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Mo, Jun

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Glasfassade der Chambre des Notaires verbindet Altbau und Moderne

Fassade

Mit der Modernisierung der traditionsreichen Chambre des Notaires im Zentrum von Paris wurde ein Gebäude neu gelesen, das seit dem 19. Jahrhundert zur Haussmannschen Stadtlandschaft gehört. Um mehr Offenheit, Tageslicht und räumliche Tiefe zu schaffen, erhielt der Innenhof eine halbmondförmige Glasfassade. Sie macht den Übergang zwischen historischer Substanz und zeitgemäßer Nutzung sichtbar. Eiffage Métal, international erfahrener Fassadenbauer, setzte die anspruchsvolle Konstruktion um. Die gebogenen Isoliergläser fertigte Doering Berlin. Für den Randverbund kam der flexible Abstandhalter Spacer TriSeal Premium Plus zum Einsatz, der die Funktion über alle Geschosse hinweg sichern und damit zur Dauerhaftigkeit der Fassade beitragen soll.

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Haussmannsche Architektur als prägender Rahmen

„Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet die Boulevards von Paris“, schrieb Heinrich Heine einst begeistert. Den radikalen Umbau der damals noch mittelalterlich geprägten Innenstadt erlebte er nicht mehr; Heine starb 1856. Unter Präfekt Georges Eugène Haussmann begann ab 1853 eine groß angelegte, zugleich heftig umstrittene Modernisierung. Tausende alte Gebäude verschwanden, neue Quartiere entstanden. Breite Boulevards, moderne Kanalisation und große Grünanlagen veränderten Paris dauerhaft. Bis heute prägen meist sechsgeschossige Haussmann-Bauten das Stadtbild: helle Kalksteinfassaden, schmiedeeiserne Balkone, geneigte Mansarddächer.

Der Sitz der Pariser Notarkammer an der Avenue Victoria 12 im 1. Arrondissement, auch Hôtel du Châtelet genannt, gilt als markantes Beispiel dieser Architektur. Weil die historische Struktur den heutigen funktionalen und technischen Anforderungen nicht mehr genügte, schrieb die Notarkammer 2019 einen Architektenwettbewerb aus. Das Gebäude sollte offener werden, moderne Arbeitsformen aufnehmen und zugleich mit der historischen Substanz respektvoll umgehen. Auch das Bild eines Berufsstands, der oft als verschlossen wahrgenommen wird, sollte aufgefrischt werden. Pierre Tarrade, Präsident der Notarkammer, beschreibt das Hôtel du Châtelet als Gleichgewicht zwischen Erbe und Moderne, ähnlich dem Notariat selbst: ein Beruf des 21. Jahrhunderts, aber seiner Tradition und seinem öffentlichen Auftrag verpflichtet.

Das Gewinnerkonsortium Atelier Senzu + Lagneau Architectes setzte genau an dieser Schnittstelle an. Historische Elemente blieben erhalten, zugleich wurden Barrieren entfernt. Einbauten, die über Jahrzehnte Licht und räumliche Tiefe blockiert hatten, verschwanden. Dadurch konnte auch das Erdgeschoss wieder offener wirken. Zentraler Eingriff ist die halbmondförmige gläserne Innenhoffassade. Sie folgt der Geometrie des Bestands, erstreckt sich vom Erdgeschoss bis zum 6. Obergeschoss und führt Tageslicht tief in die Räume. Zugleich markiert sie den Übergang von der historischen Vorderseite zu den modernen Arbeitsbereichen im rückwärtigen Gebäudeteil.

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77 gebogene Isoliergläser für 305 Quadratmeter Fassade

Wandrille Marchais, Mitgründer des Architekturbüros Senzu, beschrieb die technische Idee der Glasfassade sinngemäß so: Die Gläser seien gebogen und selbsttragend; genau darin liege die besondere Wirkung dieser Verglasung. Sie komme ohne Pfosten und schwere Strukturen aus, strukturiere Open Space und Arbeitsbereiche klar und bringe zugleich viel Tageslicht in das Gebäude.

Auf jeder Etage werden die gebogenen Isoliergläser von Querstreben aus lackiertem, geschweißtem Stahl mit T-Profil gehalten. Deren Biegeradius entspricht exakt dem Radius der Verglasung. Auf diesen Querstreben sitzt ein Vorhangfassadensystem auf Basis von RAICO THERM+ 56. Die Scheiben liegen auf einem EPDM-Profil, das zugleich Kondensat ableitet. Fixiert wird die Verglasung über ein Pressprofil mit äußerer Abdeckschale. Punktuelle Silikon-Distanzstücke gleichen Toleranzen aus, die durch die gebogene Geometrie entstehen. Eine abschließende Silikonfuge ergänzt die Abdichtung. Die Stoßfugen zwischen den Gläsern werden mit einem Dichtprofil Typ B ausgeführt. In die Tragkonstruktion integrierte Schraubkanäle machten es möglich, die maßgefertigten Aluminium-Deckschalen direkt zu verschrauben, ohne Schweißarbeiten an der Fassade.

Die 77 Isolierglaselemente sind jeweils 35,52 Millimeter stark. Ausgeführt wurden sie als zylindrisch gebogene, konkave Scheiben mit vollständig feingeschliffenen Kanten. Außen bestehen sie aus einem Verbundglas aus 6 Millimeter Floatglas und 6 Millimeter SG CoolLite SKN 176 II, verbunden durch eine 1,52 Millimeter starke PVB-Folie. Hinzu kommen ein 16 Millimeter breiter Abstandhalter Super Spacer TriSeal Premium Plus und innen 6 Millimeter Floatglas. Umlaufend ist eine 12,5 Millimeter hohe Stufe ausgebildet. Die Bogenlänge beträgt 1305 Millimeter, der Innenradius 1000 Millimeter, die Elementhöhe rund 1287 Millimeter.

