Die Außenhülle aus 4.700 Glasscheiben in der Form eines Schiffes oder einer Wolke und das Dach samt Trägerstruktur aus Aluminium umgeben eine Innenkonstruktion aus Beton: Das Klimahaus Bremerhaven setzt einen besonderen Akzent am Alten Hafen. Ebenso einzigartig wie das Äußere ist auch die Wissens- und Erlebniswelt rund um die Themen Klima, Klimawandel und Wetter in seinem Inneren. Und seit diesem Frühjahr zeigt die neue Ausstellung „Wetterextreme“ auf drei Etagen, die über eine bewegliche Hubplattform erreicht werden, wie sich die Klimaerwärmung auf Extremwetterlagen auswirkt. Hierfür kommt modernste Technik zum Einsatz, die von einer smarten Gebäudeautomation (BMS) gesteuert wird. Nachdem der Smart Building Solutioneer Kieback&Peter bereits die Bestandsautomation installiert hatte, stammt auch das BMS für die neue Ausstellung vom Bremer Team.

Ob nun Wolke oder Schiff, das 2009 eröffnete Klimahaus Bremerhaven ist in seiner Konstruktion eine Besonderheit, die der Feder des Bremer Architekten Thomas Klumpp, der auch das Universum in Bremen gestaltet hat, entstammt. Die 10.000 Quadratmeter große Glashülle besteht aus verschieden geformten Glasscheiben, die auf 125 Metern Länge, 82 Metern Breite und fast 30 Metern Höhe mit nur wenigen Millimetern Toleranz zusammengesetzt wurden. Die 1.200 Tonnen schwere Unterkonstruktion greift mit Spanten und Stringen Elemente aus dem Schiffbau auf und umschließt das Gebäude. Auf den 11.500 m² (von 18.800 m² Bruttogesamtfläche) öffentlich zugänglicher Ausstellungsfläche bietet sich dem Besucher eine aufwendige Inszenierung diverser Themenwelten zu Klima, Wetter und Klimawandel. Die übrigen Flächen nehmen vor allem die Ausstellungstechnik – wie beispielsweise die riesigen Wasseraufbereitungsanlagen für die drei Großaquarien ein. Der gesamte Innenraum misst 160.400 Kubikmeter.

Dem Bereich Wetterextreme widmet sich nun die neue Ausstellung, die Interessierte seit Frühjahr 2025 besuchen können. Auf der beweglichen Hubplattform „Uplift“ fahren sie an diversen Extremwetterszenarien vorbei, während es donnert, stürmt und regnet. So erleben sie hautnah, wie sich die Auswirkungen des Klimawandels anfühlen und was die weiteren Folgen sind: extreme Hitze, Überschwemmungen, Dürre, Waldbrände, Stürme und Starkregenereignisse etc. Ergänzt wird das Angebot durch interaktive Stationen, an denen Experten und Augenzeugen berichten.

Besucher der neuen Ausstellung „Wetterextreme“ des Klimahauses Bremerhaven erleben hautnah die Auswirkungen des Klimawandels, indem sie in Szenarien wie große Hitze, Starkregenereignisse oder Wirbelstürme über die Hubplattform „Uplift“ auf drei Ebenen eintauchen und mehr über sie erfahren. Die hollywoodreifen Showeffekte werden durch die Automationssonderlösungen von Kieback&Peter unterstützt. Bildquelle: Kieback&Peter GmbH & Co.KG
Digitale Gebäudeautomation für „Wetterextreme“ im Klimahaus Bremerhaven
Bereits die Bestandsautomation des Klimahauses Bremerhaven stammt von Kieback&Peter, einem traditionsreichen Unternehmen im Smart-Building-Sektor. Der problemlosen Anknüpfung und Integration der Automation „Neutrino-GLT“ für die neue Ausstellung „Wetterextreme“ stand demnach nichts im Weg. In „Wetterextreme“ verschmelzen Besuchererlebnis und Gebäudetechnik zu einer immersiven Inszenierung. Digital gesteuerte Effekte ermöglichen es den Gästen, Wetterphänomene wie Stürme, Starkregen oder Hitzewellen unmittelbar zu erleben. Die Gebäudeautomation von Kieback&Peter synchronisiert dabei präzise eine Vielzahl technischer Anlagen, die in enger Abstimmung mit dem Storyboard der einzelnen Showbereiche arbeiten. Effekte wie Sturm oder Regen managt das Gewerk Showtechnik.

