Glas gilt als Synonym für Transparenz, Leichtigkeit und Offenheit. Doch so beeindruckend seine physikalischen Eigenschaften auch sind – Glas wirkt oft kühl, distanziert, fast steril. Dem kann mit Holzinlets im Scheibenzwischenraum entgegengewirkt werden. Im Gespräch erläutert Armin Lang, Vertriebsleiter und Architektenberater bei OKALUX, wie Holz im Glas Fassaden und Räume verändert.

Optimale Bedingungen für Dokumente und angenehme Atmosphäre für Nutzer: Das Archivo Histórico Provincial de Guadalajara mit OKAWOOD von OKALUX. Foto: Javier Azurmendi
INTERVIEW
Architekturzeitung: Herr Lang, Holz im Scheibenzwischenraum ist mehr als ein dekoratives Detail. Welche Wirkung hat es auf Raumstimmung und visuellen Komfort – also Licht, Blendung und Privatheit?
Armin Lang: Durch die Verbindung von technischer Präzision mit der emotionalen Wärme eines Naturmaterials eröffnen sich Architekten neue gestalterische Dimensionen: Räume, die von Licht durchflutet, aber atmosphärisch neutral wirken, gewinnen eine spürbare Wärme und Behaglichkeit. Zudem gewährleisten die Holzstäbe einen selektiven Blendschutz in Abhängigkeit von Sonnenstand und Einfallswinkel. Je nach Anordnung der Stäbe lässt sich auch ein Sichtschutz individuell planen.

Das Gebäude der Landessparkasse in Delmenhorst schafft den Spagat zwischen Transparenz und Privatheit: Der Baukörper besticht durch großzügige Fensterfronten und gewährleistet gleichzeitig Diskretion. Nachts wird das in die Holzlamellen eingefräste Logo dezent beleuchtet. Foto: Architekturfotografie Frank Aussieker
Architekturzeitung: Was muss das Holz im Scheibenzwischenraum technisch leisten, damit das Isolierglas langfristig funktioniert – und auf welche Holzarten haben Sie sich nach Ihren Tests festgelegt?
Armin Lang: Die Anforderungen an das im Scheibenzwischenraum verbaute Holz sind sehr hoch. Um unsere Qualitätsstandards zu erfüllen, darf beispielsweise keinerlei Feuchtigkeit diffundieren, da die Scheibe sonst von innen beschlägt. Auch sollte das Holz nicht nachträglich harzen oder ölen und sehr formstabil sein. Wir haben bei OKALUX über 100 Holzarten getestet. Übrig geblieben sind lediglich drei: Abachi, White Seraya und Buche.
Architekturzeitung: Wenn ein Planer zwischen Abachi, White Seraya und Buche wählt: Woran erkennt man die Unterschiede im fertigen Glas, vor allem hinsichtlich Farbe und Struktur?
Armin Lang: Unterschiede sind vor allem in der Farbigkeit erkennbar: Während Abachi eher hell erscheint und Buche eher dunkel, liegt White Seraya in etwa in der Mitte. Zudem gibt es leichte optische Differenzen bei den Maserungen.

Science Museum Oklahoma: Bei diesem bemerkenswerten Projekt wurden die Holzinlets in einer vertikalen Anordnung eingebaut. Diese Lösung verbessert die Tageslichtbeleuchtung, bietet effektiven Sonnenschutz und bringt eine natürliche Materialästhetik in den Raum. Foto: Gray City Studios
Architekturzeitung: In der Praxis werden Holzinlets oft mit Metalllamellen oder Kapillaren verglichen. Worin unterscheiden sich Funktion, Lichtwirkung und Sommerkomfort dieser Einlagen?
Armin Lang: Lamellen aus Metall haben eine ähnliche Funktion wie Holzeinlagen: Sie sorgen für partiellen Sicht- und Blendschutz und können auch zur Verbesserung des sommerlichen Wärmeschutzes eingesetzt werden. Dabei ist Metall sogar noch effektiver, denn es reflektiert Wärme, während Holz den Energieeintrag vor allem durch seine Geometrie reduziert. Große Unterschiede gibt es zwischen diesen beiden Werkstoffen aber vor allem bei der Lichtwirkung. Metall wirkt wesentlich kühler.
Kapillare hingegen haben eine komplett andere Wirkungsweise: Sie werden zur Lichtstreuung eingesetzt und bringen viel Tageslicht gleichmäßig und tief in den Raum. Eine Durchsicht ist bei diesen Einlagen dafür nicht oder nur rudimentär gegeben.