Oben und unten sind die Scheiben fixiert, die vertikalen Kanten bleiben frei. Die Last wird gleichmäßig über jeweils drei Tragklötze abgetragen. Da die Fassade zugleich den Personenschutz erfüllen muss, wurde sie statisch wie ein Geländer bemessen. Ein Weichkörper-Aufpralltest mit 50 Kilogramm bestätigte die Widerstandsfähigkeit der Konstruktion.

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Toleranzen, Montage und Randverbund

Die halbkreisförmige Innenhoffassade über sieben Geschosse machte die Bauteile stark voneinander abhängig. Bei den gebogenen Isoliergläsern lagen die zulässigen Radiusabweichungen bei bis zu fünf Millimetern, die erlaubten Höhendifferenzen bei bis zu sieben Millimetern. Schon kleine Ungenauigkeiten bei den Glaseinheiten oder bei der Höhenlage der Stahltraversen hätten sich über die Fassadenhöhe summieren können. Benjamin Jourdanne, stellvertretender Betriebsleiter bei DO Bâtiment / Eiffage Métal, erläutert: Ein Millimeter pro Ebene hätte über sieben Geschosse bereits eine spürbare Verschiebung erzeugt. Die Folgen wären Passungsprobleme, ungleichmäßige Klemmkräfte und variierende Silikonfugen gewesen.

Die statischen Anforderungen verschärften diese Sensibilität. Die gebogenen Gläser übernehmen eine absturzsichernde Funktion und sind nur an Kopf- und Fußpunkt gelagert. Dadurch reagieren sie unmittelbar auf Bewegungen der Tragstruktur. Glas kann solche Verformungen kaum aufnehmen. Temperaturbedingte Längenänderungen der Stahltraversen oder minimale Setzungen werden direkt in die Scheiben eingeleitet und können lokale Spannungsspitzen verursachen.

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Carsten Kunert, Standortleitung Doering Berlin GmbH, verweist in diesem Zusammenhang auf die Rolle des flexiblen Abstandhalters. Ein System wie Super Spacer helfe dabei, zulässige Radius- und Höhentoleranzen sicher aufzunehmen. Durch seine Anpassungsfähigkeit an die jeweilige Glasgeometrie könnten lokale Abweichungen im Randbereich ausgeglichen und zusätzliche Spannungen reduziert werden. Damit werde die Funktion des Randverbunds über die gesamte Fassadenhöhe unterstützt.

Auch die Montage ließ wenig Spielraum. Die gebogenen Gläser mussten in radialer Geometrie über alle Geschosse hinweg in exakt abgestimmter Reihenfolge eingebaut werden. Jede Traverse und jedes Glas war ein Einzelstück, dessen Position und Höhenlage festgelegt war. Bereits kleine Abweichungen im Winkel oder in der Lage einer Traverse hätten sich auf das nächste Element übertragen. Fehler bei Reihenfolge, Ausrichtung oder Höhe hätten Kollisionen, wechselnde Fugenbreiten oder unzureichende Klemmung verursachen können. Der Einbau verlangte deshalb eine präzise und fortlaufend kontrollierte Montageabfolge.

Mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,0 W/m²K sorgen die gebogenen Glaselemente im Winter für wirksamen Wärmeschutz. Im Sommer begrenzt die Sonnenschutzbeschichtung mit einem maximalen solaren Energiedurchlassgrad von 38 Prozent die Aufheizung. Eine Lichttransmission von mindestens 45 Prozent soll zugleich ausreichend Tageslicht bei reduzierter Blendung ermöglichen. Auch der Abstandhalter Super Spacer aus dem Hause Edgetech/Quanex trägt zur energetischen Leistung bei.

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Kunert erklärt, Doering Berlin setze bei gebogenen Verglasungen aus mehreren Gründen ausschließlich Super Spacer Abstandhalter ein. Einer davon sei das schaumbasierte, metallfreie System, das Wärmebrücken am Glasrand vermeide. Das werde wichtiger, weil immer mehr Kunden Verglasungen mit anspruchsvollen energetischen Kennwerten spezifizierten.

Gebogene Isolierglaseinheiten stellen zugleich besondere Anforderungen an den Randverbund. Wegen ihrer höheren Biegesteifigkeit reagieren sie empfindlicher auf klimatische Druckschwankungen und temperaturbedingte Längenänderungen. Die daraus entstehenden Pumpbewegungen wirken direkt auf die Dichtungsebene.

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Der silikonbasierte Strukturschaum-Abstandhalter Super Spacer TriSeal Premium Plus besitzt eine niedrige thermische Leitfähigkeit und verbindet Elastizität mit Formgedächtnis. Er nimmt Schubspannungen durch einseitige Erwärmung und klimabedingte Volumenänderungen auf, entlastet die PIB-Primärdichtung und verteilt Kräfte über Haftflächen sowie seitlichen Acrylkleber. Gerade in Klimazonen mit starken Temperaturschwankungen kann dies zur langfristigen Stabilität und Funktion der Isolierglaseinheiten beitragen. Zugleich sollen Gasverlust und Kondensatbildung im Scheibenzwischenraum zuverlässig reduziert werden.

Mike Moran, Vice President Sales bei Edgetech/Quanex, sieht flexible Abstandhaltersysteme bei großformatigen, gekrümmten Fassadengläsern konstruktiv als notwendig an, um Bewegungen kontrolliert aufzunehmen. Super Spacer TriSeal Premium sei für die manuelle Verarbeitung, wie sie bei gebogenen Isolierglaselementen üblich ist, besonders geeignet, da die Polyisobutylen-Primärdichtung bereits werkseitig appliziert werde.


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