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Di, Mai

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Hotel Hirschen in Schwarzenberg: Licht, Holz und Innenarchitektur im Badehaus Einleitung

In Vorarlberg gilt die gebaute Zurückhaltung seit Langem als die anspruchsvollere Form der Selbstbehauptung. Man zeigt dort lieber Haltung als Geste, lieber Fügung als Spektakel. Das neue Badehaus des Hotel Hirschen in Schwarzenberg folgt genau dieser örtlichen Disziplin. Es will nicht auffallen, jedenfalls nicht im lauten Sinn. Und gerade deshalb fällt es auf. Mitten im denkmalgeschützten Ortskern ergänzt der 2024 fertiggestellte Bau das historische Ensemble des Hauses um einen stillen, sorgfältig gesetzten Ort für Rückzug, Wärme und verlangsamte Wahrnehmung.

Entworfen von NONA Architektinnen aus Bezau, nimmt der Bau die regionale Formensprache ernst, ohne in Heimattümelei zu kippen. Die an traditionelle Walmformen erinnernde Dachfigur, das feingliedrige Holzkleid mit beweglichen Lamellen, die kontrollierte Öffnung zum Garten und die ruhige Gliederung der Innenräume zeigen einen Bau, der dem Dorf nicht in die Parade fährt. Er schiebt sich nicht dazwischen, sondern hört zunächst einmal zu. Genau an diesem Punkt beginnt auch die Qualität des Lichtkonzepts, das Barbara Gilhaus-Sturn mit ARCHILUM gemeinsam mit Deltalight entwickelt hat: nicht als nachträgliche Ausstattung, sondern als präzise Fortsetzung der Architektur mit anderen Mitteln.

Dimmbare Strahler und Downlights von Deltalight erzeugen entblendete Lichtszenen und hohen visuellen Komfort in Spa- und Ruhezonen des Badehauses. Foto: Jessica Machon
Dimmbare Strahler und Downlights von Deltalight erzeugen entblendete Lichtszenen und hohen visuellen Komfort in Spa- und Ruhezonen des Badehauses. Foto: Jessica Machon

Ein Haus, das dem Ort nicht in die Quere kommt

Das Hotel Hirschen ist kein Solitär, sondern ein gewachsenes Gefüge aus Stammhaus, Wälderhaus und nun eben Badehaus. Diese Konstellation ist wichtig, weil sie die Maßstäblichkeit bestimmt. Der Neubau musste also mehr können, als nur zusätzliche Nutzfläche für Sauna, Massage, Ruhezonen und Gartenbezug zu organisieren. Er musste einen eigenen Ton finden, ohne die vorhandenen Stimmen zu übertönen.

Genau darin liegt seine baukulturelle Bedeutung. Das Holz der Fassade wirkt nicht dekorativ, sondern atmosphärisch wirksam. Je nach Sonnenstand zeichnen die Lamellen feine Schatten über die Oberflächen; am Morgen erscheint der Bau beinahe durchsichtig, gegen Abend dichter und schwerer. Man sieht kein Gebäude, das sich inszeniert, sondern eines, das Wetter, Licht und Jahreszeit mitspielen lässt. In einer Zeit, in der Wellnessarchitektur gern nach Effekt und Eindeutigkeit riecht, fast immer ein wenig nach Prospekt und ätherischem Öl, bleibt dieses Haus angenehm nüchtern. Es setzt auf den langen Blick, nicht auf den schnellen Eindruck.

Die Holzoberflächen prägen die naturnahe Stimmung der Ruheräume. Zum reduzierten Interior-Design passen dezente, zugleich präsente Wandleuchten der Serie Hedra von Deltalight, hier in Schwarz. Foto: Jessica Machon
Die Holzoberflächen prägen die naturnahe Stimmung der Ruheräume. Zum reduzierten Interior-Design passen dezente, zugleich präsente Wandleuchten der Serie Hedra von Deltalight, hier in Schwarz. Foto: Jessica Machon

Das Holzkleid als räumlicher Filter

Die Qualität des Badehauses liegt weniger in einzelnen Motiven als in den Übergängen. Außen und innen stehen nicht als Gegensätze gegeneinander, sondern werden über Filter, Schwellen und Lichtwechsel miteinander verknüpft. Große Glasflächen und Oberlichter holen Tageslicht tief in den Bau, ohne die Räume zu entblößen. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Transparenz bedeutet hier nicht Ausstellung, sondern dosierte Öffnung. Man blickt in den Garten, auf Himmel, auf gefiltertes Grün und auf Holzoberflächen, die das Licht weich zurückwerfen. Nichts glänzt schrill. Selbst helle Zonen haben etwas Gedämpftes, als läge immer ein Rest von Ruhe auf ihnen.

