium an der Universität Florenz gründete er zusammen mit Ettore Sottsass und anderen Mailänder Designern das Büro Sottsass Associati und die Memphis Gruppe. 1983 wurde Matteo Thun als Professor für Produktedesign und Keramik an die Wiener Universität für angewandte Kunst berufen. 1984 gründete er sein eigenes Studio in Mailand und 2001 Matteo Thun & Partners. Das Architektur und Designbüro Matteo Thun & Partners (circa 70 Mitarbeitende) hat seinen Hauptsitz in Mailand und betreibt ein Büro in München. Die Entwürfe von Matteo Thun sind von zeitloser Einfachheit inspiriert und orientieren sich am menschlichen Maßstab. Ästhetische Dauerhaftigkeit, technologische Langlebigkeit und die zukünftige Lebensdauer von Gebäuden und Produkten prägen die Arbeit von Matteo Thun& Partners. Das Unternehmen agiert unter der Leitung von Matteo Thun und seinen fünf Partnern auf internationaler Ebene und entwickelt an den Standorten Mailand und München Projekte in den Bereichen Hospitality und Healthcare, Residential und Office-Design, Retail und Produkt-Design. Für die Architektur-Projekte und die Entwürfe im Produktdesign wurden Matteo Thun & Partners mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet.

Mit der Showcase Factory wurde ein wirksames bauliches Zeichen nach innen wie auch nach außen gesetzt. Fotograf Olaf Mahlstedt

Projekte (d)

Bildquelle: Brigida Gonzalez

Projekte (d)

Der Anspruch einer ökologisch sensiblen Außenbeleuchtung setzte sich bei der Illuminierung des Magazinbaus mit seiner Fassade aus gefalteter Bronze fort. Zur strikten Vermeidung von Skyglow wurde in akribischer Abstimmung mit den Beteiligten und mittels nächtlicher Bemusterungen eine Streiflichtlösung mit Linealuce-Bodeneinbauleuchten erarbeitet. Foto: HG Esch

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Die Boulderhalle im schweizerischen Dübendorf ist ein Treffpunkt von kletterbegeisterten Menschen jeder Altersklasse. Auf 800 Quadratmeter gibt es eine Vielfalt an Boulderwänden und Kletterrouten.

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Retention im Griff: SitaRetention Twist verfügt über einen skalierten Einstellschieber, mit dem sich der Retentionsfaktor exakt justieren lässt – bei Dächern ohne Auflast ebenso, wie bei begrünten Dächern, die mit einem Gründachschacht ausgerüstet werden. Bild: Sita Bauelemente GmbH

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