12
Nov

Schale aus Ziegel, Carbontextil und Betonmörtel

Der Klinkerpavillon ist das neue Wahrzeichen vor dem Ausstellungszentrum des Hagemeister Ziegelwerks. Mit einer Verbindung aus Ziegel, Carbontextil sowie Betonmörtel konnte eine tragfähige „Schale“ mit einer weiten Auskragung realisiert werden. Foto: Karl Banski

Hochbau

 

Vor den Türen des Hagemeister Ziegelwerks zieht ein besonderes Bauwerk die Blicke der Besucher auf sich: ein Pavillon aus Klinker. Die in Zusammenarbeit mit Professor Peter Böhm, Studierenden der Hochschule Trier und Bildhauer Martin Kleppe entworfene und erbaute sogenannte „Ziegelschale“ bietet eine ganz neue Konstruktionsweise. Mit einer Verbindung aus Ziegel, Carbontextil sowie Betonmörtel konnte eine tragfähige, nur 7 Zentimeter dicke „Schale“ mit einer weiten Auskragung realisiert werden. Eine zukunftsweisende Bauart, die es ermöglicht, auch andere Baukörper und Formen zu kreieren, die es bisher in der Klinker-Architektur in dieser Art noch nicht gab.

„Das Carbontextil korrodiert nicht und man kann damit sehr schlanke Schalentragwerke bauen. Diesen Hochleistungsbeton haben wir mit dem hochfesten Baustoff Klinker kombiniert, der sehr große Drucklasten aufnehmen kann und witterungsbeständig ist“, sagt Bildhauer und Lehrbeauftragter Martin Kleppe. Foto: Karl Banski
„Das Carbontextil korrodiert nicht und man kann damit sehr schlanke Schalentragwerke bauen. Diesen Hochleistungsbeton haben wir mit dem hochfesten Baustoff Klinker kombiniert, der sehr große Drucklasten aufnehmen kann und witterungsbeständig ist“, sagt Bildhauer und Lehrbeauftragter Martin Kleppe. Foto: Karl Banski

 

Die Ziegelschale ist aus einer Kooperation zwischen Lehre und Industrie entstanden. Seit mehreren Jahren unterstützt das Nottulner Klinkerwerk eine Stiftungsprofessur von Peter Böhm und seine Studierende an der Hochschule Trier. Neben gemeinsamen Workshops und Exkursionen im Klinkerwerk, bei denen der Werkstoff in der Praxis kennengelernt werden konnte, sind aus der Zusammenarbeit auch schon zahlreiche Ideen und Produkte entstanden – eine Idee war die des Klinkerpavillons.

Zwei Öffnungen links und rechts in der Ziegelschale weiten den Raum an dieser Stelle auf und geben zudem Ein- und Ausblick auf die gestaltete Freifläche sowie das Firmengelände von Hagemeister. Foto: Karl Banski
Zwei Öffnungen links und rechts in der Ziegelschale weiten den Raum an dieser Stelle auf und geben zudem Ein- und Ausblick auf die gestaltete Freifläche sowie das Firmengelände von Hagemeister. Foto: Karl Banski

 

Studierende des Fachbereichs Architektur an der Hochschule Trier haben sich der spannenden Aufgabe gewidmet den Baustoff Klinker und seine Verwendung neu erleben. Inspiriert von der Arbeit bedeutender Architekten wie Frei Otto und Eladio Dieste, war die Grundform des Pavillons schnell gefunden. Daraufhin wurde ein Modell entwickelt, dass die Leistungsfähigkeit des Ziegels in Kombination mit Textilbeton unterstreicht. „Wir haben uns für einen Entwurf entschieden, der die Stärke des Klinkers am meisten unterstützt und von uns Studierenden am besten umsetzbar ist“, sagt Christoph Heib, verantwortlicher Architekturstudent. Das Besondere an der Sache: Die Konstruktion misst insgesamt nur eine Materialstärke von etwa 7 Zentimeter Dicke.

Durch die Verwendung eines Spaltklinkers mit rund 3 Zentimeter Materialstärke wird die Optik einer monolithischen Ziegelschicht bewahrt. Die Spaltklinker wurden nach statistischen Berechnungen teils mit einer Kreuzfuge sowie einem komplexen Fischgrätverband vermauert. Foto: Karl Banski
Durch die Verwendung eines Spaltklinkers mit rund 3 Zentimeter Materialstärke wird die Optik einer monolithischen Ziegelschicht bewahrt. Die Spaltklinker wurden nach statistischen Berechnungen teils mit einer Kreuzfuge sowie einem komplexen Fischgrätverband vermauert. Foto: Karl Banski

 

Die tragfähige, dünne Schale wird rein äußerlich als reine Ziegelschale wahrgenommen. Das Carbontextil sowie der Betonmörtel bleiben im Inneren verdeckt. Der Vorteil der besonderen Kombination dieser Baustoffe liegt für Martin Kleppe, Bildhauer und Lehrbeauftragter, auf der Hand: „Das Carbontextil korrodiert nicht und man kann damit sehr schlanke Schalentragwerke bauen. Diesen Hochleistungsbeton haben wir mit dem hochfesten Baustoff Klinker kombiniert, der sehr große Drucklasten aufnehmen kann und witterungsbeständig ist. Auch in den nächsten Jahrzehnten wird die Klinkerschale an Schönheit und Qualität nichts einbüßen.“ Die Optik einer „einfachen“ Ziegelschicht wird durch die Verwendung eines Spaltklinkers mit rund 3 cm Materialstärke bewahrt. Seine Rippenstruktur im Inneren bietet sich als Oberflächenvergrößerung an, um die Ziegelschicht möglichst fest mit der Mörtelschicht der Konstruktion zu verbinden. Die Spaltklinker wurden nach statistischen Berechnungen mit einer Kreuzfuge sowie einem komplexen Fischgrätverband vermauert.

