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Maison Escalier von Jacques Moussafir Architectes

md - INTERIOR | DESIGN | ARCHITECTURE

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Die Rue Jacob 22 in Paris zeigt zur Straßenseite eine geschlossene Fassade und verbarg über viele Jahre den langsamen Verfall eines winzigen Wohnhauses im Hinterhof. Das kleine Gebäude aus dem 19. Jahrhundert stand über Jahrzehnte leer und war in einem sehr schlechten Zustand. Eingezwängt zwischen zwei deutlich größeren Gebäuden stand es buchstäblich in deren Dauerschatten. Es brauchte zwei Kreative, die gemeinsam ihre Fantasie spielen ließen und diesem verfallenen Ort wieder Leben einhauchen wollten. Der Bauherr Eric de Rugy, Inhaber einer Kreativagentur, beauftragte Moussafir Architekten mit der Renovierung und wünschte sich sowohl Wohn- als auch Büroräume in einem geräumigen Haus mit viel Tageslicht. Die Nord- und Ostfassade waren von kulturhistorischen Wert, sie mussten erhalten und renoviert werden. Der komplette Gebäuderest, einschließlich Südfassade, wurde jedoch abgerissen.

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Jacques Moussafir findet nach eigener Aussage Inspiration in der Verbindung einer philosophischen Aussage mit den Qualitäten des Ortes. Inspiriert von Louis Kahn, konzentriert er sich auf die Grundelemente der Architektur. Seine Hauptthemen sind die Beziehung zwischen innen und außen und der Gegensatz von Substanz und Materialität. Er will einen architektonischen Raum herausarbeiten, der erinnernswert bleibt. Für ihn ist Architektur weniger die Suche nach gestalterischen Elementen als vielmehr die Pflicht, ihren tieferen Sinn herauszufiltern.

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Der Architekt entwarf das »Maison Escalier« als Raumkontinuum, das die gesamte Gebäudehöhe einnimmt. Es gibt keine Trennwände und sehr viel natürliches Licht. Moussafir beschreibt das Wohnhaus als Metapher einer großen Treppe, die sich um einen zentralen Kern dreht. Es gibt keinen klassischen Flur, von dem aus einzelne Bereiche des Gebäudes erschlossen werden. Wer das Haus vom Keller bis zum Dach durchläuft, hat jeden der Räume betreten, die sich wie Perlen an einer Schnur aneinanderreihen. Nur so ließ sich das nicht unbescheidene Raumprogramm des Bauherrn in die knapp bemessene Kubatur einpassen. Streng genommen ist das »Maison Escalier« eigentlich nur ein einziger Raum. Aus den Plänen ist die Einteilung in fünf Geschosse herauszulesen, jedoch will selbst der Architekt die Frage nach der Anzahl der Etagen nicht konkret beantworten. Eigentlich, so Jacques Moussafir, handelt es sich um neun funktionale Zonen, die in der Höhe gestaffelt sind.

Das Raumprogramm ist in einer logischen Reihenfolge angeordnet, die sich aus der Nutzung ergibt: Die Küche öffnet sich direkt in das Esszimmer, das private Büro grenzt an das Wohnzimmer und ist nur durch sechs Stufen von diesem getrennt. Die intimeren Räume Schlafzimmer und Bad sind auf der obersten Ebene zu finden. Von jedem Ort im Haus sind mindestens zwei weitere »Zimmer« sichtbar, selbst durch die Treppenstufen hindurch.

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Der bereits erwähnte Gebäudekern enthält im Erdgeschoss die Küche und auf den anderen Ebenen verschiedene Nassräume. Die ständig präsenten Stufen und Podeste sind für den Architekten eine Sequenz von »lebenden Räumen«. Die Wahl der Materialien verstärkt das Konzept verschiedener Raumzonen: der Kern, Böden und Decken sind gleichmäßig in Robinie ausgeführt, deren Farbe und Maserung in starkem Kontrast zur Textur des Mauerwerks steht. Die komplexe dreidimensionale Geometrie der vorderen Fassade entspricht der räumlichen Logik der aneinandergereihten Innenräume. Die aufwändigen, sehr präzisen und hochwertigen Holzarbeiten waren nur möglich, weil der Handwerker, die österreichische Tischlerei Bereuter, direkt in die Planung einbezogen wurde. Martin Bereuter und sein Team waren für die Holzvertäfelungen, Kücheneinrichtungen, Türen und den Kern des Gebäudes verantwortlich. Die größte Herausforderung für den Tischler war laut Jacques Moussafir der »Maßanzug« für die tragende Konstruktion aus Stahlprofilen. Als Ergebnis kann der Innenraum tatsächlich als Ganzes, bewohnbares Einzelmöbel betrachtet werden.

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Die Außenseite des Gebäudes zeigt und interpretiert die geometrische Komplexität des Innenraums: die vordere Fassade besteht aus vor- und zurückspringenden Volumina. Die Anordnung der horizontalen Ebenen im Inneren des Hauses wird durch verschobene vertikale Flächen an der Fassade dargestellt. Trotz der klaren Ausrichtung nach Süden ist die Frontfassade aufgrund der Nachbarbebauung und des Baumbestandes vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Um ein Maximum an natürlicher Beleuchtung für den Innenraum zu ermöglichen, wurde die Fassade des »Maison Escalier« vollkommen transparent ausgeführt. Die großen Glasflächen an der Hauptfassade können bei Bedarf mit Fensterläden geschlossen werden. Die mit dem Laser eingeschnittenen Muster sind vom Blattwerk der umstehenden Bäume inspiriert und ergeben einen nahezu identischen Licht- und Schatteneffekt. Ganz ähnlich den Jalis, den kunstvoll durchbrochenen Fenstergittern in der traditionellen arabischen Architektur.

Moussafir Architectes, www.moussafir.fr

Fotos Neubau: Hervé Abbadie
Fotos Altbau: Moussafir Architectes

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