Hierfür erzeugen leistungsstarke Ventilatoren realistische Wirbelstürme, während ein geschlossenes Wassermanagementsystem Regen- und Niederschlagsszenarien simuliert. Das Wasser wird in einer Umkehrosmoseanlage aufbereitet, wodurch Salze und Mikroorganismen entfernt werden, um die technischen Komponenten zu schützen. Für ein schnelles Abziehen des Nebels nach diversen Extremwetterszenen sorgt die Gebäudeautomation von Kieback&Peter durch die Ansteuerung der entsprechenden Lüftungsklappen sowie Belüftungsventilatoren auf Kommando des Showtechnik-Controllers. Die Kommunikation zwischen Showtechnik und Automation läuft über eine BACnet-IP/KNX-Schnittstelle, realisiert durch ein Universal-Gateway von MBS.

350 Datenpunkte und MSR-Technik für die neue Ausstellung
In weniger als einem halben Jahr hat das Kieback&Peter-Team aus Bremen die Installation von rund 350 physischen Datenpunkten realisiert. Diese Datenpunkte beinhalten eine Vielzahl von Sensoren und Aktoren für die Lüftungsanlage, darunter Kanaltemperaturfühler, Kanaldrucksensoren, Frostschutzwächter, Kanalrauchmelder, Feuchtefühler sowie Stellmotoren für Lüftungsklappen. Durch diese umfassende Mess-, Steuer- und Regeltechnik (MSR) wird eine optimale Überwachung der gesamten Ausstellung gewährleistet.

Eine Extremwetterlage: Auch Hitze, Dürre und Waldbrände treten wesentlich häufiger durch den Klimawandel auf. Das hängt mit dem Temperaturanstieg zusammen, durch den Wetterlagen öfter schleppend und träge werden. Bildquelle: Kieback&Peter GmbH & Co.KG
Neben den Systemen für die Bühneninszenierungen übernimmt die Gebäudeautomation auch die Be- und Entlüftung, die Einhaltung der Brandschutzvorschriften sowie die Regelung der energieeffizienten Heiz- und Kühlkonvektoren. Hierfür hat das Expertenteam zu den bestehenden Automationsschwerpunkten (ASP) zwei neue ASPs mit DDC-Controllern der Serie DDC4000 installiert. Sie richteten einen neuen ASP direkt am Lüftungsgerät im 3. Obergeschoss ein, der als zentrales Steuerungselement der MSR-Technik für die Ausstellung „Wetterextreme“ fungiert. Über die Controller dieses ASPs werden Lüftungsregelung, Brandabschnittssteuerung, unterstützende Systeme wie Druckerhöhungs- und Umkehrosmoseanlagen sowie verschiedene Split-Klimageräte und die Schnittstellen zur Showtechnik sowie zu den Umluftkonvektoren gesteuert. Des Weiteren bildet der ASP die Schnittstelle zum bestehenden Gebäudemanagement des restlichen Klimahauses Bremerhaven.
Brandschutz und Entrauchung: Hohe Sicherheit durch digitale Systeme
Der zweite neu eingerichtete ASP wurde im Erdgeschoss geplant zur Überwachung des Maschinenraums der Plattform „Uplift“. Sollte ein Brandfall eintreten, wird von hier aus die mechanische Entrauchung über spezielle Ventilatoren eingeleitet. Eine erweiterte brandschutztechnische Lösung war in diesem Fall erforderlich durch die außergewöhnliche Plattformkonstruktion der „Wetterextreme“-Ausstellung, die über drei Ebenen reicht. Erreichen über die Brandmeldeanlage Detektions- oder Alarmmeldungen die Gebäudeautomation, veranlassen die Automationsstationen effektive Brandschutzmaßnahmen: sie steuern Brandschutz-, Entrauchungs- und Rauchschutzklappen sowie Ventilatoren an, um den Rauch abzuziehen und die betroffenen Brandabschnitte abzuriegeln. So verhindert das Automationssystem die Ausbreitung von Feuer und Rauch.

