AZ/Architekturzeitung - Architekturzeitschrift für Architektur & Architekten - Deutschland, Österreich, Schweiz

AZ/Architekturzeitung - Deutschland Österreich Schweiz |Freitag, 18.05.2012 |
| Text
  • Schrift vergrößern
  • Default font size
  • Schrift verkleinern
Start Magazin Architektur und Kunst Remdoogo: Ein Festspielhaus für Afrika
Anzeige az6-1-468x60

Remdoogo: Ein Festspielhaus für Afrika

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1010/christoph-schlingensief-remdoogo-festspielhaus-01.jpg


http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1010/christoph-schlingensief-remdoogo-festspielhaus-03.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1010/christoph-schlingensief-remdoogo-festspielhaus-04.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1010/christoph-schlingensief-remdoogo-festspielhaus-02.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1010/christoph-schlingensief-remdoogo-festspielhaus-05.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1010/christoph-schlingensief-remdoogo-festspielhaus-06.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1010/christoph-schlingensief-remdoogo-festspielhaus-07.jpg
Anfang des Jahres wurde es ernst. In Laongo, knapp eine Autostunde entfernt von Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, wurde der Grundstein gelegt für »Remdoogo«, das erste Festspielhaus auf dem afrikanischen Kontinent. Damit nimmt ein ehrgeiziges, zuweilen auch unwahrscheinliches Projekt offiziell Gestalt an, auf das sein Initiator Christoph Schlingensief lange hingearbeitet hat. In Laongo will der Regisseur und Künstler seine Vision von einem Opernhaus in Afrika verwirklichen. Eine Vision, die auch ein wenig an den Traum Fitzcarraldos erinnert, der in einem enormen Kraftakt alles daransetzt, seinen Traum von einer Oper im Dschungel wahr werden zu lassen. Was in Herzogs Film jedoch Fiktion bleibt, will Schlingensief Realität werden lassen.


Against all odds: Ein Festspielhaus in Afrika
Lange hat der Regisseur nach dem passenden Ort gesucht, bis seine Wahl auf Burkina Faso fiel, eines der ärmsten Länder der Welt, das jedoch seit Jahren als weitgehend politisch stabil gilt. Zudem ist Burkina Faso das Zentrum des afrikanischen Films und Theaters. Etwas hat Schlingensief dem filmischen Fitzcarraldo voraus, das es ihm ermöglicht, jetzt im wahrsten Sinne Nägel mit Köpfen zu machen: Er konnte zahlreiche Unterstützer auch aus prominenten Reihen von seinem Vorhaben überzeugen – so helfen etwa Henning Mankell, Herbert Grönemeyer und der Filmregisseur Roland Emmerich mit Spenden. Auch das Goethe-Institut und die Bundeskulturstiftung fördern das Projekt, während der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler Verbindungen zur Regierung in Burkina Faso hergestellt und so den Vertragsabschluss ermöglicht hat.
Und nicht zuletzt hat Schlingensief den renommierten Architekten Diébédo Francis Kéré an seiner Seite, einen erfahrenen Baumeister aus Burkina Faso mit Wohnort Berlin. Mit ihm hat er einen Architekten gewonnen, der für sein nachhaltiges, den Natur- und Lebensverhältnissen angepasstes Bauen bekannt ist: Für das Projekt einer Dorfschule in seinem Heimatort Gando hat Kéré 2004 den Aga-Khan-Preis erhalten, einen der wichtigsten Architekturpreise der Welt; vor Kurzem wurde er mit dem zweiten BSI Swiss Architectural Award ausgezeichnet.


Remdoogo: Ein Operndorf wird gebaut
Kéré hat Schlingensiefs Traum mit Remdoogo eine Gestalt gegeben und realisiert es jetzt in Laongo. Genau genommen handelt es sich mit dem Festspielhausprojekt nicht nur um eine Konzertanlage, sondern um ein ganzes Dorf: Geplant sind neben dem Theater auch eine Schule für 500 Schüler im Alter von 5 bis 17 Jahren, ein Gästehaus, Künstlerwerkstätten, eine Krankenstation, ein Restaurant, viele Wohnungen sowie Brunnen und Solaranlagen. Damit steht das Projekt ganz im Zeichen des erweiterten Kunstbegriffs, wie ihn Beuys formuliert hat und den Schlingensief überzeugt vertritt. Als soziale Plastik soll das Operndorf gerade kein weiteres der unzähligen Entwicklungshilfeprojekte für Afrika sein, wie sie in mehr oder minder erfolgreicher Zahl über den Kontinent verteilt sind. Es soll aber auch keinen simplen Kulturtransfer des europäischen Opernmodells darstellen. Vielmehr ist es als Begegnungsstätte für afrikanische und deutschsprachige Künstler gedacht, die gemeinsam arbeiten, sich austauschen und auf gleicher Ebene kennenlernen sollen.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1010/christoph-schlingensief-remdoogo-festspielhaus-08.jpg


http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1010/christoph-schlingensief-remdoogo-festspielhaus-09.jpg
Die von Kéré geplante Anlage will das mitteleuropäische Theater- und Opernmodell mit der lokalen Baukunst verbinden. Aufgebaut wie ein traditioneller afrikanischer Kraal wird sich in der Mitte des Dorfes das fünfhundert Zuschauer fassende Festspielhaus erheben, um das sich in Spiralen die weiteren Gebäude gruppieren. Gearbeitet wird ausschließlich mit vor Ort vorhandenen Baumaterialien wie Lehm, Lateritstein, Eukalyptusholz und Tonverputz. Zur Verstärkung werden Säulen und Träger sowie Fundamente aus Beton eingesetzt. Die Bauten bestehen aus einfachen Basismodulen, die in Eigenarbeit angefertigt werden können. Dank der massiven Wände und der flächigen, überhängenden Dächer kann auf eine energieaufwändige Klimaanlage verzichtet werden. Bei Remdoogo kommen Baukriterien zum Einsatz, die Kérés Vorstellungen von einer nachhaltigen Architektur entsprechen.

