19
Jan

Herning Museum of Contemporary Art von Steven Holl Architects

Fassade

 

Das neue Museum für zeitgenössische Kunst in Herning, auf der dänischen Halbinsel Jütland, ist ein skulpturaler Sichtbetonbau mit starker Präsenz. Zugleich ist spürbar, wie feinsinnig und harmonisch das Gebäude auf seine Umgebung abgestimmt wurde.

Der Entwurf von Steven Holl bezieht sich in erster Linie auf die weit zurück reichende Industriegeschichte der Stadt Herning – in der Nachbarschaft lag ehemals eine Hemdenfabrik. Im Grundriss erinnert das Museum an vier ineinander verschlungene Ärmel, die das Gebäude formen. Ihre dynamische Bewegung setzt sich im Außenraum in langgestreckten Grashügeln und großflächigen Wasserbecken fort, zugleich entsteht der Eindruck, das Gebäude wachse aus diesen Landschaftselementen empor. Durch dieses spannungsreiche Wechselspiel gelingt es Steven Holl, das Gelände in den Gebäudekontext einzubinden – Museum und umliegende Landschaft verschmelzen ineinander. Die architektonische Idee des Textilen spiegelt sich nicht nur im Grundriss des Gebäudes, sie ist bis in die Haptik der Fassade spürbar. Die großflächigen Wandscheiben aus weißem Beton sind nicht wie üblich glatt geschalt, sondern zeigen eine bewegte Struktur, die an geknitterten Stoff erinnert. Erzeugt wird dieses Faltenmuster durch das Einlegen von Kunststoffnetzen in die Schalung.

Das Zentrum des Gebäudes bilden zwei großzügige Ausstellungsräume, um die sich Foyer, Konzertsaal, Bibliothek, Büroräume, Café-Restaurant und Open-Air-Bühne gruppieren. Entwurfsprägend sind auch die gewölbten Dachelemente aus Stahlfachwerkträgern, die im Außenraum durch weit ausladende Dachüberstände beeindrucken. Dem Innenraum verleihen sie eine eindrucksvolle Atmosphäre, indem sie mit ihrer konvex gebogenen Untersicht an Stoffbahnen oder Segel erinnern.

Für die natürliche Belichtung der Ausstellungsbereiche wurden die einzelnen Dachsegmente so gegeneinander versetzt, dass große Oberlichter entstehen. Diese wurden mit sandgestrahlten U-Profilgläsern realisiert und einer transluzenten Wärmedämmung von Okalux versehen. Die 40 Millimeter dicke »Okapane«-Kapillareinlage streut das Tageslicht weich in die Ausstellungsräume. Dabei weist die Einlage aus dem synthetischen, glasähnlichen thermoplastischen Kunststoff Polymethylmethacrylat (PMMA) sehr hohe Lichttransmissionswerte auf und schützt die Kunstwerke zugleich vor UV-Strahlung. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde die transluzente Verglasung ebenfalls großflächig an der Außenfassade des Museums in sämtlichen verglasten Bereichen über der Erdgeschossebene eingesetzt. Das einfallende, diffuse Tageslicht verleiht den Ausstellungsräumen eine helle und angenehme Atmosphäre, transparente Glasflächen wie etwa im Foyer und dem Café-Restaurant stellen beim Rund¬gang durch das Museum den Bezug zum Außenraum her.

Okalux GmbH, www.okalux.com

Fotos Thomas Mølvig


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