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Zu Besuch bei Just-Burgeff Architekten in Frankfurt

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Gerade haben sie einen Wettbewerb um die Gestaltung zweier Stadtbahnhaltestellen in Frankfurt gewonnen (AZ berichtete). Die Jury lobte vor allem den skulpturalen Entwurf der Plattformen und Dächer. Auch bei einem anderen aktuellen Projekt, der Modernisierung des WestendGates in Frankfurt, spielen ausdrucksstarke Formen eine große Rolle: Die Fassade wird demnächst in einem abstrahierten Wellenmuster erscheinen und bereits jetzt zieren bis zu sechs Meter hohe Bäume aus Stahl den neuen Eingangsbereich des Büro- und Hotelhochhauses.
AZ war neugierig auf die Architekten, die sich bisher vor allem durch Projekte in Frankfurt am Main einen Namen gemacht haben und besuchte sie vor Ort für ein Interview.

2002 gründeten Malte Just und Till Burgeff in Frankfurt Just/Burgeff Architekten, das derzeit 14 Mitarbeiter beschäftigt. Das Büro befindet sich auf der Kaiserstraße im Frankfurter Rotlichtviertel, zwischen Hauptbahnhof und den Bürotürmen des Finanzdistrikts. Die Gegend zählt zu den sozialen Brennpunkten der Stadt, aber seit ein paar Jahren verändert sich das Bild: Immer mehr vermischen sich die Nachtclubs, Erotikkinos und alten Eckkneipen mit jungen, aufstrebenden Architektur- und Designbüros. Schicke Bars, Restaurants und Showrooms kommen hinzu, eine bunte Mixtur aus Rotlichtmilieu und kreativem In-Viertel entsteht. Das liegt natürlich auch an den (noch) moderaten Mietpreisen. Wir sprachen mit den Gründern und Geschäftsführern Malte Just und Till Burgeff über die Bedeutung dieses heterogenen Umfeldes für ihre Arbeit, über die inspirierende Kraft von Räumen und über Stadtentwicklung in Frankfurt.

AZ: Warum haben Sie in Frankfurt Ihren Standort gesucht? Was macht die Stadt aus?

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Malte Just:
Frankfurt ist als kleinste Großstadt in Deutschland sehr lebendig. Man kommt schnell hin und wieder weg – sie ist eine Transitstadt, die sich alle zehn Jahre erneuert. Das ergibt eine spannende Dynamik, die uns als Architekten sehr reizt.

Till Burgeff: Das kann ich nur unterschreiben, die Schnelligkeit der Veränderung ist schon besonders! Auch im Vergleich zu anderen Großstädten: Ich bin in München aufgewachsen, habe beruflich viel in Hamburg und Berlin zu tun gehabt – aber in Frankfurt ist diese Dynamik am deutlichsten zu spüren. Hier dreht sich alles etwas schneller und man bekommt dadurch mehr Chancen, bei dieser Entwicklung mitzumachen.

AZ: Obwohl die Kaiserstraße noch immer zu den problematischen Ecken in Frankfurt zählt, sind Sie mit Ihrem Büro hierher gezogen. Warum?

Malte Just: Unser Büro war früher in Frankfurt-Sachsenhausen, in einem alten Haus einer Eisenwarenfabrik. Der Bau hatte sehr viel Charakter, aber leider wurde es uns dort mit wachsender Mitarbeiterzahl zu eng. Wir suchten also nach einem adäquaten Ersatz – Räume mit Atmosphäre, eine Umgebung, die beim Arbeiten inspiriert. Wir überlegten: Wo möchte man als Architekt in dieser Stadt sein? Wo kann man vielleicht etwas bewirken und sich in die Entwicklung Frankfurts einbringen? Wir haben zuerst hauptsächlich nach zentralen Orten gesucht, obwohl uns das Bahnhofsviertel am meisten gereizt hat. Dass wir in diesem Bau etwas finden konnten, war großes Glück. Wir haben uns in der Gegend einige Mietobjekte angeschaut, aber keines hatte den Charme dieses Gebäudes. (Anm. d. Red.: Das Büro befindet sich an der Kaiserstraße 68 im »Kaiser-Friedrich-Bau«, einem Geschäftshaus aus der Gründerzeit mit reich verzierter Fassade.)

AZ: Wie haben Sie die Räume gestaltet?

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Till Burgeff: Früher wurden hier Pelze gewebt, alles war auf Fabrikation ausgerichtet. Dementsprechend waren die Räume einfach ausgestattet und ziemlich verbaut. Aber die Etage war groß. Sie bot viel Platz zum Denken, zum Ausprobieren und Entwickeln. Genau das hatten wir gesucht. Allerdings mussten wir einiges verändern, um unsere Vorstellung umzusetzen. Wir entfernten alle nichttragenden Wände, bauten abgehängte Decken zurück, rissen die Bodenbeläge raus. Wir hatten einiges zu tun, bevor wir im April 2008 einziehen konnten.

