Start Architektur International formTL: Royal Edinburgh Military Tattoo mit Drums and Pipes

formTL: Royal Edinburgh Military Tattoo mit Drums and Pipes

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-09.jpg

Wenn beim »Royal Edinburgh Military Tattoo« die inoffizielle nationale Hymne »Scotland the Brave« gespielt wird, sitzen die Zuschauer in diesem Jahr erstmalig auf einer Tribüne, die vom Radolfzeller Ingenieurbüro formTL geplant wurde.

Seit 1950 gilt das Edinburgh Military Tattoo mit bis zu 217.000 Zuschauern als gut besuchte Touristenattraktion und zieht mehr als 100 Millionen Menschen vor den Fernseher. Auch die königliche Familie fühlt sich dem Festival verbunden und ist selbst häufig Gast auf den Tribünen. Queen Elizabeth II hat ihre Verbundenheit mit dem Festival übrigens auf besondere Weise dargestellt: Seit 2010 ist die Veranstaltung »königlich« geworden und darf sich »The Royal Edinburgh Military Tattoo« nennen.

Anders als der Name auf den ersten Blick vermuten lässt, leitet sich der Begriff »tattoo« nicht von der englischen Bezeichnung einer Tätowierung ab. Ursprünglich aus dem Niederländischen stammend, entspricht der militärische Ausdruck »tattoo« dem deutschen »Zapfenstreich« und leitete in früheren Zeiten die Nachtruhe in einer Kaserne ein. Heute verbindet man in Großbritannien mit dem Begriff ein Festival mit militärisch inspirierter Musik.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-10.jpg


Das größte Musikfestival Schottlands findet direkt vor dem Edinburgh Castle auf der so genannten Esplanade statt. Die Burg gilt als eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Schottlands und befindet sich auf dem sogenannten Castle Rock, einem Basaltkegel, der nach drei Seiten hin steil abfällt.

Die weitläufige Tribüne des Musikfestivals muss jedes Jahr neu aufgestellt werden. Die alte Mero-Raumfachwerkkonstruktion benötigte eine Aufbauphase von ungefähr 3 Monaten. In dieser Zeit mussten die Burgbesucher immer wieder Einschränkungen durch die Montagearbeiten hinnehmen. Zwischen Historic Scotland, dem Hausherrn auf Edinburgh Castle und Veranstalter des Musikfestivals, The Royal Edinburgh Military Tattoo Ltd., bestand daher Einigkeit, den gemeinsam genutzten Ort mit einer neuen Tribünenkonstruktion künftig besser zu organisieren. Die entscheidenden Kriterien für die neue Tribüne lauteten: Die Aufbauzeit sollte halbiert werden und der Touristenzugang über die Esplanade zum Schloss sollte auch während der Montage möglich sein.

 

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-03.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-04.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-01.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-02.jpg

Mit der Planung der Pfahlgründung und Prüfung der neuen temporären Tribünenkonstruktion betraute der britische Generalunternehmer Sir Robert McAlpine Ltd. das Ingenieurbüro Arup Scotland, mit der Planung und Lieferung der Tribüne die Nüssli (Schweiz) AG. Nüssli, ein führender Anbieter für Event-, Messe- und Ausstellungsbau, engagierte seinerseits die Ingenieure von formTL/Radolfzell für die zugehörige Tragwerksplanung.

formTL war verantwortlich für die Planung der U-förmigen Zuschauertribüne und der Stahlunterkonstruktion für die VIP- und Technik-Container des Ostgebäudes. Die Radolfzeller Ingenieure planten die beiden Stahltragwerke genehmigungsreif. Darüber hinaus übernahmen sie die Ausführungsplanung für die Auflagerdetails und die Anbindung an die Pfahlgründung.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-11.jpg


Das Stahltragwerk der U-förmigen Tribüne besteht bei der Nord- und Südtribüne aus Fischbauchträgern mit einem Regelabstand von 3,50 Meter, die bei der Südtribüne außen auf V-Stützen aufgelagert sind. Die großen Fachwerkträger haben eine Auslegung von 28 Metern und sind nur einmal in der Mitte durch Kopfplattenstöße geteilt.

Um rund 8.800 Sitzplätze und einen zusätzlichen VIP-Bereich auf dem begrenzten Platz der Esplanade unterzubringen, ragt die Konstruktion der Südtribüne um bis zu 9 Meter über den Abhang des Castle Rocks hinaus.