New York Presbyterian Hospital David H. Koch Center: Das Holzraster bietet nicht nur funktionalen Sonnenschutz, es wertet die Fassade auch ästhetisch auf. Foto: Gene Lugo
Architekturzeitung: Konstruktiv gefragt: Welche Konsequenzen haben Holzinlets für Randverbund und Aufbau – und warum entsteht dabei dieser ausgeprägte räumliche Eindruck in der Fassade?
Armin Lang: Grundsätzlich werden bei OKALUX ja ganz verschiedene Materialien in den Scheibenzwischenraum eingesetzt. Entsprechend wird der Randverbund immer individuell auf die Anforderungen des jeweiligen Werkstoffes abgestimmt – das gilt auch für die Holzinlets.
Das ästhetische Erscheinungsbild der Holzeinlagen ist ein wichtiger Aspekt, der uns von anderen Herstellern unterscheidet. Während die Fassadengläser nach innen und außen unverändert bleiben, sorgt das Holz im Scheibenzwischenraum für einen besonders starken 3D-Effekt – das macht es ganz besonders.
Architekturzeitung: Aus Ihrer Projektpraxis: In welchen Gebäudetypen werden Holzinlets besonders häufig eingesetzt, und wofür sind sie dort der entscheidende Baustein?
Armin Lang: Unsere Holzinlets kommen in ganz unterschiedlichen Bereichen zur Anwendung: Das Spektrum reicht von Trennwänden in Büros über die Fassaden von Gesundheits- und Wellnessbauten bis zu Fenstern in Kindergärten.

New York Presbyterian Hospital David H. Koch Center: Das Holzraster bietet nicht nur funktionalen Sonnenschutz, es wertet die Fassade auch ästhetisch auf. Foto: Gene Lugo
Architekturzeitung: Planer möchten Lichtmenge, Blend- und Sichtschutz sowie das Schattenspiel gezielt steuern. Welche Stellschrauben haben sie dabei konkret?
Armin Lang: Die Gestaltungsmöglichkeiten sind sehr groß, denn die Stabzwischenräume lassen sich individuell anpassen. Es ist auch möglich, innerhalb einer Scheibe mit unterschiedlichen Abständen zu arbeiten. So lässt sich beispielsweise gezielt der Sicht- oder Blendschutz an bestimmten Stellen einer Glasscheibe erhöhen oder reduzieren. Hinzu kommt, dass unsere Holzinlets sowohl vertikal als auch horizontal eingesetzt werden können – was für sehr unterschiedliche Erscheinungsbilder sorgt. Wichtig ist daher immer eine individuelle Beratung, die die Anforderungen des jeweiligen Bauvorhabens berücksichtigt.
Architekturzeitung: Nachhaltigkeit wird oft schnell behauptet, aber selten sauber begründet. Welche Punkte sprechen bei Holz im Glas tatsächlich für ein belastbares Nachhaltigkeits- und Betriebskonzept?
Armin Lang: Holz ist ein nachwachsender Werkstoff. Unsere Lösungen sind zudem langlebig, wartungsfrei und am Ende des Lebenszyklus recyclefähig. Ein weiterer Vorteil: Die Scheiben lassen sich reinigen wie ganz normale Isoliergläser. Insofern passt OKAWOOD sehr gut zu Holzbauten, aber auch zu allen Gebäuden, in denen warmes Licht und eine nachhaltige Materialität gefragt sind.
Architekturzeitung: Zum Schluss der Blick nach außen: In welchen Märkten sehen Sie aktuell die stärkste Resonanz – und welche Entwicklungen erwarten Sie als Nächstes?
Armin Lang: Im Moment besetzen wir mit unseren Produkten eine kleine, aber feine Nische. Neben Deutschland und Europa erfreuen sich unsere Holzinlets vor allem in den USA großer Beliebtheit. Natürliche Baumaterialien liegen zurzeit im Trend – insofern sind wir sehr zuversichtlich, dass die Nachfrage weiter steigt.