Malte Just: Wir haben einen zusammenhängenden Raum geschaffen mit fließenden Übergängen. Zentraler Punkt ist die Küche und die gegenüberliegende Bibliothek mit einem Sofa für wartende Gäste. Von hier aus gelangt man entweder zu den Arbeitsplätzen, die wir in einem offenen Bereich zusammengefasst haben. Oder man wendet sich in die Gegenrichtung, wo wir einen Besprechungsraum anordneten sowie zwei abgeschlossene kleine Arbeitseinheiten. Diese werden unter anderem zum ungestörten Arbeiten an Wettbewerben genutzt, als Think Tanks oder wir stellen sie unseren Projektpartnern zur Verfügung, die von außerhalb kommen, um mit uns gemeinsam Konzepte zu entwickeln.

AZ: Was ist die Idee hinter dieser Aufteilung?

Malte Just: Wir verstehen uns als Gemeinschaft, in der man zusammen arbeitet, diskutiert, an Aufgaben tüftelt. Auch das selbst gekochte gemeinsame Mittagessen einmal in der Woche gehört dazu, das immer eine gute Gelegenheit ist, um sich über aktuelle Projekte auszutauschen und auf dem Laufenden zu bleiben. Jeder erfährt so, woran die Kollegen gerade arbeiten. Manchmal erweitert sich diese Gemeinschaft, wenn wir mit Künstlern, Designern, Grafikern oder Freunden aus anderen Fachrichtungen interdisziplinär kooperieren. Solche Zusammenarbeiten schätzen wir übrigens sehr, denn sie ermöglicht meist spannende Dialoge und neue Sichtweisen auf Projekte. Eine offene, kommunikative Atmosphäre war uns von Anfang an sehr wichtig, deshalb planten wir unser Büro ohne Türen. Die Geometrie des Grundrisses passte hervorragend zu dieser Philosophie, so dass wir hier, bis auf die Studios und das WC, keine abgeschlossenen Räume einrichteten. Alle Bereiche gehen fließend ineinander über, dabei funktioniert auch die Akustik sehr gut. Bei einem offenen Büro hat man oft das Problem der Lautstärke, aber bei uns kann man auch telefonieren oder sich unterhalten, ohne dass alle im Raum gestört werden. Hier hilft zum Beispiel die von uns entwickelte akustische wirksame textile Lichtdecke oder die geschickte Anordnung der Möbel.

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AZ: Welche Materialien kamen zum Einsatz?

Till Burgeff: Da wir uns in unseren Entwürfen immer intensiv mit Materialien auseinandersetzen, wollten wir hier die Auswahl reduziert halten. Nichts sollte besonders hervorgehoben werden. Wir arbeiten ständig mit Materialien und Mustern und brauchen dafür einen neutralen Hintergrund.

Malte Just: Wir wollten keinen Showroom kreieren. Wir verstehen unser Büro als Atelier, in dem man ausprobiert. Der Raum tritt zurück, aber das, was wir machen, steht im Vordergrund – man sieht ja, hier stehen überall Modelle. Deshalb sind die Wände weiß und der Boden ist schwarz. Wir brauchen auch keine Bilder an den Wänden zur Dekoration. Wir hängen die Pläne der aktuellen Projekte auf und arbeiten damit. Das ist ungemein praktisch. Außerdem haben alle Tische, Stühle und Sideboards Rollen, so können wir alles zur Seite schieben, wenn wir etwas an großen Modellen ausprobieren wollen. Die Veränderbarkeit unserer Räume war uns sehr wichtig, damit uns immer alle Nutzungsmöglichkeiten offen bleiben.

Till Burgeff: Wir haben die Gestaltung des Büros an unsere Arbeitsweise angepasst. So wie wir bei Projekten immer nach der individuellen Lösung für die entsprechende Aufgabe suchen, haben wir auch mit diesen Räumen genau den richtigen Rahmen für unsere Art des Entwerfens geschaffen.

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AZ: Welche Rolle spielt dabei die Umgebung? Fühlt man sich manchmal unwohl im »Rotlichtviertel«?

Till Burgeff: Nein, das war nie ein Problem! Beim Thema »Frankfurter Rotlichtbezirk« existieren zu viele Klischeevorstellungen. Fakt ist, dass die Kaiserstraße das »Einfallstor« aller Arbeitenden in Frankfurt ist. Morgens strömen die Menschen vom Hauptbahnhof in die Stadt – da spürt man nichts mehr vom Rotlichtviertel. Das gleiche betrifft auch die Touristen, auch sie laufen hier vorbei und bestimmen die Dynamik mit, die die Stadt so ausmacht. Außerdem gibt es viele funktionierende ausländische Gemeinden, die mehr zum Charakter des Bahnhofsviertels beitragen, als die zehn oder zwanzig Prozent Rotlichtanteil.

