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Fr, Okt

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Hotel aquaTurm mit Photovoltaik-Fassade

Fassade

Gebäude mit besonders niedrigem Energiebedarf lassen sich schon heute ausschließlich über regenerative Energien versorgen. Eine vorgehängte hinterlüftete Photovoltaik-Fassade trägt gleich mehrfach dazu bei: Das System dämmt, erzeugt Strom und schützt zudem die Bausubstanz. Beim aquaTurm in Radolfzell fügt es sich wie ein Puzzleteil in die vielen anderen Maßnahmen zur Energiegewinnung und Ressourceneffizienz – und so gelingt die umweltfreundliche Energieversorgung sogar bei einem Hotel. Das Hotel wurde vom damaligen Umweltminister Sigmar Gabriel mit dem selten vergebenen Gütesiegel als »Demonstrationsanlage der Bundesrepublik Deutschland« ausgezeichnet, da es im »nachhaltigen Bauen im gewerblichen Nutzungsbereich neue Maßstäbe setzt«.

Die neue Landmarke für Radolfzell: der aquaTurm
Der über 50 Meter hohe Hotelturm basiert auf einem alten Wasserturm und dient künftig als Hotel
700 Photovoltaik-Glaspaneele des System »StoVentec ARTline Inlay« erzeugen rund 39.000 Kilowattstunden Strom jährlich

Das weltweit erste Hochhaus, das weniger Energie verbraucht, als es selbst produziert, steht in Radolfzell. Dort hat die Familie Räffle, die zugleich Bauherr und Investor ist, den historischen Wasserturm des alten Milchwerks in ein wahrhaft herausragendes High-Tech-Hotel verwandelt und im April 2017 eröffnet. Der nun über 50 Meter hohe aquaTurm ist das zweithöchste Gebäude der Stadt am Bodensee. Seine faszinierenden energetischen Eigenschaften, die als Modellprojekt vom Bundesumweltministerium gefördert wurden, basieren auf extrem hoher Effizienz (geringe Verbräuche) und einem ausgeklügelten Mehrfachkonzept regenerativer Energiegewinnung. In den 14 Geschossen des spiegelnden Hotelturms stehen künftig 15 Doppelzimmer, vier Einzelzimmer und die Zeller-Spa-Suite im obersten Stockwerk für Gäste bereit. Vor dem Turm unterstreichen neun Elektro-»Tank«-Stellen für Autos und E-Bikes die Zukunftsorientierung des Bau- und Nutzungskonzepts. Neben eine modernen Windkraftanlage und Photovolatik-Fassadenummantelung nutzt das Gebäude ein hybrides Heiz- und Kühlsystem sowie Geothermie und sogar der Aufzug arbeitet mit Energierückgewinnung.

Von der Zeller-Spa-Suite im obersten Stockwerk genießen Gäste einen beeindruckenden Blick auf Radolfzell und den Bodensee

Energieeffiziente Gebäude können die für Heizung, Warmwasser und sonstige Haustechnik benötigte Energie zu einem großen Teil von der Sonne beziehen. »StoVentec ARTline Inlay« integriert beide Schlüsseltechnologien der Energiewende in ein Produkt: Eine Mineralwolledämmung sorgt unter der vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) für einen niedrigen Heizwärmebedarf, die darüber liegenden 700 Quadratmeter mit Photovoltaik-Glaspaneelen erzeugen aktiv Strom (voraussichtlich über 39.000 Kilowattstunden pro Jahr) und dienen zudem als Wetterschale für die Fassade. Eine vierköpfige Familie in Mitteleuropa verbraucht übrigens durchschnittlich zirka 4.500 Kilowattstunden pro Jahr. Neben der Photovoltaik gewinnt der aquaTurm Energie aus Windkraft, Solar- und Geothermie, wobei letztere die Temperatur des Grundwassers nutzt und sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen des Gebäudes dient. Ob die Energieverbräuche und Erträge auch während der realen Nutzung als Hotel den Berechnungen entsprechen, wird während der nächsten drei Jahre kontinuierlich gemessen und überwacht. So lange wird der Betrieb des Gebäudes wissenschaftlich begleitet und dokumentiert, sowie – falls notwendig – optimiert.

Bei der Gestaltung der Innenräume kamen nur ökologische Baustoffe und möglichst lokale oder regionale Kräfte zum Einsatz

Im Rahmen des umfassenden Nachhaltigkeits-Konzepts kamen nur ökologische Baustoffe und möglichst lokale oder regionale Kräfte zum Einsatz. So wurden zum Beispiel mit einem nahe gelegenen Betrieb spezielle Fenster entwickelt, die den ehrgeizigen Passivhausstandard nochmals um 30 Prozent unterbieten. Moderne Lüftungsanlagen sorgen ständig für frische, feinstaub- und pollenfreie Luft, wobei über 90 Prozent der Wärme aus der verbrauchten Luft zurückgewonnen werden. Die Toiletten werden mit gespeichertem Regenwasser gespült. Im Hotel-Inneren finden sich Echthölzer und recycelte Holzwerkstoffe, Natursteine und die sparsamsten Wasserhähne der Welt (0,6 l/min). Die Wände wurden mit Kalk und Ton verputzt. Im Treppenhaus galt es dabei, eine besondere Hürde zu nehmen: Da dort nicht geheizt wird, um keine Energie zu verschwenden, besteht die Gefahr der Kondenswasserbildung. Das war jedoch mit dem mineralischen Regulierputzsystem »StoCalceFunctio« in den Griff zu bekommen. Es übertrifft selbst Lehmputze um mehr als 50 Prozent in der Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen, zwischenzuspeichern und später beim Lüften schnell wieder abzugeben. Seine von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa gemeinsam mit Sto entwickelten Grundputze und Innenspachtel vereinen die positiven Eigenschaften von Kalk und Lehm und sind frei von Konservierungsmitteln. Zudem sind sie im Gegensatz zu vielen anderen Naturprodukten wasser- und abriebfest und können so einfach wie gewöhnliche Kalkputze verarbeitet – und überarbeitet – werden. Sie reduzieren Schwankungen der Luftfeuchte und beugen Problemen mit kondensierender Feuchte vor.

Bautafel

Projekt: Hotel aquaTurm, Radolfzell

Architekt: Norman Räffle, Radolfzell

Vorgehängtes hinterlüftetes Fassadensystem (StoVentec ARTline Inlay), Innen-Regulierputz-System (StoCalce), Innenfarben

Fachhandwerker: Jürgen Räffle Wohnungsbau, Radolfzell

Fotos: kuhnle + knödler fotodesign, Radolfzell / Sto SE & Co. KGaA


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