Die Hauptträger der Nordtribüne lagern auf einem horizontalen 3-Gurt-Fachwerkträger, der die Last auf Turmstützen abgibt. Zwischen den Türmen spannen im Auflagerbereich die Trägerroste für Container, die zur Unterbringung der Musiker dienen. In zwei der Türme sind Treppenhäuser integriert, über die die Musiker auf die Esplanade gelangen. Auf den Trägern der Nord- und Südtribüne sind bis zu 26 Sitzreihen angeordnet, sodass die Zuschauer in den obersten Sitzreihen rund 13 Meter über dem Platz sitzen. Die Osttribüne steht vor dem VIP-Gebäude, deren Hauptträger auf einer Vielzahl von Stützen aufgelagert sind.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-07.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-08.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-05.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-06.jpg

Oberhalb der letzten Sitzreihen verläuft auf der Nord- und Südseite ein Techniksteg (Gantry) zur Anbringung von Lautsprecherboxen und Beleuchtung. Dieser ist über jeweils eine »Gantrybridge« in den Tribünenecken mit dem Technikbereich des Ostgebäudes verbunden. Über eine weitere Brücke gelangen Rollstuhlfahrer vom Aufzug des Ostgebäudes zu einer Ebene, die in die Südosttribüne eingelassen ist. Bei allen drei Brücken verhindert eine gleitende Auflagerung, dass es zu einer Kraftkopplung zwischen Tribüne und Ostgebäude und damit zu Zwangskräften aus unterschiedlichen Verformungen kommt.

Die Portalkonstruktion des Ostgebäudes über dem Zugang zur Esplanade trägt die VIP- und Technik-Container. Die Fußbodenhöhe im VIP-Bereich liegt 12 Meter über dem Platz. Die mittige Unterstützung teilt die Zufahrt in zwei 12,5 m breite Öffnungen.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2011/1108/royal-edinburgh-military-tattoo-12.jpg


Eine zentrale Aufgabe von formTL war die Untersuchung der Tribünendynamik. Der britische Prüfingenieur forderte, die höchste der vier örtlich geltenden Anforderungen für die dynamischen Lastannahmen zu Grunde zu legen. Auch wenn sich die Festivalbesucher des »Royal Edinburgh Military Tattoo« in der Regel nicht zu größeren dynamischen Belastungen hinreißen lassen, sollte die Konstruktion auch für Popkonzerte und das zu erwartende rhythmische Zuschauerverhalten geeignet sein. Eine Eigenfrequenzanalyse ergab, dass Erreger- und Resonanzfrequenzen im maximalen Belastungsfall »Pop-/Rock-Konzert« die Statik nicht gefährden.

Die insgesamt 850 Tonnen schwere Stahlkonstruktion wurde 2011 das erste Mal aufgebaut. Nach dem Festival werden die Einzelteile der Tribüne eingelagert, bis die Royal Scots Dragoon Guards 2012 die Hymne »Scotland the Brave« erneut auf ihren Pipes and Drums erklingen lassen.

Bauherr: The Royal Edinburgh Military Tattoo Ltd.
Generalunternehmer: Sir Robert McAlpine Ltd.
Tribünenlayout und Ausführung: Nüssli (Schweiz) AG
Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung der Stahlkonstruktion für die Tribünenanlage sowieTragkonstruktion für den VIP-Bereich des Ostgebäudes:
formTL, www.form-TL.de
Ingenieure (Gründung), Prüfingenieure: Arup Scotland
Stahlbau: RIM Fabrications Ltd.

Renderings: The Royal Edinburgh Military Tattoo

Modernes Design für Touristinformation von DIA – Dittel Architekten

Modernes Design für Touristinformation von DIA – Dittel Architekten

DIA – Dittel Architekten zeichnet für das Gestaltungskonzept sowie Planung und Ausführung der neuen Touristinformation in Schwäbisch Hall verantwortlich. Ziel des Konzeptes ist es, die Identität der Stadt in Raum zu übertragen und mit digitalen und analogen Inhalten erlebbar zu machen. Werte wie Ser...

DGNB-zertifiziertes Autohaus für Neu- und Gebrauchtwagen von ATP architekten ingenieure

DGNB-zertifiziertes Autohaus für Neu- und Gebrauchtwagen von ATP architekten ingenieure

Als Spezialisten für die Automobilbranche und Integrale Planung entwarfen ATP architekten ingenieure die neue Mercedes-Benz-Hauptniederlassung für das Gebiet Rhein-Main. Der Auftraggeber Daimler Real Estate bündelte Verkauf, Verwaltung, Service und Werkstatt von drei Standorten auf einem neuen Gewer...