Gerade für die Innenarchitektur ist diese Abstufung entscheidend. Ruheräume, Sauna und Behandlungsbereiche leben nicht nur von ihrer Funktion, sondern vom Wechsel zwischen Enge und Weite, Helligkeit und Verdunkelung, Wärme und der kühleren Präsenz von Glas oder mineralischen Flächen. Der Körper liest solche Unterschiede schneller als jeder Grundriss. Man spürt sie am Schrittmaß, an der Temperatur der Oberflächen, am Nachhall des Raums. Wenn das Badehaus überzeugt, dann auch deshalb, weil diese leibliche Dimension nicht durchgestylt, sondern genau beobachtet worden ist.

Ein Oberlicht bringt großzügig Tageslicht ins Badehaus, während Einbauleuchten der Serie Spy blendfreies Akzentlicht setzen. Foto: Angela Lamprecht
Ein Oberlicht bringt großzügig Tageslicht ins Badehaus, während Einbauleuchten der Serie Spy blendfreies Akzentlicht setzen. Foto: Angela Lamprecht

Licht gegen die Höhle

Barbara Gilhaus-Sturn beschreibt Licht nicht bloß als technische Notwendigkeit, sondern als atmosphärisches Medium. Dieser Ansatz ist im Badehaus unmittelbar nachvollziehbar. Die künstliche Beleuchtung orientiert sich am Verlauf des Tageslichts: tagsüber höhere Lichtniveaus, die innenliegende Bereiche öffnen und ihnen jene dumpfe Höhlenwirkung nehmen, die Spa-Räume so oft unerquicklich macht; am Abend dagegen ein gedimmtes, zunehmend wärmeres Licht, das den Rückzug unterstützt, ohne sentimental zu werden.

Diese Idee klingt einfach, ist aber im architektonischen Alltag erstaunlich selten so konsequent umgesetzt. Allzu oft werden Wellnessbereiche entweder überleuchtet, als müsse man dort operative Eingriffe erwarten, oder ins Halbdunkel getaucht, das dann sofort als Stimmung verkauft wird. Hier geschieht etwas Präziseres. Das Licht modelliert den Raum, ohne sich selbst zum Ereignis zu machen. Die eingesetzten Dim-to-Warm-Leuchten verändern ihre Lichtfarbe beim Herunterdimmen in Richtung eines warmen Abendspektrums. Dadurch entsteht jene leichte Verschiebung ins Bernsteinfarbene, die Holz tiefer wirken lässt, Haut freundlicher und die Luft beinahe schwerer. Man könnte kitschig werden und von Lagerfeuererinnerung sprechen. Das Projekt bleibt klüger: Es ruft diese Erinnerung ab, ohne sie auszustellen.

Über eine zentrale Wendeltreppe aus Massivholz gelangen die Gäste zu den oberen Ruheräumen. Die nach oben und unten abstrahlenden Wandleuchten der Serie Hedra von Deltalight verbinden Funktion und Ästhetik und akzentuieren das Material Holz. Foto: Jessica Machon
Über eine zentrale Wendeltreppe aus Massivholz gelangen die Gäste zu den oberen Ruheräumen. Die nach oben und unten abstrahlenden Wandleuchten der Serie Hedra von Deltalight verbinden Funktion und Ästhetik und akzentuieren das Material Holz. Foto: Jessica Machon

Präzision ohne Blendung

Dass die Beleuchtung ruhig wirkt, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis technischer Disziplin. Im Badehaus kommen warmtonige, dimmbare Strahler aus der SPY-39-Familie sowie Deep-Ringo-Downlights zum Einsatz. Entscheidend ist dabei weniger der Produktname als die räumliche Wirkung: Die Leuchten halten das Licht aus dem direkten Blickfeld, reduzieren Blendung und setzen Helligkeit dort frei, wo sie für Orientierung, Sicherheit und Atmosphäre gebraucht wird. Gerade in Spa-Zonen ist das eine heikle Aufgabe. Zu viel Akzent zerstört die Ruhe, zu wenig Präzision lässt Räume diffus und unerquicklich wirken.

Bemerkenswert ist, dass für das Projekt eine spezielle Konfiguration entwickelt wurde, die später in das reguläre Sortiment von Deltalight übernommen wurde. Das spricht für einen Planungsprozess, der nicht einfach aus dem Katalog bedient wurde, sondern auf den Ort reagierte. Hier zeigt sich eine erfreulich unprätentiöse Form von Zusammenarbeit: Bauherrschaft, Lichtplanung und Hersteller arbeiteten nicht an einem Showroom für Leuchten, sondern an einem Haus, dessen Atmosphäre aus der Genauigkeit kleiner Entscheidungen entsteht. Das ist vielleicht die unspektakulärste und damit schönste Form von Innovation.