Weblog Festspielhaus für Afrika www.festspielhaus-afrika.com/weblog/
Webseite Kéré Architecture www.kere-architecture.com/bf/bf_003

Der Text entstand vor Christoph Schlingensiefs Tod im August 2010 im Auftrag der neuen Online-Zeitschrift SAVVY | art african contemporary für afrikanische Kunst und Kultur. Die Arbeiten an »Remdoogo« laufen davon unbeeinflusst unter der Festspielhaus gGmbH, einer gemeinnützigen gGmbH, die mit der Bundeskulturstiftung und dem Goethe-Institut zusammenarbeitet, weiter.

Abb.: Kéré Architecture
Anzeige az6-2-468x60

Tautes Heim – Wohnen wie zu Bruno Tauts Zeiten

Tautes Heim – Wohnen wie zu Bruno Tauts Zeiten

Das für 1-4 Personen ausgelegte Ferienhaus »Tautes Heim« in Berlin ist Architektur- und Designgeschichte zum Anfassen – ein Ort wie geschaffen für alle, die keine Lust auf unpersönliche Hotels haben und für ihren nächsten Berlin-Besuch lieber etwas Besonderes abseits der ausgetretenen Touristenpfade...

Lichtdach im Bahnhof Hamburg-Barmbek

Lichtdach im Bahnhof Hamburg-Barmbek

Am Bahnhof im Hamburger Stadtteil Barmbek war eine stadträumliche Neuordnung und Aufwertung des Bahnhofsgeländes nötig.

Der Bahnhof in Hamburg-Barmbek ist mit 60.000 Fahrgästen an Werktagen einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Hansestadt. Derzeit erhält er einen neuen Busbahnhof.

2004 lobten...

Die Ennigerbrücke in Malters von Pirmin Jung Ingenieure

Die Ennigerbrücke in Malters von Pirmin Jung Ingenieure

Holzbrücken sind die ältesten Brücken der Welt und erleben wegen ihrer Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit eine Renaissance. Hundert Jahre führte die alte Enniger Holzbrücke über den Fluß und wurde 2005 bei einem Unwetter vom Hochwasser der Kleinen Emme mitgerissen und vollkommen zerstört. Die 2010 ...

Weitere Artikel:

Teppichsortiment in der Farbkombination des »Harmony House«

Teppichsortiment in der Farbkombination des »Harmony House«

Die Teppichmanufaktur Ruckstuhl hat gemeinsam mit der Farbspezialistin Katrin Trautwein ein neues Farbkonzept für sein Teppichsortiment entwickelt. Inspiriert durch die Idee des »Harmony House« wurden die Kollektion um neue Farben ergänzt.

Vitra Grand Repos - Sessel von Antonio Citterio

Vitra Grand Repos - Sessel von Antonio Citterio

Der »Grand Repos« von Antonio Citterio verbindet die Erfahrung von Vitra bei ergonomischen Bürostühlen mit dem Komfort eines bequemen Lounge-Sessels. Der Ruhesessel des italienischen Designers erfüllt den Wunsch nach Bequemlichkeit.

Für den »Grand Repos« – sowie das Modell ohne Ohren »Repos« – transf...

Strapazierfähige Böden in vielen Farben

Strapazierfähige Böden in vielen Farben

Die zementgebundene Bodenspachtelmasse »ServoArt CeFlo« eignet sich für den Einbau in Restaurants, Bistros und Cafés. Die Bodenspachtelmasse lässt sich rationell, großflächig und fugenlos verarbeiten. Je nach gewünschter Optik lassen sich dabei verschiedene Strukturen, Farbverläufe und Oberflächenmu...

Weitere Artikel:
Anzeige az2-1-300x250
Anzeige az2-2-300x250

Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Unternehmensvorstellung


Anzeige az2-u-300x250

 

Teppichsortiment in der Farbkombination des »Harmony House«

Die Teppichmanufaktur Ruckstuhl hat gemeinsam mit der Farbspezialistin Katrin Trautwein ei...

 

Vitra Grand Repos - Sessel von Antonio Citterio

Der »Grand Repos« von Antonio Citterio verbindet die Erfahrung von Vitra bei ergonomisch...

 

Holz oder kein Holz?

Sieht aus wie Holz und ist auch welches: Die Terrassendielen »Silberpatina Douglasie«, d...

 

Anziehende Leuchte

Eine magnetische Kugel im Inneren ist das Geheimnis der von Giulio Iacchetti gestalteten L...

 

Vertikaler Garten für »green buildings«

Der vertikale Garten des Floristen und Künstlers Patrick Blanc ist zum Markenzeichen des ...
Facebook Architektur Google + Twitter Architektur

Anzeige az5-1-160x600