Die tragfähige dünne „Schale“ wird von außen als reine Ziegelschale wahrgenommen. Das Carbontextil sowie der Betonmörtel bleiben im Inneren verdeckt. Die Konstruktion misst insgesamt nur eine Materialstärke von etwa 7 cm Dicke. Foto: Karl Banski
Die tragfähige dünne „Schale“ wird von außen als reine Ziegelschale wahrgenommen. Das Carbontextil sowie der Betonmörtel bleiben im Inneren verdeckt. Die Konstruktion misst insgesamt nur eine Materialstärke von etwa 7 cm Dicke. Foto: Karl Banski

 

Mehrere Laborversuche mit Versuchsplatten veranschaulichten die Druck- bzw. die Zuglasten, die auf den Ziegel und das Textil treffen können. So kann diese Konstruktion bis zu 186 Tonnen zentriert auf den Punkt aushalten. „Der Pavillon ist so konstruiert, dass die statischen Kraftlinien der Form nachgeben. Die Auskragung lässt die Zugkräfte, die in dieser Konstruktion auch möglich sind, sichtbar werden“, weist Professor Peter Böhm auf die besondere Formgebung hin.

Die Form der Ziegelschale verjüngt sich zum Ausstellungszentrum und öffnet sich zur umliegenden Landschaft. So wird der Charakter eines symbolischen Portals erzeugt. Foto: Hagemeister GmbH und Co. KG
Die Form der Ziegelschale verjüngt sich zum Ausstellungszentrum und öffnet sich zur umliegenden Landschaft. So wird der Charakter eines symbolischen Portals erzeugt. Foto: Hagemeister GmbH und Co. KG

 

Der auskragende Teil des neuen Wahrzeichens hin zur Bundesstraße ist besonders auffällig, zwei Öffnungen links und rechts in der Ziegelschale weiten den Raum an diesen Stellen auf und geben Ein- und Ausblick auf die gestaltete Freifläche sowie das Firmengelände. Im Gegensatz zu Beton hat der Klinker eine witterungsfeste Oberfläche, die auch noch in Jahrzehnten eine sehr hochwertige Qualität bietet. Die Konstruktion aus Ziegel und Textilbeton bietet ganz neue Möglichkeiten fließende, organische Formen in der Architektur von morgen auszugestalten. „Wir sind sehr dankbar, dass wir als Ziegelhersteller die Gelegenheit hatten, innerhalb dieses Projektes unseren Baustoff und seine Verwendung ganz neu zu erleben. Wir versprechen uns aus den Erkenntnissen, dass damit in Zukunft neue Formen und Bauwerke aus Klinker geschaffen werden können“, resümiert Christina Hagemeister das Ergebnis und die Zusammenarbeit mit der Hochschule Trier. Auch für die Studierenden der Hochschule Trier war diese Arbeit etwas ganz Besonderes. „Für uns war dieses Projekt sehr interessant, da wir vom ersten Bleistiftstrich bis zum Aufbau und Einweihung der Ziegelschale auf alles aktiv Einfluss nehmen konnten. Das ist nicht üblich im Hochschulalltag und ein Alleinstellungsmerkmal für die Hochschule Trier“, sagt Christoph Heib.

Hagemeister Ziegelwerk,www.hagemeister.de

 


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Dank des standardisierten, sich wiederholenden Montageprozesses waren die Öffnungen bereits nach zehn Arbeitstagen komplett geschlossen, sodass mit den Innenarbeiten begonnen werden konnte. Parallel dazu wurden die Lichtbänder bauseitig umlaufend gedämmt und zum Schluss Eindeckrahmen und Abdeckbleche montiert. Diese garantieren eine dauerhaft zuverlässige Wind- und Regendichtheit. Fotos: Velux

Dach

Fotograf: Przemysław Niecki Pion Studio

Einrichtung

EPS-Flachdach-Dämmplatte und integrierter Leckageortungsfunktion

Wärmedämmung

Quelle: ClipDealer

Planung

LÄRCHE Breitdiele von mafi. Foto: Maurizio Marcato / mafi

Innenausbau

Neugestalteter Parkplatz vor dem Buerotrakt Foto: Dietmar Strauss

Projekte (d)

Das breite Produktportfolio von Kusch+Co ermöglicht eine durchgängige und stimmige Möblierung im Campus Charité Mitte, Bettenhaus. Der warme Holzton Esche Cognac findet sich in den unterschiedlichsten Räumen und Einrichtungssegmenten wieder. Foto: Kusch+Co, Anke Müllerklein

Einrichtung

Bild links: Boris Savelev, Zwei Schatten, Moskau, 1990, UltraStable Pigmentdruck auf Polyester, Blatt: 41,7 x 60 cm. Bild rechts: Ulrich Wüst, Berlin. Betriebspoliklinik EAW, Mai '85, 1985, aus der Serie: Notizen, 1984-1986, Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier, Blatt: 20 x 13,5 cm

Termine

Innenliegendes Labor mit Ganzglastür fecotür G10. Fotograf: Jens Kirchner

Innenausbau

Airport Seating ist eine der Kernkompetenzen von Kusch+Co. An Design, Qualität und Langzeitnutzen werden hier besondere Anforderungen seitens der Airportbetreiber gestellt. Passanten genießen im Wartebereich des Terminal 2 des Frankfurt Airport nun eine gewisse Privatsphäre und viel Komfort – dank der neuen Bestuhlung von Kusch+Co. Zum Einsatz kommt das Wartebanksystem 8000 (Design: Studio F. A. Porsche). Foto: Kusch+Co

Einrichtung

Foto: Thomas Meyer/OSTKREUZ

Fassade

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