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Mo, Jun

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AGC startet neue FINEO-Linie für Vakuumisolierglas

Fassade

Im Vorjahr hatte AGC Glass Europe eine zusätzliche Produktionslinie angekündigt. Jetzt hat einer der großen europäischen Glashersteller geliefert: Am Standort Lodelinsart ist die neue Anlage für das Vakuumisolierglas FINEO by AGC in Betrieb gegangen. Die Kapazität soll sich vervierfachen, die Lieferzeit auf zwei Wochen sinken, der Ug-Wert liegt bei bis zu 0,44 W/m²K. AGC setzt damit ein deutliches Zeichen: FINEO soll nun den europäischen Gebäudemarkt in der Breite erreichen.

In Lodelinsart ist eine weltweit weit entwickelte, stark automatisierte Fertigung für Vakuumisolierglas entstanden. Stefan Lips, Sales Director Europe für FINEO, beschreibt die Anlage als Beispiel für eine neue Stufe industrieller Glasproduktion. Begonnen habe man 2019 mit einer Pilotlinie, gewissermaßen Generation 1.0. Heute stehe FINEO bei 3.0, während 5.0 bereits geplant werde. Aus seiner Sicht steht die Technologie noch am Anfang eines tiefgreifenden Wandels in der Verglasung.

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Die industrielle Erweiterung von FINEO soll vor allem wettbewerbsfähigere Preise und ein breiteres Sortiment ermöglichen. Geplant sind zusätzliche Solarbeschichtungen sowie neue Varianten für Einsatzbereiche von der Restaurierung bis zum Neubau. Die lieferbaren Formate reichen von 0,01 Quadratmetern bis 1.600 x 3.000 Millimetern. Technisch bringt die neue Linie mehrere Fortschritte mit. Besonders relevant ist die Evakuierung bei niedrigeren Temperaturen. Dadurch verkürzt sich der Produktionszyklus von zwanzig auf fünfzehn Stunden; perspektivisch sollen zehn Stunden erreichbar sein. Damit kann die Produktionsleistung weiter steigen.

Fertigung nach dem Prinzip „Less is more“

FINEO steht für eine neue Generation von Isolierglas. Zwischen zwei Scheiben liegt ein nur 0,1 Millimeter dünner Vakuumraum. Im Unterschied zu anderen Vakuumgläsern kommt FINEO ohne Evakuierungsöffnung aus, was die sichtbare Beeinträchtigung reduziert. Während der Evakuierung wird der Glasrand hermetisch verschmolzen. So sollen dauerhaft hohe Dämmwerte, Wartungsfreiheit, eine hohe Tageslichttransmission und schlanke Fassadenprofile erhalten bleiben.

Das Vakuumglas erreicht nach Herstellerangaben eine Wärmedämmung auf dem Niveau moderner Dreifachverglasung, ist dabei aber nur etwa ein Viertel so dick und ungefähr halb so schwer. Dadurch lassen sich auch neue Rahmen und Fenster deutlich schlanker ausführen. Der Materialbedarf sinkt entsprechend. Jerome Goubau, FINEO General Manager, verweist darauf, dass diese Eigenschaften den CO₂-Ausstoß sowohl bei der Herstellung als auch im Gebäudebetrieb reduzieren.

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Der Produktionsprozess unterscheidet sich deutlich vom klassischen Aufbau konventioneller Isolierverglasungen. Im Reinraum wird das sogenannte Motherboard, eine große Platte mit 1.605 x 2.500 Millimetern, zunächst in die benötigten Scheibenabschnitte gegliedert, vollständig evakuiert und versiegelt. Weil kein Ventil in das Glas eingesetzt wird, bleibt die komplette Fläche nutzbar. Der Zuschnitt erfolgt erst anschließend.

Auch beim Materialaufbau gibt es einen klaren Unterschied. Herkömmliches Isolierglas besteht aus Glas, Aluminium, Butyl und Polysulfid. FINEO setzt vollständig auf keramische Materialien. Das Produkt ist nach Herstellerangaben zu 100 Prozent recycelbar und kreislauffähig. Alle Komponenten können in den Glasofen zurückgeführt werden.

VIG als Antwort auf Sanierung und Neubau

Europas Gebäudebestand steht unter Druck. Klimaschutz, Energiekosten und Nutzerkomfort erzwingen bessere Hüllen, und die verglasten Flächen gehören dabei zu den sensiblen Punkten. Viele Bestandsgebäude sind schlecht gedämmt. Gleichzeitig ist der Einbau dickerer Isoliergläser oft schwierig. Profile sind zu schlank, das Gewicht wird zum Problem, die Tragfähigkeit setzt Grenzen. Genau hier setzt FINEO an: Das Vakuumglas erreicht die thermische Leistung einer Dreifachverglasung, bleibt aber deutlich dünner und leichter.