Blick in das Rooftop-Loft im Wälderhaus. Auch die Suiten sind durchgängig mit Deltalight-Leuchten ausgestattet, unter anderem mit warmtonigen, dimmbaren Strahlern der Spy-Familie. Foto: Jessica Machon
Blick in das Rooftop-Loft im Wälderhaus. Auch die Suiten sind durchgängig mit Deltalight-Leuchten ausgestattet, unter anderem mit warmtonigen, dimmbaren Strahlern der Spy-Familie. Foto: Jessica Machon

Innenarchitektur der leisen Übergänge

Die eigentliche Stärke des Badehauses liegt in seiner Verweigerung des Überdeutlichen. Es gibt keine theatrale Dunkelheit, keine demonstrative Materialschlacht, keine jener peinlich ernsten Gesten, mit denen Entspannung heute gern inszeniert wird. Stattdessen entsteht Ruhe aus der Abstimmung von Licht, Holz, Proportion und Wegeführung. Die Innenarchitektur bleibt dabei eng an die Logik des Hauses gebunden. Möblierung und räumliche Gliederung ordnen sich einem Gesamtbild unter, das nicht dekorativ, sondern tektonisch wirkt.

Holz spielt darin die Hauptrolle, jedoch nicht als rustikale Behauptung von Regionalität. Seine Wirkung entfaltet sich über Oberfläche, Maserung, Lichtaufnahme und Geruch. Bei warmem Kunstlicht wird es dichter, beinahe samtig; im Tageslicht zeigt es seine lineare Präzision und die Handwerklichkeit der Fügung. Das Material spricht also zweimal: einmal optisch, einmal atmosphärisch. Dazwischen liegen Glas, Öffnungen und Lamellen, die Blicke lenken, dämpfen oder freigeben. Man könnte sagen, dieses Badehaus organisiert nicht nur Räume, sondern Zustände. Und zwar ohne pädagogischen Zeigefinger.

Deltalight zielt darauf ab, Räumen mit Licht eine klare Struktur, Tiefe und Atmosphäre zu geben. In Suiten und Apartments des Wälderhauses leuchten Spy-Strahler in Weiß. Foto: Jessica Machon
Deltalight zielt darauf ab, Räumen mit Licht eine klare Struktur, Tiefe und Atmosphäre zu geben. In Suiten und Apartments des Wälderhauses leuchten Spy-Strahler in Weiß. Foto: Jessica Machon

Fazit

Das Badehaus des Hotel Hirschen ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Baukultur jenseits des Spektakels fortschreiben lässt. Der Bau fügt dem Ensemble nicht bloß eine neue Funktion hinzu, sondern erweitert seine Haltung. Architektur, Lichtplanung und Innenarchitektur arbeiten hier nicht nebeneinander her, sondern verdichten sich zu einer gemeinsamen räumlichen Sprache. Deltalight und ARCHILUM haben dafür kein Effektlicht geliefert, sondern ein präzises Instrumentarium, das den Charakter des Hauses lesbar macht: still, warm, kontrolliert und in jeder Hinsicht ortsbewusst.

Gerade darin liegt die Qualität dieses Projekts. Es verwechselt Ruhe nicht mit Beliebigkeit und Atmosphäre nicht mit Dekoration. Das Licht macht die Holzarchitektur erfahrbar, die Architektur gibt dem Licht Richtung, und der Ort behält trotz aller zeitgenössischen Präzision seine Würde. Mehr darf man von einem Badehaus eigentlich kaum verlangen. Weniger wäre allerdings sofort spürbar gewesen.

deltalight.com

Daten und Fakten

Projekt
Hotel Hirschen

Standort
Hof 14, 6867 Schwarzenberg, Vorarlberg

Beteiligte
Bauherrschaft: Peter und Pia Fetz
Architektur: NONA Architektinnen, Bezau
Lichtplanung: ARCHILUM e.U.
Verbaute Leuchten von Deltalight: Hedra, Spy, Deep Ringo

Zeitraum
Planung: Mai 2019 bis Mai 2023
Ausführung: November 2023 bis Mai 2024

Grundstücksgröße
Stammhaus, Wälderhaus und Badehaus: 3.690 m²
Wälderhaus und Badehaus: 2.538 m²

Nutzfläche
Badehaus: 503,50 m²
Wälderhaus: 1.418,80 m²

Bruttogrundfläche (BGF)
Badehaus: 670 m²
Wälderhaus: 1.937 m²

Bruttorauminhalt (BRI)
Badehaus: 2.261,75 m³
Wälderhaus: 5.879,84 m³

Bebaute Fläche
Badehaus: 102,00 m²
Pool: 67,43 m²
Wälderhaus (Bestand): 365,50 m²
Stammhaus (Bestand): 434,40 m²


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