28
Nov

Digitalisierung in der Baubranche

Fachartikel

 

Building Information Modeling (BIM) ist mehr als eine Möglichkeit der Prozessdigitalisierung. Es ist die Basis für eine kostengünstige und effektive Planung und Realisierung von Bauwerken. Die BIM-Arbeitsweise erlaubt die zentrale Koordination, Kommunikation und Zusammenarbeit von Planern, Baubeteiligten, Herstellern und Bauherren über alle beteiligten Gewerke. Dadurch ergibt sich ein enormes Optimierungspotenzial, sowohl für das Bauprojekt als auch für die Umwelt.

Mit BIM werden Prozesse von der Planung bis zur Ausführung digitalisiert. BIM ist dabei die cloudbasierte zentrale Drehscheibe, auf der die Daten bereitgestellt, vorgehalten und aktualisiert werden. So haben alle Projektbeteiligten jederzeit Zugriff auf die aktuellen Datenstände und können darüber kommunizieren und zusammenarbeiten.

Die Effekte, die dann eintreten, sind Kosten- und Zeitersparnis, die Automatisierung von Standardprozessen sowie die Reduzierung des Risikos, mit veralteten Daten zu arbeiten und Kollisionen erst spät zu erkennen.

BIM - Die Akzeptanz wächst

Wie steht es mit der Akzeptanz der BIM-Methodik im deutschen Bauwesen? Noch vor wenigen Jahren war die Investitionsbereitschaft sehr niedrig. Auch heute stellt sich das Bild ambivalent dar. Viele Unternehmen investieren in die Digitalisierung, während andere Unternehmen noch zögern oder durch Abhängigkeiten von der öffentlichen Hand ausgebremst werden.

Zum heutigen Zeitpunkt ist die HOAI (Honorarordnung für Architekten) noch nicht für alle Leistungsphasen auf BIM angepasst, obwohl sich durch das dreidimensionale Modell, im Sinne des digitalen Zwillings, ein Mehrwert für den Auftraggeber ergibt, der gesondert vergütet werden muss. In der neuen HOAI 2021, die zum 01. Januar 2021 in Kraft trat, findet sich BIM lediglich als Besondere Leistung in der Leistungsphase 2 zur Objektüberwachung wieder. Daher wird z.B. auf der Build-Ing.-Plattform empfohlen, Leistungen wie die Erstellung von BIM-Modellen, 3D-Scanning oder Nachmodellierung von Bauteilen in der Angebotsphase mit anzufragen. (Quelle: www.build-ing.de/fachartikel/detail). Dieses erhöht die Akzeptanz und stellt auch für kleinere Büros einen Anreiz dar.

Die Impulse durch die Regierung helfen bei der Akzeptanz. So regelt die DIN EN ISO 19650 die Organisation und Digitalisierung von Informationen zu Bauwerken und Ingenieurleistungen einschließlich der Bauwerksinformationsmodellierung. Aber auch auf europäischer Ebene wird die Finanzierung von Bauwerken an den ökologischen Fußabdruck gekoppelt und macht damit die digitale Bearbeitung unabdingbar. Ebenso erhöht sich auch der Druck aus der Industrie, da Auftraggeber vermehrt die BIM-Technologie zwingend vorschreiben. Im internationalen Vergleich setzen Länder wie Skandinavien und Großbritannien bereits BIM verpflichtend ein. Umso wichtiger ist es, dass ein Umdenken erfolgt und die Digitalisierung als Teil der Lösung anerkannt wird.

Die Gesamtheit eines Bauwerkes in allen Lebenszyklen

Bereits in der Planungsphase werden in der BIM-Arbeitsweise alle relevanten Informationen zentral bereitgestellt. Daraus entwickelt sich in den folgenden Prozessen ein 3D-Modell, auf das alle Beteiligten zugreifen können. Diese vernetzte Vorgehensweise gewährleistet, dass die Daten aktuell gehalten und die Prozesse optimal koordiniert werden können.

Dabei spannt sich der Bogen immer weiter und kann zum einen Geoinformationssysteme (GIS) erfassen, deren Grundlagendaten die Basis für die Erschließungsplanung darstellen. Die Informationen aus Landschaft und Geografie liegen der Bauplanung zugrunde. Baupläne können visualisiert werden und für eine bessere Orientierung der Entscheider sorgen. Außerdem werden das Gebäudeumfeld wie Infrastruktur und Verkehr berücksichtigt: Die Verkehrslast bestimmt zum Beispiel die Bauklasse.

Auch Hersteller und Zulieferer können in die Kette integriert werden: Diese werden idealerweise früh eingebunden, da Standardprodukte am Bau oft nicht mehr ausreichen. Werden Hersteller in BIM integriert, entsteht eine Verbindung zwischen ihren oft bereits digitalen Prozessen und jenen der Bauwelt. Auch Zulieferer haben Nachholbedarf, um ihren Datenverkehr mit Technologie und Prozessen in der Bauwirtschaft zu verknüpfen.

Die Vernetzung zeigt sich auch im Zusammenwachsen von BIM und Internet of Things: Hier messen zum Beispiel Sensoren den Zustand der Ausstattung von Gebäuden und können Daten über Feuchtigkeit, Temperatur oder Erschütterungen liefern. Das Optimierungspotenzial reicht damit von der Baustelle bis zum Facility Management.

Mit BIM können alle also weiterführenden Prozesse über die Gebäudeplanung hinaus berücksichtigt werden: Seien es Kosten, Zeit, Controlling, Personalplanung, Revisionen mit Ausschreibungen und Umplanungen: Das bedeutet, dass die Planunterlagen nach dem Bau sinnvoll weitergenutzt werden. Die drei Dimensionen des Modells werden zu 6D, wenn unter dem Nachhaltigkeitsfokus Daten aus Simulationen des Energieverbrauchs eingepflegt werden und zu 7D, wenn das Modell für das Facility Management erweitert wird.

Die BIM-Implementierung

Die Common Data Environment (CDE) stellt die Datenplattform für das Gebäudemodell dar. Der IFC-Standard erlaubt darauf als gemeinschaftliches Datenformat den neutralen Datenaustausch zwischen verschiedenen Softwareprodukten unterschiedlicher Hersteller. Dies alles, abgewickelt über den Cloud-Dienst mit unbegrenztem Speicherplatz, ermöglicht den orts- und zeitunabhängigen Datenzugriff.

Fragen bei der BIM-Implementierung lauten oft: Ist die Zeit vorhanden? Müssen dafür Projekte liegen gelassen werden? Wie hoch sind die Investitionen in Personal und IT? Dabei muss nicht nur das Thema BIM-Arbeitsweise und seine Terminologie verstanden werden, sondern auch die dafür erforderliche Software selbst. Wichtig ist es, die Menschen abzuholen und mitzunehmen und die Schritte des Ablaufplans zu verinnerlichen. Ein stufenweises Vorgehen bietet sich an, und es ist zentral, die Ergebnisse im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses zu evaluieren. Übrigens: Der Staat fördert bei der BIM-Implementierung Beratung bzw. Schulung.

Fazit

Mit BIM ist ein Gebäude mehr als die Summe seiner Teile: Die Zukunft weist den Weg von der reinen Modellierung und Visualisierung hin zu einer vernetzten Zusammenarbeit. BIM verbessert die Qualität von Bauprojekten und minimiert den Aufwand für alle Beteiligten. Zudem können alle Lebensphasen eines Gebäudes von der Planung bis zum Facility Management abgewickelt werden.


Autor
Maike Kunze, Account Manager AEC Contelos GmbH, www.contelos.de


Dietmar Eberle von Baumschlager Eberle

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