Stefan Lips sieht darin besonders bei Restaurierung und Renovierung historischer Fenster einen Vorteil. Die schlanke Randversiegelung und die flexible Formgebung machten FINEO für den Scheibentausch in solchen Anwendungen geeignet. Zugleich eröffne die Vakuumverglasungstechnologie auch im Neubau zusätzliche Marktchancen. Nach Einschätzung des Unternehmens gewinnt Vakuumisolierglas aufgrund seiner belegten Vorteile gegenüber konventionellen Isolierglaslösungen weiter an Bedeutung.

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Nachhaltigkeit als Marktposition

Energielabels werden anspruchsvoller. Kreislaufwirtschaft und Langlebigkeit spielen bei Ausschreibungen und Planungsentscheidungen eine größere Rolle. Vor diesem Hintergrund positioniert das FINEO-Management die Marke als besonders nachhaltige Lösung unter den Isoliergläsern. FINEO wird nach Unternehmensangaben als einziges Vakuumisolierglas in Europa produziert.

Am Standort stehen zudem eigene Beschichtungskapazitäten zur Verfügung. Dadurch können Spezialprodukte wie FINEO Solar Control, FINEO Acoustic sowie brandschutzgeprüfte Varianten in Kombination mit Pyrobel gefertigt werden. Das ermöglicht dünnere Brandschutzlösungen als bisher. Die Floatglasproduktion in Moustier liegt in unmittelbarer Nähe. AGC kann das Floatglas dort herstellen, vor Ort beschichten und ohne lange Transportwege zu FINEO Vakuumglas weiterverarbeiten. Nach Unternehmensangaben soll der ökologische Fußabdruck weiter sinken, unter anderem durch mehr Glasscherben als Recyclingrohstoff, die Elektrifizierung der Produktion und einen höheren Anteil erneuerbarer Energien.

Der Nachhaltigkeitsanspruch zeigt sich auch in den jüngst erhaltenen Nachweisen. FINEO ist laut Unternehmen das erste Vakuumisolierglas mit extern verifizierter Umweltproduktdeklaration durch INIES. In der Low-Carbon-Variante erreicht es einen Wert von 18,9 kg CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter. Außerdem verfügt FINEO über eine EPD der Nationale Milieu Database, die in der niederländischen Bauindustrie stark nachgefragt wird. Langzeittests bestätigen nach Angaben von AGC eine thermische und akustische Leistungsfähigkeit von mehr als sechzig Jahren.

Operations Manager Jean-Charles Dumont formuliert es zugespitzt: Das Ende der Lebensdauer der heutigen Scheiben werde er nicht mehr erleben. Hätte Ludwig XIV. FINEO für Versailles nutzen können, hätte das Glas heute noch seinen ursprünglichen Dämmwert.

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FINEO war nach Unternehmensangaben weltweit der erste VIG-Hersteller mit CE-Kennzeichnung nach ETA 20/0048. Hinzu kommen lokale Zulassungen wie die aBG des DIBt in Deutschland, Avis Technique des CSTB in Frankreich, BCRG in den Niederlanden und ATG in Belgien. Clément Lemoine, Head of Product & Marketing, betont, kein anderer Anbieter könne dies in dieser Form vorweisen. Zugleich weist er darauf hin, dass ein Zertifikat nicht mit einem Prüfbericht gleichzusetzen sei. Maßgeblich sei, ob ein Produkt verlässlich und im industriellen Maßstab geliefert werden könne. FINEO sehe sich dazu in der Lage. Für Planer und Architekten kann das mehr Planungssicherheit, einfachere Nachweise und schnellere Genehmigungsprozesse bedeuten.

Mit der neuen Linie soll FINEO ohne Mindestmengen und ohne Exklusivitätshürden für alle Kunden verfügbar sein. Das Sortiment umfasst inzwischen freie Formen und eignet sich für alle gängigen Rahmentypen. Neben der Produktion will sich FINEO als Informations- und Serviceplattform für die gesamte Wertschöpfungskette positionieren, von Installateuren und Händlern bis zu Architekten und Gebäudeeigentümern. Digitale Werkzeuge wie der FINEO Configurator unterstützen bereits heute Planung und Auslegung. Lips beschreibt dies nicht als Ankündigung, sondern als laufende Praxis: AGC rede nicht nur über Expansion, sondern setze sie um.

Weitere Informationen finden Sie unter www.agc-glass.eu (Unternehmenswebsite), www.agc-yourglass.com (Glas für den Bausektor) und www.agc-automotive.com (für die Automobilindustrie).


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