Herzstück der MSR-Technik für die Ausstellung „Wetterextreme“: der neu eingerichtete Automationsschwerpunkt ASP12 in der Lüftungszentrale mit der Raumlufttechnischen Anlage. Auf den hier installierten DDC4000 von Kieback&Peter liegen u.a. die Lüftungsregelung, die verschiedenen Brandabschnitte sowie die Schnittstelle zur Showtechnik und zu den Umluftkonvektoren. Bildquelle: Kieback&Peter GmbH & Co.KG
Klimaschutz und Energieeffizienz: Nachhaltiger Gebäudebetrieb im Klimahaus
Wer den drohenden Klimawandel zu seinem Thema macht, sollte in Sachen Klimaschutz selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Daher vermittelt das Klimahaus Bremerhaven nicht nur Wissen zu diesen brisanten Themen, es setzt auch auf einen nachhaltigen und klimaschonenden Gebäudebetrieb. Bei einer solch umfangreichen und technisch aufwendigen Ausstellungsinszenierung eine große Herausforderung – allein schon durch die drei Großaquarien Pazifik, Antarktis und Kamerun. Das selbst auferlegte Ziel des Edutainment-Centers ist eine CO2-arme Energieversorgung durch seine komplexe energieeffiziente und ressourcenschonende Technik und deren Gebäudeautomation. Ökostrom steht dabei an erster Stelle. Die im Klimahaus genutzte elektrische Energie stammt aus zertifizierten regenerativen Quellen wie Wind- und Wasserkraft. Eine eigene Solaranlage auf dem Glasdach der „Havenplaza“ vor dem Haupteingang deckt zusätzlich einen Teil des Strombedarfs. Außerdem hat das Klimahaus einen Fernwärmanschluss: Die Wärme wird durch Kraft-Wärme-Kopplung im Bremerhavener Müllheizkraftwerk gewonnen. Ein Teil dieser Wärme wird über eine Spezialanlage in Kälte umgewandelt.

Über die intuitiv bedienbare Visualisierung des Gebäudemanagementsystems Neutrino-GLT von Kieback&Peter lassen sich sämtliche Anlagenzustände der TGA des Klimahauses Bremerhaven überprüfen und regeln. Bildquelle: Kieback&Peter GmbH & Co.KG
Zum Einsatz kommen zudem „grüne“ Technologien wie Betonkernaktivierung – dabei wird die Nachtkühle in den Betonbauteilen des Hauses gespeichert und tagsüber zur Klimatisierung genutzt. Und ein Teil der Energie zur Klimatisierung der Ausstellungen ist geothermischen Ursprungs und kommt von 450 der insgesamt 770 Gründungspfähle.
Zur Maximierung der Energieeffizienz verknüpft und digitalisiert die installierte Gebäudeleittechnik „Neutrino-GLT“ von Kieback&Peter sämtliche Technologien. Auf der Managementebene visualisiert und überwacht die Gebäudeautomation den Gebäudebetrieb in Echtzeit.
Fazit
Auf 11.500 Quadratmetern interaktiver Ausstellungsfläche können Groß und Klein unterschiedliche Klimazonen entlang des achten Längengrades Ost ergründen und erfahren die Zusammenhänge zwischen Wetter und Klima sowie die Hintergründe der Klimaveränderung.
Das Klimahaus in Bremerhaven zeigt auf einprägsame Weise, was jeder einzelne zum Klimaschutz beitragen kann. Auch die neue Ausstellung „Wetterextreme“ unterstreicht die Vorreiterrolle des Klimahauses Bremerhaven in Bezug auf die nachhaltige Vermittlung von Klimaschutzwissen bei gleichzeitigem Einsatz energieeffizienter und ressourcenschonender Technologien im Gebäudebetrieb.
Die ausgeklügelten Gebäudeautomationslösungen von Kieback&Peter tragen auf der einen Seite ausschlaggebend zu einem sicheren, spannenden und ereignisreichen Klimahausbesuch bei. Auf der anderen Seite maximieren sie die Energieeffizienz und Nachhaltigkeit der TGA des Klimahauses. Durch das Zusammenspiel von Gebäudeautomation und moderner Gebäudetechnologie lässt sich der Energieverbrauch deutlich senken – und gleichzeitig entstehen eindrucksvolle Inszenierungen, die die Auswirkungen des Klimawandels erlebbar machen. Somit leistet das Klimahaus Bremerhaven auf zweifache Weise Klimaschutz: durch Bildungsarbeit und Wissensvermittlung sowie durch den Einsatz intelligenter, ressourcenschonender digitaler Systeme.
Bildquelle: Kieback&Peter GmbH & Co.KG
Autor: David Padlo, Kieback&Peter GmbH & Co.KG, www.kieback-peter.de
Technischer Projektleiter Gebäudemanagementsysteme
Beruflicher Werdegang:
• Ausbildung Elektroniker für Betriebstechnik
• Bachelor of Engineering Elektrotechnik an der Fachhochschule Bremen
• 3 Jahre Technische Projektassistenz und Abschlussarbeit bei Kieback&Peter
• Seit 2021 Technischer Projektleiter bei Kieback&Peter