Oliv Architekten revitalisieren das PEAK Bürogebäude in München

Oliv Architekten revitalisieren das PEAK Bürogebäude in München

Die intelligente Revitalisierung leerstehender Gebäude gehört zu den dringlichsten Aufgaben einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Dabei ist der Leerstand, der meist schon über einen längeren Zeitraum geht, ein Indikator für die Schwierigkeit der baulichen und planerischen Aufgabe. So war es auch beim...

Weitere Artikel:

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Alles richtig gemacht und der Bauherr ist trotzdem unzufrieden? Wer bei der Planung von Bürogebäuden allein auf das vereinfachte oder auch das simulationsbasierte Nachweisverfahren der DIN-4108-2 (Wärmeschutz von Gebäuden) setzt, steht zwei Problemen gegenüber.

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Moderne Energiekennwerte und gesundes Wohnklima im Einklang mit dem Denkmalschutz – diese Anforderungen wollte Malermeister Claus Schmid bei der Sanierung eines alten Fachwerkhauses miteinander vereinen. Deshalb dämmte er von innen mit einem mineralischen System in Verbindung mit silikatischen und K...

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

In unseren Städten wird es immer enger. Parkhaussysteme können städtische Nischen optimal und rentabel nutzen: Vollautomatisch und raumsparend ermöglichen sie Mobilität, wo Grund teuer ist und Parkplätze knapp sind. Im urbanen Raum lassen sich Parkhaussysteme selbst in schmale Baulücken einfügen.

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Problemzone Wärmebrücke
    Problemzone Wärmebrücke Mit den steigenden Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden gewinnen Details und damit auch kleine Problemzonen immer mehr an…

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • a-tour Architekturführungen in Hamburg
    a-tour Architekturführungen in Hamburg a-tour Architekturführungen in Hamburg wurde 2002 von den Architekten Friederike Stegmüller und Torsten Stern gegründet. Das Unternehmen bietet Architekten und…

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Alles richtig gemacht und der Bauherr ist trotzdem unzufrieden? Wer bei der Planung von Bürogebäuden allein auf das vereinfachte oder auch das simulationsbasierte Nachwei...

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Moderne Energiekennwerte und gesundes Wohnklima im Einklang mit dem Denkmalschutz – diese Anforderungen wollte Malermeister Claus Schmid bei der Sanierung eines alten Fac...

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

In unseren Städten wird es immer enger. Parkhaussysteme können städtische Nischen optimal und rentabel nutzen: Vollautomatisch und raumsparend ermöglichen sie Mobilität, ...

Glas-Sensorschalter: Licht per Fingertipp

Glas-Sensorschalter: Licht per Fingertipp

Bei vielen Schaltern stand bisher die funktionelle Komponente im Vordergrund, während das Design eher als sekundäre Komponente behandelt wurde. Das ändert sich seit einig...

Bodenmaiser Hof: Wellnesshotel mit Gebäudeautomation

Bodenmaiser Hof: Wellnesshotel mit Gebäudeautomation

Nach seinem jüngsten Umbau reiht sich der Bodenmaiser Hof im Bayerischen Wald unter die Top-Wellnesshotels in Deutschland ein. Unter dem Motto »Stylisch Bayerisch« werden...

Neubau der Paulaner Hauptverwaltung auf historischem Areal

Neubau der Paulaner Hauptverwaltung auf historischem Areal

Das ehemalige Werksgelände der Paulaner Bierbrauerei in der Münchner Ohlmüllerstraße wurde durch den Umzug der Produktion nach München-Langwied frei. Paulaner entschloss ...

Objekt mit Kern aus recycelten Materialien und Fassade

Objekt mit Kern aus recycelten Materialien und Fassade

Reduce, Reuse, Recycle – dieser Ansatz hat nun auch die Architektur erreicht. In Dänemark hat das Architekturbüro Een til Een unter Verwendung ausschließlich biologischer...

Warme Kante Abstandhalter

Warme Kante Abstandhalter

Auf der Fensterbau Frontale 2018 werden die Diskussionen rund um Digitalisierung, Fertigungsautomation, innovative Fensterlösungen und natürlich den Dauerbrenner Energiee...

Fensterflügel komplett aus Glas

Fensterflügel komplett aus Glas

Die Clara Fenster AG beginnt das neue Jahr mit einer breit angelegten Produkteinführung. Das rahmenlose Fenster »Clara« transportiert den zentralen Produktvorteil aus Sic...

Leute, Lärm, Licht

Leute, Lärm, Licht

Jeder dritte Deutsche hat Angst, Opfer eines Einbruchs zu werden, besagt eine Studie der GDV.1 Daher wundert es nicht, dass sich immer mehr Menschen für die verschiedenen...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.