Malte Just: Das Quartier ist multikulturell. Ähnlich wie in New York oder London leben hier die verschiedenen Kulturen miteinander, das macht das Viertel so besonders.

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Till Burgeff: Man sieht die ungewöhnlichsten Menschen und das regt jeden Tag die Gedanken an. Natürlich ist nicht alles schön, was man erlebt, vieles macht sehr traurig. Aber meist sind die Leute fröhlich und lustig und man entdeckt einige skurrile Typen. Das Leben zeigt sich im Bahnhofsviertel in seiner ganzen Bandbreite. Mittlerweile kennt man auch den ein oder anderen hier. Die Türsteher wollen uns zum Beispiel nicht mehr in die Clubs zerren, sondern grüßen nur noch freundlich. (TB lacht)

Malte Just: Die Kaiserstraße hat sich zu einem echten Boulevard gemausert. Deshalb gibt es mittlerweile mehr Restaurants und Bars als Rotlichtetablissements. Tagsüber und nachts ist sehr viel los, so dass man sich nicht unsicher fühlt. Außerdem ist die Straße eine der bestbewachten in ganz Frankfurt, man kann also auch problemlos mal spät abends aus dem Büro kommen. Die Seitenstraßen sind allerdings schon etwas gefährlicher, die kann man aber meiden.

Till Burgeff: Die Stadt Frankfurt ist auch stadtplanerisch hier sehr aktiv. In den letzten Jahren wurden Fassaden aufwendig saniert, in einigen Häusern entstanden Wohnungen, zum Teil Luxus-Lofts, es gibt viele hochwertige Läden. Das zieht nicht nur die Kreativen an, sondern auch Anwälte oder Beratungsunternehmen. Die Optik und Qualität der Kaiserstraße hat sich dadurch deutlich verändert.

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AZ: Sie sind als Architekten vor allem in Frankfurt präsent. Aktuell bekommt das WestendGate eine komplett neue Fassade und einen neuen Vorplatz, Sie haben am FBC-Hochhaus mit dem markanten Vordach eine repräsentative Eingangssituation geschaffen, der Umbau der Schwedischen Kirche in Preungesheim wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Wie würden Sie Ihre Architektur beschreiben? Was unterscheidet Sie von anderen bekannten Architekturbüros vor Ort?

Malte Just: Wir sind dynamischer und experimenteller als so manches der alteingesessenen Frankfurter Architekturbüros. Wir möchten kein Stadtbild entwerfen, das eigentlich in der Vergangenheit liegt. Wir sind nicht so retrospektiv wie einige Büros hier. Einige Gebäude, die in der letzten Zeit gebaut wurden, zeigen diese Rückwärtsgewandheit. Sie wirken sehr versteinert, sehr elitär. Das ist nicht unser Ziel.

Till Burgeff: Wir möchten vielmehr einen Beitrag zu einer Stadt leisten, die nie still steht, die sich immer weiter entwickelt und verändert. Unsere Architektur soll das widerspiegeln.

Malte Just: Die vielen Steinfassaden wirken alle so gleich und starr. Diese Steifheit passt nicht zu Frankfurt, auch nicht zu den Menschen, die hier leben. Frankfurt erfindet sich ständig neu, die Fassaden sind aus Glas und Aluminium, nicht aus Stein. Aber man versucht Frankfurt in dieses »Heile-Steinwelt-Bild« reinzupressen, zum Beispiel auch mit der Rekonstruktion der Altstadt. Aber das funktioniert nicht. In unseren Augen ist das komplett langweilig und nur eine Modeerscheinung. Das hat nichts Lebendiges, die Stadt kann sich damit nicht ausprobieren. Sie wird statisch.

Till Burgeff: So eine Architektur interessiert uns überhaupt nicht. Wir wollen nicht, dass unsere Gebäude eine bestimmte, wiedererkennbare »Handschrift« zeigen. Wir entwickeln unsere Architektur aus dem Ort, aus den Geschichten, die es dazu gibt. Das macht unsere Entwürfe immer anders, individuell, sie sind nie formal festgelegt. Und genau das passt unserer Meinung nach gut zu Frankfurt. Deshalb sind wir gerne hier und versuchen ein Stück unserer Sichtweise zum Stadtbild beizutragen.

AZ: Herr Just, Herr Burgeff, Ich danke Ihnen sehr für das anregende Gespräch!

Das Interview führte Alexandra Goebel. 

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